Wechselkurs Gold

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Abb: market crash warning

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Abb: financial history timeline

Ein Gramm Gold entspricht etwas 1/31 einer Unze (um genau zu sein: 31,1034 Gramm ergeben eine Feinunze).

Es gibt keine subtilere und auch keine sicherere Methode, einer Gesellschaft ihre Grundlagen zu entziehen, als die Zerstörung ihrer Währung. Dieser Vorgang umfasst, was die Zerstörung betrifft, alle verborgenen Kräfte der ökonomischen Gesetze und er tut es auf einer Weise, die unter einer Million Menschen nicht ein einziger wirklich erkennen kann.

Alle mächtigen Gesellschaften häufen irgendwann unerträglich hohe Schulden an.

Rom: Münzenprägung

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Abb: financial history timeline

Als Diokletian im 3. Jahrhundert nach Christus den Thron bestieg, hatten seine Vorgänger schon durch mit Zinn beschichtete Kupfermünzen ersetzt. Die Verteidigung des Reichs war kostspielig und Diokletian entschied sich für die Politik von Gewehren und Butter. Er vergrößerte die Armee um Tausende neue Soldaten und gab viel Geld für öffentliche Arbeitsprojekte aus. Als ihm das Geld ausging, prägte er einfach riesige Mengen neuer Kupfermünzen und begann den Gold und Silbermünzen Kupfer beizumischen. Als wegen des erhöhten Geldumlaufs die Preise stiegen, schob er die Schuld auf die Händler. Er erließ im Jahre 301 ein Edikt, in dem er jedem die Todesstrafe androhte, der Waren teurer als zu einem festgesetzten Preis verkaufte. Die Händler verstanden die Botschaft nur zu gut. Statt die Preise zu erhöhen schlossen sie ihre Läden. Dann verschärfte Diokletian die Gesetze und verlangte von jedem Mann, den Beruf seines Vaters auszuüben, ansonsten drohte die Todesstrafe.

Dadurch verstärkte sich die Trennung der gesellschaftlichen Schichten weiter. Die Reichen verstanden, dass eine Geldentwertung im Gang war, horteten ihre Münzen aus purem Gold und Silber (die ihren Wert behielten) und wurden noch reicher. Den Armen aber bleib nur das wertlose Kupfer und ihre Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung wuchs. Das setzte das Schatzamt unter Druck, was dazu führte, dass immer mehr Kupfermünzen geprägt wurden. 301, als Diokletian die Preiskontrollen einführte, war ein Pfund Gold 50.000 Denare wert. Mitte des 4. Jahrhunderts betrug der Wechselkurs 2 Milliarden Denare. Im Jahre 410 wurde das finanziell ausgeblutete Römische Reich von den Westgoten unterworfen.

Frankreich: John Law

Die Franzosen waren in einer Notlage und gaben Law die Chance, seine Theorie in die Praxis umzusetzen. Sie erlaubten ihm die Gründung einer Bank, der Banque Royale, die Papier-Livres in Umlauf bringen durfte. Law gab Regierungskontrakte zur Finanzierung des Handels mit Kanada und China und zur Erschließung von Frankreich riesigen Besitzungen heraus, die dem heutigen Lousiana entsprechen. Er hatte sich selbst zum Finanzminister und dem Notenbankchef ernannt, mit der Ermächtigung Steuern einzuziehen und Geld zu drucken.

Dann vereinigte er die meisten dieser Operationen zu einem der ersten Konglomerate der Geschichte, der Compagnie d´Occident, besser bekannt als Mississippi Kompanie. Er erließ eine Verordnung, nach der von nun an Landbesitz und Aktien als Sicherheit für Kredite verwendet werden konnten, was es Kreditnehmern erlaubte, mit einer Grundbesitzurkunde oder einem Aktienzertifikat zu ihrer Bank zu gehen und mit frisch gedrucktem Geld wieder herauszukommen. Mit diesem Geld kauften die Leute dann wiederum Grundbesitz und Aktien. Das trieb die Preise nach oben und ermöglichte die Aufnahme zusätzlicher Kredite (Immobilienmarkt USA).

Die Aktie der Mississippi Kompanie stieg von Januar 1719 bis Ende 1720 von ursprünglich 500 auf 20.000 Livres. Wer früh investierte machte ein Vermögen und ganz normale Franzosen gaben ihre Berufe auf, um das zu werden, was man heute Day Trader nennt. Law wurde zu einer internationalen Berühmtheit und auf dem Papier zu einem der reichsten Männer der Welt. Aber innerhalb eines Jahres führte der endlose Strom von Papiergeld aus der Notenpresse in Frankreich zu Preissteigerungen auf allen Gebieten. Schlechtes Geld verdrängt gutes Geld aus dem Umlauf, wenn die Regierung bestimmt, dass beide den gleichen Tauschwert haben. Die französischen Verbraucher begannen Gold und Silbermünzen zu horten und gaben Papiergeld sofort wieder aus, sobald sie es erhalten haben. Im Januar 1720 stiegen die Preise im Papier Livres um monatlich 23 Prozent.

Im selben Monat beschlossen 2 königliche Prinzen, ihre Aktien der Mississippi Kompanie zu verkaufen. Andere folgten dem Beispiel und der Kurs fiel rapide. Law reagierte darauf, indem er noch mehr Papiergeld druckte und nutze seine Amtsgewalt dazu, den Besitz von mehr als 500 Livres in Gold oder Silber zu verbieten. Das verschreckte die Märkte gründlich. Ende 1721 war die Aktie auf den ursprünglichen Wert von 500 Livres zurückgefallen, die französische Wirtschaft lag in Trümmern und Laws Zeit war vorbei. Er hatte seinen Reichtum verloren und floh nach Italien, wo er 1729 verarmt starb.

Frankreich: John Law

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Abb: crypto boom visualization

1792 kam es zum Machtwechsel und die neue Regierung versuchte den Übergang von der Feudalherrschaft zur Demokratie zu finanzieren, indem sie den Grundbesitz der Kirche konfiszierte (fast 10 % des gesamten Landes) und ihn als Sicherheit für die Ausgabe verzinslicher Wertpapiere verwendete, die man Assignats nannte. Zu Beginn erfolgte die Ausgabe vorsichtig mit Wertpapieren im Nennwert von 400 Millionen Livres. Im folgenden Jahr waren es aber schon 800 Millionen, dann weitere 600 und noch einmal 300 Mio.

Weil Zinszahlungen und Tilgung der Assignats in Papier Livres erfolgten, kam es zu einem massiven Anstiegs des Umlaufs der „Fiat“- Währung. 1794 waren 7 Milliarden Papier Livres im Umlauf. Ein Jahr später waren es 10, weitere 6 Monate später 14 Milliarden. Bald war die Gesamtsumme auf 40 Milliarden gestiegen und eine regelrechte Hyperinflation hatte begonnen. Die angeblich demokratische Regierung versuchte daraufhin die Bürger zur Annahme ihrer Währung zu zwingen, indem sie jedem eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren androhte, der Banknoten unter ihrem Nennwert verkaufen. Wer bei der Preisfestsetzung einen Unterschied zwischen Papier Livres und Gold- oder Silber Livres machte, dem drohte sogar die Todesstrafe. Die Händler machten ihre Läden dicht, die Wirtschaft bracht zusammen. Rationierung ersetzte den Handel und die junge Republik ging zugrunde. Das öffnete der Diktatur Napoleons Tür und Tor und es folgte eine weitere Reihe zerstörerischen Kriegen in Europa.

Frankreich: John Law

Die vorherige Regierung hatte den Krieg offenbar durch Schuldenaufnahme finanziert, weil sie einen schnellen Sieg erwartete und danach die Verlierer auspressen zu können. Daher hatte Deutschland am Beginn der 20er Jahre massive Staatsschulden zu tragen, die aus den Kriegsjahren stammten. Die Siegermächte verlangten extrem hohe Reparationszahlungen. Bis 1921 zahlte Deutschland etwa ein Drittel der Gesamtsumme, hauptsächlich durch Exporte von Kohle Eisen und Holz. Anstatt den Bürgern weitere Lasten aufzuerlegen, weigerte sich die Weimarer Regierung, den Rest der Reparationszahlungen zu leisten. Daraufhin besetzten Frankreich und Belgien das Ruhrgebiet. Die Regierung schaltete die Notenpressen ein und immer mehr Geld kam in Umlauf. Auf diese neue Situation reagierten die Deutschen zunächst mit Sparen und Konsumverzicht. Als sie aber bemerkten, dass alle Preise stiegen, begannen sie ihr Geld so schnell wie möglich auszugeben. Ein Laib Brot, der 1922 für 160 Mark zu haben war, kostete ein Jahr später 1,5 Mio. Mark. Die Preise in Restaurants verdoppelten sich während einer Mahlzeit. Kreditnehmer waren plötzlich schuldenfrei, während Sparer alles verloren. Für eine Rente, die 1920 ein komfortables Leben versprochen hatte, konnte man sich 1923 nicht einmal ein Frühstück leisten. Und wie immer hatten die Reichen am wenigsten zu leiden, weil sie harte Vermögensgegenstände besaßen – wie Goldmünzen und Land, auf dem man Lebensmittel produzieren konnte – die ihren Wert behielten, während Papiergeld wertlos wurde. Im Herbst 1923, als ein Dollar eine Billion Mark kostete, war Deutschlands Zusammenbruch besiegelt.

Die alte Mark wurde durch die Rentenmark ersetzt. Sie war durch eine Goldanleihe aus den USA gedeckt, die Deutschland beim Wiederaufbau helfen wollten. Neun Nullen wurde von der Währung gestrichen, eine Rentenmark entsprach 1 Million alter Mark. Aber die verlorenen Ersparnisse wurde nie ersetzt, ebenso wenig wie der Wert der harten Arbeit und des Anstands vor dem 1. Weltkrieg. Wie mehr als ein Jahrhundert zuvor in Frankreich, hatte das monetäre Chaos ein politisches Klima geschaffen, das reif war für einen Demagogen. Wenig später ergriff Hitler die Gelegenheit.

Argentinien: Peso-Krise

1998 war die Lücke zwischen dem realen Wert der Pesos und des Dollars so groß gewesen geworden, dass die Argentinier ihre Zentralbank stürmten, um ihre Pesos massenhaft in Dollars zu tauschen. Der Boom war vorbei. Die neue Regierung fror alle Dollar Konten ein. Kontoinhaber durften pro Woche maximal 250 $ abheben. Schließlich wurden sogar diese Abhebungen verboten. 20 Milliarden Dollar wurden im Prinzip beschlagnahmt. Ende 2003 stand der Peso, der 2001 noch 1 Dollar wer war, bei 0,30 Cent.

Ob in der Antike oder in der Neuzeit, ob in der Monarchie, Republik oder im Sozialismus, ob mit Münzen oder mit Papier. Der Niedergang jeder Nation vollzieht sich auf so ziemlich gleich Art und Weise: Regierungsausgaben werden erhöht, um wahrgenommene Bedürfnisse zu erfüllen, zu hohe Schulden werden angehäuft – und dann entzieht sich die Nation ihren Verpflichtungen, indem sie ihre eigene Währung zerstört.

Securitization

Dann Mitte der 80er Jahre, hatten die Finanzingenieure an der Wall Street eine folgenschwere Einsicht: Man konnte eine Menge kleiner, unterschiedlicher Kredite zusammenfassen, ein wenig schmücken und zu Anleihen mit hoher Bonität bündeln, um die sich Investoren auf der ganzen Welt reißen würden. Und jetzt werden jedes Jahr hunderte Milliarden Dollar an Hypotheken, Autokrediten und Kreditkartenschulden verpackt und an einen unersättlichen weitweiten Anleihemarkt verkauft. Die Kreditinstitute haben folglich ihre Zurückhaltung aufgegeben, denn wenn sie die Zahlungsfähigkeit eines Kreditnehmers falsch einschätzen, dann schadet das nur den Besitzern der Anleihen und selbst das tritt erst nach Jahren ein. In der Zwischenzeit verdient das Kreditinstitut Geld, seine Aktie steigt und seine Manager erhalten schöne Bonuszahlungen. Und die Verschuldung der amerikanischen Haushalte schießt nach oben.

Schuldenkrise

Handelsbilanzdefizit: Seit 1985 ist das kumulierte Defizit auf 4 Billionen Dollar gestiegen oder auf etwa 13.000 $ für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in den USA. Was tun die Handelspartner Amerikas mit diesen Dollars? Ihre Zentralbanken haben riesige Dollar Bestände als „Reserven“ zur Unterstützung ihrer eigenen Währungen angehäuft. Ausländische Unternehmen haben amerikanische Immobilien, Anleihen und Aktien gekauft. Investoren aus dem Ausland besitzen heute amerikanische Vermögensanlagen in Wert von 8 Billionen Dollar. Dazu gehören 13 % aller amerikanischen Aktien, 24% der Unternehmensanleihen, 43 % der Staatsanleihen und 14 % der Schuldverschreibungen von Regierungsagenturen. Ende 2003 wurde etwa ein Drittel der durch Hypotheken abgesicherten Anleihen von Fannie Mae außerhalb der USA verkauft.

Diese Bereitwilligkeit ausländischer Anleger, ihre Dollars wieder der amerikanischen Wirtschaft wieder hinzuzuführen, erklärt die relative Stärke Stabilität des Dollars. Was wird geschehen, wenn sie sich tatsächlich entschließen, ihre amerikanischen Staatsanleihen oder ihre Immobilien in Manhattan zu verkaufen? Aller Wahrscheinlichkeit wird sich der Dollar weiter abschwächen. Es wird zu einer Kapitalflucht kommen und das potentielle Schuldenproblem wird sehr real werden.

„Von allen Erfindungen, die ersonnen wurden, um die arbeitenden Menschen zu betrügen, war keine wirkungsvoller als die Illusion des Papiergelds.“

Was ist Geld?

Wertstandard. Geld ist ein allgemein akzeptierter Maßstab, um die Preise von Gütern und Dienstleistungen auszudrücken. Wertspeicher. Geld behält seine Kaufkraft über lange Zeiträume und ermöglicht es den Menschen, zu sparen und ihre Ausgaben auf einen zukünftigen Zeitpunkt zu verschieben. Wechselmedium. Geld kann problemlos im Austausch für Güter und Dienstleistungen von einer Person an eine andere übergeben werden.

„Der Wert von Gold oder Papier hängt von unserem Glauben ab, als Geld zu fungieren.“

Goldstandard: Nehmen wir an, dass die britischen Verbraucher ein Handelsdefizit mit den deutschen aufweisen, d.h. sie kauften mehr Dinge von den Deutschen als die Deutschen von ihnen. Unter dem Goldstandard wäre nun britisches Gold nach Deutschland geflossen, die Geldversorgung in UK wäre gesunken. Die darauf folgende Kreditverknappung hätte die dortige Wirtschaft abgebremst, die Bürger hätten sich weniger wohlhabend gefühlt und daher weniger im Ausland gekauft. Die Deutschen dagegen hätten nun mehr Geld für Ausgaben und Investitionen gehabt, was zu einem Sinken der Zinsen und somit steigenden Wirtschaftswachstum geführt hätte. Ein Teil dieses neuen Reichtums wäre für ausländische Güter ausgegeben worden. Handel und Kapitalströme wären wieder ins Gleichgewicht gekommen.

Im 17. Jahrhundert hatten italienische und englische Goldschmiede entdeckt, dass sie einen Teil des Goldes ihrer Kunden Gewinn bringend verleihen konnten. Weil immer nur ein paar Kunden ihr Gold zurückverlangten, genügte der Teil der Einlagen, den die Goldschmiede in Reserve hielten (daher der Ausdruck „teilweise Reserve“) zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen. Und weil sie mit dem Verleihen Geld verdienten, konnten sie den Kunden Zinsen zahlen, statt von ihnen eine Aufbewahrungsgebühr zu verlangen. So waren alle zufrieden. Nehmen wir an, eine Londoner Bank erhielt eine Einlage von 100 Pfund und war verpflichtet, 10 % der von ihr vergebenen Kredite als Reserve zu halten. Sie konnte als 90 Pfund an neuen Krediten vergeben und musste 10 Pfund den Reserven zuschreiben. Die Kunden brachten das Geld zu anderen Banken, die nun für 81 Pfund Kredite vergaben, 9 Pfund in die Reserven steckten und so weiter, bis die gesamte Kreditsumme in diesem System die Höhe der ursprünglichen Einlage bei weitem überstieg. Das Ergebnis war eine „flexible“ Geldmenge, die man ausweiten konnte, um die Bedürfnisse einer wachsenden Wirtschaft zu erfüllen. Flexibel ist allerdings gleichbedeutend mit volatil. In guten Zeiten, wenn sich die Bürger bereitwillig verschulden und die Banken bereitwillig Kredite vergeben, wächst die Kreditmenge schneller als die Geldmenge. In schlechten Zeiten legt die Kreditmaschine den Rückwärtsgang ein und das erklärt, warum Booms und Konjunktureinbrüche auch unter dem scheinbar stabilen Goldstandard möglich waren. Zentralbankreserven: Für die Zentralbanken ist Gold Fluch und Segen zugleich. Während man Dollars zum jeweils herrschenden Zinssatz verleihen kann, was die Reserven einer Zentralbank im Laufe der Zeit erhöht, kann man mit dem Verleihen von Gold nur ein 1 % pro Jahr vereinnahmen. Woher kommt dieser Unterschied? Wer Dollars oder Euros verleiht, verlangt daher vernünftigerweise hohe Renditen (bekannt als „Risikoprämien“) als Kompensation dafür, dass die Rückzahlung möglicherweise in weniger wertvoller Währung erfolgen wird. Gold dagegen kann nicht einfach aus der Luft erschaffen werden und das macht es relativ sicher. Daher begnügt sich der Markt mit niedrigeren Zinsen. Da der „Staat“ nach Belieben Geld drucken kann, wird er seine Zinszahlungen immer leisten können, wenn auch in Dollars die ständig an Wert verlieren. Trotzdem bleibt der Nominalwert gleich.

Der Dollar ist eine Bilanzwährung, eine buchhalterische Fiktion. Er bezieht seinen Wert aus den Vermögensgegenständen der Federal Reserve und der Geschäftsbanken. Einige dieser Gegenstände sind real und greifbar, andere wie Bankkredite, Devisen und Derivate sind es nicht.

Mit physischem Gold bewahren Sie ihren Wohlstand, vermeiden Risiken und bleiben liquide, aber sie versuchen nicht damit reich zu werden. Die Herstellung von großen Barren ist billiger als die von Münzen und daher weisen sie die niedrigsten Handelsspannen auf. Gold rostet nicht. Daher können Sie es buchstäblich im Garten vergraben. Sie sollten Ihr Gold auf verschiedene Verstecke verteilen.

Die langfristigen Zinsen. Wenn das allgemeine Zinsniveau fällt, sieht der Coupon einer älteren Anleihe vergleichsweise attraktiv aus und die Leute sind bereit mehr dafür zu zahlen, was den Preis oder Kurs der Anleihe steigen lässt. Dadurch wird die Rendite kleiner. Wenn die Zinsen dagegen steigen, dann sinken die Anleihekurse, damit sich die Rendite an das neue Zinsniveau anpasst. Wenn sich die Bonität des Schuldners verschlechtert, dann sinkt der Wert seines Zahlungsversprechens und der Kurs der Anleihe fällt. Die Rendite muss steigen, damit eine größere Risikoprämie entsteht. Mitte 2003 fragte man John Templeton nach seiner Meinung zum Häusermarkt. Seine Antwort: Wenn die Preise für Eigenheime auf 10 % ihres Höchstwertes gefallen sind, sollte man kaufen. LEAPS: Diese Optionen haben Laufzeiten von bis zu 2,5 Jahren. Die Spalte „Open Interest“ gibt die Zahl der Kontrakte an, die gekauft und noch nicht glatt gestellt wurden. Beachten Sie, dass der Open Interest in manchen Fällen recht niedrig ist. Darin kommt das Urteil des Marktes zum Ausdruck, welche dieser Kontrakte am attraktivsten ist. Der Börsenboom In London hatte sich am Anfang des 18. Jahrhunderts eine florierende Wertpapierbörse entwickelt. Wie bei fast jedem Börsenboom lebte auch die South Sea Bubble von der Faszination eines neuen Geschäftsfelds, das märchenhafte Gewinne verhieß. Anfang des 18. Jahrhunderts versprach die Südsee mit dem Handel von exotischen Produkten wie Rohstoffen und Sklaven hohe Profite. Die South Sea Company Die wichtigsten Initiatoren der 1711 gegründeten Handelsgesellschaft South Sea Company waren John Blunt und George Caswell, Mitinhaber der Sword Blade Company (Bankiers), sowie ein anonymer Baptist. Daneben hatte auch die britische Regierung ihren Anteil. Diese verlieh dem Unternehmen das Monopol im Handel mit Südamerika inklusive noch nicht entdeckter Gebiete. Man spekulierte dabei auf ein schnelles und für England günstiges Ende des Spanischen Erbfolgekrieges, mit dem das spanische Privileg des Sklavenhandels (Asiento de negros) beseitigt werden könnte. Jedoch wurde der Friede von Utrecht erst 1713 geschlossen, und die spanischen Vorrechte wurden darin nur eingeschränkt, nicht vollständig beseitigt. Die erste Handelsreise im Auftrag der South Sea Company konnte so erst 1717 unternommen werden. Sie erwies sich als wenig lukrativ. Den ersten großen Erfolg landete die South Sea Company nicht mit dem Warenhandel, sondern erneut bei der britischen Regierung: Sie übernahm im Januar die Staatsschulden (der Bank von England) in der Höhe von 9 Millionen Pfund bei einer Verzinsung von 6% jährlich und erhielt dafür das Recht, zusätzliche Aktien auszugeben (Kapitalerhöhung). Nach und nach übernahm die Gesellschaft die zusätzlichen Staatsschulden und brachte im Gegenzug noch mehr Aktien heraus. Am 7. April 1720 bestätigte König Georg die Entscheidung des Parlaments. Lord North and Grey fürchtete im Parlament am 5. April 1720 bei der Abstimmung über das Südseegesetz (South Sea Bill) schlimme Folgen und dass „das Land nicht durch den Handel mit imaginären Reichtümern ruiniert würde“. Der Kurs der Aktien des Unternehmens im Nennwert von 100 Pfund lag Anfang 1720 noch bei 120 Pfund. Danach schoss er aber raketenartig nach oben und erreichte im Juli fantastische 950 Pfund und konnte ein paar Wochen lang mehr oder weniger sein hohes Niveau halten. König Georg, Herzogin Marlborough und viele der ausländischen Investoren verkauften. Den anderen Anlegern war noch nicht klar, dass die Dividenden nie bezahlt werden könnten, schon gar nicht, dass bisher noch kein Sklavenhandel stattgefunden hatte. Sie fieberten genau wie die Franzosen in der dortigen, gleichzeitigen Mississippi-Spekulation. Doch blieb dies nicht ohne Folgen. Andere Firmengründer stießen nach und warfen Aktien neuer Unternehmen auf den Markt, die ebenfalls reißenden Absatz fanden. Die Geschäftsfelder reichten damals von Lohnausfallversicherungen für Matrosen über diverse Entwicklungsperspektiven, vom Importgeschäft für Walnussbäume zur Technologie für die Verarbeitung von Quecksilber. Im Juni beschloss das Parlament, dass alle Gesellschaften eine königliche Ernennung haben sollten, was zu einer weiteren Aufwertung der Gesellschaft führte (Bubble Act, weil es die Blase auslöste). Das Gesetz verbot börsennotierten Unternehmen, sich außerhalb ihres ursprünglichen Geschäftsfeldes zu betätigen. Mit diesem Monopol sollte der hohe Stand der Aktie gehalten werden, da bereits im Juni Teilen des Parlaments klar wurde, dass nur ein Bruchteil der Aktie gedeckt war, und selbst das unter der Annahme, sie würde gut funktionieren. Aktien wurden nun zu bis zu 950 Pfund Sterling gehandelt. Die South Sea Company hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Pfund im Südseehandel verdient. Als die Gesellschaft das Südseegesetz als Waffe gegen die unliebsame Konkurrenz benutzte – Unternehmen wurden angezeigt, zwei mussten ihre Aktivitäten einstellen –, baute sie ihr Monopol aus. Bis dahin war keine einzige Dividende gezahlt worden, der erste Zahltermin war der 1. August. Erst jetzt wurde deutlich, dass die Mittel nicht vorhanden waren. Die ersten Anleger wollten schnell noch ihre Gewinne umsetzen, wie der König und einige seiner Vertrauten, und verkauften ihre Papiere. Währenddessen fielen die Aktien der Gesellschaft nach dem 18. August von über 800 Pfund auf 200 und innerhalb eines halben Monates noch tiefer. Im Dezember näherte sich der Wert den 100 Pfund. Gleichzeitig kollabierte die Mississippiblase in Frankreich, so dass internationale Aktionäre die Entwicklung verstärkten. Die Folge Die Folge war eine allgemeine Rezession. Handel und Produktion gingen zurück, nachdem mehrere Investoren hohe Summen (einige 10.000 ₤) verloren hatten. Die leitenden Mitarbeiter der South Sea Company wurden von der britischen Regierung verantwortlich gemacht und juristisch verfolgt. Einige landeten im Gefängnis, andere begingen Selbstmord oder flohen ins Ausland. Die South Sea Company wurde nicht aufgelöst und handelte in Friedenszeiten weiter, bis sie in den Reformen der 1850er aufgelöst wurde. Die Kosten wurden von der East India Company und der Bank von England getragen. Der Administrator dieser Lösung war der Schatzkanzler Robert Walpole, der dadurch seine große Macht in Großbritannien begründete. Den passenden Kommentar zum Börsencrash lieferte der Physiker Isaac Newton, der selbst 20.000 Pfund verlor: Ich kann die Bewegung eines Körpers messen, aber nicht die menschliche Dummheit.

ÜBER US- NOTENBANK

„Liberalismus unterscheidet sich von Sozialismus, der sich ebenfalls dazu bekennt, für das Wohl des Ganzen einzutreten, nicht anhand des angestrebten Ziels, sondern durch die Wahl der Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.“

„Letztlich sollte nicht übersehen werden, dass die meisten außergewöhnlichen Preissteigerungen bei Aktien und Immobilien in der Geschichte oft von einer erheblichen Zunahme an Geld und/oder Kredit begleitet wurde. So wie die Konsumenten-Inflation oft beschrieben wird als eine Situation von „zu viel Geld jagt zu wenige Güter“, könnte Vermögenswert-Inflation analog charakterisiert werden als „zu viel Geld jagt zu wenige Vermögenswerte“. Eine Zentralbank kann die Verwendung von Geld nicht kontrollieren, aber sie kann versuchen, sein Angebot zu kontrollieren.

Die USA trifft seine geldpolitischen Entscheidungen zwar aufgrund eigener, innenpolitischer Interessen, ein völlig normaler Vorgang. Nun gibt es aber Länder, die ihre Währungen an den US-Dollar gehängt haben und deshalb der amerikanischen Geldpolitik folgen müssen. Diese Konstellation führt dazu, dass die USA in einem gewissen Ausmaß die Geldpolitik der ganzen Welt beeinflusst.

„Dies unterstützt die Sichtweise, dass Vermögenswerte überbewertet und Risiken unterbewertet sind.“

Der Bund und die meisten Länder hätten inzwischen das Ziel aufgegeben, mittelfristig einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Es ist die Sorgfalt, des ordentlichen Kaufmanns nach dem Handelsgesetzbuch, die wir einfordern.

Unter den Blinden ist der Einäugige König.

Welcher Anlagephilosophie folgt die Investmentbranche? Die haben ständig eine Investitionsquote von mindestens 90 %. Buy high, Sell higher?

Eine regelrechte Hochkonjunktur erlebten in den vergangenen Jahren so genannte „interest only mortgages“. Typischerweise sind das Hypothekenkredite mit variablem Zins, bei denen während der ersten Jahre der Laufzeit keine Tilgung anfällt. Dadurch reduziert sich die monatlich zu zahlende Rate um bis zu 25 %, es können also höhere Kredite aufgenommen werden, die normalerweise außerhalb der Reichweite der Kreditsuchenden liegen. Diese Kreditvariante richtet sich laut Produktbeschreibung ausdrücklich an Immobilienkäufer, die das erworbene Objekt nur kurzfristig halten möchten und eine möglichst niedrige Monatrate wünschen. So elegant diese Beschreibung auch klingen mag, sie ist natürlich nichts anderes ein Euphemismus für hoch gehebelte Immobilienspekulation.

„In unserem Geschäft sind die einzigen Dinge die zählen, die Entstehung und das Platzen großer Spekulationsblasen.“

Nun kommt der Heuschreckenschwarm auf die heimtückische Idee, ein Spin-off zu inszenieren. Das Unternehmen soll also teilweise zerschlagen werden, um diese einmalige Gelegenheit zu nutzen und im Sinne der Eigentümer einen Reibach auf Kosten neuer Aktionäre zu machen. Der Börsengang des boomenden Geschäftsfeld zu einem vollkommen unrealistischen Kurs wird der naiven Öffentlichkeit auch noch in unerhört freister Weise und mit entsprechendem Werbeaufwand als einmalige Gelegenheit präsentiert. Bereits kurze Zeit fällt der Kurs des Unternehmens wie ein Stein auf ein realistisches Bewertungsniveau zurück. Nach dem gelungenen Coup beschließen die Altaktionäre 5 Jahre später den Rückkauf des Unternehmens zu weniger als einem Drittel des Emissionspreises, ohne dafür nur einen Cent auf den Tisch zu legen. Bezahlt wird mit eigenen Aktien, wobei man den Aktionären des Spin-off Unternehmens keine Wahl lässt. Dessen naive und unerfahrene Aktionäre schwören nach dieser traurigen Episode der Aktie als Anlageinstrument auf immer und ewig ab. Der geschilderte Streich wurde von der Deutschen Telekom mit ihrem Tochterunternehmen T-Online ausgeführt. Größter Aktionär der Telekom ist bekanntlich keine ausländische Heuschrecke, sondern der BRD. Ihren Namen sucht man vergeblich auf Münteferings Heuschreckenliste. Ein offizielles Interesse der Politik am Aktienmarkt entstand als der Bund die Dt. Telekom zu privatisieren wünschte. Jetzt galt es, Geld in die Staatskasse zu spülen – eine Staatskasse, die nicht etwa chronisch leer ist, sondern von Schuldscheinen überquillt. Es ist jedoch nicht der vorhersehbare Absturz der T-Aktie, der uns immer noch fasziniert, sondern ihr kometenhafter Aufstieg. Niemand stellte die Salamitaktik der zweiten und dritten Privatisierungs-Tranche in Frage, obwohl diese doch zu ganz erheblich höheren Preisen stattfand als die erste Emission. Ein sich beschleunigender parabolischer Anstieg führte zu ökonomisch völlig absurden Bewertungsniveaus, während sich gleichzeitig der Geschäftsverlauf und die Verschuldung des Unternehmens deutlich verschlechterten und das Aktienangebot deutlich zunahm. Dann erfolgte der Absturz und Mitte des Jahres 2002 notierte die Aktie unter dem Emissionspreis der ersten Tranche. Das wirklich innovative an der Telekom war die Werbekampagne. Erstmals wurde eine Aktie wie Waschpulver beworben und das mit überwältigendem Erfolg. Am Tatort Telekom schien eine neue Welt zu entstehen, in der die schönen Phantasien Wirklichkeit werden. Was zu schön war um wahr zu sein, stellte sich dann leider als Illusion aus. Erst dank der spektakulären erfolgreichen Kampagne der Dt. Telekom AG wurden uns die Augen geöffnet für die fast grenzenlosen Möglichkeiten von Werbung und Propaganda.

Denn wer wie die Investmentbranche oder zahlreiche Hedge Funds Zugang zu Krediten hat, die sich an den von der Notenbank administrierten kurzfristigen Zinsen orientieren, dem öffnet sich eine Welt von der wir Normalsterblichen nur träumen können. Schon die simple Anlage dieser per billigen Kredit aufgenommenen Mittel in zeitweise mehrere Prozentpunkte höher rentierliche Staatsanleihe lässt die Gewinne nur so sprudeln. Für diese einfache Form der Zinsarbitrage braucht es keinen Nobelpreis. Der Zugang zu billigen Milliardenkrediten und die Zusicherung der Notenbank, an ihrer Niedrigzinspolitik festzuhalten, reichen vollkommen aus.

Derivative

Risikotransfer von den USA auf den Rest der Welt Risikotransfer vom Bankensektor zu Versicherungen, Pensionskassen und Privatanlegern Risikotransfer von streng regulierten Finanzdienstleistern hin zu wenig regulierten Hedge Funds.

Derivative

Gold ist bekanntlich nicht irgendein Rohstoff, sondern ist viel mehr. Gold ist das Geld freier Märkte und freier Menschen. Konsequenterweise wurde der private Besitz von Diktatoren wie Hitler, Stalin oder Mao verboten. Mitmachen, Mitlaufen, Miterleben – das sind die typischen Eigenschaften erfolgreicher Karrieretypen in allen große, hierarchischen Organisation. Kritische Köpfe sprechen in diesem Zusammenhang von Mitläufern und Opportunisten. Erfolgreiche Politiker, Bürokraten und Manager zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, mit fast schlafwandlerischer Sicherheit die jeweils mehrheitsfähige Position zu vertreten.

Erfolgreiche Investoren, Spekulanten und natürlich auch Unternehmer sind dagegen selten Mitläufer, sondern weitsichtige Trendsetter und Contrarians. Im Bereich der Mainstream Anlagen gibt es nur einen großen Gewinner: die Investmentbranche der Banken, Versicherungen, Broker und Investmentfonds. Sie verdienen an ihren Kunden bei steigenden und fallenden Kursen. „Langfristig steigen Aktien und Immobilien immer“ lauten ihre Credos, mit denen sie nahezu immer zum Einstieg raten.

Contrarians oder Einzelgänger verfolgen eine andere Strategie. Sie lieben freie Märkte und die Aktienanlage aufgrund der wahrhaft demokratischen Chancengleichheit, die sie bieten. Dann kaufen sie, aber nicht irgendwann, sondern gewöhnlich erst nach einem Crash, also wenn Aktien vernünftig bewertet oder besser noch unterbewertet sind. Allein in Deutschland gab es in der Nachkriegszeit 14 Crashs. Um diese Kaufgelegenheit wahrzunehmen zu können, bedarf es vor allem eines: Geduld. Er muss geduldig abwarten können, bis sich die Gelegenheit präsentiert.

„Erfolg schafft Selbstvertrauen und Selbstvertrauen schafft Erfolg.“

Ein schöpferischer Unternehmer führt eine technische Innovation im weitesten Sinne ein, beispielsweise eine neues Produkt oder ein Produktionsverfahren. Er hat damit Erfolg und kann ungewöhnlich hohe Gewinne, so genannte Pioniergewinne erzielen. Seinen Konkurrenten entgeht das natürlich nicht, sonder spornt sie an, diese Neuerung zu kopieren, zu variieren und zu verbessern. Auch diese erste Nachahmerwelle ist erfolgreich und beschleunigt den Prozess der Marktdurchdringung. Der spektakuläre wirtschaftliche Erfolg und die hohen Wachstumsraten der die Innovation ausnutzenden Unternehmen lösen einen auf andere, bereits etablierte Sektoren übergreifenden Boom aus. Gleichzeitig werden weitere Nachahmer gelockt. Die „Spätkommer“ sind üblicherweise die schlechteren, weniger kreativen Unternehmer. In ihre Geschäftspläne schleichen sich allzu menschliche Fehler ein. Ihre Planungen gehen von der Dauerhaftigkeit der Pioniergewinne aus und extrapolieren die spektakulären Wachstumsraten, die der Sektor bisher erlebte. Die Planungen gehen also von einem nicht endenden Boom aus, in dessen Verlauf Fehlinvestitionen getätigt und Überkapazitäten aufgebaut werden. Die Flut der Nachahmer erzielt nicht die erhofften und geplanten Pioniergewinne, sondern sorgt für zunehmenden Konkurrenzdruck, der zu Preiskämpfen führt. Die Phase scheinbar grenzenlosen Wachstums kommt dann zu einem abrupten Ende und weicht einer Konsolidierungswelle, in der die fehlerhaften Planungen offensichtlich werden und die Überkapazitäten an die Realität angepasst werden müssen. Je umfangreicher die vorangegangen Fehlinvestitionen waren, desto gravierender wird die unvermeidliche Korrektur ausfallen. Im günstigsten Fall beschränkt sie sich auf einen Sektor, bei ungünstigerem Verlauf kommt es zu einer gesamtwirtschaftlichen Rezession, in Extremfällen zu einer Depression.

Betrachten wir das typische Beispiel einer von der Notenbank vorgenommen Zinssenkung mit der Absicht, die Wirtschaft zu stimulieren. Gleichzeitig verbilligt sie Kredite und regt dadurch einen Anstieg der Investitionsquote an. Der Konsument, der jetzt weniger spart, entscheidet sich also für mehr heutigen Konsum und weniger künftigen Konsum, während der Unternehmer Kapazitäten aufbaut, die für mehr Güter in der Zukunft sorgen werden, obwohl der Konsument deren Nachfrage nicht plant. Durch diesen Widerspruch sind die Weichen für einen in der Zukunft notwendig werden Anpassungsprozess gestellt. Sobald die Zinsen anfangen zu steigen, werden die Fehlinvestitionen offensichtlich und die Korrektur beginnt. Erneute Zinssenkungen der Notenbank führen in diesem Modell natürlich lediglich zu einer weiteren Runde fehlerhafter Planungen. Sie können den unausweichlichen Anpassungsprozesses lediglich verzögern. Je stärker und je länger der von der Notenbank manipulierten Zinssatz vom natürlichen Zins abweicht, desto stärker werden die nach obigem Muster entstehenden Fehlentwicklungen und die anschließend notwendige Korrektur ausfallen. Die Manipulation des Zinssatzes durch die Notenbank spielt in dieser Theorie also eine zentrale Rolle. Im Jahr 2000 stiegen die kurzfristigen amerikanischen Zinssätze über die langfristigen. Jede Rezession wurde auf diese Weise „angekündigt“.

Nach US-GAAP betrugen die Gewinne der im S&P 500 enthalten Unternehmen für das Jahr 2002 28 $ pro Aktie. Bei einem Indexstand von 900 errechnet sich ein KGV von 32. Die Proforma Gewinne werden hingegen mit 46 $ pro Aktie um 64 % höher ausgewiesen. Das KGV sinkt dadurch auf 19,5. Sind die Kennzahlen zu hoch, dann werden einfach die Bewertungsmethoden geändert. Schein statt Sein. Ein anderer fundamentaler Indikator, die Dividendenrendite belief sich in den Jahren 1993/94 auf unter 3 % und befand sich damit ebenfalls in einem selten gesehenen Bereich von Überbewertung. Sie sollte in den Folgejahren auf ungesehenem 1 % fallen.

Der Immobilienwert des belgischen Botschaftsgeländes in Tokio war damals höher als die Staatsverschuldung Belgien, die 130 % des belgischen BIP betrug. Zu gerne hätte die belgische Regierung durch den Verkauf den Staatshaushalt saniert. Dies fand aber nicht statt. Wann immer neue, moderne und angeblich bessere Methoden der Unternehmensbewertung gefordert werden – „weil dieses Mal alles anders ist“ – sollten Anleger skeptisch werden. Das durchschnittliche KGV über lange Zeit in den USA liegt von 1880 bis heute zwischen 15 und 16. Extreme Abweichungen von diesem Richtwert wie beispielsweise Werte von 5 oder 40 stellen schlicht und einfach langfristige Kauf- bzw. Verkaufssignale dar.

Steigende Kurse, begleitet vom euphorischen Optimismus, wechseln sich ab mit fallenden Kursen und depressiver Stimmung. Ob Aktien, Immobilien oder Sammlerobjekte, ob Gold, Öl oder Tulpenzwiebel, immer wieder zeigt sich dieses Muster, nur eben in unterschiedlich starker Ausprägung. Angst und Gier, Hoffnung und Sorgen der spekulierenden Massen scheinen hier allzu menschliche Spuren zu hinterlassen, immer und immer wieder. Offensichtlich handelt es sich um ein für Märkte typisches Muster, mit dem eine Marktwirtschaft leben muss.

Im Französischen gibt es für diesen Vorgang sogar ein treffendes Sprichwort: „Il n´y a pas plus sourd que celui qui ne veut pas écouter.“ (Niemand ist tauber als derjenige, der nicht hören will.)

Spekulative Exzesse beginnen gewöhnlich erst, nachdem der entsprechende Markt bereits scheinbar verlässlich und unbemerkt von einem großen Publikum über einen längeren Zeitraum gestiegen ist. Rückblickend ergibt sich für den Neuling bei der Betrachtung des Marktes der Eindruck einer gewissen Selbstverständlichkeit steigender Kurse. Erinnerungen an turbulente und verlustbringende Zeiten sind kaum noch vorhanden, ein Generationswechsel hat dafür gesorgt. Gewöhnlich gibt es bereits allgemein bekannte und mehr und mehr bewunderte Beispiele für Erfolgsgeschichten und sagenhaften Reichtum, der an dem betroffenen Markt verdient wurde. Die Mentalität des „Buy high, sell higher“ (kaufe teuer, verkaufe noch teurer) beginnt die Runde zu machen. Es ist die Theorie des „größten Idioten“, der zum Schluss den höchsten Preis bezahlt.

Unerlässlich ist offenbar das Auftreten einer „Sache“, die als neu und sehr bedeutsam empfunden und interpretiert werden kann. Auch die Tulpenzwiebel war seinerzeit für die Holländer etwas gänzlich Neues. Technische Innovationen wie das Bauen großer Kanäle, die Einführung der Fließbandproduktion oder Biotechnologie entzündeten spekulativen Enthusiasmus. Bedeutende Erfindungen wie Eisenbahn, Radio, Auto, Computer oder Internet eignen sich auf geradezu ideale Weise als Aufhänger für unrealistische Erwartungen und Prognosen. Historische Texte über den Siegeszug des Radios und vermutete Veränderungen, die das Radio bewirken wird, ähneln den rund 70 Jahre später verfassten Prognosen bezüglich des Internets fast wie ein Ei dem anderem. Das gilt auch natürlich für die Kursentwicklung der jeweiligen Aktien. Einem parabolischen Anstieg folgt ein noch schnellerer Absturz.

Ein weiteres Charakteristikum ist das Spekulieren auf Kredit. Das kann entweder direkt über Wertpapierkredite geschehen oder indirekt mit Hilfe von Finanzinnovationen wie Futures oder Optionen. Kleine Preisveränderungen reichen aus, um bezogen auf das Eigenkapital sehr hohe Gewinne oder Verluste zu erzielen. Übrigens gab es bereits Anfang des 17. Jahrhunderts in Amsterdam einen regen Handel mit Optionen und Futures. Selbst dieses Phänomen ist also alles andere als neu.

Spekulationsblasen bewirken einen sich selbst verstärkenden Boom in den betroffenen Sektoren. Es kommt zu Wachstumsraten, deren langfristige Unhaltbarkeit eigentlich jedermann klar sein müsste. Dennoch werden diese auf naive Weise weit in die Zukunft projiziert und mit diesem Satz: „Diesmal ist alles anders“ rationalisiert. Ist die Blase groß genug, greift der Boom auf angrenzende Bereiche über, manchmal auf die gesamte Volkswirtschaft.

Aufgrund des schnell zu verdienenden Geldes und sicherlich auch aufgrund der durch den Boom hervorgerufenen Personalknappheit, die zu sinkenden Qualitätsstandards führt, ziehen Blasen gewisse Schwindler, Betrüger und Windbeutel an. Deren Machenschaften werden jedoch meist nach dem Platzen der Blase sichtbar.

Ebenfalls typisch ist das Nichteinschreiten der wie auch immer geratenen Institutionen, die mit der Regulierung des Marktes betraut sind. Zumindest bei den besonders großen Spekulationsblasen bleibt es nicht bei der Unterlassungssünde. Sie zeichnen sich durch eine offizielle und politische Subventionierung des irrationalen Geschehens aus, wenn nicht gar durch aktive Teilhabe.

Das mit Abstand wichtigste Element für das Entstehen von Spekulationsblasen ist jedoch überreichliche Liquidität. Geld- und Kreidmengensteigerungen sind die notwendige Bedingung ohne die eine Spekulationsblase nicht denkbar ist. Ohne zusätzliche Liquidität kann es zwar zu Verschiebungen innerhalb des Preisgefüges kommen, also steigende Preise in einigen Sektoren, die durch fallende Preise in anderen Sektoren ausgeglichen werden, nicht jedoch spekulativen Exzessen.

„Après nous le déluge“, nach uns die Sintflut, soll die Marquise de Pompadour im 18. Jahrhundert gesagt haben. Nach diesem Motto handelt auch ein Großteil der Investmentbranche.

Schließlich sind Banker, Notenbanker und Politiker auch nur Menschen. Ehrgeiz, Eitelkeit, Gefallsucht, Spaß an der Ausübung der Macht oder das Streben nach öffentlicher Anerkennung – soll es all diese menschlichen Eigenschaften bei diesen wichtigen Entscheidungsträgern nicht geben? Wie würden wir wohl reagieren, wenn wir fast täglich in nahezu allen Medien als großartig und genial und nahezu omnipotent dargestellt würden? Wir würden selbst anfangen daran zu glauben! Übersteigert optimistische Erwartungen scheinen ansteckend zu sein. Natürlich trüben sie den Blick und beeinflussen die Entscheidungsfindung negativ. Außerdem ist es eine unmenschliche Anforderung, wenn sich z.B. ein Notenbanker gegen den wendet, der ihn füttert: den Staat. Dieser und seine jeweiligen Repräsentanten wollen kurzfristige Prosperität vor der nächsten Wahl um jeden Preis. Sie wollen ständig mehr Geld ausgeben, als sie haben. Sie sind Hauptprofiteure einer inflationären Politik. Sie leben im hier und heute nach dem Motto: „Nach mir die Sinnflut!“ Wenn sie weitsichtigere und langfristigere Lösungen anstreben, dann fällt das positive Ergebnis in die Regierungszeit eines anderen, der sich dann mit fremden Federn schmücken kann.

Was mir mehr Sorgen bereitet ist, dass uns unser Glück mit den Finanzmärkten verlassen könnte, weil wir uns auf einen Weg begeben, den man als Fluch des Glücksspielers bezeichnen könnte: Wir haben schon so lange gewonnen, lasst uns den Einsatz auf dem Tisch lassen.

Im Anschluss an eine Spekulation wird die Realität völlig ignoriert.

Für jeden Dollar, der in den USA für den Kauf von Gütern und Dienstleistungen ausgegeben wurde, wurde im Jahr 2000, mehr als 3 Dollar in Aktien gehandelt. Im Herbst 2003 war es trotz der Kursrückgänge noch immer 1,92 $.

Fannie Mae und Freddie Mac vereinigen diesen beiden Hypothekenfinanzierer 45 % der Risiken des auf 6,2 Billionen $ geschätzten Marktes für private Immobilienkredite auf sich. Sollte eines dieser beiden Unternehmen durch einen Fehler oder einen nicht vorhersehbaren Schock in Schwierigkeiten geraten, dann könnte daraus eine Krise der US-Finanzindustrie resultieren, die dem Wohnungsbau und der US-Wirtschaft beträchtlichen Schaden zufügen würden.

Haben wir nicht alle den Eindruck, unsere täglichen Ausgaben würden stärker steigen als die von staatlichen Stellen gemessene und veröffentlichte Inflationsrate? Schließlich hat der Staat ein Interesse die Inflationsrate niedriger anzusetzen als sie eigentlich ist. Beispielsweise wird die Steuerbelastung des Steuerzahlers mit steigender Inflation höher, weil er in eine höhere Progressionsstufe gerät. Auf der staatlichen Ausgabenseite sinken die realen Belastungen, da Transferleistungen keine Anpassung an die Inflationsrate erfahren. Es ist keine ungedeckte Währung überliefert, die nicht im Überfluss produziert wurde und früher oder später ihren inneren Wert auf ihren inneren Wert von Null gefallen ist, also jegliche Kaufkraft verlor. Die großen Hyperinflationen fanden fast ausschließlich während des 20. Jahrhunderts statt, also unter dem willkürlichen Papiergeldsystem.

Wie wäre es mit einer der Einführung eines negativen Zinssatzes, der natürlich auch als Steuer auf liquide Mittel bezeichnet werden kann. Das Geld, die bei Bankkonten gehalten werden sei beispielsweise ein genannter einprozentiger negativer Zins pro Monat technisch problemlos umzusetzen. Schwierigkeiten entstünden erst bei der Eintreibung solcher Steuern auf Bargeld. Dieses Bargeld könnte einfach mit einem Verfallsdatum versehen werden. Das auf diese Weise endgültig der Illusion von Werthaltigkeit beraubte schnell verderbliche Geld müsste, in bestimmten Zeitabständen gewissermaßen abgestempelt werden, um das Verfallsdatum zu verlängern. Andernfalls verlöre es einfach seinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel und werde damit wertlos. Dies kann mit Zeitwert bei Optionen oder Optionsscheinen verglichen werden.

Mitte 2003 gehörten im Durchschnitt nur noch 53,3 % einer Wohnimmobilie tatsächlich dem eingetragenen Eigentümer, der Rest der Bank. In den 70er Jahren gehörte der Bank nur ein Drittel.

Deflation: Um neue Kredite entstehen zu lassen, bedarf es williger Schuldner und williger Gläubiger. Die einen müssen bereit sein, neue Schulden aufzunehmen, während die anderen die nachgefragten Kredite zur Verfügung stellen. In wirtschaftlich schlechten Zeiten sinkt üblicherweise die Risikobereitschaft. Banken und Investoren neigen dann dazu, Geld nur restriktiv zu verleihen bzw. zu investieren. Allerdings geht auch die Kreditnachfrage in Rezessionen oder Depressionen zurück. Unternehmer neigen bei ihren Investitionen zu Vorsicht und selbst die Konsumenten tun sich aufgrund der Arbeitsplatzunsicherheit schwer, Schulden zu machen. Sparen wird plötzlich modern und Zurückhaltung bei Konsumausgaben macht sich breit, was wiederum Druck auf die Preise ausübt. Der Rückgang des Konsums führt zu anhaltend rezessiven Entwicklungen mit fallenden Preisen. Fallende Preise zwingen die Unternehmen zu Entlassungen und anderen kostensenkenden Maßnahmen. Dies führt zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität, womit sich der Kreis schließt und eine deflationäre Abwärtsspirale begonnen hat. In dieser Situation wird das Horten von Geld lukrativer angesehen als zu investieren. Das muss aber eine Werthaltigkeit der Papierwährung voraussetzen.

Wenn das Angebot eines Gutes stärker steigt als die Nachfrage, dann fällt der Marktpreis. Diese simple Grundidee ist unumstritten. Ob sie auch für den US-Dollar gilt?

Unter Moral Hazard(moralische Risiken) versteht man die menschliche Neigung höhere Risiken einzugehen, sobald eine Versicherung besteht. Die Risikoabwälzung setzt also unbeabsichtigte Anreize für riskanteres Verhalten. Folglich kommt es zu einer systematischen Verhaltensveränderung der Versicherten hin zu mehr Risikofreude. Versicherungen kennen diesen Mechanismus natürlich und tragen ihm bei ihrer Prämiengestaltung Rechnung. Außerdem setzen sie gegenläufige Anreize wie beispielsweise Selbstbehalte oder Schadenfreiheitsrabatt.

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Fahrer von mit Airbag ausgestatteten Fahrzeugen einen riskanteren Fahrstil pflegen als solche ohne diesen Schutz. Anleger, die einem Portfolio Manager ihr Geld anvertrauen und diesem eine hohe Gewinnbeteiligung zugestehen, erzeugen ebenfalls ungewollt eine hohe Beteiligung zugestehen. Sie verleitet den Manager zu hohen Risiken, da ihm im Erfolgsfall eine hohe Prämie zusteht, während im Fall des Scheiterns die Verluste ausschließlich vom Anleger getragen werden müssen. Menschen, die ihre Hände gegen Schäden versichert haben, erleiden signifikant häufiger Unfälle, die eine Fingeramputation notwendig machen als beim Durchschnittsbürger.

Zahl Kopf 110 90 120 80 130 70

Der Grundeinsatz beträgt. Bei diesem Spiel erhält der Gewinner 110,120 oder 130 €, im Verlustfall hingegen 90, 80 oder 70 € von seinem Einsatz zurück.

Die Teilnehmer dieses Glückspiels werden entsprechend ihrer persönlichen Risikofreude eine der drei Varianten auswählen. Die besonders Risikofreudigen wählen die dritte Variante, die Risikoscheuen wählen hingegen die erste.

Jetzt bringen wir zusätzlich eine staatliche Institution ins Spiel, eine Art Notenbank, die eine beitragsfreie Versicherung anbietet: Wenn der Glückspieler verliert, dann zahlt die staatliche Institution den verlorenen Betrag. Wie wird sich diese Intervention auf das Verhalten der Spieler auswirken? Klaren Sache: Er wird die risikoreichste Variante wählen, da sein Risiko bei allen Varianten identisch und gleich null ist.

Zwei Begriffe machten in seit der Mexiko Krise an den Finanzmärkten die Runde: „Too big to fail“ (zu groß um zu scheitern) und „Greenspan Put“ (von Greenspan kostenlos zur Verfügung gestellte Absicherung vor Verlusten). Offensichtlich waren sich die großen Spieler ihrer zentralen Rolle voll und ganz bewusst.

LTCM (Long Term Capital Management) Anfang 1998 verfügte der Fonds über eine Kapitalbasis von 4,8 Milliarden $ und ein Portfolio von 120 Milliarden $. Daraus ergibt sich ein Hebel von 25 bezogen auf das Eigenkapital. Ende August 98 betrug das Eigenkapital 2,3 Milliarden $. In einem Schreiben an die Anteilseigner vom 2. September 1998 heißt es: LTCM ist der Meinung, dass es klug und angemessen ist, jetzt eine Kapitalerhöhung durchzuführen, um die ungewöhnlich attraktive Situation an den Finanzmärkten voll ausnutzen zu können. Die Portfoliogröße betrug jetzt 107 Milliarden $. Die Spekulanten hatten das Risiko deutlich erhöht, der Hebel stieg von 25 auf 46. Am 19. September, einem Freitag belief sich das Eigenkapital auf nur noch 600 Millionen $ bei einer Portfolio Größe von 80 Milliarden, was einem Hebel von 133 entspricht.

Das Schicksal des Fonds hing damit an einem seidenen Faden. Die Banken mussten sich nicht nur Sorgen um ihre Kredite machen, sondern um die Auswirkungen einer Zwangsliquidierung des Portfolios von LTCM, das teilweise aus wenig liquiden Wertpapieren bestand, auf das Finanzsystem, das wegen der Russland Krise ohnehin angespannt war.

Unter der Führung der Notenbank wurde in schwierigen Verhandlungen ein Konsortium aus 14 Investmentbanken gebildet, die als Kreditgeber und auch als Eigenkapitalgeber ein Interesse an einer Lösung hatten. Man einigte sich darauf dem Fonds frisches Eigenkapital in Höhe von 3,65 Milliarden $ zuzuführen und dafür 90 % der Anteilsscheine zu übernehmen.

Am 19.09 wurden die Zinsen gesenkt, aber die Kursverluste setzten sich fort und verlor in den folgenden Wochen weitere 750 Millionen $. Am 15. Oktober schaltete sich erneut die US-Notenbank mit einer überraschenden Zinssenkung ein, die nicht wie üblich im Anschluss an eine Offenmarktausschussitzung erfolgte. Die FED gab diesen Zinsschritt an einem Auslauftermin für zahlreiche Termingeschäfte bekannt. Die gängigen Zins-Futures wurden abgewickelt und die Aktienmärkte würden in einer Stunde schließen. Diese Konstellation sorgte natürlich für eine regelrechte Kaufpanik der überrumpelten Marktteilnehmer. Das Timing der FED war wohlüberlegt und auf die größtmögliche Wirkung an den Finanzmärkten angelegt. Wer auf fallende Kurse gesetzt oder bereits verkauft hatte, bekam die Macht der Notenbank in dieser heißen Stunde zu spüren. Innerhalb von 1 Stunde erhöhte sich die Marktkapitalisierung der US-Aktienmärkte um rund 1 Billion $. Die Botschaft der FED war klar und deutlich. Sie wollten die Spekulationsblase mit allen Mitteln am Leben erhalten. 4 Wochen später folgte wieder eine Zinssenkung. Unter den Akteuren bei dem Treffen zur Rettung LTCM in der New Yorker Zentralbank am 23. September 1998 waren unter anderem William J. McDonough, Präsident der New Yorker Federal Reserve System (Fed) Sanford I. Weill, der Vorsitzende der Travelers Group Jon Corzine, der Hauptteilhaber von Goldman Sachs David Komansky, der Vorsitzende von Merrill Lynch der Vorsitzende der Chase Manhattan Bank der Vorsitzende der Bankers Trust Co. der Vorsitzende von Smith Barney der Vorsitzende von Bear Stearns der Vorsitzende von Lehman Brothers der Vorsitzende von Morgan Stanley der Vorsitzende der Douglas A. Warner, der Vorsitzende von JPMorgan und auch die Vorsitzenden der Deutsche Bank sowie der Dresdner Bank. Diese vereinte Rettungsaktion war damals einzigartig und blieb bis zur Finanzkrise ab 2007 auch eine Ausnahmeerscheinung. Das Schicksal der damaligen Geschäftsführer:

Robert Merton arbeitet heute als Professor an der Harvard Business School. Myron Samuel Scholes leitet unter dem Namen Platinum Grove Asset Management wieder einen Hedge-Fonds mit einem verwalteten Vermögen von rund fünf Milliarden US-Dollar. John Meriwether leitete seit unmittelbar nach der Auflösung von LTCM unter dem Namen JWM Partners bis 2009 einen neuen Hedge-Fonds. Dieser investierte nach der gleichen Methode wie damals LTCM, indem mit Hilfe von hohen Krediten auf den Rückgang anomaler Preisdifferenzen auf den Finanzmärkten spekuliert wurde. JWM Partners LLC erlitt jedoch mit seinem "Relative Value Opportunity II Fund" einen Verlust von 44% von September 2007 bis Februar 2009. JWM Hedge Fund und JWM Partners LLC wurden im Juli 2009 geschlossen.

Nicht jede schwierige Situation kann mit Schokolade oder Geldscheinen gelöst werden. Um langfristig erfolgversprechendste Erziehungsziele zu erreichen und Kindern die Chance zu geben, zu verantwortungsbewussten Individuen heranzureifen, darf nicht immer nur der kurzfristig einfachste, bequemste Weg eingeschlagen werden. Manchmal muss es – kurzfristig – unbequem werden für alle Beteiligten, Eltern und Kinder, um – langfristig – die Weichen richtig zu stellen.

Was hat die Kindererziehung mit den Finanzmärkten zu tun? Sehr viel, denn was die Schokolade bei kleinen Kindern und der Geldschein bei Teenagern, das ist die durch Notenbanken bereit gestellte Liquidität für die Finanzmärkte. Die kurzfristige Wirkung ist süß und scheinbar sehr erfolgreich, langfristig fördert sie jedoch systematisches Fehlverhalten, das zur Fehlleitung von Kapital führt.

Daraus lässt sich folgendes ableiten: Greenspan ist der Meinung, es komme zu Verzerrungen von Marktpreisen, wenn ein größerer Marktteilnehmer sich verspekuliert hat und deshalb verkaufen muss. Dies verwundert uns, denn haben seine vorangegangen dicken Käufe nicht zu Verzerrungen geführt? Gelten steigende Kurse als normale Marktpreise, fallende Kurse als Verzerrungen? Bestimmen also der Staat und seine Notenbank, welche Marktpreise in Ordnung sind und welche verzerrt? Sorgen demnach nicht freie Märkte für die richtigen Preise, sondern Bürokraten?

In der Notenbank gibt es die vorherrschende Meinung, eine Notenbank müsse und könne an den Finanzmärkten zu intervenieren, um fallende Kurs zu vermeiden. Aber in der Realität kann die FED die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage nicht außer Kraft setzen. Langfristig wird sich die technische Situation am Markt durchsetzen. Wenn es keinen „Idioten“ gibt der einen noch höheren Preis für eine Ware bezahlt, dann kann der Preis nicht steigen.

Konsumverzicht  Sparen  Investieren  Produzieren  mehr Konsumieren

Mehr Konsum  weniger Sparen  weniger Investieren  weniger Produzieren  weniger Konsumieren

Kriegsanleihen: Die Banken und Notenbanken finanzieren den weltweiten Krieg indem sie das Haushaltsdefizit der Staaten finanzieren. Die Staaten wären bei einem ausgeglichenen Haushalt niemals in der Lage einen Krieg zu führen und hohe Rüstungsausgaben zu tätigen. Die Banken profitieren durch die Zinszahlungen, die der Steuerzahler übernimmt und am Handelsgeschäft der Waffenindustrie. Der Coup dabei ist, dass beide Kriegsparteien finanziert werden und damit ist der Ausgang des Krieges unerheblich. Die Banken sind auf jeden Fall auf der Gewinnerseite und der Verlierer kann als leichtes Opfer ausgebeutet werden.

Ein bekanntes Beispiel des Verfalls von Verliereranleihen ist das Deutsche Kaiserreich nach dem 1. Weltkrieg. Nach dem verlorenen Krieg waren die deutschen Kriegsanleihen wertlos. Die privaten Anleger mussten die ganze Summe abschreiben. Die Banken jedoch konnten mit den Siegermächten die Friedensbedingungen diktieren und nach dem Krieg die harten Werte des Landes ausbeuten und das Land in eine Abhängigkeit von neuen Krediten drängen.

Der internationale Gold Standard war ein viel zu enges Korsett für die Durchführung eines so wahnsinnigen Projekts, wie es der Erste Weltkrieg darstellte. Durch starke Propaganda und Kaiserkult war es möglich junge Männer so weit zu bringen, dass sie sich für absurde Ziele und Ideen bestimmter, meist alter Männer, aufzuopfern. Bezahlbar war der Irrsinn jedoch nicht. Frühere Kriege folgten einem klar erkennbaren ökonomischen Kalkül. Sie waren die Angelegenheit von Herrschern, die Söldnerheere bezahlen mussten. Der Erste Weltkrieg war der erste „moderne“ Krieg im Sinne einer totalen Hingabe aller Werte und Ressourcen für die Kriegsführung. Er unterlag keinen Budgetrestriktionen. Sobald sich die anfänglich gehegte Erwartung eines schnellen Sieges als illusorisch herausstellte, entledigten sich die Herrscher der kriegführenden Staaten nämlich zügig der sie zu Vernunft anhaltenden Goldwährung.

Es folgten turbulente Zeiten mit Hyperinflation in Deutschland, einer Spekulationsblase und deren Crash in den USA, der Depression und dem Zweiten Weltkrieg. Nachdem Europa in Trümmern lag, verhandelten die Alliierten die Nachkriegsordnung. In Bretton Woods beschlossen sie 1944 die Einführung eines Weltwährungssystems, in dessen Zentrum der US Dollar stand. Sie verpflichteten sich, feste Wechselkurse gegenüber dem Dollar einzuhalten, der wiederum auf 1/35 Unze Gold fixiert wurde. Dieses Arrangement galt allerdings nicht für die Bevölkerung, sondern ausschließlich für Zentralbanken. Nur sie konnten US-Dollar gegen Gold zum Kurs von 35 Dollar je Feinunze eintauschen.

Ende der sechziger Jahre waren es schließlich die USA, die die Folgen undisziplinierter, kostspieliger Politik zu spüren bekamen. Insbesondere aufgrund des Ausbaus teurer wohlfahrtsstaatlicher Programme und der Kosten des Vietnam Krieges, beide nicht durch politisch unpopuläre Steuererhöhungen, sondern durch Gelddrucken finanziert, stieg die Inflationsrate in den USA: Wieder war also ein Krieg, wenn auch nur ein relativ kleiner, ein maßgeblicher Grund für das Ende politischer Haushaltsdisziplin.

Die französische Regierung war nicht bereit, diese Missstände tatenlos hinzunehmen. Sie begann damit, den USA die Dollars anzudienen und dafür, wie versprochen, Gold zu verlangen, eine Feinunze zu je 35 Dollar. Nun hatte die Regierung Nixon 2 Möglichkeiten: Entweder den beschwerlichen Weg des seriösen Wirtschaften oder den unmoralischen Weg ein Zahlungsversprechen zu brechen.

Jetzt waren geradezu gigantische Handelsdefizite möglich, die über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben konnten. 2003 betrug das Leistungsbilanzdefizit der USA 500 Milliarden Dollar.

Bankenentstehung: Mit der Verwendung von Edelmetall als Geld werden nicht nur Probleme gelöst, es entstehen neue. Beispielsweise muss das Metall sicher verwahrt werden und es hat aufgrund seines Gewichtet bei größeren Transaktionen den Nachteil mit größerem Aufwand von einem Ort zum anderen transportiert zu werden. Sicherheitsaspekte erhöhen den Transportaufwand zusätzlich. Es liegt deshalb in einem ersten Schritt nahe, wie bei anderen Waren auch ein Lagerhaus zu etablieren, in dem die Edelmetalle der Waren sicher aufbewahrt werden. In einem zweiten sehr praktischen Schritt kamen findige Menschen auf die Idee, bei einer Transaktion darauf zu verzichten, das Gold aus dem Lagerhaus zu holen, um es dem Kontrahenten zu übergeben, der es dann seinerseits wieder in das Lagerhaus einlieferte, natürlich unter seinem Namen. Stattdessen gingen Geschäftsleute dazu über, ihren Goldbesitz vom Lagerhaus verbriefen zu lassen und statt des Goldes diese Urkunde als Zahlungsmittel zu verwenden. Der Inhaber der Urkunde konnte damit jederzeit das hinterlegte Edelmetall aus dem Lagerhaus holen. Bis diese Urkunden – die man Banknoten nennen kann – ist durch die entsprechende Menge an Edelmetall in einem Lagerhaus – das man auch Bank nennen kann – gedeckt. Eine Banknote war also ein Anspruch auf eine bestimmte Menge Edelmetall.

Den Betreibern der Lagerhäuser – die wir jetzt Banker nennen können – entging natürlich nicht, dass normalerweise zu jedem beliebigen Zeitpunkt nur ein Bruchteil des eingelagerten Golds tatsächlich abgeholt wurde. Innovativ oder betrügerisch? Jedenfalls begannen sie, mehr Urkunden zu emittieren als Edelmetalldeckung vorhanden war: Das Reserve Bankwesen war erfunden und mit ihm ein einfacher Weg, die Geldmenge auszuweiten, also zu inflationieren. Nun konnten sie diese zusätzlichen Banknoten zu einem positiven Zinssatz an Kreditnehmer verleihen. Und weil sie mit dem Verleihen Geld verdienten, konnten sie den Kunden Zinsen zahlen, statt von ihnen eine Aufbewahrungsgebühr zu verlangen. So waren alle zufrieden.

Seit Gründung der US-Notenbank 1913 verlor der US-Dollar nach offiziellen staatlichen Berechnungen rund 95 % seiner Kaufkraft, seit Greenspans Amtsantritt immerhin fast 40 %. Zu Zeiten des Goldstandards beispielweise von 1800 bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Preisniveau konstant. Trotz dieser traurigen Statistik werden die Notenbanken allenthalben als erfolgreiche und unverzichtbare Währungshüter gefeiert.

Pantha rei, nicht ist von Dauer, alles fließt.

Wenn knappe Bankreserven einen Wirtschaftsabschwung auslösten, argumentieren die Wirtschaftsinterventionisten, warum sollte man dann nicht einen Weg finden, um den Banken mehr Reserven zuzuführen, sodass sie nie knapp sein müssen? Wenn Banken fortfahren können, endlos Geld zu verleihen, so wurde behauptet, dann müssen keine wirtschaftlichen Abschwünge mehr stattfinden. Und deshalb wurde im Jahr 1913 das US-Zentralbanksystem organisiert.

Wie alle Geheimkünste, scheinen auch die Regenmacher größtenteils selbst an ihre Kunst zu glauben und es wird schwer zu sagen, wo der Selbstbetrug aufhört und der gewöhnliche Betrug anfängt. Kann der Regendoktor oder Medizinmann den versprochenen Regen nicht schaffen, so braucht er dieselbe Ausflucht wie alle Zauberkünstler der Welt. Er gibt vor, es sei irgendein Einfluss, ein Gegenzauber vorhanden, der seine sonst unfehlbaren Mittel unwirksam mache. Ihre Aufgabe war es, für Regen und gute Ernten zu sorgen. Insbesondere während der deutlich überwiegenden Jahre, in denen keine Dürre auftrat, erfüllten Regenmacher ihre Aufgabe mit Bravour. In den seltenen Dürrejahren gelang es ihnen zumeist gute Gründe für den Zorn der Götter und eine glaubhafte Ausrede für ihre Erfolglosigkeit zu finden. In den sehr seltenen Fällen, in denen diese Strategie nicht fruchtete, wurden sie durch vermeintlich fähigere Personen ersetzt. Absurd? Die heutigen Regenmacher unserer Tage – die Wohlstandsmacher – sehen wir vor allen in der Chefetage der Notenbank am Werk. Es handelt sich dabei um eine moderne gesellschaftliche Elite, von der das Unmögliche erwartet wird und die dem geneigten Beobachter vorgaukelt, eben dieses Unmögliche zu leisten. Da einerseits die Funktion des Zentralbanksystems für die meisten Menschen ein Buch mit 7 Siegeln ist, dessen Unverständlichkeit von den Akteuren bewusst gepflegt wird und andererseits fast niemand der Faszination des Geldes widerstehen kann, entsteht ein fast mystisches Image. Die nach Halt und Erklärungen und Führung suchenden Massen verlangen ganz offensichtlich nach einem Aufhänger für ihre irrationalen Heilserwartungen. Früher leistet die Religion diese Funktion, dann wurde sie von anderen Ideen und Politiker übernommen. Bleiben alle Zaubermittel erfolglos, so muss der Zauberer sehen, wie er sich auf schlaue Weise aus dem Staub macht, sonst wird die Sache zuweilen für ihn gefährlich, es sollen sogar Regendoktoren eines gewaltsamen Todes sterben und derselbe Mann der vorher als Wundertäter gefeiert wurde, wird nun zu Tode gemartert. Trotzdem gibt es immer wieder Nachfolger für diesen gefährlichen aber einträglichen Beruf.

Der Hang zu betrügen und betrogen zu werden, verläuft während des Booms parallel zum Hang zum Spekulieren.

Damals wurden Mitarbeitoptionen in den USA buchhalterisch so behandelt als wären sie wertlos, finden also keinen Eingang in die Gewinn und Verlustrechnung, wo sie den Gewinn schmälern würden. Die Steuern die ein Angestellter zahlt, wenn er seine Mitarbeitoption ausübt, kann das Unternehmen von seiner eigenen Steuerschuld abziehen. Die Investmentbank Morgan Stanley legte im Jahre 2002 eine Studie vor, die besagte, dass die Gewinne der S&P 500 Unternehmen durchschnittlich 8 % überzeichnet, die des Technologie Sektors gar um 17 % überzeichnet waren.

Solange die Kurse stiegen, schien alles erlaubt zu sein. Der Wunsch, betrogen zu werden, war ganz weit verbreitet genau wie die Bereitschaft ihn zu erfüllen.

Seit Jahren wird von „Windowdressing“ im Zusammenhang mit Aktivitäten von Fonds berichtet. Es scheint sich dabei um Aktienkäufe zu handeln, deren Ziel es ist, steigende Kurse zu bewirken und nicht etwa im Interesse der Anleger möglichst billig in den Besitz von Aktien zu gelangen. Da Kursmanipulationen verboten sind, wundern wir uns natürlich über die Selbstverständlichkeit, mit der überall darüber berichtet wird.

Während einer Spekulationsblase wird unsinniges und langfristig ökonomisch nicht tragfähiges und kriminelles Verhalten belohnt. Erst nach dem Platzen der Blase, wenn Geld verloren wird, kommen die Leichen aus dem Keller hoch.

Veränderung ist Normalität, Stabilität nur ein vorübergehender Zustand. In guten wie in schlechten Zeiten gilt das entweder tröstende und zur Bescheidenheit mahnende Motto: „Auch das wird vorüber gehen.“ Die meisten Menschen wünschen sich stabile Zeiten und fürchten Veränderungen, da Letztere natürlich mit großen Unsicherheiten verbunden sind. Das ist jedoch nur eine Seite der Medaille, denn große Veränderungen bergen nicht nur große Risiken, sondern auch ebenso große Chancen. Wer sich bewusst den Herausforderungen stellt und die auf Umbrüche hindeuteten Zeichen ernst zu nehmen bereit ist, kann sicherlich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, nicht als passiver Spielball der Zeitläufe hin- und hergeworfen zu werden, sondern aktiv sein Schicksal zumindest teilweise mitzubestimmen.

Interventionismus und Manipulation nahezu aller Märkte durch Politiker und Notenbanken sind also an der Tagesordnung. Die durch ein Staatsmonopol geschützten Notenbanker sind also an der Tagesordnung. Die durch ein Staatsmonopol geschützten Notenbanken verhindern ausdrücklich die Etablierung von Marktkräften bei Währungen, schließlich ist in jedem modernen Staat ein politisch verfügtes gesetzliches Zahlungsmittel gültig.

Freie Märkte für freie Menschen. Eine Möglichkeit Luft aus einer Spekulationsblase zu lassen ist, die Deckung von Wertpapierkrediten zu erhöhen. Das gleiche gilt für das Reserve Bank System. Die Banken müssten mehr Eigenkapital halten, dass heißt ihre Bilanzsumme verkleinern oder mehr Eigenkapital aufnehmen. Eine radikalte Lösung des Papiergeldproblems verlangt schließlich den Rückzug des Staates und freien Wettbewerb auch bei Geld. Der Marktmechanismus, so die Vertreter dieser Denkrichtung werde entscheiden, was von den Menschen als Geld akzeptiert wird und was nicht. Ein gesetzliches Zahlungsmittel gibt es in diesem Szenario nicht

1€ herzustellen kostet umgerechnet 0,08 €.

TULPENMANIE

Bei der Tulpenmanie (auch Tulipomanie, Tulpenwahn, Tulpenfieber oder Tulpenhysterie; niederl. tulpenwoede, tulpengekte oder bollengekte) handelt es sich um eine Periode im Goldenen Zeitalter der Niederlande, in der Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt wurden. Tulpen waren seit ihrer Einführung in den Niederlanden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Lieberhaberobjekt. Sie wurden in den Gärten der sozial gehobenen Schichten des gebildeten Bürgertums, der Gelehrten und der Aristokratie kultiviert. Zu den auf Tauschhandel gegründeten Beziehungen dieser Liebhaber kam zum Ende des 16. Jahrhunderts der kommerzielle Handel mit Tulpen hinzu. In den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts steigerten sich die Preise für Tulpenzwiebeln auf ein vergleichsweise sehr hohes Niveau, bevor der Markt zu Beginn des Februars 1637 abrupt einbrach. Die Tulpenmanie wird als die erste relativ gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte angesehen. Sie wird auch metaphorisch zur Charakterisierung anderer anscheinlich irrationaler und riskanter Finanzentwicklungen gebraucht. Jedoch gehen die Deutungen über den Anlass, den Verlauf und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Tulpenmanie auseinander. Für die traditionelle Lesart der Ereignisse und Auswirkungen, die sich schon in der zeitgenössischen Kritik findet und von späteren Interpretationen aufgegriffen wurde, waren in den Handel mit Tulpen in den 1630er Jahren große Teile der niederländischen Bevölkerung bis in die untersten Gesellschaftsschichten involviert. Der rasche Preisverfall bedeutete demgemäß den Ruin vieler Beteiligter und hätte der niederländischen Wirtschaft insgesamt einen schweren Schaden zugefügt. Neuere Lesarten bemühen sich hingegen, den Preisanstieg und Preisverfall von Tulpen nicht als irrationale Manie darzustellen. So zeigen die Preiskurven von Tulpen und anderen neu eingeführten Blumen wie Hyazinthen einen ähnlichen Verlauf. Die Tulpenmanie war demnach kein singuläres Ereignis. Untersuchungen des Wandels der gesetzlichen Regeln des Tulpenhandels zeigen, dass die Bereitschaft, für Tulpen steigende Preise zu zahlen, eine rationale Reaktion auf veränderte institutionelle Bedingungen war. Studien der historischen Quellen weisen zudem darauf hin, dass der Tulpenhandel immer ein Phänomen der wohlhabenden Schichten geblieben ist und keine einschneidenden wirtschaftlichen Konsequenzen nach sich zog. Tulpen als Handelsware Zunächst wurden die Zwiebeln nur während der Pflanzzeit in den Sommermonaten gehandelt. Die gerodeten Zwiebeln wurden dabei in Spotmärkten verkauft. Da sich aber der Handel mit Tulpen nicht auf diese kurze Periode beschränken ließ, gingen die Händler dazu über, auch solche Zwiebeln zu kaufen und zu verkaufen, die sich noch in der Erde befanden und erst später, nach der Blüte, ausgegraben werden konnten. Diese Börsen- bzw. Terminkontrakte konnten notariell beglaubigt werden oder wurden inoffiziell auf Papierstreifen (coopcedulle) festgehalten. Gelegentlich bedienten sich die beiden Handelsparteien eines Vermittlers (seghsman) zur Aushandlung der Kaufbedingungen. Die Bezahlung der Tulpen war gewöhnlich dann fällig, wenn die Zwiebeln nach der Blüte aus der Erde genommen und übergeben wurden. Als Konsequenz entwickelte sich der Tulpenhandel zum Spekulationsgeschäft, da niemand in der Lage war, verbindliche Aussagen darüber zu treffen, wie die gehandelten Tulpen aussehen, noch ob sie in der neuen Saison überhaupt blühen würden. Aufgrund dieser unklaren Handelsgrundlage wurde das Geschäft mit Tulpen auch als windhandel bezeichnet. Zum Zwecke der Veranschaulichung des zu erwartenden Aussehens einer Tulpe gaben die Züchter und Händler Stiche, Aquarelle und Gouachen von Tulpensorten in Auftrag und sammelten diese in Handels- bzw. Versteigerungskatalogen, sogenannten Tulpenbüchern, von denen sich 45 erhalten haben. Die Besonderheit dieser Tulpenbücher ist, dass neben den Illustrationen selbst auch die Namen und gelegentlich zudem das Gewicht und die Preise der abgebildeten Sorten am Rand der Blätter verzeichnet sind. Diese Form des Handels mit Tulpenzwiebeln erweiterte sich mit der steigenden Beliebtheit der Pflanze. Ab der Mitte der 1630er Jahre ist im Vergleich zu anderen Produkten ein Preisanstieg zu bemerken. Spätestens um das Jahr 1634 betraten Spekulanten den Markt, die Tulpen nicht nur in der Hoffnung kauften, sie zu späterer Zeit selbst in ihren Garten zu setzen, sondern sie erwarben, um sie bei steigenden Preisen mit Gewinn weiterzuverkaufen. Diese Art des Tulpenhandels als Leerverkauf war auch in anderen Sektoren der niederländischen Wirtschaft verbreitet. So verkaufte die Niederländische Ostindien-Kompanie ihre verschifften Waren, noch bevor diese ausgeliefert werden konnten. Jedoch untersagten die Generalstaaten 1610 diese Art des Handels, und das Verbot wurde in den Folgejahren, 1621, 1630 und 1636, bestätigt. Dies bedeutete, dass entsprechende Verträge nicht vor Gericht einklagbar waren. Jedoch wurden die Händler, die solcherart Geschäfte betrieben, auch nicht explizit verfolgt, so dass Formen des Leerverkaufs stets genutzt wurden, obwohl sie in einer juristischen Grauzone stattfanden. Auch konnten diese Verdikte nicht verhindern, dass Optionsscheine auf Tulpenzwiebelanteile gehandelt wurden. Die umfassendste Beschreibung der Organisation des niederländischen Tulpenhandels zur Zeit der Tulpenmanie hat sich in dem spekulationskritischen Pamphlet Samen-Spraek tusschen Waermondt ende Gaergoedt, Nopende de opkomste ende ondergangh van Flora erhalten, das drei satirische Dialoge der beiden Weber Gaergoedt („Habgier“) und Waermondt („Wahrmund“) wiedergibt und kurz nach dem Ende der Spekulationsblase 1637 von Adriaen Roman aus Haarlem verbreitet wurde. Folgt man der dortigen Beschreibung, dann fand der Handel mit Tulpenzwiebeln nicht in Börsengebäuden statt, sondern die Händler trafen sich in sogenannten Kollegs (collegie bzw. comparitje) in bestimmten Herbergen und Schankhäusern. Bei den Treffen der collegiën wurden Tulpen gehandelt, bewertet und das Wissen um Sorten und Akteure ausgetauscht. Tulpenzwiebeln wurden zum Teil als einzelne Zwiebelexemplare, zum Teil nach Gewicht verkauft, im Speziellen nach der Goldschmiedeeinheit asen (ein Aes = 0,048 Gramm, ein Pfund = 9.729 Asen (Haarlem) bzw. 10.240 Asen (Amsterdam)). Der Verkäufer hatte die Möglichkeit einer Auktion (in het ootjen) oder beide Seiten schrieben ihren Preiswunsch auf einen Zettel bzw. ein Brett (borden) und zwei jeweils gewählte Unterhändler (seghsmannen) einigten sich auf einen Preis (met de Borden). Käufer waren aber verpflichtet, eine Gebühr von 2,5 Prozent des Verkaufspreises bzw. bis zu drei Gulden (das sog. „Weingeld“ bzw. wijnkoop in holländischen Gulden, also in florins (Dfl) bzw. guilders) zu zahlen, die vor Ort für Speisen, Getränke und Trinkgelder ausgegeben wurden. Wenn man aus bereits angelaufenen Verkaufsverhandlungen wieder aussteigen wollte, dann war die Zahlung eines rouwkoop (Bußgeld) fällig. Mitunter wurde die Verpflichtung, eine Zwiebel zu liefern, über Zwischenhändler weiterverhandelt. Tulpen wurden außerdem auf offiziellen Auktionen versteigert, wie bei den Auktionen der Weeskamer (Waisenhaus), wenn diese den Nachlass eines Verstorbenen zu Gunsten seiner Kinder versteigerten.

Schon in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts war es unter Umständen möglich, für einzelne Tulpensorten sehr hohe Preise zu erzielen. Beispielhaft hierfür steht die Tulpe Semper Augustus, welche später, im Jahr 1637, als teuerste Tulpe aller Zeiten gehandelt wurde. So wurde bereits 1623 berichtet, dass alle damals existierenden zwölf Tulpen dieser Sorte dem Amsterdamer Bürger Adriaan Pauw auf seinem Gut Heemstede gehörten. Jede dieser Zwiebeln kostete 1623 1.000 Gulden, 1624 stand der Preis bei 1.200 Gulden, 1633 war er auf 5.500 Gulden gestiegen und 1637 wurden für drei Zwiebeln 30.000 Gulden geboten.[54] Zum Vergleich: Das Durchschnittsjahreseinkommen in den Niederlanden lag bei etwa 150 Gulden, die teuersten Häuser an einer Amsterdamer Gracht kosteten rund 10.000 Gulden.[55] Jedoch scheinen diese sehr hohen Tulpenpreise zu jener Zeit die Ausnahme gewesen zu sein. So wurde 1611 Tulpen der Sorte Cears op de Candlelaer („Kerzen auf einem Leuchter“) für 20 Gulden verkauft und aus dem Oktober 1635 haben sich Daten zum Verkauf einer Tulpe der Sorte Saeyblom van Coningh für 30 Gulden erhalten. Dass die Preise für Tulpenzwiebeln zu Beginn der 1630er Jahre anzogen, lässt sich an den Sorten ablesen, für die in zeitlicher Folge mehrere Preisdaten verfügbar sind. Beispielsweise kostete eine Tulpe der Sorte Groot Gepluymaseerde am 28. Dezember 1636 0,07 Gulden per Aes und am 12. Januar 1637 0,15 Gulden per Aes, was einer Preisverdopplung gleichkommt. Der Preis für Tulpen der Sorte Switserts stieg in diesem Zeitraum von 125 Gulden für das Pfund auf 1.500 Gulden für das Pfund, ein zwölffacher Anstieg. Verlauf der Tulpenmanie Ihren Höhepunkt erreichten die Preise für Tulpen bei der Weeskamer-Versteigerung am 5. Februar 1637 in Alkmaar, welche die weesmesters (Rektoren des Waisenhauses) für die Nachkommen von Wouter Bartholomeusz Winckel veranstalteten. Auf der Auktion wurden für 99 Posten Tulpenzwiebeln insgesamt rund 90.000 Gulden erzielt, jedoch finden sich weder für die einzelnen Preise noch für die Käufer verlässliche Belege. Das kurze Zeit nach der Auktion erschienene Flugblatt Lijstje van Eenighe Tulpaen verkocht aan de meest-biedende op den Februarij 1637 enthält eine Preisliste, doch ohne Angaben, wer diese Summen auf der Auktion geboten haben soll. Der durchschnittliche Preis der versteigerten Tulpen betrug 792,88 Gulden. Das meiste Interesse zogen in der Folgezeit aber die Tulpen auf sich, für welche weitaus höhere Preise geboten worden sein sollen. So kam eine Tulpe der Sorte Viceroy für 4.203 Gulden unter den Hammer, eine Admirael van Enchhysen wurde für 5.200 Gulden verkauft. Doch bereits zwei Tage zuvor, am 3. Februar 1637, hatte die Krise in Haarlem ihren Anfang genommen, als bei einer der regelmäßigen Wirtshausversteigerungen keine der angebotenen Tulpen zu dem erwarteten Preis verkauft werden konnte. In den nächsten Tagen brach dann in den gesamten Niederlanden der Tulpenmarkt zusammen, weil das System des spekulativen Handels so lange funktionierte, wie die Händler mit steigenden Preisen und der Option rechneten, dass am Ende der Handelskette ein Käufer bereit wäre, die reale Tulpenzwiebel zu erwerben. Als sich keine neuen Käufer fanden, die in die Preisspirale einsteigen wollten, fiel der Wert von Tulpen über Nacht um geschätzt mehr als 95 Prozent. Am Ende der Spekulationsblase fanden sich Händler mit Verpflichtungen, Tulpen zu einem Preis weit über den aktuellen Marktpreisen zu erwerben, während andere Tulpenzwiebeln besaßen, die nur noch einen Bruchteil des Wertes besaßen, für den sie erworben wurden.

Darién-Projekt Das Darién-Projekt war der Versuch, eine schottische Kolonie in Panama zu etablieren. Das katastrophale Scheitern des Projekts brachte Schottland an den Rand des Staatsbankrotts, und beschleunigte so den Zusammenschluss mit England zum neuen Vereinigten Königreich von Großbritannien. Vorgeschichte Im Laufe des 17. Jahrhunderts profitierte England zunehmend von seinen Kolonien in Übersee, insbesondere in Nordamerika. Seit 1603 war der König von England auch König von Schottland (bzw. die schottischen Stuarts erbten den englischen Thron), trotzdem blieb den Schotten der Zugang zu den englischen Kolonien verwehrt, was zu einem wirtschaftlichen Nachteil für Schottland wurde. Kolonien standen zu diesem Zeitpunkt unter der Verwaltung einer Handelskompanie („company“), die ein Patent des Königs für die Kolonie besaß und damit das Recht, über die Beteiligung an einer Kolonie zu entscheiden; die Schotten waren ausgeschlossen, da sie nicht englische Bürger waren. Der schottische Finanzexperte William Paterson, der in London die Bank of England gegründet und in England ein Vermögen gemacht hatte, dachte zu diesem Zeitpunkt, er hätte eine Lösung für das Dilemma. Er gründete die Company of Scotland – eine schottische Handelsgesellschaft – und plante, eine Kolonie in Darién in der Region des heutigen Panama zu gründen. Das Subskriptionsbuch der Company of Scotland wurde am 13. November 1695 in London eröffnet, man wollte die Stärke des englischen Geldmarktes ausnutzen. Innerhalb kurzer Zeit war das angestrebte Volumen von 300.000 Pfund gezeichnet, was die erste Krise der Company bedeutete: Im Zeitalter des Merkantilismus ging man davon aus, dass der Reichtum jeder Nation begrenzt war und somit der Reichtum Englands von den Schotten verwendet wurde, um England Konkurrenz zu machen. Englische Kaufleute, vor allem aber die Britische Ostindien-Kompanie sahen ihre Stellung gefährdet. Der Fall wurde im House of Lords diskutiert, wozu die (englischen) Vorstände der Company unter Strafandrohung geladen wurden. Eine Abordnung aus Vertretern beider Parlamentshäuser reiste zu König William in die Niederlande, um offiziellen Protest einzulegen. Der König unterschrieb ein Dokument, in dem er erklärte, von den Schotten schlecht behandelt worden zu sein („ill-served in Scotland“). Nach einer Neuauflage der Subskription in Schottland wurde die Hälfte des gesamten Kapitals Schottlands in Patersons Gesellschaft gesteckt, aber das Abenteuer endete als Desaster: Das ausgewählte Gebiet war malariaverseucht, und die schottischen Siedler wurden von spanischen Kolonisten angegriffen. Gründung und Untergang Mit der Gründung der Company of Scotland am 26. Februar 1696 entwickelte sich in Schottland der Wunsch, wie auch England, Frankreich und Spanien eigene Kolonien zu gründen. Zur Finanzierung wurden Anleihen zur Zeichnung ausgegeben, bei denen alle Schotten, die es sich leisten konnten, soviel investierten, wie sie konnten. Das Kolonisierungsprojekt sollte 400.000 schottische Pfund kosten. Am 3. August wurden die Listen wieder geschlossen, wobei die Zahlungen noch nicht eingegangen waren. Zwar musste der König, Wilhelm, eigentlich die schottische Siedlung New Edinburgh (und die Schiffe) genauso beschützen wie seine englischen Untertanen, stellte aber seine anderen Interessen (kein Konflikt mit Spanien, dessen Kolonien in der Karibik dadurch beengt wurden) darüber und ordnete an, dass die englischen Stützpunkte in Amerika den Schotten nicht helfen sollten. Krankheiten und Hunger führten dazu, dass alle 2000 Siedler starben, außer einem knappen Dutzend, das zu schwach für die Rückreise war und sich den Spaniern ergab. Im Laufe des Jahres 1700 wurde klar, dass das Projekt gescheitert war, und das Geld für die Schotten verloren. Die Informationen hatten wegen des fehlenden Kontaktes zu der Region Jahre gebraucht, auf Gerüchte aus Spanien war nicht gehört worden. Folgen Von dem geplanten Gesamtkapital von 400.000 Pfund waren ₤153.448 Scots (etwa ein Zwölftel des Stirling) tatsächlich gezahlt worden, und einige Herzöge und Grafen waren durch die Hungersnot in der gleichen Zeit wirtschaftlich so geschwächt, dass ihnen und ihren Untertanen der Hungertod drohte. Die Staatsfinanzen waren zerrüttet, auch der sonst erfolgreiche John Law konnte sie nicht reformieren. Königin Anne von England sah nun die Möglichkeit, die Unabhängigkeit Schottlands vollends abzuschaffen. In den Jahren 1706/07 wurde der Act of Union ausgehandelt, und England übernahm die schottischen Staatsschulden. Schottland erhielt eine Zollunion mit England und seinen Kolonien, das schottische Parlament ging aber in sehr reduzierter Form in Westminster auf. Insgesamt hatten die Schotten (und die meisten hatten soviel investiert wie sie konnten) 153.448 Schottische Pfund verloren, über 12.000 Pfund Sterling, die nun in den englischen Staatsschulden aufgehen würden. Diese Katastrophe war der ausschlaggebende Grund für die Gründung Großbritanniens, ohne die eine Hungersnot ausgebrochen wäre. Kritiker wie die Räte von Perth und Glasgow, die dadurch ihren Abgeordneten verloren, meinten deswegen schon damals, Schottland sei eingekauft worden.

Gründerzeit Als Gründerzeit wird die wirtschaftliche Phase in Deutschland und Österreich im 19. Jahrhundert bis zum großen Börsenkrach von 1873 bezeichnet. In dieser Zeit findet die Industrialisierung in Mitteleuropa statt, deren Anfänge in den 1840er-Jahren liegen. Daraus ergibt sich, dass für diese Periode kein genauer Anfangszeitpunkt angegeben werden kann. In den letzten Jahren vor dem großen Krach allerdings (in Deutschland nach dem gewonnenen Krieg von 1870/1871, in dessen Gefolge massenhaft französisches Kapital vor allem aus Reparationen ins Land strömte) gipfelte der wirtschaftliche Aufschwung dieser Periode in einem vorher nicht gekannten Boom, diese letzten Jahre gelten als Gründerjahre im engeren Sinne. Die Gründerzeit fällt in die Epoche in Mitteleuropa, in der das Bürgertum die kulturelle Führung übernahm. Daher ist sie auch die große Zeit des klassischen Liberalismus, auch wenn dessen politische Forderungen nur teilweise und relativ am Ende dieses Zeitraumes umgesetzt wurden. Die Industrialisierung stellte auch ästhetisch neue Aufgaben, vor allem in der Architektur und im Kunsthandwerk. Dies drückte sich allerdings in einer eklektizistischen Weiterentwicklung vorhandener Formen aus. In der Umgangssprache ist mit Gründerzeitstil daher der Historismus gemeint. Da der Historismus aber bis nach 1900 der vorherrschende Stil blieb, ergibt sich daraus eine gewisse Unschärfe des umgangssprachlichen Gebrauchs. In stilgeschichtlichen Zusammenhängen wird daher oft auch von späteren Jahrzehnten als „Gründerzeit“ gesprochen. Mit Gründerzeit werden daher manchmal sehr unterschiedliche Zeiträume bezeichnet, beispielsweise 1850–1873, 1871–1890, manchmal sogar 1850–1914 oder überhaupt nur die Jahre 1871–1873. Zeitgenössisch ist dieser Ausdruck aber nur für die Zeit um 1870 und ausschließlich im Zusammenhang mit dem damaligen Wirtschaftsaufschwung. Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew beschreibt den Wirtschaftsaufschwung dieser Periode als die aufsteigende Phase des zweiten Kondratjew-Zyklus. Aufschwung Der Ausdruck „Gründerzeit“ bezieht sich auf den umfassenden wirtschaftlichen Aufschwung der Mitte des 19. Jahrhunderts, in dem Unternehmensgründer scheinbar über Nacht reich werden konnten. Ein entscheidender Faktor für die rasante Wirtschaftsentwicklung war der Eisenbahnbau. Typische „Gründer“ sind daher Eisenbahnpioniere wie Bethel Henry Strousberg. Die Eisenbahn hatte auch eine bedeutende Impulswirkung auf andere Industriezweige, etwa durch die gestiegene Nachfrage nach Kohle und Stahl, so dass auch in diesen Bereichen Industrieimperien, wie etwa das von Friedrich Krupp, gegründet wurden. Vor allem aber wurden Kommunikation und Migration enorm erleichtert. Massenhaft wanderten ländliche Unterschichten in die Städte ab, wo sie zum Bestandteil des sich formierenden Proletariats wurden – damals entstand auch die soziale Frage (zeitgenössisch auch Pauperismus genannt). Mit der Eisenbahn wurde aber auch das Distributionswesen revolutioniert, so dass auch außerhalb des industriellen Sektors Massenproduktion möglich wurde. Zu bedeutenden Unternehmensgründern (von Lebensmittelkonzernen) wurden beispielsweise der Bierbrauer Ignaz Mautner und der Kaffeeröster Julius Meinl I.. Überdurchschnittlich war der Anteil von Personen jüdischen Glaubens an den „Gründern“, die ihre nunmehrige Emanzipation und sozialen Aufstiegschancen zu nutzen wussten – in diesem Zusammenhang ist auch das Bankhaus Rothschild zu nennen, das als Financier des Eisenbahnbaus erhebliche Bedeutung hatte. Gründerkrise Dieser Aufschwung erlebte im großen Börsenkrach (Gründerkrach) 1873 ein jähes Ende, und ging in die etwa zwanzigjährige wirtschaftliche Stagnationsphase über, die als Gründerkrise bekannt ist. In dieser nachfolgenden Krise verlor die Theorie des Wirtschaftsliberalismus an Boden und es wurden auch in der Praxis Kontrollmechanismen geschaffen und Schutzzölle eingeführt. Die in dieser Krisenperiode entstehenden kleinbürgerlichen und proletarischen Massenbewegungen waren erklärte Gegner des Wirtschaftsliberalismus. Die verheerendste Folge des großen Krachs war psychologisch. Das Versprechen von Reichtum und Aufstieg für alle schien vorerst gescheitert, in Kreisen kleiner Handwerker und Geschäftsleute stand nunmehr die Angst vor dem sozialen Abstieg durch die industrielle Konkurrenz im Vordergrund, außerdem war durch den Krach auch massiv erspartes Kapital verloren gegangen. In diesen kleinbürgerlichen Kreisen verbreiteten sich rasch allerlei Verschwörungstheorien – insbesondere der Antisemitismus gewann massiv an Boden und wurde in den 1880er-Jahren zu einer breiten politischen Unterströmung. Im Zuge der Industrialisierung wuchs der Bedarf nach Wohnraum, es wurden ganze Stadtviertel auf die grüne Wiese gebaut. Noch heute gibt es in vielen mitteleuropäischen Städten eine große Zahl von Wohnbauten aus der Gründerzeit, die oftmals ganze Straßenzüge oder gar Stadtviertel umfassen. Typisch für den Baustil der sogenannten Gründerzeitarchitektur ist die meist von privaten Wohnungsbaugesellschaften errichtete, etwa vier- bis sechsgeschossige Blockrandbebauung mit ihren reich dekorierten Fassaden. Die einzelnen Dekorationsformen lehnten sich an historische Stilformen an, weshalb die Architektur dieser Prägung zusammenfassend als Historismus bezeichnet wird und Stile wie die Neugotik, Neorenaissance und den Neobarock umfasst. Es entstanden nicht nur Villen und Palais für das reich gewordene (Groß-)Bürgertum, sondern vor allem auch Mietskasernen für die rasant wachsende Stadtbevölkerung. Bedeutend in dieser Phase war auch die Integration neuer Technologien in Architektur und Design. Entscheidend war die Weiterentwicklung der Stahlerzeugung (Bessemer-Verfahren), die beispielsweise Stahlfachwerktürme ermöglichte. Der nur aus Stahl und Glas bestehende Crystal Palace auf dem Gelände der Londoner Weltausstellung von 1851 galt als revolutionär und wegweisend für spätere Jahrzehnte. Auch die Innenarchitektur der Gründerzeit spielte mit den verschiedenen Elementen des Historismus. Die reich ausgestatteten Räume des gehobenen Bürgertums zeichneten sich aus durch die Aufnahme und Imitation älterer Kunststile und Dekors.

Silberspekulation Als die größte Silberspekulation wird die Spekulationsblase im Silbermarkt Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts bis zum Jahr 1980 betrachtet, die insbesondere mit den Brüdern Nelson Bunker Hunt und William Herbert Hunt in Verbindung gebracht wird. Diese kauften im Zusammenspiel mit vermögenden Geschäftsleuten aus Saudi-Arabien riesige Mengen an Silber sowie Silberkontrakten an den Warenterminbörsen und versuchten, den Silbermarkt zu beherrschen. Angelockt durch die steigenden Preise und intensive Berichterstattung in den Medien sprangen immer mehr Anleger auf den Spekulationszug auf und verstärkten den Preisanstieg. Während dieses Zeitraums stieg der Silberpreis von unter 2 auf 50 Dollar pro Feinunze, um anschließend zusammenzubrechen. In den Folgejahren fiel der Silberpreis auf unter 5 Dollar die Unze und verharrte auf diesem Preisniveau für über 20 Jahre. Die ehemaligen Milliardäre Hunt mussten nach dem Zusammenbruch der Spekulation Konkurs anmelden. Das finanzpolitische Umfeld der 70er Jahre Die Silberkäufe der Hunts waren allerdings nicht der einzige Grund, wahrscheinlich nicht einmal der Hauptgrund für den starken Silberpreisanstieg gewesen. Die 70er Jahre waren gekennzeichnet durch große Verunsicherung der Finanzwelt, Ölkrise, bedrohliche Kriege und Krisen (Yom-Kippur-Krieg, Sturz des Schahs im Iran, Afghanistan-Krieg der UdSSR) massiven Anstieg der Staatsverschuldung der USA durch den Vietnam-Krieg, massive Ausweitung der (Papier-)Geldmenge, hohe Inflationsraten verbunden mit hohen Inflationsängsten und nachfolgend Flucht der Kapitalanleger in Sachwerte. So stieg auch der Goldpreis von 35 Dollar im Jahr 1973 auf 850 Dollar im Jahr 1980.

Kreditinduzierte Immobilienblasen Kreditinduzierte Immobilienblasen resultieren aus einer deutlichen Ausweitung oder Verbilligung des Angebots an Immobilienfinanzierungen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Der Effekt ist häufig auf fehlende Markttransparenz oder fehlende Regulierung zurückzuführen. Durch eine deutliche Ausweitung des Kreditangebots durch die systematische Ausweitung der Kreditgewährung auch an Darlehensnehmer mit immer geringerer Bonität ("Subprime-Kredite"), entsteht eine erhebliche zusätzliche Immobiliennachfrage, die auf ein, aufgrund der Begrenzung der Ressource Boden, beschränktes Angebot trifft. Z. B. geschah das in den USA bis 2007. Dies führt in der Folge der steigenden Nachfrage zu steigenden Immobilienpreisen. Der gleiche Mechanismus wirkt bei einer deutlichen Verbilligung der Kreditkosten z. B. durch ein Sinken des Zinsniveaus. Jeder Kreditnehmer kann sich in der Folge "mehr" Immobilie bei gleichbleibender laufender Belastung leisten. Auch hier führt die erhöhte Nachfrage zu steigenden Immobilienpreisen. Unterbleibt, wie in den USA geschehen, bei einem Zusammentreffen derartiger Faktoren eine Intervention durch die zuständigen Aufsichtsgremien, z. B. weil die positiven konjunkturellen Folgen der starken Immobilienpreissteigerung gewollt sind, und fehlt auch die Gegenreaktion des Marktes auf die steigende Kreditnachfrage (durch steigende Kreditkosten bzw. Zinsen) entwickelt sich eine Immobilienblase. Es kommt zu einer sich selbst beschleunigenden Entwicklung, da immer mehr Nachfrage immer höhere Preise rechtfertigt. Fiskalinduzierte Immobilienblasen Durch staatliche Eingriffe in den Immobilienmarkt, z. B. durch spezielle steuerliche Anreize, kann es ebenfalls zu erheblichen Fehlentwicklungen am Immobilienmarkt kommen. Träge staatliche Steuerungspolitik und träge Marktentwicklung (der Bau einer Immobilie ist regelmäßig ein Vorhaben von erheblicher Laufzeit) führen zu einer zu spät erkennbaren Fehlentwicklung. So wurden in Deutschland nach der Wiedervereinigung erhebliche Investitionen in den neuen Bundesländern, unter anderem in Büroimmobilien, induziert. Grund dafür waren steuerliche Anreize für Investoren auf dem Immobilienmarkt. Dadurch wurde ein Bauboom ausgelöst, der, nach mehrjähriger Dauer bis zur Fertigstellung der Gebäude, auf eine deutlich zu geringe Nachfrage traf, in dessen Folge der Wert der betroffenen Immobilien empfindlich abstürzte. Im Zusammenhang mit der Einführung des Euros im Jahre 2002 hatten in Spanien zahlreiche Personen und Firmen versucht, Schwarzgeld in Peseten durch Immobilienkäufe reinzuwaschen. Der dadurch angestoßene Preisanstieg entwickelte eine Eigendynamik, die erst im Sommer 2007 gestoppt werden konnte.

Florida-Landboom 1926 Der Florida-Landboom 1926 war Floridas erste Immobilienblase. Sie platzte 1925 und hinterließ eine Reihe von auf dem Reißbrett geplanten neuen Städte und Entwicklungsprojekte, wie etwa die Isola di Lolando im Norden der Biscayne Bay. Durch die Gründung von Städten auf der grünen Wiese, die noch heute existieren, wurde Floridas Zukunft auf Jahrzehnte im voraus beeinflusst. Der wirtschaftliche Wohlstand hat in den 1920er Jahren die Voraussetzungen für die sich entwickelnde Landspekulation in Florida geschaffen. Miami hatte sich ein Image eines Tropenparadieses erworben und Investoren aus den gesamten Vereinigten Staaten bekamen Interesse an Immobilien in Miami. Teilweise aufgrund der Fähigkeit von Landerschließern, für Publizität zu sorgen – wie etwa Carl G. Fisher aus Miami Beach, der Bekanntheit dadurch erlangte, dass er auf dem Time Square in New York City eine riesige beleuchtete Reklametafel mietete, die darauf hinwies „It’s June In Miami“, –, stiegen die Preise für Eigentum und aufgrund von Spekulationen begann ein Grundstücks- und Entwicklungsboom. Im Januar 1925 wurden negative Pressestimmen laut. Das Forbes Magazine warnte davor, dass die Preise für Grundstücke in Florida lediglich auf der Erwartung basierten, einen späteren Käufer zu finden und nicht auf einem realen Landwert.] New Yorker Bankiers und der Internal Revenue Service begannen unabhängig voneinander, den Immobilienboom Floridas als riesige Täuschungsoperation zu zerpflücken. Der Wunsch von Spekulanten, große Gewinne zumachen, wurde schwer erfüllbar, weil neue Käufer sich nur schwer fanden. Das unausweichliche Platzen der Blase hatte begonnen. Im Oktober 1925 versuchten die Eisenbahngesellschaften, die überstrapazierte Situation in Floridas Eisenbahnnetz zu verbessern und verhängten einen Bann auf alle Güter mit Ausnahme von Lebensmitteln, wodurch die steigenden Lebenshaltungskosten noch stärker wuchsen. Neue Käufer blieben aus und deswegen endete die Preisspirale, die den Landboom angeheizt hatte. Die Tage, an denen Immobilien in Miami innerhalb eines Tages auf Versteigerungen zehnmal gekauft und wieder verkauft wurden, waren vorbei. Am 10. Januar 1926 kenterte der rund 80 m lange Schoner Prinz Valdemar in der Einfahrt des Hafens von Miami. Das ehemalige dänische Kriegsschiff war auf dem Weg nach Florida, um in ein schwimmendes Hotel umgewandelt zu werden. Die Eisenbahnen, die durch den Transportbedarf für Baumaterial und Lebensmittel ausgelastet waren, hoben ihre Frachtraten an. Da die Seeroute nach Miami blockiert war, begann das Gesicht Miamis als tropisches Paradies zu bröckeln. In seinem Buch „Miami Millions“ schrieb Kenneth Ballinger, dass das Kentern der Prinz Valdemar vielen Leuten eine Menge Geld gerettet hat. Im selben Jahr brachte der Miami-Hurrikan 1926 für viele angeschlagene Entwicklungsprojekte den Bankrott. Der Okeechobee-Hurrikan von 1928 und der Schwarze Freitag von 1929 waren weitere Eckpunkte für den Abwärtstrend der wirtschaftlichen Entwicklung des Bundesstaates und der Landboom endete, noch bevor die Weltwirtschaftskrise richtig begann. Diese Rezession und das Eintreffen der Mittelmeerfruchtfliege vernichteten sowohl die Tourismusbranche als auch die Erzeuger von Zitrusfrüchten, von denen Florida abhängig war. Innerhalb weniger Jahre wandelte sich ein idyllisches Tropenparadies in ein bleiches, feuchtes und abgelegenes Gebiet ohne wirtschaftliche Aussichten. Die Wirtschaft Floridas erholte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Bubble Economy Unter einer Bubble Economy (deutsch Blasen-Wirtschaft) versteht man eine Volkswirtschaft, die (zunächst) durch eine Spekulationsblase profitiert und nach dem Platzen der Blase darunter leidet: Die Überwertung von Geldanlagen (insbesondere Aktien und Immobilien) führt zu erhöhtem Konsum und gleichzeitig zu erhöhten Investitionen. Grund für die Konsumerhöhung ist, dass die Wertsteigerungen zu Vermögenserhöhungen der Bürger führen, von denen ein Teil in den Konsum fließt. Grund für die Erhöhung der Investitionen ist, dass die Aktiengesellschaften Kapital zu einer niedrigen Verzinsung erhalten. Hierdurch erscheinen Investitionen, die nur eine geringe Rentabilität haben, attraktiv. Bedingt durch diese positiven Wirkungen kommt es zu zusätzlichem Wirtschaftswachstum und damit zu einer positiven Rückkopplung. Sobald die Blase jedoch platzt, sind die volkswirtschaftlichen Wirkungen genau umgekehrt: Konsum und Investitionen müssen spürbar reduziert werden. Dies führt zu einer Wirtschaftskrise. Aktien- und Immobilienmarkt in Japan Das bekannteste Beispiel für eine Bubble Economy ist der japanische Aktien- und Immobilienmarkt der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Im Plaza-Abkommen 1985 vereinbarten die G5 (USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich) eine Abwertung des US-Dollar gegenüber den Währungen der anderen vier Länder. Insbesondere der Yen machte gegenüber dem Dollar innerhalb von zwei Jahren eine kontrollierte Wertsteigerung um 100 Prozent, der durch Spekulationen weiter angeheizt wurde. Internationale Investoren und die Japaner selbst kauften alles, was seinen Wert in Yen hatte, zum einen Yen selbst, aber auch japanische Aktien und Immobilien, um von der Wertsteigerung des Yen zu profitieren. Durch die Nachfrage wurden Börse und Immobilienmarkt weiter angeheizt, und eine Spirale nach oben begann. Im Louvre-Abkommen sollte nun gegengesteuert und der Dollar wieder aufgewertet werden, aber die Spirale in Japan drehte sich weiter. Auf dem Höhepunkt der Blase war der Park des Kaiserpalastes im Zentrum von Tokio nach Schätzungen genauso viel wert wie alles Land in Kalifornien zusammen, und fast zwei Drittel des gesamten Weltimmobilienwertes war in der Tokyoter City konzentriert. Strenge japanische Auflagen, die gegenseitige Unterstützung in der Wirtschaft und der schiere Preis der Unternehmen verhinderten dabei, dass ein japanisches Unternehmen übernommen wurde. Die japanischen Unternehmen selbst profitierten von dem (im Vergleich zur USA) gestiegenen Wert ihrer Aktien und Grundstücke und gingen in den USA auf Einkaufs- und Übernahmetour. Dass der gestiegene Wert des Yen auch die Arbeitskosten in Japan relativ zum Rest der Welt erhöhte, glichen die japanischen Unternehmen dadurch aus, dass sie die Produktion weiter ins Ausland verlagerten, insbesondere nach Südostasien. Die Situation wurde riskant, als japanische Banken begannen, Kredite auszugeben, die durch die überbewerteten Immobilien abgesichert sein sollten (Kredite wurden ausgegeben, die dem Immobilienkauf dienten). Im Jahr 1990 platzte die Blase. Der Wert der Immobilien sank innerhalb kurzer Zeit auf ein Viertel zurück und der Aktienmarkt implodierte. Die Banken blieben auf ihren Krediten sitzen. Mehrere große japanische Banken und Lebensversicherer mussten Konkurs anmelden, andere konnten von der Regierung gerettet werden. Da viele der Verantwortlichen in den betreffenden Unternehmen Selbstmord begingen, wurden die Insolvenzverfahren zusätzlich verkompliziert. Mehrere Jahre konnte sich die japanische Wirtschaft nicht davon erholen, diese Zeit wird in Japan auch als das „Verlorene Jahrzehnt“ bezeichnet. Diese Zeit war geprägt von Deflation und Nullwachstum (siehe auch Kakaku Hakai). Nur langsam konnte der Bankensektor saniert werden, und die Staatsverschuldung stieg durch immer wieder verpuffende Konjunkturprogramme auf über 150 Prozent des BIP. Das lange erfolgreiche japanische Prinzip, viele Bereiche der Sozialversicherung durch die lebenslange Unternehmenszugehörigkeit zu ersetzen, wurde durch die zahlreichen Insolvenzen und Krisen in seinen Grundfesten erschüttert. Andererseits herrschte während des „Verlorenen Jahrzehnts“ ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent, weshalb der Begriff unter Umständen irreführend ist. Auf die wirtschaftliche Krise folgte auch die politische Krise. In der heißen Phase der Bubble Economy ließen sich viele Politiker wohlwollend am Geldüberfluß der Wirtschaft beteiligen, die Korruption grassierte. Im Jahr 1993 war die gesamte LDP-Führung in Skandale verwickelt. Sie verlor die Unterhauswahlen und stellte zum ersten Mal seit den 1950er Jahren nicht die Mehrheit im Kabinett. Immobilienmarkt in Irland In den 2000ern wurden von irischen Banken immer mehr Kredite für Bauprojekte vergeben, so dass am Ende fast ein Viertel des Bruttoninlandproduktes auf die Baubranche fiel. Im Rahmen der Finanzkrise ab 2007 kollabierte dieses Schneeballsystem. Inzwischen stehen mehrere 100.000 Gebäude leer.

Das japanische Wirtschaftswunder Vom Beginn der 1960er Jahre bis zur ersten Ölkrise 1973 erlebte Japan eine Phase des Hochwachstums, die durch mehrere Faktoren begünstigt wurde. Zum ersten verfolgte die japanische Regierung eine prozyklische Politik und erhöhte noch im Wachstum die Staatsausgaben. Zweitens war der japanische Markt nach innen zwar durch heftige Konkurrenz mehrerer gleichstarker Wettbewerber angeheizt, nach außen hin aber abgeschirmt, was japanischen Unternehmen eine sichere Basis gab. Drittens verstanden es japanische Unternehmen, Schlüsseltechnologien aus dem Ausland zu übernehmen, kontinuierlich zu verbessern (Kaizen) und Schritt für Schritt international Marktanteile zu erobern. Viertens sicherten sich die Unternehmen durch das System der lebenslangen Beschäftigung eine gut ausgebildete und loyale Stammbelegschaft (rund 30% aller Beschäftigten), während gleichzeitig eine große Zahl Kleinunternehmen als Zulieferer fungierte (Duale Struktur) und mit geringen Löhnen die Preise drückte. Die Lohnentwicklung hielt mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt, was zum Slogan „reiches Japan - arme Japaner“ führte. Ölkrise und Bubble Economy Die Ölkrise 1973 sorgte für eine erste Delle in der japanischen Konjunktur. Japan war ohne eigene Ölreserven mehr als jede andere Industrienation vom Öl aus den Golfstaaten abhängig. Die Ölkrise führte zu einem Umdenken, unter anderem wurde nun verstärkt auf Öl aus Südostasien und auf Atomkraft gesetzt. Die zweite Ölkrise überstand Japan nahezu unbeschadet. Insgesamt waren die Siebziger Jahre eine Phase stabilen Wachstums und eine Phase steigender Außenhandelsüberschüsse. Nach dem Plaza-Abkommen 1985 floss in Erwartung einer Yen-Aufwertung spekulatives Kapital nach Japan und setzte dort eine Spirale in Gang, die so genannte Bubble-Economy: Aktienmarkt und Immobilienpreise zogen an, in Erwartung weiterer Spekulationsgewinne wurden Immobilien beliehen und das Kapital in Aktien investiert. Der Yen-Kurs stieg tatsächlich und verdoppelte sich im Zeitraum von nur etwa einem Jahr. Der reale Wirtschaftsboom wurde durch die Spekulationen überhitzt und eine Spekulationsblase entstand. Japanische Unternehmen hatten nun sehr viel Kapital zur Verfügung, das teilweise zur Akquisition von Unternehmen außerhalb Japans, vor allem in den USA, verwendet wurde. Zusammenbruch und Deflationsspirale Anfang der Neunziger Jahre platzte dann die Blase. Die Immobilienpreise fielen um drei Viertel, die Aktienmärkte stürzten ab, und Banken saßen auf ihren faulen Krediten ("bad loans"), deren Höhe die des Wertes der hinterlegten Grundstücke und Gebäude überstieg. Faktisch waren viele Banken und Unternehmen durch Insolvenz bedroht, diese wurde jedoch oft nicht vollzogen beziehungsweise durch künstliche Überbewertung von Vermögenswerten über Jahre verschleppt. In den 90ern befand sich Japan in einer Deflationsspirale, wodurch einerseits die Binnennachfrage schwach blieb, andererseits der relativ stabile Yenkurs eine Erholung über den Export verhinderte. Die Zentralbank Japans versuchte vergeblich, durch ihre jahrelange Nullzinspolitik Investitionsanreize zu setzen. Auch die Asienkrise 1997/98 erschwerte eine Gesundung, und einige große Banken und Versicherer gingen Konkurs. Aufgrund der langanhaltenden Wachstumsschwäche der japanischen Wirtschaft in den 90er-Jahren wird in diesem Zusammenhang oft vom "verlorenen Jahrzehnt" gesprochen.

BANK OF ENGLAND

Geschichte Als König William III. und Königin Mary II. 1688 den Thron bestiegen, waren das Geld- und Kreditwesen zerrüttet und auch die öffentlichen Finanzen befanden sich in einer schwierigen Lage. In dieser Situation schlug der schottische Kaufmann William Paterson 1694 unter Mitwirkung von Charles Montagu und Michael Godfrey vor, der Regierung durch eine Vereinigung von 1.268 Gläubigern eine Anleihe zu gewähren. Die Zeichner dieser Anleihe erhielten am 27. Juli 1694 das königliche Privileg eine Notenbank in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft unter der Firma The Governor and Company of the Bank of England zu gründen. Das Stammkapital in Höhe von 1,2 Millionen Pfund wurde dem Staat als Darlehen gegen acht Prozent Zinsen gewährt. (Dieser Kreditzinsfuß war für die damaligen Verhältnisse relativ gering.) Im Gegenzug dazu erhielt die Bank of England das Recht, in Höhe des Darlehens Banknoten auszugeben und Bankgeschäfte zu betreiben. Es war ihr jedoch verboten, ohne Zustimmung des Parlaments Darlehen an die Regierung zu vergeben. Bei der Gründung der Bank of England gab es einen unmittelbaren Zusammenhang zu den finanziellen Defiziten von König William III. Dieser benötigte dringend Kapital für den Krieg gegen Frankreich und den vertriebenen König Jacob II. Die Bank of England pflegte stets ein gutes Verhältnis zum Thron, sodass es im Laufe der Zeit zu Erweiterungen ihres Einflusses kommen sollte. Die ersten Geschäftsräume der Bank of England lagen in den Mercers' und Grocers' Halls, den Zunfthäusern der Seidenwarenhändler und Krämer. Bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit waren seinerzeit 17 Angestellte und zwei Pförtner beschäftigt. Die Bank of England wurde zum Vorbild für viele Gründungen von Zentralbanken in Europa. Im Jahr 1697 vermehrte die Bank ihr Kapital auf 2.201.171 Pfund, indem sie ihre Noten, zu deren Einlösung sie außer Stande war, und abgewertete Schatzscheine des Staats als Kapitaleinzahlung annahm. Dabei erhielt sie die Zusicherung, dass der Staat keine zweite Bank durch Gesetz begründen werde. Zugleich wurde ihr Privileg bis 1710 verlängert. 18. Jahrhundert Unter der folgenden Regierung gewährte die Bank dem Staat abermals mehrfach ihre Hilfe und erhielt dafür wichtige Rechte. Neben der Fortdauer ihres Bestandes bis 1742 bekam sie 1708 das wichtige Privileg, dass außer ihr in England keine Bankgesellschaft mit mehr als sechs Teilhabern Noten ausgeben dürfe. Das Statut von 1708 legte außerdem fest, dass die Bank ein staatliches Darlehen in Höhe von 400.000 Pfund vergeben sollte und der Zinssatz für die gesamten Staatsschulden auf sechs Prozent herabgesetzt wird. Im Jahre 1734 wurde der Sitz an die Threadneedle Street verlegt. Die Bank vergrößerte dort nach und nach ihren Haus- und Grundbesitz auf den heute sichtbaren Stand. Die von Sir Christopher Wren erbaute Kirche Saint Christopher le Stocks wurde ihretwegen abgerissen. Das erhaltene Privileg wurde 1742, 1764 und 1781 erneuert. 1742 konnte das Privileg gegen ein zinsfreies Darlehen an den Staat von 1.600.000 Pfund bis 1764 verlängert werden. Diese Summe wurde durch eine Erhöhung des Aktienkapitals auf 9.800.000 Pfund aufgebracht. Im Jahr 1784 erfolgte die Erneuerung des Privilegs bis 1786 gegen eine Zahlung von 100.000 Pfund und 1781–1812 gegen ein dreiprozentiges Darlehen von 3 Millionen Pfund auf drei Jahre. In kritischen Zeiten, die während des 18. Jahrhunderts einige Male eintraten, wusste die Bank stets ihrer Pflicht der Noteneinlösung nachzukommen. Damals waren die Vereinbarungen, die zu den wiederholten Verlängerungen des Privilegs führten, sehr umstritten. Die Bedingungen, die für diese Expansionen festgelegt worden sind, waren aus Sicht der Kritiker zu stark zum Vorteil der Bank of England ausgelegt und verschafften dem Staat im Gegenzug einen zu geringen Nutzen.[ Das Institut führte die Konten der Regierung und vergab Darlehen zur Finanzierung in Kriegs- wie in Friedenszeiten. Als Geschäftsbank nahm sie ferner Einlagen entgegen und gab Banknoten heraus. Im 18. Jahrhundert lieh sich die Regierung immer mehr Geld. Diese ausstehenden Anleihen wurden schließlich Staatsschulden genannt. Das Vertrauen in die Bank of England war so groß, dass sie bei der Erneuerung des Privilegs im Jahr 1781 zum staatlichen Schatzamt (Treasury) ausgestaltet wurde und ihr auch die Aufgabe, Bank der Banken zu sein, zuwuchs. Die Bank wurde verantwortlich, falls alle Einleger sich entschieden, ihr Geld zur selben Zeit abzuziehen. Seitens der Bank wurde sichergestellt, dass genügend Gold vorhanden war, um dieses auf Verlangen für ihre Banknoten herzugeben. Durch den Krieg mit Frankreich (von Frankreich am 1. Februar 1793 erklärt) erschöpften die finanziellen Beziehungen zum Staate die Mittel der Bank, so dass sie im Februar 1797 bei einem Notenumlauf von 8.644.250 Pfund nur ein Barvermögen von 1.272.000 Pfund besaß. So ließ sie sich durch die Regierung mittels einer Kabinettsorder vom 26. Februar 1797, die später die Bestätigung des Parlaments erhielt, von der Barzahlung befreien. In dieser Epoche der Uneinlösbarkeit der Banknoten oder der „Bankeinschränkung“ (bank-restriction), die letztlich bis 1. Mai 1821 dauerte, haben die Noten (namentlich in den Jahren 1804, 1809, 1811, 1814) beim Umtausch gegen bar ein ansehnliches Disagio (bis zu 30 Prozent) verloren. 19. Jahrhundert Indem ein Teil der Reserve auf die Aktionäre übertragen wurde, konnte 1816 das Kapital der Bank auf 14.553.000 Pfund erhöht werden. Gleichzeitig stiegen die Darlehen an den Staat auf einen Gesamtbetrag von 14.686.000 Pfund. Seit 1826 gab die Bank of England keine Noten unter fünf Pfund aus und begann Filialen zu errichten. Außerdem machte sie das Zugeständnis, sich einer Notenausgabe durch Aktienbanken nicht zu widersetzen, wenn diese ihren Sitz nicht im Umkreis von 65 Meilen um London haben. 1833 fand eine Verlängerung des Privilegs statt, die wiederum die Veranlassung zu Konzessionen der Bank an das Publikum war. Um den Notenumtausch in Gold überflüssig zu machen, wurden selbige zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Im selben Jahr wurde das Bankgebäude nach Plänen von Sir John Soane fertiggestellt. Teile, besonders die Fassade, sind noch heute erhalten. Über den von Soanes konzipierten korinthischen Säulen folgt eine von Charles Wheeler gestaltete Skulpturengruppe, über welcher eine steinerne Britannia thront. Um der Verpflichtung, ihre Noten gegen Gold einzulösen, vollumfänglich nachkommen zu können, musste die Bank of England in der Krise von 1839 einen Kredit bei der Banque de France aufnehmen Im Jahr 1844 erfolgte unter dem Premierminister Sir Robert Peels eine neue Gesetzgebung. Durch die Akte 7 und 8 wurden zunächst die Verhältnisse in England geregelt, während die analoge Umgestaltung der Einrichtungen in Irland und Schottland 1845 geschah. Der hauptsächliche Zweck des Gesetzes für England war, die Notenausgabe zu zentralisieren und zugleich die Ausgabe ungedeckter Noten auf ein gewisses Maß einzuschränken. Deshalb wurde die frühere Freiheit der Notenausgabe, die für jedes Bankgeschäft mit weniger als sechs Teilnehmern im ganzen Land und auch für die von London entfernten Aktienbanken bestanden hatte, aufgehoben. Nur diejenigen Banken, welche am 6. Mai 1844 das Emissionsgeschäft betrieben, sollten dasselbe fortsetzen dürfen und weiter bis zu dem Betrag Noten ausgeben, der dem Durchschnittsbetrag ihrer Notenzirkulation während der vorhergegangenen drei Monate gleichkomme. In Bezug auf die Bank of England wurde bestimmt, dass sie nicht mehr als 14 Millionen Pfund ungedeckte Noten ausgeben dürfe, dagegen wurde der Betrag der gedeckten Noten für sie nicht beschränkt. Auch wurde festgesetzt, dass der Notenbetrag, der durch etwaige Einstellung der Emission seitens der kleineren Banken wegfallen würde, zu zwei Dritteln dem Emissionsrecht der Bank of England zuwachsen solle. Das Bankprivileg-Gesetz von 1844 machte also die Notenausgabe vom Goldbestand der Bank abhängig. Von der Bank wurde verlangt, die Bücher zur Notenausgabe getrennt von jenen für die Bankgeschäfte zu führen und einen Wochenbericht zu beiden Konten herauszugeben. Die Peel's Bank [Charter] Act stützte sich in den Währungsbestimmungen dabei auf die Currency-Theorie. Dieses Denkmodell hält den Betrag, den ein Land in Banknoten zum Geldverkehr benötigt, für relativ konstant. Es wurde daher von der Bank in Höhe des Notenumlaufs volle Golddeckung für die Währung verlangt, abgesehen von einem kleinen Rest ungedeckten Geldes. Dieser Rest wurde anfangs auf die erwähnten 14 Millionen Pfund festgesetzt und später mehrmals nach oben korrigiert. Der so genannte Notenbankausweis wird noch heute jede Woche veröffentlicht. Die Bankakte von 1844 gab der Bank of England fortan das alleinige Recht zur Ausgabe von Banknoten in England und Wales. Private Banken, die gleiche Rechte zuvor hatten, durften sie behalten unter der Voraussetzung, dass sie in Höhe der ausgegebenen Banknoten Sicherheiten hinterlegten. Einige englische Banken setzten die Ausgabe ihrer Noten fort, bis die letzte von ihnen in den 1930er Jahren übernommen wurde. Alte schottische und nordirische Privatbanken haben diese Rechte heute noch. Zur Sicherung der Vorschriften über die Notendeckung wurden zwei voneinander getrennte Abteilungen geschaffen, das Issue department (für die Notenausgabe) und das Banking department (für die Abwicklung von Bankgeschäften). In der ersteren, die nicht mit dem Publikum geschäftlich verkehren durfte, wurden die Noten hergestellt und die Deckung vorrätig gehalten. Im 19. Jahrhundert übernahm die Bank auch die Zentralbankfunktion und sorgte für Stabilität während einiger Finanzkrisen. Die Bankakte erwies sich wegen ihrer Starrheit gelegentlich als hinderlich und wurde daher mehrmals temporär außer Kraft gesetzt. So waren die Bestimmungen zum Maximum der ungedeckten Noten beispielsweise 1847, 1857 und 1866 von der Regierung zeitweilig suspendiert, damit die Bank in Zeiten der Handelskrisen ausgedehntere Darlehen gewähren konnte. 1870 erhielt die Bank of England die Verantwortlichkeit für die Zinssatzfestlegung übertragen. 20. Jahrhundert Während des Ersten Weltkrieges übersprangen die Staatsschulden die Marke von 7 Milliarden Pfund. Die Bank half mit, die Staatsschulden zu steuern und inflationistischen Tendenzen zu widerstehen. Die Bankakte wurde durch ein Goldausfuhrverbot und die Schaffung von so genannten currency notes durchbrochen. Ab 1925 kehrte England mit der Aufhebung des Goldexportverbots zur Goldwährung zurück. Am 21. September 1931 verließ Großbritannien endgültig das System des Goldstandards. Das britische Pfund war bis 1946 eine freie Währung. Der nationale Goldbestand und die Devisenreserven wurden dem Schatzamt übertragen. Doch ihr Management wurde weiter durch die Bank betrieben, und das blieb so bis heute. 1933 wurden ihre Banknoten gesetzliches Zahlungsmittel im gesamten Königreich. In der Gouverneurszeit von Sir Montagu Norman (1920 bis 1944) setzten Bemühungen ein, von der Geschäftsbank wegzukommen und Zentralbank zu werden. Platzbedarf führte von 1923 bis 1939 unter verantwortlicher Regie von Sir Herbert Baker zu einer Umgestaltung des Bankhauses, das auf sieben Stockwerke erweitert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bank am 1. März 1946 verstaatlicht. Sie blieb jedoch Berater des Schatzkanzlers, sein Agent und Schuldenmanager. Der Schatzkanzler war weisungsbefugt, musste sich aber vorher mit dem Bank-Gouverneur ins Benehmen setzen. Die Bank of England war nach der Nationalisierung als Bank der Regierung ausgestaltet mit Beratung in geld- und währungspolitischen Problemen. Für die Ausrichtung und Durchführung sowohl von geld- wie devisenpolitischen Maßnahmen blieb ihr die Verantwortung. Die Altaktionäre erhielten bei der Verstaatlichung einen gesamten Abfindungsbetrag von 5.821.200 £ in Regierungsanleihen. Mit dem Internationalen Währungsfonds wurde im Abkommen von Bretton Woods eine Parität von 1,00 £ = 4,03 US $ vereinbart. Am 18. September 1949 wurde eine Währungsabwertung auf das Tauschverhältnis 1,00 £ = 2,80 US $ vorgenommen. Eine erneute Abwertung musste 1967 erfolgen, weil das Land im Welthandel zurückgefallen war und sich deshalb seine Zahlungsbilanz über Jahre hinweg verschlechtert hatte. 1971 verzichtete die Bank of England auf das Instrument der Kreditplafondierung, erhielt dafür aber jenes der Mindestreserve. 1979 wurde ihr gesetzlich die Bankenaufsicht anvertraut, was ihr weitreichende Auskunftsrechte und die Pflicht zur Lizenzierung neuer Kreditinstitute verschaffte. In den 1980ern hatte die Bank eine Schlüsselrolle in verschiedenen Bankenkrisen inne. Die Bank war vorn dabei, als die Geldpolitik wieder zentraler Bestandteil der Regierungspolitik in den 1980ern wurde. Seit Mai 1997 ist die Bank of England operational unabhängig und kann in der Zinssatzfestsetzung die Regierung beim Weg zum von ihr angestrebten Inflationsziel von höchstens 2,5 % unterstützen. Wird die Marke um mehr als 1-%-Punkt verfehlt, soll der Bank-Gouverneur dem Schatzkanzler einen Brief schreiben, darin das Warum erläutern und wie er die Situation beheben wolle. 1998 wurde der Aufbau der Bank mit dem „Bank of England Act“ geändert. Seither ist sie in drei Hauptgeschäftsbereiche gegliedert: Währungsanalyse und Statistik, Finanzmarktoperationen sowie Währungsstabilität. Eine Abteilung befasst sich zudem mit Koordinationsfragen zur Europäischen Union. 21. Jahrhundert Am 18. Mai 2006 führte die Bank neue Instrumente zur Steuerung des Geldmarktes ein. Zentrales neues Instrument war die Einführung einer verzinslichen Mindestreserve. Weiterhin wurden zwei neue ständige Zinssätze eingeführt, zu welchen die Bank stets bereit ist, Geld anzunehmen bzw. Geld zu verleihen; die Einlagen- und die Spitzenrefinanzierungsfazilität

Dotcom-Blase Der Begriff Dotcom-Blase ist ein durch die Medien geprägter Kunstbegriff für eine im März 2000 geplatzte Spekulationsblase, die insbesondere die so genannten Dotcom-Unternehmen der New Economy betraf und vor allem in Industrieländern zu Vermögensverlusten für Kleinanleger führte. Der Begriff Dotcom bezieht sich dabei auf die Internet-Domain-Endung „.com“ (engl. für Commercial). Die Dotcom-Blase war ein weltweites Phänomen. Der größte Markt für Technologieunternehmen war die amerikanische NASDAQ. In Deutschland richtete die Deutsche Börse den Neuen Markt als eigenes Marktsegment ein, an dem angeblich zukunftsweisende und stark wachsende Unternehmen, die als die Technologieunternehmen galten, notiert sein sollten. Die Boom-Phase Auslöser des Booms waren die hohen Gewinnerwartungen, die durch neue technologische Entwicklungen entfacht wurden. Die Verbreitung des Internets in weiten Kreisen der Bevölkerung der Industriestaaten, der Einzug des Mobiltelefons in den Alltag, die Entwicklung von Handheld-Computern und einige andere Dinge kamen zusammen. Daher kam es ab 1995 zu einer Vielzahl von Neugründungen von Unternehmen und durch das große Anlegerinteresse vermehrt zu Börsengängen. Viele Anleger schöpften die Hoffnung, dass die in diesen Märkten operierenden Unternehmen „Zukunftsunternehmen“ seien, und wollten über einen Aktienkauf an vermeintlichen zukünftigen Gewinnen teilhaben. Zudem führte insbesondere in Deutschland der von umfangreichen Werbemaßnahmen begleitete Börsengang der Deutschen Telekom zu einer stark gestiegenen Popularität des Investmentobjekts Aktie. Ab Mitte 1999 vervielfachte sich innerhalb weniger Monate die Börsenbewertung zahlreicher Unternehmen durch eine deutlich erhöhte Nachfrage der vormals am Aktienmarkt nicht aktiven Neuanleger. Weiter verstärkt wurde dieser Effekt durch den starken Expansionsdrang vieler Unternehmen; die durch die Börsengänge erzielte Liquidität wurde in den Aufkauf weiterer börsennotierter Unternehmen investiert. Andere Anleger wurden von den häufig prozentual zweistelligen Kurssteigerungen selbst angezogen, die sie zwar für teilweise übertrieben hielten, von denen sie aber – oft als Daytrader – dennoch profitieren wollten. Auch Investmentfonds verstärkten die Spekulationsblase, indem sie ihren Kunden immer höhere Gewinne in Aussicht stellten. Es wurde eine Vielzahl von „Neue-Markt“-, Internet-, Telekommunikations- und Technologiefonds gegründet, die reißenden Absatz fanden. Die Anleger hatten vor allem überhöhte Gewinnerwartungen, ignorierten aber die fundamentalen Unternehmensbewertungen genauso wie Jahresabschlüsse. So wurde gar eine hohe Cash-Burn-Rate als positives Unternehmensmerkmal gesehen. Die Medien stachelten die Euphorie, vornehmlich gegenüber den Emissionen des Neuen Marktes, weiter an. Besonders in Deutschland, wo die Aktie mit dem Marktgang der Deutschen Telekom einige Jahre zuvor erst „volksfähig“ gemacht wurde, wurden viele unerfahrene Anleger in riskante Investments gelockt. Die deutschen Aktienindizes erreichten ihren Höhepunkt am 13. März 2000, dem Tag des Infineon-Börsengangs. Auch die in dieser Zeit zu einer Art Volkssport ausgeartete Spekulation mit Neuemissionen erreichte ein noch nie dagewesenes Ausmaß: Am 13. März wurden so viele Infineon-Aktien gehandelt, dass die Handelssysteme der Frankfurter Wertpapierbörse und damit zugleich die Orderverarbeitungen einiger Bankhäuser zusammenbrachen. Der Absturz Gegen Ende des Booms zeichnete sich ab, dass die hochbewerteten Unternehmen die Gewinnerwartungen nicht in absehbarer Zeit erfüllen können. Ihr Börsenwert war zumeist nicht durch materielle Gegenwerte gedeckt, da das Kapital eines IT-Unternehmens weniger in materiellen Gütern als vielmehr in den geistigen Leistungen seiner Mitarbeiter zu finden ist. Oftmals bestand der Buchwert der Unternehmen aus nicht viel mehr als einigen Gebäuden und der IT-Infrastruktur. Die im Expansionsdrang zugekauften Unternehmen waren zudem meist nicht profitabel. Die Zweifel wurden lauter, als die ersten der vermeintlichen Hoffnungsträger Insolvenz anmelden mussten. Überdies stellte sich heraus, dass in einigen Fällen die ausgewiesenen Umsätze nur fingiert waren. Als im März 2000 die Kurse zu sinken begannen und vermehrt Verkäufe getätigt wurden, brach der Markt vollends in sich zusammen. Als die ersten Anzeichen eines Kursverfalls erkennbar wurden, zogen erfahrene Börsianer ihr Kapital aus dem Markt ab. Durch den anhaltenden Kursabfall gerieten die häufig neuen, unerfahrenen Kleinanleger in Panik und verkauften „um jeden Preis“, um ihre Verluste in Grenzen zu halten. Der Kursverfall verwandelte sich in einen Kurssturz. Viele Kleinanleger gingen davon aus, dass sich die Kurse wieder erholen würden, verpassten den richtigen Ausstiegszeitpunkt und verloren so ihr Vermögen. Folgen Die noch Jahre zuvor teuer zugekauften Tochterunternehmen waren meist Sanierungsfälle und daher in der Krise unverkäuflich, so dass nur der Gang in die Insolvenz übrig blieb. Einige Unternehmen hatten nach dem Börsengang durch unüberlegte Aufkäufe ihre gesamte Liquidität verloren und wurden nun teilweise selbst zu Insolvenzkandidaten. Bei einigen Unternehmen fiel der Kurs tiefer als der Buchwert und bewirkte eine massive Unterbewertung der entsprechenden Aktien. Die Folge war, dass einige Unternehmen mit dem Ziel der Liquidierung aufgekauft wurden, um wenigstens die Buchwerte (z. B. Bürogebäude und Patente) noch gewinnbringend verkaufen zu können. Der IT-Arbeitsmarkt, der aufgrund von Fachkräftemangel im Jahr 1999 sogar noch IT-Fachkräfte aus Indien angeworben hatte, musste sich binnen eines Jahres mit der Arbeitslosigkeit vertraut machen. Das Vertrauen der Anleger in die Werte der IT-Branche blieb auf Jahre hinaus gestört. Bis in die Jahre 2004/2005 hinein waren viele Unternehmen unterbewertet. Der Stellenabbau setzte sich fort, auch als in der IT-Branche wieder Anzeichen einer Erholung erkennbar wurden. Überlebt haben den Börsenkrach insbesondere große Unternehmen – die vormals feine Granularität und die daraus resultierende Vielfalt des Marktes ist jedoch nahezu verschwunden. Die entlassenen Mitarbeiter hatten es oft schwer, eine neue Anstellung zu finden, da es sich bei ihnen aufgrund des Arbeitskräftemangels in der Boom-Phase häufig um Quereinsteiger aus anderen Branchen gehandelt hatte. Die Zentralbank der Vereinigten Staaten (Fed) reagierte auf den Absturz mit einer Niedrigzinspolitik um die US-Konjunktur zu stimulieren (→ Konjunkturpolitik). Dies begünstigte im Zusammenhang mit Spekulationen eine erneute Preisblase, diesmal am Immobilienmarkt (→Immobilienblase), deren Platzen als der unmittelbare Anlass für die 2007 offen ausbrechende Finanz- und Bankenkrise gilt. Der US-Zentralbankchef Ben Bernanke erklärt das weltweit niedrige Zinsniveau mit den damit verbundenen steigenden Vermögenspreisen, etwa zuletzt auf dem Immobilienmarkt, mit einem Überangebot an Ersparnissen („saving glut“ oder Sparschwemme). Während Schwellenländer versuchten Devisenreserven anzusparen, hätte es in den reifen Industrieländern wegen der bereits erreichten hohen Kapitalintensität einen Mangel an heimischen Investitionsmöglichkeiten gegeben. Die Weltersparnis strömte insbesondere in die USA, aber auch in Länder wie Spanien, drückte dort das Zinsniveau und steigerte die Immobilienpreise.

Finanzkrise ab 2007

Die Finanzkrise ab 2007 ist eine Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Frühjahr 2007 mit der US-Immobilienkrise (auch Subprimekrise) begann. Die Krise war unter anderem Folge eines spekulativ aufgeblähten Wirtschaftswachstums in den USA und einer weltweiten kreditfinanzierten Massenspekulation. Die Krise äußerte sich weltweit zunächst in Verlusten und Insolvenzen bei Unternehmen der Finanzbranche. Ihren vorläufigen Höhepunkt hatte die Krise im Zusammenbruch der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers im September 2008. Die Finanzkrise zwang mehrere Staaten, große Finanzdienstleister (darunter unter anderem AIG, Fannie Mae, Freddie Mac, UBS und die Commerzbank) durch staatliche Fremd- und Eigenkapitalspritzen am Leben zu erhalten. Die Krise übertrug sich in der Folge in Produktionssenkungen und Unternehmenszusammenbrüchen auf die Realwirtschaft. Viele Unternehmen, wie der Autohersteller General Motors, meldeten Konkurs an und entließen Mitarbeiter. Die ohnehin hohe Staatsverschuldung vieler Staaten stieg krisenbedingt stark an. Mehrere Länder der Eurozone konnten ihre Zahlungsfähigkeit nur durch internationale Hilfskredite aufrechterhalten (Euro-Krise 2010). Im April 2009 schätzte der Internationale Währungsfonds (IWF) die weltweiten Wertpapierverluste infolge der Krise auf vier Billionen US-Dollar. Eine Studie der Deutsche Bank Research bezifferte die krisenbedingte Minderung des Welt-BIPs auf vier Billionen US-Dollar. Niedrige Zinssätze nach dem Ende der Dotcom-Blase Der Krise ging weltweit ein längerer Zeitraum vergleichsweise niedriger realer und nominaler Zinssätze voraus. Die US-Notenbank Fed reagierte auf den Absturz der US-Börse nach der geplatzten Dotcom-Blase der New Economy mit einer Niedrigzinspolitik, um die US-Konjunktur zu stimulieren (→Konjunkturpolitik). Dies sorgte für eine erneute Preisblase, diesmal am Immobilienmarkt (→Immobilienblase), deren Platzen als der unmittelbare Anlass für die 2007 offen ausbrechende Finanz- und Bankenkrise gilt. Weltweit reichliche Ersparnisse suchten nach Rendite auf den Finanzmärkten und führten zu einer (aus heutiger Sicht) Unterschätzung der mit Krediten verbundenen Risiken („saving glut“ oder Sparschwemme). Im Juni 2003 wurde die Federal Funds Rate auf 1 % abgesenkt. Dazu kommt, dass das Außenhandelsdefizit der USA durch Kapital finanziert wurde, das auf dem US-Kapitalmarkt angelegt wurde, was die Zinssätze in den USA niedrig hielt. So legte China seine Erlöse aus seinem Exportüberschuss in den USA in Staatspapieren an, was die Effektivverzinsung von Staatspapieren drückte. Ein Anlagenotstand in Form von „relativ spärlicher werdenden Realinvestitionen“ trieb ebenfalls die Kurse nach oben und die Effektivverzinsung nach unten. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stellt in ihrem Jahresbericht vom Juni 2008 fest, dass die Zentralbanken in den fortgeschrittenen Ländern angesichts ungewöhnlich niedriger Inflationsraten sehr lange die Leitzinsen niedrig hielten. Diese Politik niedriger Zinsen wurde in den USA auch damit begründet, dass eine Deflation die inzwischen hoch verschuldeten Haushalte und Unternehmen stark belasten würde. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise schreibt dazu die BIZ: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Abbau der Kreditblase nach einer vorübergehend höheren Inflation in eine Deflation mündet, die – insbesondere angesichts des hohen nominalen Ausgangsniveaus an Schulden – schwer zu bewältigen sein könnte. Aufgrund derartiger Überlegungen machen sich nicht zuletzt in den USA manche für einen besonders energischen Einsatz der geldpolitischen Lockerung als ‚Versicherung‘ gegen eine solche wenig wahrscheinliche, aber sehr kostspielige Entwicklung stark.“ Die niedrigen Zinsen hätten nicht zu einer Abwertung der Währungen dieser fortgeschrittenen Länder geführt, weil die „aufstrebenden Volkswirtschaften“ gegen eine Aufwertung ihrer Währungen intervenierten (Bretton-Woods-II-Regime). China kaufte 2007 460 Mrd. Dollar. Die Währungsreserven Chinas und des Industriestaats Japan, der eine vergleichbare Strategie verfolgte, stiegen somit auf jeweils mindestens 1 Bio. US-Dollar. Um seinen Export zu fördern, hält Japan den Leitzins seit Jahren sehr niedrig, was den Kurs der japanischen Währung niedrig hält. Investoren nutzen dies, um in Japan billige Kredite aufzunehmen und damit in anderen Wirtschaftsräumen Vermögenswerte aufzukaufen. Insgesamt hat dies zusammen mit Finanzmarktinnovationen zu den hohen Vermögenspreisen geführt. Hohe Vermögenspreise entsprechen einer niedrigen Effektivverzinsung, die langfristigen Zinssätze blieben niedrig. Als Mitte 2004 die US-Konjunktur so gefestigt war, dass die US-Zentralbank daran ging, den Leitzins anzuheben, führte dies aus diesen Gründen nicht, wie beabsichtigt, auch zu einem Anstieg der langfristigen Zinssätze, so dass sich die Immobilienhausse fortsetzte. Ausweitung der Kreditvergabe an Schuldner mit mäßiger Bonität

Verbriefung von US-Hypothekenkrediten Um das notwendige Kapital für neue Kredite zu beschaffen, wurden Kreditforderungen in großem Stil verbrieft. Hierbei gaben die Kredit gebenden Banken die Zahlungsansprüche aus den Hypothekenkrediten zusammen mit deren Kreditrisiken an Investoren – andere Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Vermögensverwalter – weltweit weiter. Dies geschah, indem die Ansprüche und Risiken aus ganzen Portfolien von Hypothekenkrediten in Zweckgesellschaften (auch Special Purpose Vehicle, Conduit) eingebracht wurden und dann als Mortgage Backed Securities (MBS), einer Form von forderungsbesichertem Wertpapier, an die Investoren weitergegeben wurden. Um die MBS bei Investoren platzieren zu können, wurden diese Papiere von Ratingagenturen bezüglich ihrer Bonität beurteilt. Die normalerweise von den verbriefenden Banken beauftragten Agenturen arbeiteten dabei eng mit diesen zusammen mit dem Ziel, so die Verbriefung zu strukturieren und damit möglichst große Tranchen mit gutem Rating zu erhalten (siehe auch Credit Enhancement). Für die Investition in eine Verbriefung mussten Finanzinstitutionen, die bankaufsichtlichen Eigenkapitalregeln unterliegen, weniger Eigenkapital halten als bei einer direkten Kreditvergabe. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beschreibt dies so, dass über die Auslagerung dieser Geschäfte aus den Bankbilanzen mit Hilfe der als „Schattenbanken“ bezeichneten Zweckgesellschaften bankaufsichtsrechtliche Regeln zur Risikostreuung und zur Absicherung durch Eigenkapital umgangen werden konnten.

Securitization

In einem weiteren Schritt wurden die so gebildeten MBS-Tranchen wiederum in Zweckgesellschaften eingebracht und erneut verbrieft (Collateralized Debt Obligation (CDO) – Verbriefungen zweiter Stufe) und die entstehenden Tranchen bewertet. Ein diversifiziertes Portfolio bspw. aus verschiedenen MBS-Tranchen mit einer eher schlechten Bewertung ("Rating") von „BBB“ konnte in Form einer Collateralized Debt Obligation (CDO) wiederverbrieft werden, wobei die höchstrangige Tranche der CDO eine erstklassige Bewertung von „AAA“ erhielt. Insbesondere für europäische Banken waren Verbriefungen zweiter Stufe ein Mittel, am provisionsträchtigen Verbriefungsgeschäft teilzuhaben. Diese Banken hatten keinen guten Zugang zu amerikanischen Hypothekenkrediten. Deshalb griffen sie auf MBS zurück, um diese zu Paketen zu bündeln und in zweiter Stufe wiederzuverbriefen. Außerdem wurden Programme aufgelegt, bei denen die in die Zweckgesellschaften eingebrachten Aktiva mit kürzerer Frist rollierend refinanziert wurden (über die Emission kurzfristiger Asset Backed Commercial Paper ABCP). Über ABCP konnten auch Mittel der Investoren mobilisiert werden, die ihr Kapital nur kurzfristig zur Verfügung stellen konnten oder wollten, wie zum Beispiel Geldmarktfonds. Da diese Fristentransformation die Gefahr barg, bei Fälligkeit der Emission keine Anschlussrefinanzierung zu erhalten (Liquiditätsrisiko), mussten Banken Garantien in Form von Liquiditätslinien bereitstellen, die die ABCP-Investoren bei Fälligkeit ihrer Papiere vor Verlusten schützten und die für die Garantiegeber zunächst eine Ertragsquelle darstellten (vgl. IKB Deutsche Industriebank, SachsenLB). Diese Garantien wurden normalerweise rollierend mit einer Laufzeit von 364 Tagen gestellt, da die bankaufsichtlichen Regeln vor dem Inkrafttreten von Basel II für solche außerbilanziellen Verpflichtungen mit einer Laufzeit unter einem Jahr kein Eigenkapital forderten. Es konnten also Erträge generiert werden, ohne dass bankaufsichtliches Eigenkapital dafür in Anspruch genommen wurde. Zahlungsausfälle der Subprime-Kredite Die wirtschaftliche Abschwächung in den USA etwa ab 2005, sinkende Wachstumsraten bei der Arbeitsproduktivität in den USA und anderen Ländern, in den USA insbesondere in der Bauwirtschaft, und der spätere Anstieg des US-Leitzinses auf bis zu 5,25 % im Juni 2006 löste eine Kettenreaktion aus. Einkommensschwache Schuldner konnten die gestiegenen Raten für ihre variabel verzinslichen Kredite nicht mehr bezahlen und mussten ihr Haus verkaufen. Wegen der zunehmenden Immobilienverkäufe brachen die Häuserpreise – Höhepunkt war Juli 2006 – ein, und durch den fallenden Wert der Immobilien hatten die Banken und Investoren zunehmend ungesicherte Kreditforderungen. Die Zahlungsunfähigkeit von Schuldnern bescherte den Banken und den Investoren nun Verluste. Im Frühjahr 2007 erreichten in den Vereinigten Staaten die Zahlungsausfälle auf Subprime-Kredite den höchsten Stand der letzten Jahre. Einige Immobilienfonds, die in strukturierte Finanzprodukte investiert hatten, setzten die Annahme von Fondsanteilen aus, weil sie sonst in finanzielle Schwierigkeiten geraten wären. Im Juni 2007 teilte Bear Stearns den Kunden zweier seiner Hedgefonds mit, dass die Einlagen, die Ende 2006 noch mit 1,5 Mrd. US-Dollar bewertet worden waren, jetzt fast nichts mehr wert seien. Dutzende Baufinanzierer, die sich gerade auf diese Kredite spezialisiert hatten, mussten Gläubigerschutz beantragen. Insgesamt schätzte der Internationale Währungsfonds im Oktober 2008 den Wertverfall von Subprime-Hypotheken auf 500 Mrd. US-Dollar und den von Prime-Hypotheken auf weitere 80 Mrd. Dollar. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie hält diese Summe im Vergleich zur Größe des weltweiten Finanzmarktes für nicht sehr groß. Auch sei der Wertverlust der hypothekenbesicherten Wertpapiere von 500 Mrd. US-Dollar, so die IWF-Schätzung vom Oktober 2008, deutlich höher, als tatsächlich an Ausfällen bei den zugrunde liegenden Hypotheken zu erwarten sei. Der hohe Preisverfall der hypothekenbesicherten Wertpapiere sei daher gekommen, dass Käufer diese Papiere aus Vorsicht auch zu niedrigeren Preisen nicht mehr kaufen wollten. Zu dieser Vorsicht trug die Komplexität und Intransparenz dieser Wertpapiere bei sowie die Tatsache, dass viele Papiere außerbörslich gehandelt wurden, so dass eine Marktpreisbildung und damit eine Bewertung der Papiere überhaupt schwierig war. Die Wertverluste gingen dann unmittelbar in die Bankbilanzen ein und minderten das Eigenkapital der Banken. Um den Regulierungsanforderungen bzgl. Eigenkapitalreserven genügen zu können oder um überhaupt das Verhältnis von Eigenkapital zu Forderungen stabil zu halten, waren die Banken gezwungen, entweder neues Eigenkapital zu beschaffen oder andere Vermögenswerte zu verkaufen, was deren Preise senkte. Dieses Deleveraging – die Banken mussten bei Wertverlusten von Forderungen ein Vielfaches an Vermögenswerten abstoßen, um das alte Verhältnis von Eigenkapital zu Forderungsvolumen wieder herzustellen – führte zur „Implosion des Finanzsystems seit August 2007“.

Vertrauenskrise des Interbankenmarktes

Unter den Investoren waren nicht nur risikobereite Hedgefonds, sondern auch eher konservative Investmentfonds vertreten. Da aber insbesondere Hedgefonds stark in die stärker risikobehafteten Wertpapiertranchen investiert hatten, kam es bei diesen zu Verlusten, die teilweise zur Schließung und Abwicklung der Hedgefonds führten. Aber auch Investmentbanken waren betroffen. Die Schließung von Hedgefonds und die Verluste bei den Investmentbanken führten zu einer Abnahme der Risikobereitschaft der Anleger. Diese zogen daraufhin in kurzer Zeit erhebliche Beträge aus dem Kapitalmarkt ab oder hielten sich mit neuen Investitionen in risikoreiche Anlagen zurück. Die abnehmende Risikobereitschaft der Investoren brachte die Refinanzierung der von Banken gegründeten Zweckgesellschaften zum Stillstand. Der Auslöser für die Krise war, dass im Juli und August 2007 die Inhaber der Commercial Papers nicht mehr bereit waren, diese nach Fälligkeit erneut zu erwerben. Die kurzfristigen Kredite wurden nicht weiter verlängert. Dadurch gerieten die Zweckgesellschaften unter Druck. Sie konnten aber auch die strukturierten Wertpapiere nicht mehr verkaufen, da sich dafür auch keine Käufer mehr fanden. Deshalb mussten die Zweckgesellschaften jetzt auf die Kreditzusagen der Banken zurückgreifen. Dies trug zur Vertrauenskrise zwischen den Banken bei, die sich am Geldmarkt durch einen Anstieg der Geldmarktzinsen widerspiegelte. Am 9. August 2007 – dieser Tag gilt inzwischen als der Beginn der eigentlichen Finanzkrise – stiegen die Aufschläge für Interbankkredite im Vergleich zum Zentralbankleitzins weltweit, vor allem in den USA, sprunghaft an. Mit der Insolvenz von Lehman Brothers am 15. September 2008, nachdem eine staatliche Rettung ausgeblieben war, kam der Interbankenmarkt weltweit zum Erliegen. Kurzfristig überschüssige Liquidität wurde nicht mehr bei anderen Banken, sondern unter Inanspruchnahme der Einlagefazilität bei den Zentralbanken angelegt. Auswirkungen auf die Realwirtschaft Der IWF schätzte im April 2009 die Gesamtverluste auf 4,054 Billionen US-Dollar (3093 Mrd. Euro). Davon liegen die Verluste bei „giftigen“ US-Papieren bei etwa 2,7 Bill. US$, die Verluste aus europäischen Papieren werden mit etwa 1,2 Bill. US$ beziffert, die japanischen Papiere mit 150 Mrd. US$. Im August 2009 erhöhte der IWF seine Kalkulationen auf 11,9 Billionen US-Dollar, was fast einer Verdreifachung entspricht. Im Verlauf des Jahres 2008 hat sich die Finanzkrise zunehmend auf die Realwirtschaft ausgewirkt. Effekte waren zunächst in den USA, dann in Westeuropa und in Japan sowie seit Herbst 2008 auf der ganzen Welt zu erkennen. In Folge verzeichneten die Aktienkurse weltweit ab Oktober 2008 nach einem ersten Einbruch aufgrund der Finanzkrise einen zweiten starken Rückgang aus Angst vor Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Auch auf den Rohstoffmärkten kam es vor allem ab Beginn des vierten Quartals 2008 zu starken Preisrückgängen. Die meisten Automobilhersteller in den Industrieländern haben Ende Oktober/Anfang November deutliche Produktionskürzungen angekündigt, um auf Absatzeinbrüche in zweistelliger Größenordnung zu reagieren. Nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes befindet sich Deutschland nach zwei Quartalen mit negativen Wachstumsraten gegenüber den entsprechenden Vorjahresquartalen seit Oktober 2008 in einer Rezession. Nach Statistiken von Eurostat ging die Industrieproduktion in der Eurozone von ihrem Höhepunkt im Frühjahr 2008 bis zum Frühjahr 2009 um mehr als 20 % zurück. Der Rückgang der Industrieproduktion ist damit mehrfach stärker als im ersten Jahr der Weltwirtschaftskrise 1930 in Deutschland und den USA. Auch hatte die Finanzkrise deutliche Auswirkungen auf die Prognosefähigkeit von Unternehmen. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Märkte hatten viele börsennotierte Unternehmen Schwierigkeiten, die für Ihre Geschäftsberichte im Lagebericht nach § 289 HGB erforderlichen Prognosen für das kommende Geschäftsjahr zu formulieren. Die Unternehmen mussten hier eine Gratwanderung vollziehen. Auf der einen Seite musste eine Prognose abgegeben werden, um die Anleger entsprechend den rechtlichen Vorschriften zu informieren, auf der anderen Seiten waren quantitative Ziele schwierig zu beziffern. Der Trend ging damit hin zu Prognosen, die auf verschiedenen Szenarien beruhten sowie vorwiegend von qualitativer Beschaffenheit waren. Unternehmen, die auch weiterhin quantitative Daten in ihren Prognosen kommunizierten, wurde vom Kapitalmarkt die Angabe von größeren Spannen von bis zu 20% zugestanden. Zunahme der Risikoaufschläge bei Staatsanleihen → Hauptartikel: Euro-Krise 2010 und Europäischer Stabilisierungsmechanismus Im Verlauf der Krise kam es zu einer Zunahme der Risikoaufschläge verschiedener europäischer Staaten (in der Folge als PIGS-Staaten bezeichnet) gegenüber deutschen Bundesanleihen. Um insbesondere einen Staatsbankrott Griechenlands infolge der griechischen Finanzkrise 2009/10 abzuwenden, einigten sich die Staats- und Regierungschefs der Euroländer Anfang Mai 2010 auf ein Maßnahmenpaket. Im Rahmen des Europäischen Stabilisierungsmechanismus wurde ein gemeinsames Kreditpaket von EU, Euroländern und IWF mit der Gesamtsumme von 750 Milliarden Euro beschlossen. Die Europäische Zentralbank kündigte zudem an, im Notfall Staatsanleihen der Euro-Länder aufzukaufen Seit Dezember 2007 stellt die Europäische Zentralbank (EZB) in Absprache mit der US-amerikanischen Federal Reserve den Banken US-Dollar zur Verfügung und nimmt dafür auf Euro lautende Wertpapiere als Sicherheit an, um die Lage auf dem Geldmarkt zu entspannen. Die EZB übernimmt insoweit Wechselkursrisiken der privaten Banken. Am 18. September 2008 haben die Zentralbanken weltweit konzertiert mehr als 180 Milliarden US-Dollar angeboten, um Spannungen auf dem Geldmarkt zu lindern. Bei der Europäischen Zentralbank konnten die Banken am Donnerstag, 18. September 2008, bis zu 40 Milliarden US-Dollar für einen Tag aufnehmen, hinzu kommt ein Euro-Schnelltender mit einem offen gelassenen Volumen. Die Bank of Japan bietet erstmals US-Dollar an. Ab Oktober 2008 senkten in einer konzertierten Aktion sieben der führenden Notenbanken darunter die Federal Reserve (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England (BoE) und die Schweizerische Nationalbank (SNB), weltweit die Leitzinsen. Seither erfolgten weitere Zinssenkungen, die die Leitzinsen auf ein seit Jahrzehnten nicht mehr erreichtes niedriges Niveau, teilweise den historischen Tiefstand gebracht haben. Am 6. April 2009 stellte die EZB der Fed eine Swap-Linie in Höhe von 80 Mrd. US-Dollar in Euro bereit, die britische Notenbank gewährt 60 Mrd. Pfund, die Schweizer Notenbank stellt 40 Mrd. Franken und die japanische Zentralbank 10 Bio. Yen zur Verfügung. US-amerikanische Kreditinstitute können so zukünftig über die Fed auf Kredite in Auslandswährungen zurückgreifen. Die Maßnahme der Notenbanken ergänzt die Maßnahmen vom 18. September 2008 in umgekehrter Richtung. Damals hatte die Fed ausländischen Notenbanken Swaplinien von insgesamt 300 Mrd. US-Dollar eingeräumt. Konjunkturprogramme In vielen Ländern wurden im Rahmen der Finanzkrise umfangreiche Konjunkturprogramme und Finanzmarktstabilisierungsgesetze aufgelegt. In den USA sind es der Economic Stimulus Act of 2008 (Umfang des ESA: 150 Milliarden US-Dollar), der Emergency Economic Stabilization Act of 2008 (Umfang des EESA: 700 Mrd. US-Dollar) und der American Recovery and Reinvestment Act of 2009 (Umfang des ARRA: 787 Mrd. US-Dollar). In Deutschland sind es das Finanzmarktstabilisierungsgesetz (Umfang des FMStG: 400 Mrd. Euro), das Maßnahmenpaket „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ (Umfang des Konjunkturpaketes I: 50 Mrd. Euro) und das Konjunkturprogramm „Entschlossen in der Krise, stark für den nächsten Aufschwung“ (Umfang des Konjunkturpaketes II: 14 Mrd. Euro). Zur Stabilisierung der Beschäftigung wurden insbesondere die Möglichkeiten zur Kurzarbeit ausgeweitet. In Österreich wurden die Konjunkturpakete I und II und die Steuerreform 2009 (insgesamt knapp 12 Mrd. Euro) eingeführt. Weltweit beträgt laut einer Studie von Deutsche Bank Research das gesamte, auf mehrere Jahre verteilte Volumen der Konjunkturprogramme etwa 2000 Mrd. US-Dollar. Ohne die Programme wäre laut DB Research der Rückgang an Bruttoinlandsprodukt erheblich stärker gewesen. Die krisenbedingte Minderung des BIPs beziffert die Studie mit „4000 Mrd.“ US-Dollar. Schließlich kann der Bankensektor nur langsam saniert werden. Hilfen für Banken Im Rahmen der Krise wurden in den USA und Europa (temporäre) Notverstaatlichungen durchgeführt und sogenannte Bad-Bank-Konzepte (Abwicklungsbanken) eingeführt. In Deutschland wurde mit dem Finanzmarktstabilisierungsfortentwicklungsgesetz im Jahr 2009 die Möglichkeit geschaffen, dezentral für einzelne Kreditinstitute eine Bad Bank einzurichten. Diese soll problembehaftete strukturierte Wertpapiere aufnehmen oder auch ganze defizitäre Geschäftsbereiche sanierungsbedürftiger Banken abwickeln. Stützungsmaßnahmen zugunsten von Finanzinstitutionen erhöhten den staatlichen Bruttoschuldenstand 2008 und 2009 insgesamt um 98 Mrd. Euro. Da es sich überwiegend um Kredite handelt, stehen dem entsprechende Forderungen an die Finanzinstitutionen gegenüber. Seit Oktober 2008 werden Bankschuldverschreibungen weltweit zunehmend vom Staat garantiert. Bis zum Oktober 2009 hat das Volumen staatsgarantierter Bankschuldverschreibungen rund 800 Mrd. US-Dollar erreicht. Über 450 Mrd. US-Dollar entfallen auf Westeuropa, der Rest zum großen Teil auf die USA. Nach Joaquín Almunia, Vizepräsident der EU-Kommission, erhielten die Banken von Oktober 2008 bis März 2010 etwa 4 Bio. Euro Staatshilfen, davon drei Viertel in der Form von staatlichen Garantien. Die Banken nahmen von den Staatsgarantien tatsächlich 994 Mrd. Euro in Anspruch. Reformvorschläge der G-20-Staaten Gipfeltreffen im November 2008 Unter dem akuten Eindruck der Finanzkrise fand vom 14. bis 16. November 2008 ein Treffen auf Ebene der Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten (zuzüglich Niederlande und Spanien) in Washington statt, um die Grundlagen einer Reform der internationalen Finanzmärkte zu beraten und umzusetzen. Dieses hochrangige Treffen wurde in der deutschsprachigen Presse auch Weltfinanzgipfel genannt. Ziel war die Vereinbarung von internationalen Regelungen, um die Wiederholung einer Finanzkrise zu vermeiden. Ein Katalog mit knapp 50 Einzelmaßnahmen wurde verabschiedet. 28 dieser Einzelvorschläge sollten bis 31. März 2009 umgesetzt werden, die weiteren Punkte mittelfristig. Die Teilnehmer gaben Tendenzen zum Protektionismus eine klare Absage, sie bekannten sich ausdrücklich zu den Prinzipien eines freien Marktes und eines offenen Handels. Zudem wurden eine effektivere Regulierung der Finanzmärkte gefordert. Unter anderem wurden folgende Maßnahmen vereinbart: eine größere Überwachung der Ratingagenturen, eine stärkere Reglementierung von spekulativen Hedgefonds sowie anderer bislang unregulierter Finanzprodukte, Festlegung von Bewertungsmaßstäben für komplexe Finanzprodukte, Erhöhung der Eigenkapitalpuffer von Finanzinstitutionen, Harmonisierung und Überarbeitung von Bilanzierungsregeln, Orientierung der Anreizsysteme von Managern an mittelfristigen Zielen, Schutz vor unfairem Wettbewerb durch Steueroasen, Stärkung des Internationalen Währungsfonds, ein besserer Schutz der Verbraucher durch transparentere Informationen. Jedes Teilnehmerland verpflichtet sich, die Maßnahmen in nationales Recht umzusetzen. Nachfolgende Gipfeltreffen Eine Folgekonferenz fand am 1./2. April 2009 in London statt. Neben der Konkretisierung verschiedener Punkte des ersten Treffens wurden ergänzend Maßnahmen zur Konjunkturbelebung verabschiedet: Die G20-Länder beschlossen ein Programm von 1,1 Billionen US-Dollar zur Belebung der Weltkonjunktur, insbesondere des Welthandels sowie zur Verbesserung der Situation in den Entwicklungsländern. Im Einzelnen: Die Mittel für den IWF sollen auf 750 Mrd. US-Dollar erhöht werden. An neuen Sonderziehungsrechten sollen 250 Mrd. US-Dollar zugeteilt werden. Über Multilaterale Entwicklungsbanken sollen zusätzlich mindestens 100 Mrd. US-Dollar gewährt werden. Bis Ende 2010 soll eine fiskalpolitische Ausweitung von 5 Bio. US-Dollar erfolgen, welche der Weltproduktion laut G20 einen Impuls von 4 % erteilen wird Zur Bekämpfung von Steueroasen und Geldwäsche hat die OECD eine schwarze Liste (Costa Rica, Malaysia, Philippinen, Uruguay) sowie eine graue Länderliste veröffentlicht.

EURIBOR – PANEL BANKEN

Euribor steht für (Euro Interbank Offered Rate. Euribor bezeichnet den durchschnittlichen Zinssatz, zu dem 57 europäische Banken (die sogenannten Panel-Banken) einander Anleihen in Euro gewähren. Bei der Festsetzung der Euribor-Werte werden die höchsten und niedrigsten 15% der gemeldeten Werte nicht berücksichtigt. An jedem Arbeitstag um 11:00 Uhr Central European Time werden die Euribor-Werte festgesetzt und allen teilnehmenden Partnern und der internationalen Presse mitgeteilt.

Spricht man über Euribor, so ist oft die Rede von einem Euribor-Zinssatz, als ob es nur einen derartigen Wert gibt. Dies trifft jedoch nicht zu, es existieren 15 verschiedene Euribor-Zinssätze mit je unterschiedlichen Laufzeiten. So gibt es einen Euribor für 1,2 oder 3 Wochen sowie den Euribor für 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 und 12 Monate. Wer legt den Euribor fest?

Die Höhe der Euribor-Zinssätze bestimmt sich in erster Linie natürlich durch Angebot und Nachfrage. Es handelt sich um Marktzinsen, die von einer großen Anzahl europäischer Banken festgesetzt werden. Dabei gibt es jedoch eine Reihe externer Faktoren, die die Höhe der Euribor-Zinssätze stark beeinflussen. Dazu gehören wirtschaftliche Umstände wie etwa das Wirtschaftswachstum, die Höhe der Inflation, die Kreditwürdigkeit und das gegenseitige Vertrauen der Banken sowie das Vertrauen der Verbraucher. Warum wird der Euribor so stark beachtet?

Der Euribor ist die Grundlage für zahlreiche (abgeleiteten) Zinsprodukte wie Geldmarkt-Futures, Swaps sowie außerbörsliche Zinstermingeschäfte (Forward rate agreements). Der Euribor dient oft als Referenzwert bei Hypotheken und Sparkonten (siehe dazu Sparen und Euribor). Es gibt sogar Hypotheken, deren Zinsen aus dem Euribor-Wert plus einem festen Zuschlag bestehen.

Welche europäischen Banken sind im Panel vertreten? Das Panel von Banken zur Festsetzung der Euribor-Zinssätzen besteht ausschließlich aus Banken mit erstklassiger Kreditwürdigkeit (Rating). Die Banken, die Angaben zur Euribor-Festlegung weiterleiten, werden von einem Beratungsausschuss der Europäischen Bankenvereinigung ausgewählt.

Sparzinsen und Euribor Die Höhe der Euribor-Zinssätze und die angebotenen Sparzinsen hängen in starkem Maße zusammen. Dafür gibt es zwei Gründe: zunächst haben die Panel-Banken (siehe dazu Was ist Euribor) die Wahl, ob sie von anderen Banken (zum Euribor-Zinssatz) oder von Sparern Geld leihen. Die Sparzinsen, die den Sparern geboten werden, sind oft niedriger als Euribor. Der Unterschied macht dann die Gewinnspanne für die Bank aus. Sinkt der Euribor, sinken auch die Gewinnspannen für die Bank. Deshalb entscheiden sich die Banken oft dafür, bei einem Rückgang der Euribor-Zinssätze auch ihre Sparzinsen zu senken – und umgekehrt. Dies geschieht jedoch oft mit einer gewissen Verzögerung: die Sparzinsen bei vielen Banken werden erst bei etwas größeren Änderungen auf dem Rentenmarkt angepasst. Der Euribor hat sich als guter Indikator für die Veränderung bei den Sparzinsen erwiesen.

LIBOR (bbalibor) ist der durchschnittliche Interbankenzinssatz, zu dem eine ausgewählte Gruppe von Banken auf dem Londoner Geldmarkt bereit ist, einander Kredite zu gewähren. Den LIBOR gibt es in 15 Laufzeiten (Overnight bis 12 Monate) und in 10 verschiedenen Währungen. Die offiziellen LIBOR Zinssätze werden an jedem Arbeitstag gegen 11.45 Uhr (London Time) von der British Bankers’ Association (BBA) veröffentlicht.

Der LIBOR wird sowohl von professionellen Parteien als auch von Privatpersonen genau beobachtet, da der LIBOR Zinssatz von Banken und anderen Finanzinstituten als Basiszins (Benchmark) betrachtet wird. Senkungen und Anhebungen der LIBOR Zinssätze können sich auf die Zinshöhen von allerlei Bankprodukten, wie zum Beispiel Sparkonten, Hypotheken und Krediten auswirken.

EZB-Leitzins Der EZB-Leitzins ist der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz. Diesen Leitzins müssen die Banken zahlen, wenn sie von der EZB Geld leihen. Banken nutzen diese Möglichkeit, wenn Liquiditätsmangel herrscht. Interbankzinssätze wie der Euribor reagieren sehr stark auf Änderungen des Hauptrefinanzierungssatzes. Dadurch stellt der EZB-Leitzins ein gutes Mittel dar, die Höhe des Marktzinssatzes zu beeinflussen.

Deutsche Bundesanleihen sind verzinsliche Wertpapiere, die von der Bundesrepublik Deutschland als Staatsanleihen herausgegeben werden. Neben der Kreditaufnahme bei Banken sind Bundesanleihen und andere Bundeswertpapiere ein Weg, über den der Bund sein Haushaltsdefizit finanziert.

Eine Bundesanleihe hat bei Emission eine Laufzeit von 10 bis 30 Jahren. Zurzeit gibt es Überlegungen, auch 50-jährige Laufzeiten zu emittieren wie zum Beispiel in Frankreich. Bei Bundesobligationen (Bobl) ist die Laufzeit deutlich kürzer, in der Regel fünf Jahre. Bundesanleihen sind mit einem festen jährlichen Zinssatz (Kupon) ausgestattet. Die Währung ist in der Regel der Euro, die Börsennotierung erfolgt wie bei allen verzinslichen Wertpapieren in Prozent des Nominalwertes (Nennwert). Inzwischen wurden auch Bundesanleihen aufgelegt, deren Zins und Nominalwert an die Inflationsrate in Deutschland gekoppelt sind (Inflation-Linked Bond) sowie im Jahr 2005 eine Bundesanleihe in Fremdwährung, deren Zins- und Rückzahlung in US-Dollar erfolgt. Seit dem 4. Juli 1997 können bestimmte Bundesanleihen auch gestrippt werden, das heißt die Zinskupons werden von der Anleihe getrennt. Man erhält dann sowohl für den Kapitalteil als auch für die einzelnen Kupons eine Art Nullkuponanleihe. Damit ein großes Handelsvolumen erreicht wird, werden Zinskupons unterschiedlicher Anleihen, jedoch gleichem Fälligkeitstermin unter einer Wertpapierkennummer zusammengefaßt. Bundesanleihen können in jedem Depot bei einer Bank, Sparkasse oder Kreditgenossenschaft, sowie kostenlos bei der Deutschen Finanzagentur verwahrt werden. Die Bundesbank sorgt als Market-Maker für einen liquiden Börsenhandel in Bundesanleihen. Sie wickelt auch den Verkauf der Bundesanleihen ab, den Anleger über die Deutsche Finanzagentur beauftragen können, sofern sie dort ein Konto besitzen. Alternativ lassen sich Bundesanleihen auch über Banken, Sparkassen oder Kreditgenossenschaften an der Börse verkaufen. An der Börse können sie auch über die drei letztgenannten Institute gekauft werden. Der Kauf von Bundesanleihen über die Deutsche Finanzagentur ist nicht möglich. Zur Bestimmung der Umlaufrendite wird eine fiktive Anleihe aus einem Mix von Bundesanleihen verwendet. Der REX – ein Index für die Kursentwicklung von Anleihen – wird ebenfalls börsentäglich anhand von Bundesanleihen berechnet. Bundesanleihen zählen zu den „mündelsicheren Wertpapieren“. Bundesobligationen (Bobls) sind Schuldverschreibungen und damit verzinsliche Wertpapiere, die von der Bundesrepublik Deutschland über die Deutsche Finanzagentur als Staatsanleihen herausgegeben werden. Neben der Kreditaufnahme bei Banken sind Bundesobligationen und andere Bundeswertpapiere ein Weg, über den der Bund sein Haushaltsdefizit finanziert. Bundesobligationen sind mit einem festen Nominalzins ausgestattet, der jährlich gezahlt wird, und haben im Gegensatz zu den länger laufenden Bundesanleihen nur eine Laufzeit von fünf Jahren. Sie werden seit 1979 emittiert. Die Emission und damit die Einführung in den Börsenhandel erfolgt in der Regel zweimal (seit 2010 dreimal) pro Jahr im Rahmen einer Auktion. Bundesobligationen werden in fortlaufend nummerierten Serien begeben. Die jeweils zuletzt begebene Serie der Bundesobligation kann von natürlichen Personen, sowie gemeinnützigen, mildtätigen, kirchlichen Einrichtungen und Wohnungseigentümergemeinschaften gebührenfrei bei der Deutschen Finanzagentur erworben werden. Über Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist der Kauf der aktuellen Serie dagegen gebührenpflichtig - dafür aber auch für juristische Personen möglich. Bei den Kreditinstituten können zudem auch ältere Serien an der Börse gekauft werden. Der Verkauf von Bundesobligationen ist sowohl über die Finanzagentur als auch über Kreditinstitute möglich. Da Kauf und Verkauf stets zum aktuellen Börsenkurs bzw. Einheitspreis erfolgen, lassen sich mit Bundesobligationen neben den jährlich sicheren Zinserträgen auch Kursgewinne bzw. -verluste erzielen. Die Wertpapierkennnummer einer Bundesobligation beginnt stets mit 114xxx (xxx steht für die Seriennummer - Beispiel: Serie 155 hat die WKN 114155).

Der Euro-Bund-Future ist ein Finanzinstrument, das eine Verpflichtung darstellt, eine fiktive Bundesanleihe zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt (Liefertag) zu einem beim Abschluss vereinbarten Preis (Nominalwert) zu kaufen. Der Verkäufer hat die Verpflichtung, diese Anleihe zu verkaufen. Zur Art der möglichen Bundesanleihen und zu Verkaufs-Zeitpunkten siehe Details unten. Weil der Bund-Future auf Erwartungen der Marktteilnehmer basiert, ist er ein Indikator für die zukünftige Entwicklung der (langfristigen) Zinsen. Sinkt der Kurs des Bund-Future, so steigt wie bei Rentenpapieren die Rendite, bei steigenden Kursen ist die Rendite niedriger. Entsprechend ist also die Erwartung der Marktteilnehmer, was die Zinsentwicklung anbelangt: Steigende Kurse drücken die Erwartung sinkender Marktzinsen aus und fallende Kurse deuten auf steigende Zinsen hin.

Kontraktgegenstand Ein Euro-Bund-Future ist ein Terminkontrakt auf eine fiktive Schuldverschreibung der Bundesrepublik Deutschland mit zehnjähriger Laufzeit und einem Kupon von 6 Prozent. Der Nominalwert eines Kontraktes beträgt EUR 100.000.

Am Liefertag ist der Verkäufer eines Euro-BUND-Future verpflichtet, Schuldverschreibungen im Nominalwert des Kontraktes zu liefern. Zur Lieferung können Bundesanleihen gewählt werden, die eine Restlaufzeit von mindestens 8,5 Jahren und höchstens 10,5 Jahren haben. Die Schuldverschreibungen müssen ein Mindestemissionsvolumen von EUR 5 Mrd. aufweisen. Der Käufer ist verpflichtet, den Andienungspreis zu zahlen. Der Andienungspreis berechnet sich aus dem Nominalwert des Kontraktes, multipliziert mit dem Preis des Kontraktes bei Handelsschluss, multipliziert mit dem Konvertierungsfaktor (s.u.) der angedienten Schuldverschreibungen, zuzüglich der seit dem letzten Zinstermin aufgelaufenen beziehungsweise abzüglich der bis zum nächsten Zinstermin anfallenden negativen Stückzinsen. Der Konvertierungsfaktor ist eine Größe, die für jede tatsächlich existierende Anleihe, durch die eine Lieferverpflichtung aus dem Verkauf eines Futureskontraktes erfüllt werden kann, festgelegt wird und die angibt, bei welchem Kurs die Anleihe am Liefertermin notieren müsste, um die gleiche Rendite zu erzielen, wie die dem Euro-Bund-Future zugrundeliegende fiktive Anleihe (nämlich 6 %). Daher haben Anleihen mit einem Kupon von weniger als 6 % einen Konvertierungsfaktor < 1 und Anleihen mit einem Kupon von mehr als 6 % einen Konvertierungsfaktor >1. Daneben geht eine rechnerische Angleichung der tatsächlichen Laufzeit an die Laufzeit der fiktiven Anleihe (exakt 10 Jahre zum Fälligkeitstermin des Futureskontraktes) in die Berechnung ein.

Laufzeit, Handelsschluss An den Eurex-Börsen stehen Laufzeiten bis zum Liefertag des nächsten, übernächsten und drittnächsten Liefermonats zur Verfügung; Liefermonate sind die Quartalsmonate März, Juni, September und Dezember. Die längste Laufzeit beträgt somit neun Monate. Der letzte Handelstag des Kontraktes ist zwei Börsentage vor dem Liefertag des jeweiligen Quartalsmonats. Handelsschluss ist 12:30 Uhr MEZ des letzten Handelstages. Preisabstufungen

Die Preise der Kontrakte werden in Prozenten vom Nominalwert mit zwei Nachkommastellen ermittelt. Insofern beträgt die kleinste Preisveränderung (Tick) 0,01 Prozentpunkte. Dies entspricht EUR 10. Beispiel: Kauf eines Kontraktes zu 115,22; Verkauf zu 117,52. Die Differenz beträgt 2,3 Prozentpunkte und entspricht EUR 2.300.

Erfüllung, Lieferung

Liefertag ist der zehnte Kalendertag des jeweiligen Quartalsmonats, sofern dieser Tag ein Börsentag ist, andernfalls der nächste danach liegende Börsentag. Die Schuldverschreibungen, durch welche ein Euro-BUND-Future erfüllt werden kann, sowie deren Konvertierungsfaktoren werden von der Eurex Clearing AG bestimmt und stehen den Börsenteilnehmern auf einem Bildschirm zur Verfügung. Der Konvertierungsfaktor passt den Preis der zur Lieferung möglichen Schuldverschreibungen an den Preis des Kontraktes bei Handelsschluss an. Die zur Erfüllung geeigneten Schuldverschreibungen müssen zum Lieferzeitpunkt eine unkündbare Restlaufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren haben.

Lieferungen erfolgen zwischen den Clearing-Mitgliedern und der Eurex Clearing AG. Die Ausführung von Lieferungen an Nicht-Clearing-Mitglieder und eigene Kunden ist Aufgabe des zuständigen Clearing-Mitgliedes; die Ausführung von Lieferungen der Nicht-Clearing-Mitglieder an deren Kunden ist sodann Aufgabe der Nicht-Clearing-Mitglieder. Börsenteilnehmer dürfen nur ihrem Kundenpositionskonto zugeordnete beziehungsweise von ihrem Kunden zur Lieferung angezeigte Schuldverschreibungen weiterliefern.

BÖRSENCRASHS

Am 7. Februar 1637 kam es zum ersten überlieferten Zusammenbruch einer Börse: Nachdem viele holländische Anleger anlässlich der großen Tulpenmanie in Erwartung weiterer Preissteigerungen zu extrem hohen Preisen Tulpenzwiebeln (bzw. entsprechende Optionsscheine) gekauft hatten, blieben bei der jährlichen Versteigerung in Alkmaar schließlich die Käufer aus und die Preise fielen um 95 Prozent. Die Darién-Gesellschaft konnte im Jahr 1700 ihre Anteile nicht mehr einlösen nach dem Scheitern ihres Kolonialisierungs-Projekts in Panama. Am 9. Mai 1873 stürzten die Aktienkurse an der Wiener Börse ins Bodenlose (Gründerkrach). Auch in Deutschland und den Vereinigten Staaten stürzten die Aktienkurse ab. Eine Wirtschaftskrise im Jahr 1893, in den Vereinigten Staaten, löste am 5. Mai erhebliche Kursverluste an der New York Stock Exchange aus, die besonders Eisenbahnaktien trafen. Der Schwarze Donnerstag am 24. Oktober 1929 war Hauptursache für die Weltwirtschaftskrise. Am 19. Oktober 1987 stürzte der Dow Jones am sogenannten Schwarzen Montag um über 20 Prozent ab. Die Kurse erholten sich jedoch innerhalb eines Jahres wieder, nach 15 Monaten hatte der Dow Jones wieder den Stand vor dem Crash. Im Januar 1990 brach der japanische Leitindex Nikkei um fast die Hälfte ein. Am 19. August 1991, nach dem Putsch gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, verliert der DAX über neun Prozent an einem Tag. Die Terroranschläge am 11. September führten zu einer viertägigen Handelsunterbrechung. Der DAX verlor an diesem Tag rund 8,5 Prozent. Unmittelbar nach der Wiedereröffnung fiel der Dow-Jones-Index um gut sieben Prozent[1]. Im Rahmen der Finanzkrise ab 2007 verzeichneten die Börsen in New York, London und Frankfurt Verluste von jeweils über 20 Prozent. Am 16. Oktober fiel der Nikkei-Index um 11,4 Prozent und erlebte den zweitgrößten Tagesverlust in der gesamten Geschichte des Index. Dead-Cat-Bounce Dead-Cat-Bounce (dt. Hüpfer einer toten Katze) ist eine Metapher an den Finanzmärkten. Sie beschreibt die nicht nachhaltige Erholung eines Wertpapierkurses oder Wertpapierindex' nach einem starken, meist länger andauernden Einbruch. Der Begriff ist abgeleitet von dem zynischen englischen Sprichwort: “Even a dead cat will bounce if it is dropped from high enough!” (deutsch: „Selbst eine tote Katze wird hüpfen, wenn sie nur hoch genug fallengelassen wird!“). Entscheidende Beobachtungen Es gibt drei hauptsächliche Themen in der Theorie der Behavioral finance and economics Heuristik: Menschen treffen Entscheidungen häufig auf Grundlage einer einfachen, schnellen und stabilen Daumenregel, nicht nur aufgrund einer Analyse aller Möglichkeiten. Einordnung (en:Framing): Die Art und Weise, wie ein Problem oder eine Entscheidung vorgestellt wird, beeinflusst die Handlung des Entscheidenden. Unvollkommene Märkte (Market inefficiencies): Versuche, beobachtete Markthandlungen zu erklären, die vernünftigen Erwartungen und der Markteffizienz zuwiderlaufen. Diese beinhalten fehlerhafte Bepreisung, unvernünftige Entscheidungen und Anomalien beim Gewinn. Besonders Richard Thaler hat in einer Vielzahl von Aufsätzen besondere Marktanomalien aus der Perspektive des Behaviorismus beschrieben. Marktweite Anomalien können nicht allgemein über Individuen erklärt werden, die unter bestimmten Vorurteilen im Denken leiden. Individuelle Voreingenommenheiten haben oft nicht den ausreichend großen Einfluss, um Marktpreise und Gewinne zu ändern. Zusätzlich können sich individuelle Vorurteile gegenseitig neutralisieren. Kognitive Voreingenommenheiten haben wirklich ungewöhnliche Effekte nur dann, wenn es eine gesellschaftliche Kontamination mit einem sehr emotionalen Inhalt gibt, wie allgemeine Habgier oder allgemeine Panik. Diese führen dann zu weit verbreiteten Phänomenen wie Herdenverhalten und Gruppendenken. Behavioral economics beruht genauso viel auf der Sozialpsychologie wie auf der individuellen Psychologie. Es gibt zwei Ausnahmen zu dieser allgemeinen Aussage. Zunächst kann es sein, dass derart viele Individuen ein voreingenommenes Verhalten zur Schau stellen – das heißt ein Verhalten, das von vernünftigen Erwartungen abweicht –, dass dieses Verhalten die Norm darstellt und somit marktweite Auswirkungen hat. Weiterhin haben einige behavioristische Modelle ausdrücklich gezeigt, dass eine kleine aber bedeutende Gruppe marktweite Auswirkungen hervorrufen kann (siehe z.B. Fehr und Schmidt, 1999). .

DAX JAHRESRENDITEN

DAX-Performanceindex (mit Dividenden) Jahr Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1987 1.000,00

1988 1.327,87 327,87 32,79 1989 1.790,37 462,50 34,83 1990 1.398,23 -392,14 -21,90 1991 1.577,98 179,75 12,86 1992 1.545,05 -32,93 -2,09 1993 2.266,68 721,63 46,71 1994 2.106,58 -160,10 -7,06 1995 2.253,88 147,30 6,99 1996 2.888,69 634,81 28,17 1997 4.249,69 1.361,00 47,11 1998 5.002,39 752,70 17,71 1999 6.958,14 1.955,75 39,10 2000 6.433,61 -524,53 -7,54 2001 5.160,10 -1.273,51 -19,79 2002 2.892,63 -2.267,47 -43,94 2003 3.965,16 1.072,53 37,08 2004 4.256,08 290,92 7,34 2005 5.408,26 1.152,18 27,07 2006 6.596,92 1.188,66 21,98 2007 8.067,32 1.470,40 22,29 2008 4.810,20 -3.257,12 -40,37 2009 5.957,43 1.147,23 23,85 DAX-Kursindex (ohne Dividenden) Jahr Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1987 1.000,00

Die besten Tage Die Tabelle zeigt die besten Tage des bis 1959 zurückberechneten DAX. Rang Datum Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 2008-10-13 !13. Oktober 2008 5.062,45 518,14 11,40 2 1962-05-30 !30. Mai 1962 399,60 45,19 11,31 3 2008-10-28 !28. Oktober 2008 4.823,45 488,81 11,28 4 2008-11-24 !24. November 2008 4.554,33 426,93 10,34 5 1970-05-29 !29. Mai 1970 485,85 41,25 9,28 6 2002-07-29 !29. Juli 2002 3.859,78 280,78 7,85 7 2008-12-08 !8. Dezember 2008 4.715,88 334,41 7,63 8 1991-01-17 !17. Januar 1991 1.422,67 99,99 7,56 9 1987-11-12 !12. November 1987 1.061,64 73,44 7,43 10 2003-01-02 !2. Januar 2003 3.105,04 212,41 7,34 11 2002-10-11 !11. Oktober 2002 2.930,74 197,55 7,23 12 2002-08-06 !6. August 2002 3.568,64 235,99 7,08 13 2002-10-15 !15. Oktober 2002 3.048,27 198,16 6,95 14 2003-03-13 !13. März 2003 2.354,31 151,35 6,87 15 2001-09-24 !24. September 2001 4.038,69 251,46 6,64 16 1987-10-30 !30. Oktober 1987 1.177,38 72,98 6,61 17 1989-10-17 !17. Oktober 1989 1.475,44 89,72 6,47 18 1990-10-01 !1. Oktober 1990 1.420,73 85,84 6,43 19 1988-01-05 !5. Januar 1988 1.004,34 60,46 6,41 20 1997-10-29 !29. Oktober 1997 3.791,81 224,59 6,30 21 2002-08-08 !8. August 2002 3.679,26 213,72 6,17 22 1990-08-27 !27. August 1990 1.654,80 95,76 6,14 23 2009-04-02 !2. April 2009 4.381,92 250,85 6,07 24 1998-10-12 !12. Oktober 1998 4.225,49 241,84 6,07 25 2008-01-24 !24. Januar 2008 6.821,07 381,86 5,93 26 1987-10-21 !21. Oktober 1987 1.379,53 76,73 5,89 27 2003-04-07 !7. April 2003 2.808,94 154,87 5,84 28 2003-04-02 !2. April 2003 2.589,35 139,16 5,68 29 2002-10-17 !17. Oktober 2002 3.172,46 163,53 5,44 30 2009-03-04 !4. März 2009 3.890,94 200,22 5,42

Die schlechtesten Tage Die Tabelle zeigt die schlechtesten Tage des bis 1959 zurückberechneten DAX. Rang Datum Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 1989-10-16 !16. Oktober 1989 1.385,72 -203,62 -12,81 2 1991-08-19 !19. August 1991 1.497,93 -155,44 -9,40 3 1987-10-19 !19. Oktober 1987 1.321,61 -136,94 -9,39 4 2001-09-11 !11. September 2001 4.273,53 -396,60 -8,49 5 1997-10-28 !28. Oktober 1997 3.567,22 -311,90 -8,04 6 1987-10-26 !26. Oktober 1987 1.193,31 -99,36 -7,69 7 1962-05-29 !29. Mai 1962 354,41 -27,56 -7,22 8 2008-01-21 !21. Januar 2008 6.790,19 -523,98 -7,16 9 2008-10-06 !6. Oktober 2008 5.387,01 -410,02 -7,07 10 2008-10-10 !10. Oktober 2008 4.544,31 -342,69 -7,01 11 2008-11-06 !6. November 2008 4.813,57 -353,30 -6,84 12 1987-10-28 !28. Oktober 1987 1.142,17 -83,30 -6,80 13 1987-10-22 !22. Oktober 1987 1.287,58 -91,95 -6,67 14 1987-11-10 !10. November 1987 945,91 -66,18 -6,54 15 2008-10-15 !15. Oktober 2008 4.861,63 -337,56 -6,49 16 2001-09-14 !14. September 2001 4.115,98 -276,42 -6,29 17 1998-10-02 !2. Oktober 1998 3.962,50 -263,99 -6,25 18 2003-03-24 !24. März 2003 2.548,37 -166,69 -6,14 19 1998-08-21 !21. August 1998 5.163,51 -324,71 -5,92 20 2008-12-01 !1. Dezember 2008 4.394,79 -274,65 -5,88 21 2008-10-08 !8. Oktober 2008 5.013,62 -313,01 -5,88 22 2002-09-03 !3. September 2002 3.398,99 -210,42 -5,83 23 1998-09-10 !10. September 1998 4.747,33 -293,54 -5,82 24 2001-09-20 !20. September 2001 3.809,67 -232,13 -5,74 25 2002-08-05 !5. August 2002 3.332,65 -199,84 -5,66 26 1988-01-04 !4. Januar 1988 943,88 -56,12 -5,61 27 1998-10-01 !1. Oktober 1998 4.226,49 -248,02 -5,54 28 2002-10-29 !29. Oktober 2002 3.022,01 -176,95 -5,53 29 1990-08-06 !6. August 1990 1.740,93 -100,01 -5,43 30 1961-03-06 !6. März 1961 518,43 -29,64 -5,41

Die besten Tage Der größte prozentuale Anstieg an einem Tag ereignete sich am 15. März 1933, als der Dow Jones Industrial Average um 15,34 Prozent stieg. Hierbei ist zu beachten, dass es der erste Handelstag an der New York Stock Exchange seit 3. März 1933 war. Grund für die Handelsunterbrechung waren mehrere Bankfeiertage (National Banking Holidays), die wegen der Amtseinführung von Franklin D. Roosevelt als 32. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika erlassen wurden. Die Tabelle zeigt die besten Tage des bis 1885 zurückgerechneten Dow-Jones-Index. Rang Datum Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 1933-03-15 !15. März 1933 62,10 8,26 15,34 2 1931-10-06 !6. Oktober 1931 99,34 12,86 14,87 3 1929-10-30 !30. Oktober 1929 258,47 28,40 12,34 4 1932-09-21 !21. September 1932 75,16 7,67 11,36 5 2008-10-13 !13. Oktober 2008 9.387,61 936,42 11,08 6 2008-10-28 !28. Oktober 2008 9.065,12 889,35 10,88 7 1987-10-21 !21. Oktober 1987 2.027,85 186,84 10,15 8 1932-08-03 !3. August 1932 58,22 5,06 9,52 9 1932-02-11 !11. Februar 1932 78,60 6,80 9,47 10 1929-11-14 !14. November 1929 217,28 18,59 9,36 11 1931-12-18 !18. Dezember 1931 80,69 6,90 9,35 12 1932-02-13 !13. Februar 1932 85,82 7,22 9,19 13 1932-05-06 !6. Mai 1932 59,01 4,91 9,08 14 1933-04-19 !19. April 1933 68,31 5,66 9,03 15 1931-10-08 !8. Oktober 1931 105,79 8,47 8,70 16 1932-06-10 !10. Juni 1932 48,94 3,62 7,99 17 1939-09-05 !5. September 1939 148,12 10,03 7,26 18 1931-06-03 !3. Juni 1931 130,37 8,67 7,12 19 1932-01-06 !6. Januar 1932 76,31 5,07 7,12 20 2009-03-23 !23. März 2009 7.775,86 497,48 6,84 21 1932-10-14 !14. Oktober 1932 63,84 4,08 6,83 22 1907-03-15 !15. März 1907 59,58 3,74 6,70 23 2008-11-13 !13. November 2008 8.835,25 552,59 6,67 24 1893-07-27 !27. Juli 1893 27,00 1,68 6,64 25 1931-06-20 !20. Juni 1931 138,96 8,65 6,64 26 1933-07-24 !24. Juli 1933 94,28 5,86 6,63 27 2008-11-21 !21. November 2008 8.046,42 494,13 6,54 28 1893-08-02 !2. August 1893 28,48 1,74 6,51 29 1933-06-19 !19. Juni 1933 95,99 5,76 6,38 30 1901-05-10 !10. Mai 1901 52,50 3,14 6,36 Die schlechtesten Tage Der größte prozentuale Rückgang an einem Tag ereignete sich am 19. Oktober 1987, als der Dow Jones Industrial Average um 22,61 Prozent fiel. In einigen Publikationen wird der 12. Dezember 1914 mit 24,39 Prozent als der schlechteste Börsentag der Geschichte bezeichnet. In Wirklichkeit handelte es sich um eine Neuberechnung aufgrund einer Änderung in der Zusammensetzung des Index und nicht um einen tatsächlichen Rückgang. Am 17. September 2001, als der Dow-Jones-Index um 7,13 Prozent fiel, war vorher an der Börse wegen der Terroranschläge am 11. September 2001 für mehrere Tage kein Handel möglich. Die Tabelle zeigt die schlechtesten Tage des bis 1885 zurückgerechneten Dow-Jones-Index. Rang Datum Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 1987-10-19 !19. Oktober 1987 1.738,74 -508,00 -22,61 2 1929-10-28 !28. Oktober 1929 260,64 -38,33 -12,82 3 1929-10-29 !29. Oktober 1929 230,07 -30,57 -11,73 4 1929-11-06 !6. November 1929 232,13 -25,55 -9,92 5 1899-12-18 !18. Dezember 1899 42,69 -4,08 -8,72 6 1895-12-20 !20. Dezember 1895 29,42 -2,74 -8,52 7 1932-08-12 !12. August 1932 63,11 -5,79 -8,40 8 1907-03-14 !14. März 1907 55,84 -5,05 -8,29 9 1987-10-26 !26. Oktober 1987 1.793,93 -156,83 -8,04 10 2008-10-15 !15. Oktober 2008 8.577,91 -733,08 -7,87 11 1933-07-21 !21. Juli 1933 88,71 -7,55 -7,84 12 1937-10-18 !18. Oktober 1937 125,73 -10,57 -7,75 13 2008-12-01 !1. Dezember 2008 8.149,09 -679,95 -7,70 14 1893-07-26 !26. Juli 1893 25,32 -2,02 -7,39 15 2008-10-09 !9. Oktober 2008 8.579,19 -678,91 -7,33 16 1917-02-01 !1. Februar 1917 88,52 -6,91 -7,24 17 1997-10-27 !27. Oktober 1997 7.161,15 -554,26 -7,18 18 1932-10-05 !5. Oktober 1932 66,07 -5,09 -7,15 19 2001-09-17 !17. September 2001 8.920,70 -684,81 -7,13 20 1931-09-24 !24. September 1931 107,79 -8,20 -7,07 21 1933-07-20 !20. Juli 1933 96,26 -7,32 -7,07 22 2008-09-29 !29. September 2008 10.365,45 -777,68 -6,98 23 1989-10-13 !13. Oktober 1989 2.569,26 -190,58 -6,91 24 1914-07-30 !30. Juli 1914 52,32 -3,88 -6,90 25 1988-01-08 !8. Januar 1988 1.911,31 -140,58 -6,85 26 1929-11-11 !11. November 1929 220,39 -16,14 -6,82 27 1940-05-14 !14. Mai 1940 128,27 -9,36 -6,80 28 1931-10-05 !5. Oktober 1931 86,48 -6,29 -6,78 Die besten Wochen Die beste Woche in der Geschichte des Dow-Jones-Index endete am 6. August 1932 mit einem Gewinn von 22,67 Prozent, gefolgt von der Woche vom 25. Juni 1938 mit einem Plus von 16,52 Prozent und der Woche vom 13. Februar 1932 mit einem Gewinn von 15,27 Prozent. Die Tabelle zeigt die besten Wochen des bis 1885 zurückgerechneten Dow-Jones-Index. Das Datum bezieht sich auf den letzten Handelstag der Woche. Rang Woche Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 1932-08-06 !6. August 1932 66,56 12,30 22,67 2 1938-06-25 !25. Juni 1938 131,94 18,71 16,52 3 1932-02-13 !13. Februar 1932 85,82 11,37 15,27 4 1933-04-22 !22. April 1933 72,24 9,36 14,89 5 1931-10-10 !10. Oktober 1931 105,61 12,84 13,84 6 1932-07-30 !30. Juli 1932 54,26 6,42 13,42 7 1931-06-27 !27. Juni 1931 156,93 17,97 12,93 8 1932-09-24 !24. September 1932 74,83 8,39 12,63 9 1974-10-11 !11. Oktober 1974 658,17 73,61 12,59 10 1932-08-27 !27. August 1932 75,61 8,43 12,55 11 1933-03-18 !18. März 1933 60,56 6,72 12,48 12 1903-08-15 !15. August 1903 38,80 4,09 11,78 13 1933-05-27 !27. Mai 1933 89,61 9,40 11,72 14 1900-11-10 !10. November 1900 48,70 4,89 11,17 15 1982-08-20 !20. August 1982 869,29 81,24 10,31 16 1929-12-07 !7. Dezember 1929 263,46 24,51 10,26 17 1933-10-28 !28. Oktober 1933 92,01 8,37 10,01 18 2008-11-28 !28. November 2008 8.829,04 782,62 9,73 19 1932-12-10 !10. Dezember 1932 61,25 5,42 9,71 20 1931-11-07 !7. November 1931 115,60 10,17 9,65 21 1898-05-07 !7. Mai 1898 36,92 3,22 9,55 22 1993-08-05 !5. August 1993 28,69 2,48 9,46 23 1939-09-09 !9. September 1939 150,91 12,82 9,28 24 1899-12-30 !30. Dezember 1899 48,41 4,04 9,11 25 1932-11-12 !12. November 1932 68,04 5,63 9,02 26 2009-03-13 !13. März 2009 7.223,98 597,04 9,01 27 1932-07-16 !16. Juli 1932 45,29 3,66 8,79 28 1982-10-08 !8. Oktober 1982 986,85 79,11 8,72 29 2003-03-21 !21. März 2003 8.521,97 662,26 8,43 30 1934-06-09 !9. Juni 1934 98,90 7,49 8,19 Die schlechtesten Wochen Die schlechteste Woche in der Geschichte des Dow-Jones-Index endete am 10. Oktober 2008 mit einem Verlust von 18,15 Prozent, gefolgt von der Woche vom 22. Juli 1933 mit einem Minus von 16,66 Prozent und der Woche vom 18. Mai 1940 mit einem Verlust von 15,48 Prozent. Die Tabelle zeigt die schlechtesten Wochen des bis 1885 zurückgerechneten Dow-Jones-Index. Das Datum bezieht sich auf den letzten Handelstag der Woche. Rang Woche Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 2008-10-10 !10. Oktober 2008 8.451,19 -1.874,19 -18,15 2 1933-07-22 !22. Juli 1933 88,42 -17,68 -16,66 3 1940-05-18 !18. Mai 1940 122,43 -22,42 -15,48 4 1932-10-08 !8. Oktober 1932 61,17 -10,92 -15,15 5 1895-12-21 !21. Dezember 1895 28,29 -4,91 -14,79 6 2001-09-21 !21. September 2001 8.235,81 -1369,70 -14,26 7 1931-10-03 !3. Oktober 1931 92,77 -14,59 -13,59 8 1929-11-08 !8. November 1929 236,53 -36,98 -13,52 9 1932-09-17 !17. September 1932 66,44 -10,10 -13,20 10 1987-10-23 !23. Oktober 1987 1.950,76 -295,98 -13,17 11 1933-10-21 !21. Oktober 1933 83,64 -11,95 -12,50 12 1931-12-12 !12. Dezember 1931 78,93 -11,21 -12,44 13 1915-05-08 !8. Mai 1915 62,77 -8,74 -12,22 14 1930-06-21 !21. Juni 1930 215,30 -28,95 -11,85 15 1928-12-08 !8. Dezember 1928 257,33 -33,47 -11,51 16 1938-03-26 !26. März 1938 106,63 -13,80 -11,46 17 1914-07-30 !30. Juli 1914 52,32 -6,04 -10,36 18 1896-08-08 !8. August 1896 24,36 -2,73 -10,08 19 1932-05-28 !28. Mai 1932 47,70 -5,34 -10,07 20 1931-09-19 !19. September 1931 111,74 -12,11 -9,78 21 1932-05-14 !14. Mai 1932 52,48 -5,56 -9,58 22 1932-04-09 !9. April 1932 64,48 -6,82 -9,57 23 1896-07-18 !18. Juli 1896 27,24 -2,87 -9,53 24 1987-10-16 !16. Oktober 1987 2.246,73 -235,48 -9,49 25 1937-11-20 !20. November 1937 120,45 -12,60 -9,47 26 1903-07-25 !25. Juli 1903 35,95 -3,68 -9,29 27 1930-10-11 !11. Oktober 1930 193,05 -18,05 -8,55 28 1929-10-31 !31. Oktober 1929 273,51 -25,46 -8,52 29 1893-07-29 !29. Juli 1893 26,21 -2,42 -8,45 30 1931-11-21 !21. November 1931 97,42 -8,93 -8,40 Die besten Monate Der beste Monat in der Geschichte des Dow-Jones-Index war der April 1933 mit einem Gewinn von 40,18 Prozent, gefolgt vom August 1932 mit einem Plus von 34,83 Prozent und dem Juli 1932 mit einem Gewinn um 26,66 Prozent. Die Tabelle zeigt die besten Monate des bis 1885 zurückgerechneten Dow-Jones-Index. Rang Monat Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 1933-04-00 !April 1933 77,66 22,26 40,18 2 1932-08-00 !August 1932 73,16 18,90 34,83 3 1932-07-00 !Juli 1932 54,26 11,42 26,66 4 1938-06-00 !Juni 1938 133,88 26,14 24,26 5 1915-04-00 !April 1915 71,78 10,95 18,00 6 1931-06-00 !Juni 1931 150,18 21,72 16,91 7 1928-11-00 !November 1928 293,38 41,22 16,35 8 1898-05-00 !Mai 1898 38,64 4,94 14,66 9 1897-08-00 !August 1897 40,15 5,07 14,45 10 1976-01-00 !Januar 1976 975,28 122,87 14,41 11 1904-11-00 !November 1904 52,76 6,59 14,27 12 1975-01-00 !Januar 1975 703,69 87,45 14,19 13 1987-01-00 !Januar 1987 2.158,04 262,09 13,82 14 1919-05-00 !Mai 1919 105,50 12,62 13,59 15 1939-09-00 !September 1939 152,54 18,13 13,49 16 1933-05-00 !Mai 1933 88,11 10,45 13,46 17 1931-02-00 !Februar 1931 189,66 22,11 13,20 18 1891-08-00 !August 1891 40,71 4,68 12,99 19 1933-08-00 !August 1933 102,41 11,64 12,82 20 1900-11-00 !November 1900 48,78 5,53 12,79 21 1920-03-00 !März 1920 102,81 11,50 12,59 22 1938-04-00 !April 1938 111,28 12,33 12,46 23 1885-10-00 !Oktober 1885 38,55 4,22 12,29 24 1929-06-00 !Juni 1929 333,79 36,38 12,23 25 1915-09-00 !September 1915 90,58 9,38 11,55 26 1916-09-00 !September 1916 102,90 10,65 11,54 27 1908-03-00 !März 1908 49,46 5,11 11,52 28 1982-08-00 !August 1982 901,31 92,71 11,47 29 1933-06-00 !Juni 1933 98,14 10,03 11,38 30 1898-08-00 !August 1898 44,21 4,50 11,33 Die schlechtesten Monate Der schlechteste Monat in der Geschichte des Dow-Jones-Index war der September 1931 mit einem Verlust von 30,70 Prozent, gefolgt vom März 1938 mit einem Minus von 23,67 Prozent und dem April 1932 mit einem Verlust von 23,43 Prozent. Die Tabelle zeigt die schlechtesten Monate des bis 1885 zurückgerechneten Dow-Jones-Index. Rang Monat Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 1931-09-00 !September 1931 96,61 -42,80 -30,70 2 1938-03-00 !März 1938 98,95 -30,69 -23,67 3 1932-04-00 !April 1932 56,11 -17,17 -23,43 4 1987-10-00 !Oktober 1987 1.993,53 -602,75 -23,22 5 1940-05-00 !Mai 1940 116,22 -32,21 -21,70 6 1929-10-00 !Oktober 1929 273,51 -69,94 -20,36 7 1932-05-00 !Mai 1932 44,74 -11,37 -20,26 8 1893-07-00 !Juli 1893 26,38 -5,95 -18,40 9 1930-06-00 !Juni 1930 226,34 -48,73 -17,72 10 1931-12-00 !Dezember 1931 77,90 -15,97 -17,01 11 1933-02-00 !Februar 1933 51,39 -9,51 -15,62 12 1998-08-00 !August 1998 7.539,07 -1.344,22 -15,13 13 1931-05-00 !Mai 1931 128,46 -22,73 -15,03 14 1907-10-00 !Oktober 1907 42,27 -7,34 -14,80 15 1930-09-00 !September 1930 204,90 -35,52 -14,77 16 1903-07-00 !Juli 1903 37,19 -6,09 -14,07 17 1973-11-00 !November 1973 822,25 -134,33 -14,04 18 2008-10-00 !Oktober 2008 9.336,93 -1.513,73 -13,95 19 1903-09-00 !September 1903 33,55 -5,42 -13,91 20 1932-10-00 !Oktober 1932 61,90 -9,66 -13,50 21 1919-11-00 !November 1919 103,60 -15,32 -12,88 22 1937-09-00 !September 1937 154,57 -22,84 -12,87 23 1929-11-00 !November 1929 238,95 -34,56 -12,64 24 1899-12-00 !Dezember 1899 48,41 -6,94 -12,54 25 2002-09-00 !September 2002 7.591,93 -1.071,57 -12,37 26 1931-04-00 !April 1931 151,19 -21,17 -12,28 27 1920-02-00 !Februar 1920 91,31 -12,51 -12,05 28 1899-05-00 !Mai 1899 49,46 -6,74 -11,99 29 2009-02-00 !Februar 2009 7.062,93 -937,93 -11,72 Die besten Jahre Das beste Jahr in der Geschichte des Dow-Jones-Index war 1915 mit einem Gewinn von 81,66 Prozent, gefolgt von 1933 mit einem Plus von 66,69 Prozent und 1928 mit einem Gewinn von 48,22 Prozent. Die Tabelle zeigt die besten Jahre des bis 1885 zurückgerechneten Dow-Jones-Index. Rang Jahr Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 1915 99,15 44,57 81,66 2 1933 99,90 39,97 66,69 3 1928 300,00 97,60 48,22 4 1908 63,11 20,07 46,63 5 1954 404,39 123,49 43,96 6 1904 50,99 15,01 41,72 7 1935 144,13 40,09 38,53 8 1975 852,41 236,17 38,32 9 1905 70,47 19,48 38,20 10 1958 583,65 147,96 33,96 11 1995 5.117,12 1.282,68 33,45 12 1919 107,23 25,03 30,45 13 1925 156,66 36,15 30,00 14 1927 202,40 45,20 28,75 15 1938 154,76 33,91 28,06 16 1985 1.546,67 335,10 27,66 17 1989 2.753,20 584,63 26,96 18 1945 192,91 40,59 26,65 19 1924 120,51 24,99 26,16 20 1996 6.448,27 1.331,15 26,01 21 2003 10.453,92 2.112,29 25,32 22 1999 11.497,12 2.315,69 25,22 23 1936 179,90 35,77 24,82 24 1997 7.908,25 1.459,98 22,64 25 1986 1.895,95 349,28 22,58 26 1898 44,33 8,13 22,46 27 1922 98,73 17,63 21,74 28 1897 36,20 6,30 21,07 29 1955 488,40 84,01 20,78 30 1991 3.168,83 535,17 20,32

Die schlechtesten Jahre Das schlechteste Jahr in der Geschichte des Dow-Jones-Index war 1931 mit einem Verlust von 52,67 Prozent, gefolgt von 1907 mit einem Minus von 37,73 Prozent und 2008 mit einem Verlust von 33,84 Prozent. In einigen Publikationen wird 1914 mit einem Schlussstand von 54,58 Punkten und einem Rückgang um 30,72 Prozent als eines der schlechtesten Jahre der Geschichte bezeichnet. In Wirklichkeit handelte es sich um eine Neuberechnung aufgrund einer Änderung in der Zusammensetzung des Index. Der Dow Jones Industrial Average beendete 1914 den Handel mit 74,73 Punkten. Das entspricht gegenüber 1913 einem Rückgang um 5,14 Prozent. Die Tabelle zeigt die schlechtesten Jahre des bis 1885 zurückgerechneten Dow-Jones-Index. Rang Jahr Schlussstand in Punkten Veränderung in Punkten Veränderung in % 1 1931 77,90 -86,68 -52,67 2 1907 43,04 -26,08 -37,73 3 2008 8.776,39 -4.488,43 -33,84 4 1930 164,58 -83,90 -33,77 5 1920 71,95 -35,28 -32,90 6 1937 120,85 -59,05 -32,82 7 1974 616,24 -234,62 -27,57 8 1893 29,91 -9,76 -24,60 9 1903 35,98 -11,12 -23,61 10 1932 59,93 -17,97 -23,07 11 1917 74,38 -20,62 -21,71 12 1966 785,69 -183,57 -18,94 13 1910 59,60 -12,96 -17,86 14 1977 831,17 -173,48 -17,27 15 1929 248,48 -51,52 -17,17 16 2002 8.341,63 -1.679,87 -16,76 17 1973 850,86 -169,16 -16,58 18 1941 110,96 -20,17 -15,38 19 1969 800,36 -143,39 -15,19 20 1890 36,09 -5,95 -14,15 21 1957 435,69 -63,78 -12,77 22 1940 131,13 -19,11 -12,72 23 1962 652,10 -79,04 -10,81 24 1913 57,71 -6,66 -10,35 25 1960 615,89 -63,47 -9,34 26 1981 875,00 -88,99 -9,23 27 1901 47,29 -4,51 -8,71 28 1887 37,77 -3,47 -8,41 29 1946 177,20 -15,71 -8,14 30 2001 10.021,50 -765,35 -7,10 Bullenmärkte Der längste Bullenmarkt des Dow-Jones-Index dauerte zwischen 1990 und 1998 insgesamt 2.836 Tage. Der Bullenmarkt mit dem größten Gewinn ereignete sich zwischen 1923 und 1929. Investoren gewannen in dieser Zeit mit Aktien 344,5 Prozent. Seit 1900 gab es nach einer Studie des US-amerikanischen Analysehauses Ned Davis Research 35 zyklische Bullenmärkte mit einer durchschnittlichen Dauer von 751 Tagen (Median = 614 Tage). Der durchschnittliche Gewinn lag bei 85,6 Prozent (Median = 69,1 Prozent). Bullenmärkte sind nach einer Definition von Ned Davis Research Kursgewinne des Dow-Jones-Index von mindestens 30 Prozent innerhalb von 50 Tagen, ein Anstieg des Index um 13 Prozent innerhalb von 155 Tagen oder ein 30-Prozent-Reversal im geometrischen Value Line Composite Index seit 1965. Anfang Schlussstand in Punkten Ende Schlussstand in Punkten Veränderung in % Tage 1900-09-24 !24. September 1900 38,80 1901-06-17 !17. Juni 1901 57,33 47,8 266 1903-11-09 !9. November 1903 30,88 1906-01-19 !19. Januar 1906 75,45 144,4 802 1907-11-15 !15. November 1907 38,83 1909-11-19 !19. November 1909 73,64 89,7 735 1911-09-25 !25. September 1911 53,43 1912-09-30 !30. September 1912 68,97 29,1 371 1914-12-24 !24. Dezember 1914 53,17 1916-11-21 !21. November 1916 110,15 107,2 698 1917-12-19 !19. Dezember 1917 65,95 1919-11-03 !3. November 1919 119,62 81,4 684 1921-08-24 !24. August 1921 63,90 1923-03-20 !20. März 1923 105,38 64,9 573 1923-10-27 !27. Oktober 1923 85,76 1929-09-03 !3. September 1929 381,17 344,5 2.138 1929-11-13 !13. November 1929 198,69 1930-04-17 !17. April 1930 294,07 48,0 155 1932-07-08 !8. Juli 1932 41,22 1932-09-07 !7. September 1932 79,93 93,9 61 1933-02-27 !27. Februar 1933 50,16 1934-02-05 !5. Februar 1934 110,74 120,8 343 1934-07-26 !26. Juli 1934 85,51 1937-03-10 !10. März 1937 194,40 127,3 958 1938-03-31 !31. März 1938 98,95 1938-11-12 !12. November 1938 158,41 60,1 226 1939-04-08 !8. April 1939 121,44 1939-09-12 !12. September 1939 155,92 28,4 157 1942-04-28 !28. April 1942 92,92 1946-05-29 !29. Mai 1946 212,50 128,7 1.492 1947-05-17 !17. Mai 1947 163,21 1948-06-15 !15. Juni 1948 193,16 18,4 395 1949-06-13 !13. Juni 1949 161,60 1953-01-05 !5. Januar 1953 293,79 81,8 1.302 1953-09-14 !14. September 1953 255,49 1956-04-06 !6. April 1956 521,05 103,9 935 1957-10-22 !22. Oktober 1957 419,79 1960-01-05 !5. Januar 1960 685,47 63,3 805 1960-10-25 !25. Oktober 1960 566,05 1961-12-13 !13. Dezember 1961 734,91 29,8 414 1962-06-26 !26. Juni 1962 535,76 1966-02-09 !9. Februar 1966 995,15 85,7 1.324 1966-10-07 !7. Oktober 1966 744,32 1968-12-03 !3. Dezember 1968 985,21 32,4 788 1970-05-26 !26. Mai 1970 631,16 1971-04-28 !28. April 1971 950,82 50,6 337 1971-11-23 !23. November 1971 797,97 1973-01-11 !11. Januar 1973 1.051,70 31,8 415 1974-12-06 !6. Dezember 1974 577,60 1976-09-21 !21. September 1976 1.014,79 75,7 655 1978-02-28 !28. Februar 1978 742,12 1978-09-08 !8. September 1978 907,74 22,3 192 1980-04-21 !21. April 1980 759,13 1981-04-27 !27. April 1981 1.024,05 34,9 371 1982-08-12 !12. August 1982 776,92 1983-11-29 !29. November 1983 1.287,20 65,7 474 1984-07-24 !24. Juli 1984 1.086,57 1987-08-25 !25. August 1987 2.722,42 150,6 1.127 Bärenmärkte Der längste Bärenmarkt des Dow-Jones-Index dauerte zwischen 1939 und 1942 insgesamt 959 Tage. Der Bärenmarkt mit dem größten Verlust ereignete sich zwischen 1930 und 1932. Investoren verloren in dieser Zeit mit Aktien 86,0 Prozent. Seit 1901 gab es nach einer Studie des US-amerikanischen Analysehauses Ned Davis Research 34 zyklische Bärenmärkte mit einer durchschnittlichen Dauer von 406 Tagen (Median = 363 Tage). Der durchschnittliche Verlust lag bei 30,8 Prozent (Median = 26,9 Prozent). Bärenmärkte sind nach einer Definition von Ned Davis Research Kursverluste des Dow-Jones-Index von mindestens 30 Prozent innerhalb von 50 Tagen, ein Rückgang des Index um 13 Prozent innerhalb von 145 Tagen oder ein 30-Prozent-Reversal im geometrischen Value Line Composite Index seit 1965. Anfang Schlussstand in Punkten Ende Schlussstand in Punkten Veränderung in % Tage 1901-06-17 !17. Juni 1901 57,33 1903-11-09 !9. November 1903 30,88 -46,1 875 1906-01-19 !19. Januar 1906 75,45 1907-11-15 !15. November 1907 38,83 -48,5 665 1909-11-19 !19. November 1909 73,64 1911-09-25 !25. September 1911 53,43 -27,4 675 1912-09-30 !30. September 1912 68,97 1914-07-30 !30. Juli 1914 52,32 -24,1 668 1916-11-21 !21. November 1916 110,15 1917-12-19 !19. Dezember 1917 65,95 -40,1 393 1919-11-03 !3. November 1919 119,62 1921-08-24 !24. August 1921 63,90 -46,6 660 1923-03-20 !20. März 1923 105,38 1923-10-27 !27. Oktober 1923 85,76 -18,6 221 1929-09-03 !3. September 1929 381,17 1929-11-13 !13. November 1929 198,69 -47,9 71 1930-04-17 !17. April 1930 294,07 1932-07-08 !8. Juli 1932 41,22 -86,0 813 1932-09-07 !7. September 1932 79,93 1933-02-27 !27. Februar 1933 50,16 -37,2 173 1934-02-05 !5. Februar 1934 110,74 1934-07-26 !26. Juli 1934 85,51 -22,8 171 1937-03-10 !10. März 1937 194,40 1938-03-31 !31. März 1938 98,95 -49,1 386 1938-11-12 !12. November 1938 158,41 1939-04-08 !8. April 1939 121,44 -23,3 147 1939-09-12 !12. September 1939 155,92 1942-04-28 !28. April 1942 92,92 -40,4 959 1946-05-29 !29. Mai 1946 212,50 1947-05-17 !17. Mai 1947 163,21 -23,2 353 1948-06-15 !15. Juni 1948 193,16 1949-06-13 !13. Juni 1949 161,60 -16,3 363 1953-01-05 !5. Januar 1953 293,79 1953-09-14 !14. September 1953 255,49 -13,0 252 1956-04-06 !6. April 1956 521,05 1957-10-22 !22. Oktober 1957 419,79 -19,4 564 1960-01-05 !5. Januar 1960 685,47 1960-10-25 !25. Oktober 1960 566,05 -17,4 294 1961-12-13 !13. Dezember 1961 734,91 1962-06-26 !26. Juni 1962 535,76 -27,1 195 1966-02-09 !9. Februar 1966 995,15 1966-10-07 !7. Oktober 1966 744,32 -25,2 240 1968-12-03 !3. Dezember 1968 985,21 1970-05-26 !26. Mai 1970 631,16 -35,9 539 1971-04-28 !28. April 1971 950,82 1971-11-23 !23. November 1971 797,97 -16,1 209 1973-01-01 !1. Januar 1973 1.051,70 1974-12-06 !6. Dezember 1974 577,60 -45,1 694 1976-09-21 !21. September 1976 1.014,79 1978-02-28 !28. Februar 1978 742,12 -26,9 525 1978-09-08 !8. September 1978 907,74 1980-04-21 !21. April 1980 759,13 -16,4 591 1981-04-27 !27. April 1981 1.024,05 1982-08-12 !12. August 1982 776,92 -24,1 472 1983-11-29 !29. November 1983 1.287,20 1984-07-24 !24. Juli 1984 1.086,57 -15,6 238 1987-08-25 !25. August 1987 2.722,42 1987-10-19 !19. Oktober 1987 1.738,74 -36,1 55 Unternehmen im Dow-Jones-Index Der Index besteht aus 30 Aktienwerten, die am 31. Dezember 2009 zusammen einen Börsenwert von 3,537 Billionen US-Dollar besaßen. Größtes Unternehmen war ExxonMobil mit einer Marktkapitalisierung von 322,67 Milliarden US-Dollar. Die nach Gewichtung zehn größten Aktien besaßen einen Anteil von 52,88 Prozent an der Gesamtgewichtung des Index. General Electric hatte mit elf Milliarden Stück die größte Anzahl von Aktien im Umlauf und ist am längsten Mitglied im Dow-Jones-Index. Es war eines der zwölf Unternehmen, die im 1896 neu eingeführten Index gelistet wurden und ist das einzige der ersten zwölf, das sich bis heute - mit einer Unterbrechung von 1898 bis 1907 - im Index gehalten hat. Den geringsten Streubesitz unter allen 30 Unternehmen besitzt Kraft Foods mit 11 Prozent frei gehandelter Aktien. Alle Daten in der folgenden Tabelle beziehen sich auf den 31. Dezember 2009. Name

Gewichtung im DJI in %

Anzahl der Aktien in Mio.

Börsenwert in Mrd. USD

Streubesitz in %

Aufnahme

3M1 5,99 708 58,53 81,94 1976-08-09 !9. August 1976 Alcoa2 1,17 974 15,71 100,00 1959-06-01 !1. Juni 1959 American Express 2,94 1.200 48,19 88,63 1982-08-30 !30. August 1982

AT&T3

2,03 5.900 165,41 100,00 1999-11-01 !1. November 1999 Bank of America 1,09 8.700 130,27 100,00 2008-02-19 !19. Februar 2008 Boeing 3,92 727 39,33 89,30 1987-03-12 !12. März 1987 Caterpillar 4,13 623 35,49 100,00 1991-05-06 !6. Mai 1991 Chevron 5,58 2.000 154,46 100,00 2008-02-19 !19. Februar 2008 Cisco 1,74 5.800 137,72 100,00 2009-06-08 !8. Juni 2009 Coca-Cola 4,13 2.300 132,08 91,95 1987-03-12 !12. März 1987 Disney 2,34 1.900 60,15 100,00 1991-05-06 !6. Mai 1991 DuPont 2,44 904 30,43 100,00 1935-11-20 !20. November 1935 ExxonMobil4 4,94 4.700 322,67 100,00 1928-10-01 !1. Oktober 1928 General Electric 1,10 11.000 161,10 100,00 1907-11-07 !7. November 1907 Hewlett-Packard 3,73 2.400 121,78 71,50 1997-03-17 !17. März 1997 Home Depot 2,10 1.700 49,19 94,67 1999-11-01 !1. November 1999 IBM 9,49 1.600 209,44 100,00 1979-06-29 !29. Juni 1979 Intel 1,48 5.500 112,65 100,00 1999-11-01 !1. November 1999 Johnson & Johnson 4,67 2.800 177,71 100,00 1997-03-17 !17. März 1997 JPMorgan Chase & Co.5 3,02 4.100 171,05 94,40 1991-05-06 !6. Mai 1991 Kraft Foods 1,97 1.500 40,15 11,00 2008-09-22 !22. September 2008 McDonald’s 4,53 1.100 67,38 100,00 1985-10-30 !30. Oktober 1985 Merck & Co., Inc. 2,65 3.100 111,61 100,00 1979-06-29 !29. Juni 1979 Microsoft 2,21 8.900 270,64 86,28 1999-11-01 !1. November 1999 Pfizer 1,32 8.100 146,78 100,00 2004-04-08 !8. April 2004 Procter & Gamble 4,39 2.900 177,14 100,00 1932-05-26 !26. Mai 1932 Travelers 3,61 546 27,24 100,00 2009-06-08 !8. Juni 2009 United Technologies6 5,03 938 65,07 100,00 1939-03-14 !14. März 1939 Verizon Communications 2,40 2.800 94,11 100,00 2004-04-08 !8. April 2004 Wal-Mart 3,87 3.800 203,65 61,76 1997-03-17 !17. März 1997 Gesamt 100,00 99.220 3.537,13

Das Wörgler Notgeld Nach dem ersten Weltkrieg wurden Scheidemünzen immer rarer, das Staatsamt für Finanzen (das heutige Finanzministerium) erließ eine Erlaubnis, dass Gemeinden bei herrschendem Mangel ihr Kleingeld selber drucken durften. Ab 1919 geschah dies in steigendem Ausmaß. Von Innsbruck aus wurde in Tirol damit begonnen das Notgeld zu drucken. Die Marktgemeinde Wörgl begann 1919 mit der Ausgabe des Wörgler Notgeldes im Nominalen von 10, 20, 30, 50, 75 und 90 Heller und hatte bis Ende 1920 Gültigkeit. Den Betrag, der bis dahin nicht eingelöst worden war, konnte die Gemeinde als Gewinn verbuchen, die Höhe dieses Gewinnes ist jedoch nicht mehr bekannt. In Wörgl waren aufgrund des großen Erfolges sogar mehrere Auflagen nötig. Das Wörgler Schwundgeld (Freigeld) In Wörgl war um 1932 die örtliche Zement- und Zellulosefabrikation stark zurückgegangen und die Arbeitslosenquote bedrohlich angestiegen. Die Gemeinde hatte einerseits beträchtliche Steuerausfälle, andererseits hohe Lasten durch Unterstützungsleistungen an Arbeitslose. Die Kasse war leer, und ein Ende war nicht abzusehen. Es wurde ein Wohlfahrtsausschuss gebildet, der die Ausgabe des Notgeldes organisierte. Ab Ende Juli 1932 gab die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Michael Unterguggenberger als Lohn der Gemeindeangestellten eigene sogenannte Arbeitswertscheine aus, den Wörgler Schilling. Die Scheine gab es in Nennwerten von 1, 2 und 5 Schilling. Insgesamt wurden 32.000 Not-Schilling aufgelegt, die Gemeinde, welche das Schwundgeld ausgab, hat allerdings nur insgesamt 8.500 Notschilling vom Ausschuss gekauft, wovon wiederum nur ca. 6.000 Schilling durchschnittlich im Umlauf waren. Allerdings wird angenommen, dass der tatsächliche Geldumlauf innerhalb der vierzehn Monate über 400 Mal stattfand. Die Arbeitswertscheine waren umlaufgesichertes Freigeld. Ideenlieferant war dabei die Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells. Monatlich musste eine Marke zu einem Prozent des Nennwertes der Note gekauft und in ein dafür vorgesehenes Feld auf der Vorderseite des Geldscheins geklebt werden, um ihn gültig zu erhalten. Das Geld war durch Hinterlegung von Schillingen der Gemeinde bei der Wörgler Raiffeisenkasse gedeckt und gleichwertig an den Schilling gekoppelt. Mit diesen Scheinen konnten Gemeindesteuern bezahlt werden. Einheimische Geschäftsleute nahmen Freigeld in Zahlung. Das Experiment war erfolgreich. Geldkreislauf und Wirtschaftstätigkeit wurden wiederbelebt, während das übrige Land tief in der Wirtschaftskrise steckte. Überall in Wörgl wurde gebaut und investiert. Bis in die 1980er zeugte unter anderem die Aufschrift „mit Freigeld erbaut“ auf einer Straßenbrücke davon. In den vierzehn Monaten des Experiments sank die Arbeitslosenquote in Wörgl von 21 auf 15 Prozent ab, während sie im übrigen Land weiter anstieg. Die positiven Auswirkungen führten dazu, dass der Modellversuch in der Presse als das „Wunder von Wörgl“ gepriesen wurde. Das Interesse daran stieg derart, dass über hundert weitere Gemeinden im Umkreis von Wörgl dem Beispiel folgen wollten. Auch im Ausland und in Übersee fand die Aktion starke Beachtung und Nachahmer. Aus Frankreich reiste der Finanzminister und spätere Ministerpräsident Édouard Daladier nach Wörgl, und in den USA schlug der Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher der amerikanischen Regierung – wenn auch vergeblich – vor, ein Wörgl-ähnliches Geld mit dem Namen Stamp Scrip zur Überwindung der Wirtschaftskrise einzuführen. Allerdings erhob die Oesterreichische Nationalbank gegen die Wörgler Freigeld-Aktion vor Gericht erfolgreich Einspruch, weil allein ihr das Recht auf Ausgabe von Münzen und Banknoten zustand. Das Experiment von Wörgl und alle weiteren Planungen wurden verboten. Unter Drohung von Armeeeinsatz beendete Wörgl das Experiment im September 1933. WIR Bank Vorlage:Infobox_Kreditinstitut/Wartung/ID_fehlerhaftDie WIR Bank ist eine gesamtschweizerische Mittelstandsbank mit sieben Filialen, die aus der Selbsthilfeorganisation WIR Wirtschaftsring-Genossenschaft hervorging. Geschichte Die Wirtschaftsring-Genossenschaft wurde 1934 durch Werner Zimmermann, Paul Enz und weitere 14 Personen gegründet. Die Idee geht auf ein ähnliches bargeldloses Verrechnungssystem der J.A.K.-Genossenschaft (die sog. "Afregningscentralen") zurück, das ebenfalls 1934 initiiert wurde. Zimmermann und Enz schauten sich dieses dänische System 1934 während zwei Studienreisen vor Ort an. 1936 erhielt sie den Bankenstatus. Während der Weltwirtschaftskrise und der damit verbundenen knappen Liquidität horteten Unternehmen ihr Geld anstatt es zu investieren, was die Knappheit der Geldmenge verstärkte. Mit der Gründung der Wirtschaftsring-Genossenschaft reagierten Gewerbetreibende auf diese Krise mit dieser Selbsthilfe-Initiative. Um etwas gegen die Geldhortung zu unternehmen, wurde die Komplementärwährung WIR geschaffen, die auf der Freigeld-Theorie von Silvio Gesell basiert. Der Wert des WIR ist an den Schweizer Franken gebunden (1 WIR = 1 CHF). Ein Hauptmerkmal ist die Zinsfreiheit. Die Guthaben auf den Konten werden nicht verzinst. Dies ist ein Anreiz, das Geld schnell wieder auszugeben und unter den Teilnehmern - kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Schweiz - für Umsatz zu sorgen. In den Anfangszeiten wurde auf den Guthaben nicht nur kein Zins bezahlt, sondern eine Rückhaltegebühr verlangt. Diese sollte den Anreiz noch zusätzlich verstärken, das Geld schnell wieder in Umlauf zu bringen. Diese Umlaufsicherung wurde 1948 aufgegeben, aber WIR-Guthaben werden noch heute nicht verzinst. 1998 änderte sie ihren Namen in WIR Bank Genossenschaft. Neben einer normalen Banktätigkeit unterhält sie weiterhin das WIR-System, das die KMUs fördern soll. Zahlen Per Ende 2009 wies die WIR Bank eine Bilanzsumme von 3,719 Milliarden Franken aus, davon entfielen 876,3 Millionen Franken auf Kredite in WIR (Währungskürzel CHW). Insgesamt wurden 2009 rund 1,6 Milliarden äquivalente Franken mit WIR umgesetzt. Das WIR-Verrechnungssystem Das WIR-System stellt mit dem WIR-Geld im Teilnehmerkreis gebundene Kaufkraft dar. Gemäss den Statuten bezweckt es, die angeschlossenen Teilnehmer zu fördern, ihre Kaufkraft durch das WIR-System einander dienstbar zu machen und in den eigenen Reihen zu halten, um damit den Teilnehmern zusätzlichen Umsatz zu verschaffen. Das WIR-Verrechnungssystem funktioniert als bargeldloser Zahlungsverkehr unter den WIR-Teilnehmern. Guthaben und Belastungen auf den Konten der Teilnehmer werden am Hauptsitz der WIR Bank in Basel verbucht. Ein scheckartiges Papier, der Buchungsauftrag, oder der WIR-Zahlungsschein dienen dabei als Zahlungsmittel. Mit der WIR-Karte, die vor allem in der Gastronomie und im Detailhandel zum Einsatz kommt, tätigen die Kundinnen und Kunden reine WIR-Zahlungen, kombinierte WIR-/CHF-Zahlungen und reine CHF-Zahlungen. Zahlungen in WIR und CHF können auch mittels Electronic Banking und seit Mitte 2008 mittels Internet-Banking ausgeführt werden. Insgesamt nahmen 2008 über 70'000 Klein- und Mittelunternehmen, verteilt über die ganze Schweiz und auf alle Branchen, am WIR-Verrechnungsverkehr teil. Jeder WIR-Teilnehmer legt seinen individuellen WIR-Annahmesatz fest, den Prozentsatz, zu welchem er Zahlungen in WIR entgegennehmen will (mindestens jedoch 30% auf die ersten 2000 Franken eines Geschäfts). Dabei wird ein WIR-Franken einem Schweizer Franken gleichgesetzt. Zum Auffinden von möglichen WIR-Geschäftspartnern existieren ein Web-basiertes Teilnehmerverzeichnis sowie ein gedrucktes Gastronomie-Verzeichnis. Darin sind alle Teilnehmer mit einem festen WIR-Annahmesatz aufgeführt. Ausserdem finden in der Schweiz jährlich vier WIR-Verkaufsmessen in Luzern, Wettingen, Bern und Zürich statt, an denen die WIR-Teilnehmer als Aussteller und Kunden auftreten. Der WIR-Franken erhielt 2004 den dreistelligen Buchstabencode CHW nach ISO 4217 in Entsprechung zur Landeswährung CHF (Schweizer Franken). An Laden- oder Hoteleingängen in der Schweiz wird mit dem WIR-Signet auf die Möglichkeit hingewiesen, die Leistungen ganz oder teilweise in WIR-Geld zu bezahlen. WIR-Geldschöpfung WIR-Guthaben werden mittels Krediten von der WIR Bank geschaffen, wobei der Kreditnehmer der WIR Bank einen Vermögenswert verpfändet, also eine Sicherheit stellt, wie er es bei einer üblichen Geschäftsbank ebenfalls tun würde. Die Kredite stammen aus direkter, eigener Geldschöpfung der WIR Bank. Die WIR Bank hat im WIR-System eine ähnliche Geldschöpfungsfunktion wie die Schweizerische Nationalbank als Zentralbank der Schweizer Franken. Konten werden häufig entweder im Rahmen eines ersten Geschäftsabschlusses mit WIR-Geld oder eines Kredits eröffnet. WIR-Guthaben verfügen über keine Deckung durch Schweizer Franken. Die WIR-Kredite werden, je nach Art des Kredites, durch Grundpfandrechte, Bankgarantien, Lebensversicherungen usw. abgesichert. Im WIR-Bereich werden Bau-, Hypothekar-, Kontokorrent- und Investitionskredite angeboten. Der WIR Bank entstehen aus ihrer Geldschöpfung keine Kredit- bzw. Refinanzierungskosten. Sie selbst muss für die vergebenen Kredite also keine Zinsen aufbringen. Genau aus diesem Grund kann sie ihre Kredite gegen besonders niedrige Zinssätze zur Verfügung stellen. Obwohl ein WIR-Franken einem Schweizer Franken gleichgesetzt ist, wird der WIR-Franken in der Praxis zu weniger als einem Franken bewertet und getauscht. Die Leitung des damaligen Wirtschaftsrings hat deshalb 1973 den Teilnehmern den Handel von WIR-Geld gegen Schweizer Franken oder andere Währungen verboten. Bei Verstössen gegen die Geschäftsbedingungen drohen Ausschluss aus dem WIR-System und hohe Konventionalstrafen. Die WIR Bank geht so rigoros gegen den Handel mit WIR-Guthaben vor, weil diese Praktiken das WIR-System aushöhlen und der Qualität der WIR-Verrechnung schaden

Es entwickelten sich die typischen Zeichen einer deflationären Abwärtsspirale: Abnehmende Geldmenge → Sinkende Löhne → Geldhortung (Konsumrückgang) → Warenstau → Firmenpleiten → Entlassungen → Massenarbeitslosigkeit. In Berücksichtigung des Eigennutzes trat Gesell ein für freien, fairen Wettbewerb mit gleichen Chancen für alle. Dazu gehörte für ihn der Abbau aller ererbten und gesetzlichen Vorrechte. Jeder sollte sich allein auf seine persönlichen Fähigkeiten abstützen müssen, damit aber auch sein Auskommen finden können. In der von ihm angestrebten „natürlichen Wirtschaftsordnung“ würde der freie Wettbewerb den Begabtesten gerechterweise das höchste Einkommen sichern, ohne Verfälschung durch Zins und Bodenrente. Ebenso würde sie den weniger Befähigten ein ausreichendes Auskommen gewähren, weil ihnen keine Abgaben für Zins und Bodenrente auferlegt sein würden. Ein gerechter Ausgleich von Arm und Reich wäre möglich. Daneben stünden für die Unterstützung von Bedürftigen genügend Mittel zur Verfügung, weil das erhöhte Durchschnittseinkommen jedem erlaube, für sie das Nötige aufzuwenden.

Einsichten und Folgerungen Unter dem Einfluss der wirtschaftlichen Krisen Argentiniens auf die eigene Geschäftstätigkeit stellte Gesell die These auf, dass eine gleichmäßige Umlaufgeschwindigkeit des Geldes für eine krisenfreie Wirtschaft von hoher Bedeutung sei. Gesell forderte, dass Geld der Wirtschaft nur als Tauschmittel dienen, sie aber nicht als Hortungsmittel lähmen darf. Alles in der Natur unterliege dem rhythmischen Wechsel von Werden und Vergehen, nur das Geld scheine der Vergänglichkeit alles Irdischen entzogen. Da das Geld im Gegensatz zu Waren und menschlicher Arbeitskraft weder „rostet“ noch „verdirbt“, kann ein Geldbesitzer sein Geld nach Gesells Auffassung ohne Nachteil zurückhalten, „horten“. Er kann warten, bis die Waren für ihn billig oder die Zinsen hoch genug sind. Mit dem Zuwarten stört er den Wirtschaftskreislauf. Händler werden gezwungen, ihre Preise zu senken. In der Folge müssen sie ihre Kosten durch Kredite decken. Diesen Bedarf lässt sich der Geldbesitzer nach Gesells Vorstellungen durch den Zins belohnen, ein Einkommen, für das er keine Leistung erbringt. Die Zinseinnahme verleiht er erneut, so dass seine Zinseinnahmen ständig wachsen (Zinseszins). So werden nach Gesell „leistungslos“ Reichtümer dort angehäuft, wo sie nicht benötigt werden. Im Gegenzug dazu wird der arbeitenden Bevölkerung der ihr zustehende volle Arbeitsertrag vorenthalten. Durch die Marktüberlegenheit des Geldbesitzers sah Gesell das freie Kräftespiel zwischen Verkäufer und Käufer grundlegend gestört. Daraus zog er den Schluss, Geld solle in seinem Wesen der Natur entsprechen und natürlichen Dingen nachgebildet sein. Das Geld in der Hand eines Geldbesitzers müsse wie menschliche Arbeitskraft und Waren mit der Zeit an Wert einbüßen, dann habe es auf dem Markt keine Vormachtstellung mehr. Geld wäre einem ständigen Weitergabedruck unterstellt. Jeder Geldbesitzer werde sein Geld nicht zu lange zurückhalten, sondern damit Waren oder Dienstleistungen kaufen, laufende Rechnungen begleichen oder es ohne Zinsforderung verleihen, um so der Wertminderung zu entgehen. So wirke Geld als Diener des Menschen und nicht als dessen Herrscher. Dieses Geld nannte Gesell „Freigeld“. Die Ausgabe des Freigeldes soll dem Staat vorbehalten sein, der hierfür ein Währungsamt einzurichten hat. Bei Inflationsgefahr soll das Währungsamt Freigeld einziehen, bei Deflationsgefahr solches ausgeben. Mit ihm wäre die schädliche risikofreie Hortungsfähigkeit des Geldes überwunden. Zur Verwirklichung seiner Idee schlug er den Wechsel vom damals noch vorherrschenden Münzgeld zu Papiergeld vor, an dem sich die erforderlichen Vermerke über Wertminderung oder Gültigkeitsverfall eines Geldscheins vornehmen lassen. Wegen seiner Wertminderung würde Freigeld auch bei sinkenden Preisen (Deflation) und niedrigen Zinssätzen nicht gehortet werden. Gesell glaubte, auf diese Weise käme es zu einem starken und dauerhaften Kapitalangebot für die Wirtschaft. Er wollte so „den Zins in einem Meer von Kapital ersäufen“, wie er sich ausdrückte. Durch seinen gesicherten Umlauf würde Freigeld der Wirtschaft Krisen ersparen und durch das Absinken des allgemeinen Zinsniveaus zugleich die soziale Frage lösen. Stabiles Geld – stabile Wirtschaft Oberstes Ziel Gesells war eine Wirtschaft ohne störende Konjunkturschwankungen und eine gerechte soziale Ordnung. Im Hinblick darauf forderte Silvio Gesell auch einen stabilen Geldwert, verbunden mit freien Wechselkursen und Aufhebung der Golddeckung. Dies bedeutet die Lösung der Geldmenge von den Goldvorräten der Zentralbanken wie auch die Aufhebung ihrer Einlösungspflicht von Geld gegen Gold. Erst durch den durch Freigeld gesicherten stetigen Geldumlauf werde es möglich, die Menge des Geldes so zu dosieren, dass seine Kaufkraft und damit auch die Preise stabil bleiben. Der Zentralbank, in Deutschland damals die Reichsbank, solle das Recht zur Ausgabe von Banknoten entzogen und einem unabhängigen Währungsamt übertragen werden. Zum Steuern der Geldmenge genügten ihm lediglich eine Druckerpresse zum Druck von Banknoten bei Geldmangel und ein Ofen zum Verbrennen derselben bei Geldüberschuss. Es gäbe keine massiven Schwankungen in der Wirtschaft und keine störenden Deflationen und Inflationen mehr. Auch die sozialen Unruhen durch hohe Arbeitslosigkeit würden, laut Gesell, dauerhaft beseitigt. Sein Steuersystem beruhte auf der Zeitfaktor-Ökonomie. In Ergänzung zu flexiblen Wechselkursen schlug Gesell auch die Bildung einer internationalen Zahlungsvereinigung (Internationale Valuta-Assoziation, IVA) und die Einführung einer internationalen Währung mit Umlaufsicherung vor. Damit wollte er den internationalen Zahlungsverkehr erleichtern und ihn von bestehenden Länderwährungen unabhängig machen. Urzins Bei seinen Untersuchungen entdeckte Gesell einen allen Zinsforderungen zugrunde liegenden Zinsanteil, den er Urzins nannte, einen Mehrwert des Geldes. Den Urzins begründete Gesell ebenfalls mit der Überlegenheit des Geldes über Arbeitskraft und Waren. Er sei eine unvermeidliche Begleiterscheinung einer Wirtschaft mit Geldgebrauch. Der Urzins sei es, der dem Geldbesitzer als Kreditgeber (Gläubiger) einen leistungslos zufallenden Anteil am Arbeitsertrag seines Kreditnehmers (Schuldners) und seiner Kunden zuführe und dadurch zu großer sozialer Ungerechtigkeit führe. Unter den Urzins sei über Jahrhunderte hinweg kein Zins je gesunken. Seine Höhe gab er mit zwei bis drei Prozent an. Alle Zinsforderungen sah Gesell als Summe aus Urzins, Inflationsausgleich und Risikoanteil. Dazu komme, solange die Wirtschaft wächst, ein produktionsbedingter Wachstumsanteil, den er Darlehenszins auf Sachgütern nannte. Schließlich fordere die Bank für Kreditvermittlung ein Vermittlerentgelt. Damit setze sich Zins aus fünf Anteilen zusammen, auch wenn sie in der Praxis nicht einzeln ausgehandelt würden. Könne die Überlegenheit des Geldes auf dem Markt durch die Einführung von Freigeld beseitigt werden, so würde sich nach Gesell der Urzins auf null abbauen und aus sämtlichen Zinsarten verschwinden. Weil durch Freigeld zugleich Inflation und Deflation weitgehend überwunden werden könnten, würde automatisch auch der Inflationsausgleich im Zins wegfallen. Weiterhin ergäben sich aus einem stabileren Wirtschaftsverlauf geringere Kreditrisiken, so dass auch der Risikoanteil im Zins zurückginge. Ohne Wirtschaftswachstum würde schließlich noch der Wachstumsanteil wegfallen, so dass praktisch von einem Nullzins gesprochen werden könne. Das Schrumpfen der Zinshöhe führe zu einer bedeutenden allgemeinen Entlastung der Wirtschaft und der Bevölkerung eines Landes von Zinskosten. Auf der anderen Seite wäre das Anhäufen leistungslos erworbenen Reichtums aus Zinseinnahmen nicht mehr möglich. Stattdessen ergäbe sich ein grundsätzlich größerer Wohlstand der arbeitenden Bevölkerung und eine weitgehende Lösung der sozialen Frage. Mit der Erklärung des Zinsproblems aus dem Urzins als Erscheinung einer Geldwirtschaft stellte sich Silvio Gesell in Gegensatz zu Karl Marx, der den Zins aus den Produktionsverhältnissen der Wirtschaft erklärte. Es entging Gesell jedoch, dass auch sein Darlehenszins ein produktionsbedingter Zinsanteil ist, ein Mehrwert des produktiven Kapitals. Er glaubte, der Darlehenszins könne nach Einführung des Freigeldes völlig zum Verschwinden gebracht werden, weil schließlich das Angebot von Krediten die Nachfrage danach übersteigen und dadurch der Darlehenszins zu null werde. Er verkannte, dass stets neuartige Investitionsbedürfnisse auftreten, die zu neuer Kreditnachfrage führen. Bodenreform Gesell erkannte auch im Bereich des Bodenrechts die Möglichkeit, leistungslose Einkommen zu beziehen. Diese besteht für die Bodeneigentümer darin, von ihren Pächtern und Mietern Bodenrente zu verlangen. Darüber hinaus würden Großgeldbesitzer, denen leistungslose Einkommen aus Zinsen nach der Einführung von Freigeld beschnitten seien, auf den Aufkauf von Grundstücken ausweichen. Dadurch würden die Grundstückspreise in unermessliche Höhen klettern, sehr zum Nachteil aller Übrigen, weil jeder Mensch zum Leben und Arbeiten auf Boden angewiesen sei. Um auch hier Abhilfe zu schaffen, forderte Gesell, den Boden gegen Entschädigung in öffentliches Eigentum zu überführen, ihn zugleich aber seinen bisherigen Eigentümern gegen Entrichtung einer ständig wiederkehrenden Nutzungsabgabe an den Staat weiterhin zur Nutzung zu überlassen. Die darauf errichteten Gebäude und sonstigen Einrichtungen blieben hingegen weiterhin Privateigentum. Damit würde die Bodenrente der Allgemeinheit zufließen. Handel und Spekulation mit Boden wären unmöglich. Die Höhe der Abgabe solle für jedes Grundstück gesondert in einem Meistbietungsverfahren ermittelt und von Zeit zu Zeit veränderten Verhältnissen angepasst werden. Solchen Boden nannte Gesell „Freiland“. Bei diesen Überlegungen ging Gesell davon aus, dass Boden ein Produkt der Natur und nicht des Menschen ist. Die Erde sollte allen Menschen gleichermaßen gehören. Deshalb durfte es für Gesell an Boden kein privates Eigentum geben, im Gegensatz zu den darauf bestehenden Einrichtungen. Eigentum an Boden sollte allein dem Staat zustehen. Die Einkünfte des Staates aus den laufenden Bodennutzungsabgaben wollte Gesell in voller Höhe als Mutterrente an die Mütter verteilt haben gemäß der Zahl ihrer Kinder. Gesell glaubte, der Wert des Bodens und damit die Bodenrente stiegen mit zunehmender Zahl der Bewohner eines Landes und damit zunehmender Nachfrage nach Boden. Mit der Mutterrente verfolgte Gesell das Ziel, Frauen von Männern wirtschaftlich unabhängig zu machen, damit sie aus Liebe und nicht um der Versorgung willen einen Mann heiraten. Zusammen mit dem Wegfall des Urzinses sollte der Wegfall der Bodenrente den Arbeitenden das Recht auf den vollen Arbeitsertrag sichern Historisches Seit es Eigentum gibt, wird Zins verlangt und gezahlt. Schon die ersten Hochkulturen trafen daher Regelungen, die Höhe des Zinses zu begrenzen. In Mesopotamien ist der Codex Hammurapi überliefert, der in § 89 einen maximalen Zinssatz von 20% für Silberkredite und 33 1/3% für Gerstenkredite vorschrieb. Im klassischen Griechenland und Römischen Reich sind Zinssätze von 6 % bis 10% überliefert. Auch hier bestanden gesetzliche Regelungen gegen Wucher. Die Zinssätze schwankten je nach Bonität und wirtschaftlicher Lage. Im Mittelalter bestand kein geregeltes Bankwesen. Verbindlichkeiten entstanden meist aus Notlagen, das Zinsniveau war dementsprechend hoch. Ab der Renaissance entwickelt sich wieder ein Bankwesen, beginnend in Norditalien. Gute Schuldner hatten die Möglichkeit, sich ab 4 % zu finanzieren. Auch die Höhe der Zinssätze für Staatsanleihen stabiler Staaten im 18. und 19. Jahrhundert lagen zwischen 3 % und 5 %. Entsprechend legte das BGB den gesetzlichen Zinssatz auf 4 % fest (§ 246 BGB). Mit der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg stiegen auch die Zinssätze in astronomische Höhen. Seitdem schwanken die Zinssätze mit der Konjunktur und der Inflation. Als Hochzinsphase der Nachkriegszeit gelten die 1970er Jahre, während die Zinsen sich derzeit auf niedrigem Niveau befinden. Zinsen wurden in vergangenen Jahrhunderten an bestimmten Tagen im Jahr fällig (sogenannte Zinstage) und mussten bezahlt werden (Zahltag). Kritik am Zins Bei der Kritik ist zu unterscheiden zwischen religiösen, ethischen und ökonomischen Aspekten. Im Tanach wird Juden das Nehmen von Zinsen untereinander verboten, „Fremden“ gegenüber hingegen erlaubt. Christen wurde bis in das 18. Jahrhundert durch päpstliche Erlasse das Nehmen von Zinsen generell verboten (siehe Zinsverbot, Enzyklika Vix pervenit). In einigen Staaten wird die Shariah so ausgelegt, dass jegliches Nehmen von Geldzinsen Wucher entspricht, und damit verboten ist. Zum Zinsverbot im Islam siehe Islamisches Bankwesen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde unter anderem von Gottfried Feder die sogenannte Brechung der Zinsknechtschaft gefordert. Darunter verstand Feder, dass das deutsche Volk sich in einem kontinuierlichen Abhängigkeits- und Ausbeutungszustand durch jüdisch geführte Finanzinstitute befinde. Nach freiwirtschaftlicher Auffassung ist nicht der Zins das Problem, sondern der Anteil des Zinses - die Liquiditätsprämie - der ein marktgerechtes Absinken des Zinsniveaus auf etwa Null verhindert. In der Situation, in der das Zinsniveau die Liquiditätsprämie unterschreiten würde, würde nicht mehr (ausreichend) investiert. In Folge würde die „Geldhortung“ (Liquiditätsfalle) dazu führen, dass die Geld-Umlaufgeschwindigkeit weiter reduziert würde und dies zu deflationären Zuständen führe. Vereinzelt wird die Berechtigung zur Erhebung von Zins im Zusammenhang mit der Giralgeldschöpfung als fragwürdig bezeichnet, weil hier der Schuldner neben Tilgung und Besicherung des Kredits im vollen Umfang und über die gesamte Laufzeit Zinsen zahlen muss, obwohl die kreditausgebende Geschäftsbank auf einen Teil des Kreditbetrags Zinseinnahmen erzielt, ohne das bei der Geldschöpfung nennenswerte Kosten entstanden sind Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.“

– MEW 4:462

„Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer andern.“

– MEW 4:482

Marx definiert zwei Hauptklassen der Gesellschaft: Einerseits die Bourgeoisie bzw. die Klasse der Kapitalisten, welche die zur Produktion notwendigen Produktionsmittel (Boden, Fabriken, Maschinen etc.) besitzen, und die heute im Allgemeinen Arbeitgeber genannt werden. Diese Klasse setzt Marx auch mit der „herrschenden Klasse“ gleich, nach deren Interessen die Gesellschaft strukturiert sei und deren Gedanken die öffentliche Meinung und Ideologie bestimmen: „Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.“ (MEW 4: 480) Andererseits das Proletariat, d. h. die Klasse der Arbeiter, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen und deshalb gezwungen sind, Lohnarbeit zu verrichten, um ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Auch Angestellte zählen in gewissem Sinne zum Proletariat, wenngleich Marx oft die Produktivität des Herstellens beim Arbeiter betont, während die Angestellten nur bereits hergestellte Produkte zu verkaufen helfen, also keine Arbeit im eigentlichen Sinne, sondern „Dienst“ verrichten. Beide aber leben vom Verkauf ihrer Arbeitskraft an einen Kapitalisten, der ihnen für ihre Arbeit oder ihren Dienst einen Lohn ausbezahlt. Dieser Lohn sei in etwa so bemessen, dass der Proletarier seine Arbeitskraft „reproduzieren“ kann (Essen, Wohnen, Erholung), jedoch anderseits nicht selbst Produktionsmittel kaufen kann, wodurch er von der Lohnarbeit abhängig bleibe. Marx bezeichnet die Lohnarbeit deswegen auch oft als „Zwangsarbeit“. Eine dritte Klasse ist das Kleinbürgertum, d. h. die Klassen der Kleinunternehmer und Selbstständigen. Diese Klasse jedoch werde vom Großbürgertum zunehmend verdrängt und letztlich ins Proletariat hinabgedrängt. Außerdem existiere ein Sub- oder Lumpenproletariat aus Obdachlosen, Bettlern und Tagelöhnern, dem er ebenso wie dem Kleinbürgertum keine gesellschaftliche oder gar revolutionäre Bedeutung beimisst. Formell sind in der bürgerlichen Gesellschaft alle Mitglieder frei und rechtsgleich. De facto aber können für Marx die Proletarier nur wählen, an wen sie ihre Arbeitskraft verkaufen, d. h. von welchen Ketten sie sich fesseln lassen. Solange das bürgerliche Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln herrsche, bedeute juristische Gleichheit zwangsläufig soziale Ungleichheit, die durch die Anerkennung der bürgerlichen Ordnung und des bürgerlichen Staates reproduziert und aufrechterhalten werde. Gesellschaftlicher Widerspruch und Krise Die Anhäufung (Akkumulation) des gesellschaftlichen Reichtums erfolge im Kapitalismus also stets nur über die Ausbeutung fremder Arbeitskraft als Lohnarbeit. Der Kapitalist zahle dem Arbeiter nur einen Teil des von ihm im Produktionsprozess geschaffenen tatsächlichen Wertes als Lohn aus – das reale Mehrprodukt der gesellschaftlich verrichteten Arbeit komme aber nicht der Gesellschaft insgesamt zugute, sondern werde privat als Mehrwert angeeignet. Diese private Aneignung des Mehrprodukts, aber auch der schöpferischen Arbeitskraft der Individuen überhaupt, prangert Marx deshalb als Ausbeutung an. Die vom Kapitalisten gewonnene Profitrate sinke nach Marx jedoch immer weiter, wie er in seinem Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate darstellt. Einerseits sei dieser Fall der Profitrate durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen bedingt, da nach der Arbeitswertlehre die wertschöpfende Instanz einzig in der menschlichen Arbeitskraft liege, welche durch den Einsatz von Maschinen kontinuierlich abnehme (Fixes Kapital vs. Variables Kapital). Andererseits sinke die Profitrate auch aufgrund der Konkurrenz der Kapitalisten untereinander, die sich stets unterbieten müssen, um auf dem Markt bestehen zu können. Um diese durch stetig sinkende Einnahmen entstehenden Kosten auszugleichen, müsse der Kapitalist auf der anderen Seite Ausgaben einsparen – vornehmlich durch Senkung der Produktionskosten, d. h. durch Lohnsenkungen der Arbeiter oder durch Verlängerung der Arbeitszeit sowie Steigerung der Arbeitsproduktivität. Der aus dieser Konstellation unvermeidliche Widerspruch zwischen dem Verwertungsinteresse des Kapitals und den Bedürfnissen des Proletariats bestimmt nach Marx den grundsätzlich antagonistischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise und sei letztlich die Ursache für die regelmäßig auftretenden Krisen des Kapitalismus, die schließlich auch zu revolutionären Erhebungen der Arbeiter führen müssen. Mit der durch die ökonomischen Widersprüche des Kapitalismus bedingten Unausweichlichkeit revolutionärer Aufstände schlage schließlich die weltgeschichtliche Stunde der kommunistischen Revolution. Das Kapital produziere seine eigenen „Totengräber“. Die Entfremdung der Arbeit

Nicht nur in der Ausbeutung des Arbeiters und im unversöhnlichen Widerspruch der Klasseninteressen besteht für Marx das Problem des Kapitalismus. Die ganze Existenz des Menschen, sein Menschsein selbst, sieht er durch die kapitalistischen Verhältnisse entfremdet und geknechtet. Das Wesen der menschlichen Existenz lokalisiert er, im Anschluss an Hegel sowie an Feuerbachs Begriff des „Gattungswesens“, in der Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt schöpferisch und frei zu gestalten. Die zentrale Kategorie der Marx’schen Philosophie ist deshalb der Begriff der Arbeit, welche Marx als „Stoffwechsel mit der Natur“ definiert. Arbeit ist für ihn, wie schon für Hegel, die Universalkategorie der menschlichen Existenz: „Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.“

– MEW 23:57

Im Kapitalismus aber sei die Arbeit auf grundlegende Weise entfremdet und pervertiert. Denn Arbeit im Kapitalismus werde nicht im Interesse der Schaffung von Gebrauchswerten verrichtet, und noch weniger zur Verwirklichung kreativer Schöpferkraft, sondern lediglich zur Erzielung von Tauschwerten. Der Arbeiter könne über seine Arbeitskraft nicht frei verfügen, sondern müsse sie nach den Vorgaben des Kapitalisten einsetzen, für den er arbeitet. Die Güter, die er so produziert, erlebe der Arbeiter nicht mehr als seine eigenen, sondern als fremde; er könne sich in den Ergebnissen seiner eigenen Tätigkeit nicht wiedererkennen. Diesen Prozess bezeichnet Marx, auch hierin Hegel folgend, als „Entfremdung“ bzw. „Entäußerung“. „Worin besteht nun die Entäußerung der Arbeit? Erstens, dass die Arbeit dem Arbeiter äußerlich ist, d. h. nicht zu seinem Wesen gehört, dass er sich daher in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt, keine freie physische und geistige Energie entwickelt, sondern seine Physis abkasteit und seinen Geist ruiniert. Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Hause. Seine Arbeit ist daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit. Sie ist daher nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern sie ist nur ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen.“ – Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW Ergänzungsband I:514 Ideologiekritik Der Fetischcharakter der Ware In seinem späteren Werk tritt an die Stelle des philosophisch voraussetzungsvollen Entfremdungsbegriffs (der ja implizit die Vorstellung einer nicht-entfremdeten Arbeit voraussetzt) der Begriff des „Warenfetischismus“, wie er im ersten Band des Kapitals im berühmten Kapitel über den „Fetischcharakter der Ware und ihr Geheimnis“ entwickelt wird. Damit ist die Verschleierung der geleisteten menschlichen Arbeit gemeint, die man einem fertigen, als Ware zirkulierenden Produkt nicht mehr ansieht. Auch dies ist der Sache nach eine Form der Entfremdung, dient im Kontext des Kapitals jedoch nicht mehr so sehr zur Bestimmung des Elends der Arbeiter, sondern zum Verständnis der ideologischen Struktur der kapitalistischen Gesellschaft. Je weniger die Menschen sich in den Produkten ihrer Arbeit wiedererkennen und sie als von ihnen selbst gemachte Produkte begreifen können, desto selbständiger erscheinen ihnen diese Produkte selbst. Insbesondere in der Form des Geldes und des Kapitals – beide nichts weiter als akkumulierte, angehäufte Waren in abstrakter Form – erscheinen die Produkte der menschlichen Arbeit als verselbständigte, „automatische Subjekte“. (MEW 23:169) Die Verwandlung von Geld in mehr Geld, auf dessen Prinzip der Kapitalismus beruhe, erscheine als selbständige Bewegung des Geldes (etwa in der Form des scheinbar selbsttätigen Zinses), nicht als Resultat menschlicher Arbeit. Dadurch werden, so Marx, die dinglichen Objekte zu Subjekten, und umgekehrt die menschlichen Subjekte zu ohnmächtigen Objekten. Die Warenproduzenten werden von ihren Produkten beherrscht: „Ihre eigne gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, anstatt sie zu kontrollieren.“ (MEW 23: 89) Die kapitalistische Gesellschaft beruht auf einer grundlegenden Verkehrung, sie steht gewissermaßen auf dem Kopf. So werden die Produkte zu Fetischen, zu scheinbar magischen Gegenständen. Gleichwohl sei eben dieser Anschein bloßer Schein. Auch wenn die Arbeit nicht mehr wahrgenommen wird, bleibe sie die eigentlich wertschöpfende Instanz und die Ursache aller Bewegung. Der Fetischcharakter der Ware sei eine Täuschung, obgleich diese Täuschung kein bloßer Irrtum sei, sondern eine praktische Ursache besitze: die Teilung der Gesellschaft in Arbeitende und Arbeiten-Lassende, d. h. in jene, die Produkte herstellen und andere, denen diese Produkte gehören. Drucken: Gedruckt bis Seite 23 Niederländische Ostindien-Kompanie - Die ersten Aktien Die Privilegien, die die Niederländischen Staaten der VOC gewährt hatten, waren zeitlich limitiert, jedoch weit weniger begrenzt, als eine einzelne Handelsexpedition es gewesen wäre. Die Nutzung der Privilegien erforderte in der Praxis einen beträchtlichen finanziellen Aufwand, den die einzelnen Kammern nicht in der Lage bzw. gewillt waren zu tragen. Das Ende der auf Einzelfahrten ausgerichteten Vorkompanien hin zu einer kontinuierlich arbeitenden Ostindien-Kompanie benötigte die Schaffung eines festen Kapitalstocks. Die Direktoren der VOC beschlossen die (historisch erstmalige) Finanzierung der Kompanie durch die Herausgabe von Aktien. Während vorherige Finanzierungen eher mittelfristigen Schuldverschreibungen entsprachen, sich also auf Schiffladungen bezogen, blieben die Aktionäre (participanten) der VOC zehn Jahre an ihre Anlage gebunden. Nach der verzinsten Rückzahlung 1612 wurde den Aktionären dann die Möglichkeit geboten, für weitere zehn Jahre zu zeichnen. Hinzu kam eine Dividendenzahlung. Darüber hinaus aber hatten die Aktionäre keine Mitspracherechte in der VOC. Dies änderte sich auch 1622/23 kaum, als die Rechte der Compagnie um weitere zwanzig Jahre verlängert wurden. 1602 legten Investoren 6,5 Millionen Gulden in der VOC an (heutiger Gegenwert etwa 100 Millionen US-Dollar). Schon seit der Gründung herrschte innerhalb der Compagnie Korruption und eine Selbstbedienungsmentalität vor allem der oberen Ränge der einzelnen Handelsniederlassungen, die das Amsterdamer (und Middelburger) Mutterhaus einen Großteil der Gewinne gekostet haben dürfte. Deshalb wurde das Compagniesignet VOC auch mit vergaan onder corruptie (Untergang durch Korruption) aufgelöst. Die weiten Entfernungen, die (aus niederländischer Sicht) rechtsfreien Räume der ostindischen Gebiete und die Anforderung an das Charakterprofil des Führungspersonals - worin nebst Herkunft vor allem Machtinstinkt oder Durchsetzungsvermögen, kaum aber Redlichkeit eine Rolle gespielt haben dürften - begünstigten diese Entwicklung. Kritisch wurde die Gewinnsituation der Compagnie durch Veränderungen der europäischen Kundenwünsche. Statt Gewürze, in dem die VOC eine Monopolstellung hatte, wurden nun andere Güter gefragt. Besonders bei Tee, Seide und Porzellan gab es harte Konkurrenz, (EIC). Die Gewinne waren rückläufig und wurden durch die außenpolitischen Ereignisse verstärkt. Im Laufe des 18. Jahrhunderts stiegen die zu veranschlagenden Risiken des Überseehandels und damit auch die Verwaltungskosten der VOC derart an, dass schließlich sogar Verluste entstanden, die aus den finanziellen Rücklagen der Compagnie gedeckt werden mussten. Die Compagnie, die das riskante Unternehmen während dreier Kriege mit dem britischen Empire (Erster Englisch-Niederländischer Seekrieg von 1652 bis 1654, Zweiter Englisch-Niederländischer Seekrieg von 1665 bis 1667 und Dritter Englisch-Niederländischer Seekrieg von 1672 bis 1674) den Ärmelkanal zu durchschiffen, auf sich genommen und nicht nur überstanden, sondern sich derweil sogar zur größten Handelsunternehmung der Welt entwickelt hatte, begann nun unter dem Vierten Krieg 1780–1784 deutlich zu leiden: Die Retour-Flotten aus Asien konnten ihre europäischen Heimathäfen nicht mehr anlaufen, entsprechend fanden keine Waren-Auktionen mehr statt. Zudem verlor die durch verlustreiche Jahre finanziell nur noch dünn ausgestattete Compagnie nun auch ihre Kreditwürdigkeit. Das Schicksal der VOC wurde aber erst mit dem Einmarsch der Franzosen in den Niederlanden besiegelt.

Britische Ostindien-Kompanie - Die Gründungsjahre Die Gesellschaft wurde als The Governor and Company of Merchants of London Trading into the East Indies von einer Gruppe unternehmungslustiger und einflussreicher Geschäftsmänner gegründet, die einen königlichen Freibrief mit einem exklusivem Recht (Monopol) zum Handel mit Indien für eine Dauer von 15 Jahren erhielt. Die Kompanie hatte 125 Anteilseigner und ein Grundkapital von 72.000 Pfund. Anfänglich konnte sie jedoch die niederländische Kontrolle über den Gewürzhandel kaum erschüttern. Auch gelang es ihr zunächst nicht, einen dauerhaften Stützpunkt in Indien zu errichten. Schließlich erreichten ihre Schiffe Indien und legten in Surat an. Dort wurde dann auch 1608 ein Handelsstützpunkt errichtet. In den folgenden zwei Jahren konnte sie ihr erstes Handelskontor in Machilipatnam an der Koromandelküste in der Bucht von Bengalen aufbauen. Die hohen Gewinne, die von der Kompanie in Indien gemeldet wurden, veranlassten König James I., auch anderen britischen Handelsgesellschaften Lizenzen zu erteilen. Doch 1609 erneuerte er den Freibrief der Kompanie für unbestimmte Zeit, mit der Einschränkung, dass der Freibrief nach drei aufeinanderfolgenden Jahren ohne Gewinne außer Kraft treten würde. Niederlassungen in Indien Ihre Händler waren häufig in Zusammenstöße mit ihren niederländischen Gegenspielern im indischen Ozean verwickelt. Vielleicht sah man die Nutzlosigkeit von Handelskriegen in fernen Gewässern ein, jedenfalls entschlossen sich die Briten, Möglichkeiten einer dauerhaften Niederlassung auf dem indischen Festland zu erkunden. Man veranlasste die britische Regierung, eine diplomatische Initiative zu beginnen. 1615 wurde Sir Thomas Roe von James I. beauftragt, den Mogulkaiser Jahangir aufzusuchen, der 70 Prozent des Subkontinents beherrschte. Das Ziel dieser Mission war es, ein Handelsabkommen abzuschließen, das der britischen Ostindien-Kompanie exklusive Rechte geben würde, sich in Surat und anderen Gegenden niederzulassen und Kontore zu gründen. Im Gegenzug bot die Kompanie an, den Kaiser mit Waren und Luxusgütern aus Europa zu versorgen Expansion Mit derartiger Unterstützung gelang es der Kompanie bald, die Portugiesen zu übertreffen, die Niederlassungen in Goa und Bombay gegründet hatten. Ihr gelang es, Niederlassungen in Surat (Kontorgründung 1612), Madras (1639), Bombay (1668) und Kalkutta zu gründen. Im Jahr 1647 hatte die Kompanie 23 Kontore und 90 Angestellte in Indien. Die Hauptkontore wurden die Festungen Fort William in Bengalen, Fort St. George in Madras und Bombay Castle. Im Jahr 1634 erweiterte der Mogulkaiser seine Gastfreundschaft für die englischen Händler in der Region Bengalen (und im Jahr 1717 befreite einer seiner Nachfolger sie vollständig von den Zöllen für Waren). Das Kerngeschäft der Kompanie waren nun Baumwolle, Seide, Indigo-Farbstoff, Salpeter und Tee. Während der gesamten Zeit versuchte sie, in das niederländische Gewürzmonopol in der Straße von Malakka vorzudringen. Im Jahr 1711 errichtete die Kompanie eine Handelsniederlassung in Kanton, China, um mit Tee Silber einzutauschen. 1657 erneuerte Oliver Cromwell den Freibrief von 1609, und veranlasste geringfügige Veränderungen in der Eigentümerstruktur der Kompanie. Die Stellung der Kompanie wurde durch die Wiederherstellung der Monarchie in Großbritannien erhöht. Durch eine Folge von 5 Gesetzeserlässen um das Jahr 1670 stattete König Charles II. sie mit den Rechten aus, selbständig Territorien zu erwerben, Geld zu prägen, Festungen und Truppen zu befehligen, Bündnisse einzugehen, Krieg zu erklären, Frieden zu schließen und sowohl Zivil- als auch Strafgerichtsbarkeit in den erworbenen Gebieten auszuüben. Die Kompanie, von Handelskonkurrenten, anderen imperialen Mächten und zeitweilig feindlich gesinnten einheimischen Herrschern umgeben, hatte einen wachsenden Bedarf an militärischem Schutz. Deshalb war die Freiheit, ihre militärischen Angelegenheiten selbst zu regeln, ein willkommenes Geschenk, und die Kompanie stellte ab 1680 rasch ihre eigenen Streitkräfte auf, die sie hauptsächlich aus der einheimischen Bevölkerung rekrutierte. Somit kann man darüber diskutieren, ob die Kompanie ab 1689 auf dem indischen Festland einen Staat darstellte, da sie weitgehend souverän war. Sie verwaltete die riesigen Gebiete von Bengalen, Madras und Bombay, zudem besaß sie vortreffliche und ehrfurchtgebietende militärische Schlagkraft Handelsmonopol Der Wohlstand, den die Angestellten der Kompanie genossen, ermöglichte ihnen, in ihre Heimat zurückzukehren und dort große Vermögen und Unternehmen zu erwerben, und dadurch politische Macht zu erlangen. Daraus folgend entwickelte die Kompanie ihre eigene Lobby im Parlament. Trotz allem geriet sie unter Druck ehrgeiziger Geschäftsleute und früherer Partner der Kompanie (abschätzig von der Kompanie Gesprächspartner genannt), die ebenfalls private Handelsfirmen in Indien etablieren wollten. Dies führte zur Verabschiedung eines Deregulierungsgesetzes 1694. Dieses Gesetz erlaubte es jeder englischen Firma, mit Indien zu handeln, sofern es nicht ausdrücklich durch ein Parlamentsgesetz verboten war. Hierdurch wurde der Freibrief aufgehoben, der beinahe 100 Jahre in Kraft gewesen war. Durch ein Gesetz von 1698 wurde eine neue "parallele" Ostindien-Kompanie (offiziell English Company Trading to the East Indies genannt) ins Leben gerufen, die über eine staatliche Bürgschaft von 2 Millionen Pfund verfügte. Doch bald erwarben die mächtigen Anteilseigner der alten Kompanie für 315.000 Pfund Anteile an dem neuen Konzern und beherrschten die Gesellschaft. Die beiden Gesellschaften konkurrierten eine Zeit lang sowohl in England als auch in Indien um Marktanteile. Schnell wurde jedoch klar, dass die ursprüngliche Gesellschaft kaum messbaren Wettbewerb spürte. Beide Gesellschaften fusionierten im Jahr 1702 unter einem dreiseitigen Abkommen zwischen dem Staat und den zwei Gesellschaften. Diesem Abkommen zufolge lieh die fusionierte Gesellschaft dem Finanzministerium eine Summe von 3.200.000 Pfund und erhielt im Gegenzug für drei Jahre exklusive Handelsrechte - danach sollte die Situation erneut begutachtet werden. Die verschmolzene Gesellschaft wurde zur United Company of Merchants of England Trading to the East Indies (Vereinigte Gesellschaft der Händler Englands, die mit Ostindien handeln). In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich ein Hin-und-Her zwischen der Lobby der Ostindien-Kompanie und dem Parlament. Die Kompanie versuchte, ihre Privilegien dauerhaft zu etablieren, während das Parlament nicht freiwillig die Möglichkeit aufgeben wollte, die Gewinne der Kompanie abzuschöpfen. Im Jahr 1712 erneuerte ein Gesetz den Status der Kompanie, doch die Verbindlichkeiten wurden zurückgezahlt. Im Jahr 1720 kamen 15 % der britischen Einfuhren aus Indien, und beinahe alle davon wurden über die Ostindien-Kompanie abgewickelt. Dies verstärkte den Einfluss ihrer Lobby. Im Jahr 1730 wurde die Lizenz durch ein neuerliches Gesetz bis 1766 verlängert. Zu dieser Zeit wurden Großbritannien und Frankreich zu erbitterten Rivalen, und es kam zu häufigen Gefechten zwischen ihnen um die Kontrolle ihrer kolonialen Erwerbungen. Im Jahr 1742 fürchtete die britische Regierung die finanziellen Auswirkungen eines Krieges und stimmte der Ausweitung des Handelsmonopols der Ostindien-Kompanie mit Indien bis 1783 zu. Im Gegenzug erhielt sie einen weiteren Kredit von einer Million Pfund. Die Gefechte mündeten in dem befürchteten Krieg, und zwischen 1756 und 1763 lenkte der Siebenjährige Krieg die staatliche Aufmerksamkeit auf die Verstärkung und Verteidigung ihrer Territorien in Europa und Nordamerika. Der Krieg fand auch auf dem indischen Subkontinent statt, zwischen den Truppen der Ostindien-Kompanie und französischen Streitkräften. Um dieselbe Zeit gewann Großbritannien durch die Ankunft der industriellen Revolution einen Vorsprung vor den europäischen Rivalen. Die Nachfrage nach indischen Rohstoffen wurde durch den Bedarf der Wirtschaft und zur Unterhaltung der Truppen in Kriegszeiten angeschoben. Als Ausgangspunkt der industriellen Revolution erfuhr Großbritannien einen höheren Lebensstandard, und dieser Zyklus aus Wohlstand, Nachfrage und Produktion hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf den Überseehandel. Die Ostindien-Kompanie wurde zum größten einzelnen Teilnehmer im britischen Welthandel, und reservierte sich eine unangreifbare Position in den Entscheidungsprozessen der Regierung. Kolonialmonopol Der Krieg endete mit einer Niederlage der französischen Streitkräfte und begrenzte die französischen imperialen Ambitionen. Auch begrenzte die Niederlage den Einfluss der industriellen Revolution in den französischen Gebieten. Robert Clive, der Generalgouverneur von Indien, führte die Ostindien-Kompanie zu einem bemerkenswerten Sieg gegen Joseph François Dupleix, den Kommandeur der Franzosen in Indien, und eroberte Fort St. George von diesen zurück. Durch den Vertrag von Paris (1763) wurden die Franzosen gezwungen, ihren Handel durch kleine Enklaven in Pondicherry, Mahé, Karaikal, Yanam und Chandernagor ohne militärische Präsenz abzuwickeln. Obwohl diese kleinen Außenposten für zwei Jahrhunderte in französischem Besitz blieben, wurden die französischen Ambitionen auf indische Gebiete de facto begraben. Der Ostindien-Kompanie wurde dadurch ein größerer potenzieller Wettbewerber erspart. Im Gegensatz dazu war die Ostindien-Kompanie nach diesem kolossalen Sieg und mit dem Rückhalt ihrer disziplinierten und erfahrenen Armee in der Lage, ihren Einfluss weiter auszudehnen. Regulierung der Angelegenheiten der Ostindien-Kompanie Finanzielle Schwierigkeiten Obwohl die Ostindien-Kompanie bei der Unterwerfung widerspenstiger Staaten immer brutaler und ehrgeiziger vorging, wurde es von Tag zu Tag offensichtlicher, dass die Kompanie nicht in der Lage war, die riesigen neu erworbenen Gebiete zu verwalten. Die Hungersnot von Bengalen, bei der ein Sechstel der einheimischen Bevölkerung ums Leben kam, ließ zu Hause die Alarmglocken schrillen. Die Ausgaben für Militär und Verwaltung in Bengalen stiegen wegen des Niedergangs der Produktivität steil an. Zur selben Zeit herrschte in ganz Europa wirtschaftliche Stagnation und Depression, ausgelöst durch die Nachwehen der industriellen Revolution. Großbritannien wurde mit einer Rebellion in Nordamerika (einem der Hauptimporteure für Tee) konfrontiert, und Frankreich stand am Rande einer Revolution. Die verzweifelten Direktoren der Ostindien-Kompanie versuchten durch einen Appell an das Parlament, den Bankrott abzuwenden. Hierin baten sie um finanzielle Unterstützung. Daraufhin wurde der Tea Act von 1773 erlassen, in dem der Kompanie größere Autonomie bei der Abwicklung ihres Handels in Nordamerika eingeräumt wurde. Durch die monopolistischen Aktivitäten wurde jedoch die Boston Tea Party ausgelöst. Dies war eines der wichtigsten Ereignisse, die später zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg führten. Regulierungsgesetz von 1773 Nachdem die Vereinigten Staaten die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangt hatten, wechselte der Blickpunkt der Briten auf die andere Seite des Globus nach Indien. Die für Indien bestimmten Armeen als auch diejenigen der Ostindien-Kompanie wuchsen, und mit ihnen auch die Betriebskosten. Die Kompanie wurde durch den Regulating Act for India 1773 gezwungen, sich einer Abfolge von Reformen der Verwaltung und der Wirtschaftlichkeit zu unterziehen. Trotz hartnäckigen Widerstandes der Ostindien-Lobby im Parlament und durch die Anteilseigner der Kompanie wurde das Gesetz verabschiedet. Es führte bedeutsame Kontrollen durch die Regierung ein und ermöglichte es, Land formal unter die Kontrolle der Krone zu stellen, danach jedoch auf zwei Jahre zur Pacht von 40.000 Pfund an die Ostindien-Kompanie abzugeben. Unter diesen Bedingungen wurde der Gouverneur von Bengalen Warren Hastings in den Rang eines Generalgouverneurs befördert. Ihm unterstand die Verwaltung von ganz Britisch-Indien. Diese sahen vor, dass seine Nominierung in Zukunft durch einen Viererrat geschehen sollte, der durch die Krone ernannt wurde. Ihm wurde die Macht über Krieg und Frieden gegeben. Außerdem sollten britische Juristen nach Indien gesandt werden, um die Anwendung britischen Rechts sicherzustellen. Der Generalgouverneur und der Rat hatten damit vollständige legislative Kompetenzen. So wurde Warren Hastings zum ersten Generalgouverneur von Indien. Der Ostindien-Kompanie wurde es erlaubt, ihr Handelsmonopol zu behalten. Im Gegenzug musste sie alle zwei Jahre einen Betrag an die Krone leisten und sich verpflichten, ein Minimum an Waren nach Großbritannien zu exportieren. Auch die Verwaltungskosten mussten durch die Kompanie aufgebracht werden. Diese Bedingungen, die zunächst von der Kompanie begrüßt wurden, hatten jedoch ein negatives Nachspiel: der Kompanie waren jährliche Lasten auferlegt, und ihre finanzielle Situation verschlechterte sich anhaltend. Niedergang der Ostindien-Kompanie In der Zwischenzeit fiel Hastings beim Viererrat in Ungnade. Der Rat kehrte nach Großbritannien zurück und leitete ein Verfahren wegen Korruption gegen ihn ein, das schließlich zu seiner Absetzung führte. Der Regulating Act wurde als Fehlschlag betrachtet, da auf Anhieb klar wurde, dass die Abgrenzung der Kompetenzen zwischen der Regierung und der Kompanie in höchstem Maße ungewiss und Auslegungssache war. Die Regierung fühlte sich auch verpflichtet, humanitäre Gesuche zu beachten, die sich um eine bessere Behandlung der einheimischen Bevölkerung in britisch-besetzten Gebieten bemühten. Edmund Burke, ein früherer Anteilseigner der Ostindien-Kompanie und Diplomat fühlte sich veranlasst, die Situation durch das Einbringen einer India Bill 1783 zu entschärfen. Das Gesetz wurde jedoch auf Grund intensiver Lobbyarbeit durch die Ostindien-Kompanie und wegen des Vorwurfs der Vetternwirtschaft bei der Benennung von Räten verworfen. Trotz allem war dieses Gesetz ein wichtiger Schritt hin zur Zurückdrängung der Ostindien-Kompanie, und in dem Indien-Gesetz von 1784 wurde der Konflikt freundschaftlich beigelegt. Hierin wurde die Kontrolle von Regierung und Handel zwischen der Krone und der Kompanie sauber abgegrenzt. Nach diesem Wendepunkt funktionierte die Kompanie als reguliertes Tochterunternehmen der Krone, und die Kompanie dehnte ihren Einfluss auf die benachbarten Gebiete durch Zwang und Drohungen aus. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erstreckte sich die Herrschaft der Kompanie über weite Teile Indiens, Burmas, Singapur und Hong Kong, und 20 % der Weltbevölkerung standen unter ihrer Kontrolle. Die britische Einflusssphäre dehnte sich weiter aus; im Jahr 1845 wurde die dänische Kolonie Tranquebar durch Großbritannien erworben. Die Kompanie hatte bei verschiedenen Gelegenheiten ihren Einfluss in China, auf den Philippinen und auf Java ausgeweitet. Ihren kritischen Mangel an Barmitteln zum Erwerb von Tee behob die Gesellschaft dabei durch den Export von in Indien hergestelltem Opium nach China. Die Anstrengungen Chinas, diesen Handel zu unterbinden, führten zum ersten Opiumkrieg mit Großbritannien. Das Ende Die Anstrengungen der Kompanie, Indien zu verwalten, dienten der britischen Zivilverwaltung als Vorbild, besonders im 19. Jahrhundert. Nachdem die Kompanie 1833 ihr Handelsmonopol verlor, wurde sie wieder zu einer reinen Handelsgesellschaft. Im Jahr 1858 verlor die Kompanie ihre Verwaltungsfunktion an die britische Regierung, nachdem ihre indischen Soldaten 1857 meuterten. Dies geschah mit dem Government of India Act 1858, den das britische Parlament am 2. August 1858 unter dem Einfluss Palmerstons verabschiedete. Kernpunkte des Gesetzes waren: die Übernahme aller Territorien in Indien von der Ostindien-Kompanie, die zugleich die ihr bisher übertragenen Macht- und Kontrollbefugnisse verlor. die Regierung der Besitzungen im Namen der Königin Viktoria als Kronkolonie. Es wurde ein Secretary of State for India an die Spitze der behördlichen Verwaltung gestellt. die Übernahme allen Vermögens der Gesellschaft und das Eintreten der Krone in alle zuvor geschlossenen Verträge und Abmachungen. Danach wurde Britisch-Indien zu einer formellen Kronkolonie. In den folgenden Jahren wurden die Besitztümer der Kompanie durch die Krone verstaatlicht. Die Kompanie verwaltete noch immer den Teehandel im Auftrag der Regierung, besonders nach St. Helena. Durch den East India Stock Dividend Redemption Act wurde die Kompanie am 1. Januar 1874 aufgelöst. Die Times berichtete: Sie erreichte ein Werk, das als solches in der Menschheitsgeschichte nie zuvor von einem anderen Unternehmen versucht wurde, und das als solches wohl in Zukunft auch nicht wiederholt werden wird.

De Beers / Cecil Rhodes De Beers ist der größte Diamantenproduzent und -händler der Welt mit Sitz in London und Johannesburg. Seinen Namen trägt das Unternehmen nach seiner ersten Mine in Kimberley auf der Farm der Brüder Johannes Nicolaas und Diederik Arnoldus de Beer. Über 100 Jahre lang war das südafrikanische Unternehmen, das von London aus gelenkt wird, ein Syndikat mit einem Monopol auf den Diamantenhandel. Dieses Monopol wird mittlerweile durch Händler aus dem asiatischen Raum stark bedrängt. Heute verkauft De Beers nur Diamanten aus eigenen Minen, von denen die meisten in Südafrika, Botsuana und Namibia liegen. Diamantenrausch Die Anfänge von De Beers liegen in Kimberley 100 km westlich von Bloemfontein im südlichen Oranje Freistaat in der Republik Südafrika. Als 1866 auf dem Gelände der Farm der Brüder de Beer Diamanten gefunden wurden, verbreitete sich das sofort, so dass Diamantensucher aus allen Winkeln Südafrikas kamen und unkontrolliert zu graben begannen. Die de Beers verkauften notgedrungen die Farm und verließen die Gegend. Die Farm wurde umgehend in Schürffelder aufgeteilt, die an Diamantsucher versteigert wurden. Die kamen nach anfänglichen Sensationsfunden bald an ihre technischen Grenzen, denn aus geologischen Gründen muss mit zunehmender Tiefe immer mehr schweres Geröll in zunehmender Breite geräumt werden, um an die Lagerstätten der Diamanten zu gelangen. Der deshalb erforderliche Kapitalaufwand war von einzelnen Diamantschürfern nicht aufzubringen. „The Big Hole“ in Kimberley zeugt noch heute von den enormen Erdbewegungen, die für die endgültige Ausbeutung der Vorkommen bis zur Schließung der Mine 1914 nötig waren. Konsolidierung zum Unternehmen Das wurde die Stunde des Cecil Rhodes, aber auch die von Barney Barnato und einigen anderen. Sie kauften die Schürfrechte der Diamantensucher auf, die für diese nahezu wertlos geworden waren. Im Jahr 1880 begann deren Kampf um die Diamantenfelder. Rhodes versuchte es mit Koalitionen. Im April desselben Jahres vereinten er und Charles Rudd ihre Anteile, um den neuen Konzern zu gründen. Barnato zog noch im selben Jahr gleich und gründete mit seiner Familie die Barnato Diamond Mining Company, um ihren Anspruch in der ertragreichen Kimberley-Mine zu stärken. Nach einer Reihe von Fusionen gelang es Barnato 1887, eine dominante Position in der Kimberley-Mine zu erlangen. Das aber half ihm nicht zur endgültigen Dominanz. Er war ein einfacher Mann aus dem Volke, der durch eigene Diamantenfunde ein Vermögen gemacht hatte. Ihm fehlte die gesellschaftliche Anerkennung, die Mitgliedschaften in den englischen Clubs, der Rückhalt am Hof und in den Banken des britischen Empires. Das alles hatte jedoch Rhodes, so dass beide ihre Anteile an der Mine in Kimberley aus wirtschaftlicher Opportunität zu De Beers fusionierten. Aus dem Rothschild-Archiv geht hervor, dass Cecil Rhodes zwischen 1890 und 1914 Aktien bei Rothschild besaß. De Beers Consolidated Mines Limited De Beers Consolidated Mines Limited wurde am 12. März 1888 mit Cecil Rhodes als Vorsitzendem gegründet. De Beers beinhaltete die gesamte De-Beers-Mine, drei Viertel der Kimberley-Mine und kontrollierte Interessen in den Bultfontein- und Dutoitspan-Minen. Cecil Rhodes, Barney Barnato, F.S. Philipson-Stow und Alfred Beit waren nun die Hauptanteilseigner und Leiter von De Beers. Im Jahr 1890, wurde das London Diamond Syndicate gegründet, welches die gesamte Produktion von De Beers aufkaufte. Dieses Syndikat war der Grundstein, auf dem Ernest Oppenheimer die Diamond Corporation erschuf, die später die „Central Selling Organisation“ wurde. Ab August 1893 war De Beers an der Johannesburger Börse gelistet. 1889 erwarb Rhodes die Barnato Diamond Mining Company für 5.338.650 Pfund – zu diesem Zeitpunkt der höchste Scheck der Geschichte. Damit befanden sich alle Diamantenminen Südafrikas unter seiner Kontrolle. Seine angeblichen Letzten Worte „So much to do, so little done“ sollen Queen Victoria persönlich eingefallen sein. Im selben Jahr kam Ernest Oppenheimer als Agent der A. Dinkelsbuhler & Co. (Diamantenkauf) nach Kimberley. Durch den Besitz Oppenheimers Consolidated Diamond Mines (CDM) in Südwestafrika (jetzt Namibia) konnte 1924 die Anglo American Corporation Mitglied des London Diamond Syndicate werden. Damit war die britische Kontrolle und somit der jährliche Gewinn für das Empire gesichert. Produktion und Marketing Der Diamantenriese De Beers produzierte im Jahr 2004 Edelsteine mit einem Gesamtgewicht von 13,7 Mio. Karat (etwa 2700 kg). 2003 hat das Unternehmen den Umsatz um sieben Prozent auf den Rekordwert von 5,5 Mrd. US-Dollar gesteigert. Dabei erwirtschaftete De Beers einen Gewinn von 676 Mio. US-Dollar. In den 1940er Jahren verwendete das Unternehmen erstmals den Slogan: „A Diamond is forever“ (dt.: „Ein Diamant ist unvergänglich“) in seiner Öffentlichkeitsarbeit. Zwischen 1980 und 1993 vervierfachte das Unternehmen sein Jahresbudget für Werbung, PR und Imagekampagnen auf 234 Millionen Schweizer Franken. 2007 gab das Unternehmen für Marketingmaßnahmen ca. 220 Mio. Dollar aus. Dabei wurde in der Vergangenheit geschicktes Product Placement betrieben, ohne die Marke De Beers tatsächlich zu zeigen. Am eindeutigsten in Erscheinung tritt dies im Titel des James Bond Films "Diamonds are forever" (dt. "Diamantenfieber"). Weltweite Leadagentur des Konzerns ist seit mehreren Jahrzehnten J Walter Thompson (JWT). Aufgrund der monopolartigen Stellung von De Beers zur damaligen Zeit war Werbung für Diamanten zu jener Zeit quasi gleichbedeutend mit Werbung für De Beers. Anglo American hält 45 % an De Beers, weitere 45 % die Familie Oppenheimer. Nicky Oppenheimer ist Vorsitzender des Aufsichtsrates. Des weiteren gehören der De Beers Centenary (Schweiz) 50 % der Debswana-(Botswana), 50 % der Nambdeb-(Namibia) und 75 % der Williamson-Mine (Tansania) in Afrika. Seit 2001 ist De Beers keine Aktiengesellschaft mehr und aus den Börsen von Johannesburg und London ausgelistet. Doch wer heute wem gehört, ist schwer auszumachen. De Beers besitzt 40 % der Anteile von Anglo-American-Corporation (15 Mrd. US-$ Jahresumsatz, hervorgegangen aus der British South Africa Company), und diese ihrerseits einen großen Anteil an de Beers. Beide Firmen befinden sich unter der Kontrolle der Familie Oppenheimer in Südafrika, die ihrerseits Anteile an beiden Firmen hält.

ROTHSCHILDS

Die Rothschilds, deren Stammreihe sich in Deutschland bis um 1500 urkundlich belegen lässt, waren im 19. und 20. Jahrhundert eine Bankiersfamilie jüdischer Herkunft, deren Stammhaus M. A. Rothschild & Söhne in Frankfurt war. Sie zählten im 19. Jahrhundert zu den einflussreichsten Bankiers und wichtigsten Finanziers der europäischen Staaten. Noch heute ist das Bankhaus durch seine Nachfolgeinstitute eine international bedeutende, hauptsächlich im Investmentbanking tätige Bank. Während der größten Teile des Jahrhunderts zwischen 1815 und 1914 war die Familie Rothschild im Besitz der weltgrößten Bank. Bis 1860 war die Firma N. M. Rothschild & Sons als eine Unternehmensgruppe mit fünf eigenständigen Niederlassungen organisiert. Die Bezeichnung Haus Rothschild, das sowohl von den Familienmitgliedern als auch ihren Zeitgenossen im 19. Jahrhundert verwendet wurde, weist auf die enge Verbindung der Geschichte des Unternehmens mit der Familiengeschichte hin. Laufend überarbeitete und erneuerte Gesellschaftsverträge regelten dabei die gemeinsame Geschäftstätigkeit und die Aufteilung der daraus entstehenden Gewinne. Die verschiedenen Unternehmen wurden bis in die 1960er Jahre als Familienunternehmen geführt. Die Teilhaber des Familienunternehmens wurden ausschließlich aus den Reihen der männlichen Rothschilds rekrutiert. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des familieneigenen Bankhauses lag im 19. Jahrhundert im internationalen Anleihengeschäft. Dazu kam der Handel mit Edelmetallen, die Annahme und Diskontierung von Handelswechseln, Devisengeschäfte und die Vermögensverwaltung für sehr vermögende Privatkunden. Die Rothschilds gehörten außerdem zu den wesentlichen Geldgebern der entstehenden Bahngesellschaften. Beginn der Finanzgeschäfte Der geschäftlich ganz große Durchbruch erfolgte jedoch auf einem ganz anderen Feld. Im Jahr 1789 gelang Mayer Amschel Rothschild erstmals ein bedeutender Einstieg in das Bankgeschäft, als er mit Wilhelm, der seit 1785 als Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel in Kassel residierte, ein Wechseldiskontgeschäft abschließen konnte. Wilhelm IX. war einer der reichsten Fürsten im Heiligen römischen Reich Deutscher Nation. Die Grundlage dieses Vermögens legte Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel, der Vater Wilhelms IX., mit dem Verkauf hessischer Soldaten für den Kampf der englischen Krone gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Nordamerikaner. Der Umfang der Finanzgeschäfte mit dem Landgrafen wuchs zunächst aber nur langsam an. Erst mit der Beteiligung Rothschilds an dem Verkauf einer Geldanleihe an den Landgrafen im Jahr 1800 begannen die Bankgeschäfte erheblich im Umfang zu wachsen. Die Ernennung Mayer Amschel Rothschilds 1801 zum Hoffaktor von Hessen-Kassel unterstrich dessen steigende Bedeutung für die Finanzgeschäfte Wilhelms. 1804 konnte Rothschild erstmals alleine eine Staatsanleihe auflegen und verkaufen. Es handelte sich dabei um eine Anleihe des dänischen Staats, die Rothschild zur Gänze an den 1803 zum Kurfürsten aufgestiegenen Wilhelm vermitteln konnte. In seinem Testament verfügte Mayer Amschel Rothschild, das Familienunternehmen als Ganzes zu erhalten. Für seine Führung legte er ein strenges Reglement fest: Alle Schlüsselpositionen sind mit Familienmitgliedern zu besetzen. An Geschäften dürfen nur männliche Familienmitglieder teilnehmen. Der älteste Sohn des ältesten Sohnes soll Familienoberhaupt sein, soweit die Mehrheit der Familie nicht anders entscheidet. Es soll keine juristische Bestandsaufnahme und keine Veröffentlichung des Vermögens geben. Die Rothschild-Söhne stiegen binnen weniger Jahrzehnte zu den führenden Bankiers Europas auf. Jeder von ihnen wurde geadelt. Sie finanzierten Staaten, Unternehmen, Eisenbahnen und den Bau des Sueskanals. Die fünf Niederlassungen in Frankfurt, Wien, London, Paris und Neapel operierten zwar unabhängig voneinander, waren jedoch durch einen alle fünf Jahre überarbeiteten und erneuerten Vertrag miteinander verbunden. Geschäftliche Operationen erfolgen meist in enger Zusammenarbeit. Die erzielten Gewinne wurden sowohl nach Leistung und als auch nach familiären Verpflichtungen unter den Brüdern und ihren Nachkommen aufgeteilt. Trotz immer wieder auftretenden Interessenkonflikten, erneuerten die verschiedenen Familienzweige bis 1905 den Partnervertrag stets aufs Neue. Das Haus Rothschild spielte vor allem eine große Rolle an der Londoner Börse, die sich seit der Glorious Revolution von 1688 langsam, aber stetig zu einem der wesentlichen europäischen Finanzplätze entwickelt hatte. Zwischen 1815 und 1859 war die Londoner Filiale an der Emittierung von 14 verschiedenen Staatspapieren beteiligt. Das Nominalvolumen der emittierten Wertpapiere entsprach 43 Millionen Britischen Pfund und damit mehr als fünfzig Prozent aller Wertpapiere, die in London emittiert wurden. Britische Staatspapiere spielten dabei eine große Rolle. Aber auch die Regierungen von Frankreich, Preußen, Österreich, Neapel, Belgien und Brasilien nahmen die Dienste des Bankhauses in Anspruch.[b 5] In der Regel kauften die Rothschilds die gesamte Tranche von der Regierung auf. Sie trugen allerdings das Vermarktungsrisiko nicht, denn die emittierende Regierung erhielt den Kaufbetrag nur dann in vollständiger Höhe, wenn das Papier vollständig platziert werden konnte. Die Rothschilds waren auf Grund ihres engen Netzwerkes in der Lage, die Papiere in ganz Europa abzusetzen. Im Unterschied zu einer großen Anzahl ihrer Konkurrenten konnte das Bankhaus Rothschild regelmäßig durchsetzen, dass der Nominalbetrag des Papieres auf Britischen Pfund basierte. Der Papierinhaber konnte seine Forderung nicht nur in London einlösen, sondern erhielt Zinszahlungen auch in anderen Ländern, in denen die Rothschilds Niederlassungen unterhielten. Dieser Wertpapierhandel stellte das Kerngeschäft des Bankhauses dar. Sie waren darüber hinaus auch im Währungshandel aktiv und investierten in Versicherungen, Minen und Eisenbahnen. Zum Ruf des Bankhauses trug wesentlich bei, dass die Rothschilds sehr auf die Kreditwürdigkeit der Emittenten achtete. Die Zahlungszusagen jedes Wertpapiers, das in den 1820er Jahren über ihr Haus platziert wurde, wurde bis gegen Ende der 1820er Jahre erfüllt, obwohl es in der Mitte der 1820er Jahren zu einer massiven Finanzkrise in Lateinamerika kam Amschel Mayer Rothschild (1773–1855) wurde nach dem Tod seines Vaters neues Familienoberhaupt und übernahm die Leitung des Frankfurter Bankhauses "M.A. Rothschild & Söhne". Dieses war zugleich auch das Mutterhaus der Rothschildbanken in London, Paris, Wien und Neapel. Als der vorsichtigste der fünf Söhne Mayer Amschel Rothschilds war er stets um die Liquidität der Bank besorgt, ging Risiken möglichst aus dem Weg und bevorzugte eher kleinere Geschäfte. Außerdem versuchte er die europaweit stark wachsenden Geschäfte der Familie Rothschild abzubremsen, was wiederholt zu Streitigkeiten zwischen den Brüdern führte. Amschel Mayer Rothschild konzentrierte sich auf die Fortsetzung der Tätigkeit als Hoffaktor verschiedener deutscher Fürsten. Die von seinem Vater mit Hilfe von Carl Friedrich Buderus aufgebauten Beziehung zum Hof von Hessen-Kassel spielten dabei eine besonders wichtige Rolle. Daneben war Amschel Mayer Rothschild auch Schatzmeister und Finanzier des Deutschen Bundestages in Frankfurt. Seine guten Beziehungen zu fast allen deutschen Mittel- und Kleinstaaten halfen M.A. Rothschild & Söhne zwischen 1820 und 1830 das Bankhaus Gebrüder Bethmann als im deutschsprachigen Raum führenden Emittenten von Staatsanleihen zu verdrängen. Trotz dieses Erfolges verlor das Mutterhaus in Frankfurt bereits unter der Leitung Amschel Mayer Rothschilds im Vergleich mit den stark expandierenden Rothschildbanken in London und Paris an Bedeutung. Dennoch blieben letztere offiziell nur Filialen von M.A. Rothschild & Söhne. Solange Gutle Rothschild (* 23. August 1753; † 7. Mai 1849), die Mutter der fünf Brüder Rothschild, noch lebte, blieb Frankfurt auch der Hauptversammlungsort der stetig anwachsenden Familie Rothschild. Salomon Rothschild (1774–1855) war der Begründer der österreichischen Linie. Erste geschäftliche Erfolge erzielte er 1815, ab 1820 (Beteiligung an einer Anleihe des Bankhauses Parish) wuchs er in die Rolle des größten Finanziers des metternichschen Regimes und des Deutschen Bundes hinein. Salomon Meyer Rothschild, dem zu Beginn seiner Karriere noch der Besitz von Grund und Boden verboten war, wurde 1822 zum Freiherrn geadelt; er wurde in der Folge zu einem der größten Grundbesitzer des Landes. 1835 erhielt er die Konzession für die Errichtung der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn und baute im Zusammenhang auch die Witkowitzer Eisenwerke auf. Die aus seinem Bankhaus 1855 entstandene Creditanstalt stand bis in die 1930er Jahre unter rothschildschem Einfluss. Nathan Mayer Rothschild (1777–1836) ging 1799 als Textilkaufmann nach Manchester. 1808 gründete er die Bank N.M. Rothschild & Sons in London, die noch heute erfolgreich arbeitet. Er wurde dank seiner sorgfältig geplanten und durchgeführten Transaktionen zum einflussreichsten Finanzier der britischen Regierung und begründete die große Rolle des Hauses Rothschild, die es ab 1815 für mindestens fünfzig Jahre in der europäischen Finanzwelt innehatte. Der ungewöhnlich schnelle Aufstieg des Hauses Rothschilds, an dem Nathan Rothschild wesentlichen Anteil hatte, führte zu einer Reihe von Gerüchten über den Finanzier. So kolportierte man bereits 1830, dass Nathan Rothschilds Erfolg auf einen sagenhaften hebräischen Talisman zurückzuführen sei. Ebenso lang ist die nicht zutreffende Geschichte im Umlauf, dass Nathan Rothschild mittels eines effizienten Informationsdienstes bereits vor dem britischen Premierminister vom Ausgang der Schlacht bei Waterloo wusste. Darauf habe er seine Aktien verkauft. Da andere Anleger aus dem Verhalten schlossen, er sei im Besitz von Information über eine britische Niederlage, folgten sie ihm beim Verkaufen der Aktien. Nachdem die Kurse der Wertpapiere in den Keller gesunken waren, habe Nathan Rothschild die Papiere wieder aufgekauft und den vollen Kursanstieg mitgenommen, den die Nachricht vom Sieg der Briten mit sich brachte. In dem unverhüllt antisemitischen deutschen Nazi-Film Die Rothschilds aus dem Jahre 1940 besticht Nathan Rothschild sogar einen französischen General, um die Niederlage der französischen Armee sicherzustellen. Tatsächlich unterschied sich Nathan Rothschild in seinem Finanzgebaren nicht von dem seiner Konkurrenten (siehe auch die detaillierte Darstellung im Abschnitt Der Aufstieg zur europäischen Finanzinstitution), besaß aber offensichtlich ein sehr gutes Gespür für die Funktionsweise der Finanzmärkte. Beim schnellen Aufstieg des Hauses Rothschilds spielte außerdem die gute Vernetzung der europäischen Niederlassungen der fünf Rothschild-Brüder eine erhebliche Rolle. Kalman Rothschild (1788–1855) ging in Salomons Auftrag 1821 nach Neapel. Dort hatte er die Finanzen der österreichischen Truppen zu überwachen. Er eröffnete die sizilianische Rothschild-Dependance, welche jedoch nur bis 1863 existierte. Kalman nannte sich später Carl Mayer von Rothschild. Jakob Rothschild (1792–1868) war der jüngste der Brüder. Er ging 1812 nach Paris und etablierte dort Rothschild Frères zu einer der ersten Bankadressen und nannte sich fortan James de Rothschild. Als Berater von zwei französischen Königen wurde er der einflussreichste Bankier des Landes. In den folgenden Kriegen unter Napoléon III. spielte er eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Eisenbahnbaus und dem Bau von Bergwerken, was Frankreich dabei half, den wirtschaftlichen Rückschlag nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 zu überwinden und zu einer Industriemacht zu werden. 1982 wurde die Bank zusammen mit anderen Banken durch die Regierung François Mitterrands verstaatlicht. Das Nachfolgeinstitut Rothschild & Cie Banque ist eine Neugründung durch David René de Rothschild, sie stellt heute den französischen Teil der Rothschild Bankgruppe. Die Rothschildfamilie ist seit dem Beginn ihres großen Einflusses auf die europäische Wirtschaftsgeschichte das Ziel von Karikaturen, polemischen Schriften, Hetzkampagnen und Verschwörungstheorien, die sich häufig durch einen mehr oder weniger verdeckten Antisemitismus kennzeichnen. Selbst berechtigte Kritik an ihrem Geschäftsgebaren hatte häufig einen antisemitischen Unterton. Als einer der Ersten kritisierte Honoré de Balzac die Rothschilds öffentlich. In seiner Erzählung „Das Haus Nucingen“ (1838) karikiert er mit dem arroganten, rücksichtslosen und groben Bankier Nucingen, der seinen Reichtum durch betrügerische Bankrotte erwirbt, James de Rothschild. Möglicherweise geht auch die bis heute umlaufende Geschichte, die Familie Rothschild habe ihren Reichtum durch eine Spekulation auf den Ausgang der Schlacht von Waterloo erworben, auf Balzac zurück, da er sie in seiner Erzählung ebenfalls nennt. Georges Dairnvaell brachte 1846 diese Geschichte in seinem Pamphlet „Die erbauliche und kuriose Geschichte von Rothschild I., König der Juden“ erneut in Umlauf. Bereits im 19. Jahrhundert wurde behauptet, Nathan Mayer Rothschild habe einen französischen General bestochen, um den britischen Sieg sicherzustellen. Diese verfälschte Darstellung wird auch in dem nationalsozialistischen Propagandafilm Die Rothschilds aus dem Jahre 1940 aufgegriffen, der neben Jud Süß und dem Dokumentarfilm Der ewige Jude die deutsche Bevölkerung auf härtere Maßnahmen gegen die Juden vorbereiten sollte. Eine weitere filmische Aufarbeitung wurde sechs Jahre früher ohne antisemitische Tendenzen produziert (Die Rothschilds (The House of Rothschild) von Alfred L. Werker mit George Arliss). Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Einfluss der Rothschilds mit dem eines regierenden Monarchen verglichen. Sie galten als Teil einer Geldaristokratie, die dank ihrer Wirtschaftsmacht zum Erhalt bestehender Regierungen beitrug, sich keiner Nation patriotisch verpflichtet fühlten und selbst den Sturz von Monarchen wie etwa den französischen König Karl X., mit denen sie enge Beziehungen pflegten, schadlos überstanden. „Geld ist der Gott unserer Zeit und Rothschild ist sein Prophet“, schrieb Heinrich Heine im März 1841. Alphonse Toussenel, ein französischer Journalist und Schriftsteller, verband in dem 1846 erschienen Buch „Die Juden, Könige der Epoche: Eine Geschichte des Finanzfeudalismus“ mit seiner Kritik an den Konditionen, zu denen James de Rothschild die Konzession an der Bahnlinie von Paris nach Belgien erwerben konnte, mit einem Argument gegen das Judentum an sich: Frankreich sei „an die Juden verkauft“ worden, und die Eisenbahnlinien ständen direkt oder indirekt unter der Kontrolle von „Baron Rothschild, der König der Finanzwelt, ein Jude, der von einem sehr christlichen König zum Baron gemacht wurde.“ Sehr früh unterstellte man den Rothschilds die Fähigkeit, auf Grund ihrer finanziellen Macht Kriege zu verhindern. 1828 schrieb Fürst Pückler-Muskau, ohne die Rothschilds scheine keine Macht in Europa Krieg führen zu können. Vergleichbare Äußerungen findet man auch bei Ludwig Börne, österreichischen Diplomaten und Antisemiten wie Alphonse Toussenel, der dazu schrieb: Der Jude spekuliert auf den Frieden, das heißt auf die Hausse, und das erklärt, warum der Frieden in Europa schon 15 Jahre währt. Die Bereitschaft und die Fähigkeit, einen Krieg zu verhindern, wird aus heutiger Sicht positiv bewertet. Im 19. Jahrhundert sah man im Krieg jedoch ein legitimes politisches Mittel und der den Rothschilds aus Geschäftsinteresse unterstellte Pazifismus stieß auf Kritik. Während der Italienischen Unabhängigkeitskriege schrieb Earl Shaftesbury, dass es merkwürdig, beängstigend, erniedrigend sei, dass das Geschick dieser Nation der Spielball eines ungläubigen Judens ist. Auf vergleichbare harsche Kritik stieß der Einsatz von August Belmont, dem Agenten der Rothschild in Nordamerika, für Friedensverhandlungen zwischen den Parteien des Amerikanischen Bürgerkriegs. Verschwörungstheorien, in denen der Familie Rothschild eine Rolle zugesprochen wird, gibt es bis heute. In unterschiedlichen Versionen wird behauptet, die Rothschilds leiteten oder beteiligten sich an einer entweder jüdischen, freimaurerischen, illuminatischen oder außerirdischen Verschwörung, häufig mit den in diesem Umfeld üblichen Ähnlichkeiten oder unkritischen Bezugnahmen auf die längst als Fälschung entlarvten Protokolle der Weisen von Zion. Ebenfalls als Quelle für derartige Theorien werden die allgemein nicht als authentisch angesehenen so genannten Rakowski-Protokolle genannt. Das Bankhaus Rothschild heute Ein zentrales Bankhaus bzw. ein Netzwerk von eng miteinander kooperierenden Banken im gemeinsamen Besitz der Familie Rothschild gibt es heute nicht mehr. Stattdessen existieren drei Finanzgruppen, die von unterschiedlichen Familienzweigen der Rothschilds kontrolliert werden, und sich teilweise durch zahlreiche Schachtel- und Querbeteiligungen auszeichnen. Zwischen den drei Finanzgruppen bestehen vereinzelt gegenseitige Minderheitsbeteiligungen. Die größte dieser Gesellschaften stellt die „Paris-Orléans SA“ dar. Durch die Fusion der Bankaktivitäten des britischen und französischen Zweiges der Familie Rothschild im Januar 2008 wurde dieses Unternehmen zur zentralen Holdinggesellschaft für die Geschäfte der englischen und französischen Rothschilds in den vier Bereichen: Investment-Banking, Corporate-Banking, Private-Banking (Vermögensverwaltung) und Private-Equity (Unternehmensbeteiligungen). Das Unternehmen wurde 1838 gegründet und war ursprünglich eine Eisenbahngesellschaft. Es ist an der Börse Euronext in Paris notiert (ISIN: FR0000031684). Das Aktienkapital wird zu 58,1 % von der Familie Rothschild kontrolliert (Stand Ende März 2008). Der Rest der Aktien ist über die Börse breit gestreut. Eine zweite Finanzgruppe, die „Groupe LCF Rothschild“, wird von einem in der Schweiz ansässigen Zweig der Rothschilds kontrolliert. Es wurde 1953 von Edmond Adolphe de Rothschild gegründet und umfasst neben mehreren Banken auch Hotels, Immobilien, Weingüter und einen Versicherungsmakler. Ein zentraler Bestandteil dieser Gruppe ist die in Genf beheimatete „Banque Privée Edmond de Rothschild“. Sie ist an der Schweizer Börse („SIX Swiss Exchange“) notiert (ISIN: CH0001347498). Als dritte Gesellschaft unter Kontrolle eines Zweigs der Rothschilds ist die „RIT Capital Partners PLC“ zu nennen. Dieses Unternehmen wurde 1961 auf Initiative von Lord Jacob Rothschild gegründet und wird seitdem auch von ihm geführt. Seit 1988 investiert RIT Capital Partners auf internationaler Ebene vorwiegend in kleinere und mittlere, börsennotierte und private Firmen. Es ist an der Londoner Börse notiert (ISIN: GB0007366395).

JUGOSLAWISCHER DINAR

Der Jugoslawische Dinar war die offizielle Währung des Königreiches Jugoslawien, der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und der Bundesrepublik Jugoslawien bis 1994, wobei er bis dato mehrmals Form und Wert änderte. Er war in 100 Para unterteilt. Die jugoslawische Währung wurde wie der bis 1920 gültige Serbische Dinar nach der römischen Silbermünze Denarius benannt. Am 1. Januar 1966 wurde der Dinar reformiert; es wurden einfach zwei Nullen gestrichen, d. h. 100 „alte Dinar“ wurden 1 „Neuer Dinar“. Kurioserweise haben ältere Leute bis zum Zerfall Jugoslawiens in "alten Dinar" gerechnet, sprich die Nullen wieder angehängt. Der Dinar war in den 1960er und 1970er Jahren für ein sozialistisches Land eine sehr stabile Währung. Er hatte einen Wechselkurs 7:1 mit der deutschen Mark, gab aber in den 1980er Jahren, speziell nach dem Tod Titos stark nach. Grund für die hohe Inflation war vor allem die schlechte Währungspolitik der jugoslawischen Nationalbank, der Narodna Banka Jugoslavije. Charakteristisch für die Dinar-Banknoten war, dass nicht wie bei anderen Währungen Prominente die Geldscheine zierten, sondern anonyme Personen wie Arbeiter, Bäuerinnen oder Sachen wie Schiffe und Denkmäler. Diese Tradition wurde erst mit der Einführung der 5.000-Dinar-Note gebrochen, diese zierte das Konterfei von Josip Broz Tito. Auf allen Dinarmünzen wurde auf die Vorderseite der Geldwert geprägt, auf die Rückseite das Staatswappen der SFR Jugoslawien, bestehend aus Korn-Ähren, Flammen, Stern und dem Gründungsdatum des Staates, 29. November 1943, zum Gedenken an den Antifaschistischen Rat zur Volksbefreiung Jugoslawiens. Nach dem Zerfall Jugoslawiens wurde der Dinar nur im Rumpfstaat, bestehend aus den Teilrepubliken Serbien und Montenegro, beibehalten. Die wieder galoppierende Inflation wurde mehrmals mit Hilfe von Reformen zu bändigen versucht. am 1. Januar 1990: 10.000 Neue Dinar = 1 Konvertibler Dinar am 1. Juli 1992: 10 (Konvertible) Dinar der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien = 1 Dinar der Bundesrepublik Jugoslawien am 1. Oktober 1993: 1.000.000 (alte) Dinar = 1 (neuer) Dinar am 1. Januar 1994: 1.000.000.000 (alte) Dinar = 1 Neuer Dinar am 22. Juli 1994: 12.000.000 (alte) Dinar = 1 Neuer Dinar Daraus ergibt sich, dass ein neuer Dinar von 1994 1.200.000.000.000.000.000.000.000.000 (oder 1,2·1027 bzw. 1,2 Quadrilliarden) alten Dinar von vor 1990 entspricht. Die ehemaligen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien führten nach einer kurzen Übergangszeit den Slowenischen Tolar bzw. die Kroatische Kuna (zuvor Kroatischer Dinar) als Nachfolger des Dinar ein. 2003 wurde er in Serbien durch den Serbischen Dinar und in Montenegro durch den Euro abgelöst. Der Kurs der kroatischen Kuna wird, im Gegensatz zu anderen Währungen, nicht durch den internationalen Finanzmarkt gebildet, sondern durch die kroatische Nationalbank festgelegt. Da die Kuna sehr stark an den Wechselkurs des Euros angelehnt ist, kann die Währung als äußerst stabil bezeichnet werden.

Der Nationalbank wird von nationalen und internationalen Währungsexperten vorgeworfen, künstlich den Kuna-Kurs hoch zu halten und somit der wirtschaftspolitischen Entwicklung Kroatiens zu schaden. Es wurde jedoch erreicht, dass die Inflationsrate, im Gegensatz zu früheren Jahren, niedrig gehalten werden konnte. Die Kuna ist seit 1993 überall rücktauschbar (internationale Konvertibilität). Die äußere Stabilität der Währung wurde dadurch begünstigt, dass die kroatischen Bürger und Unternehmen es gewohnt waren, ihr Geld in ausländischer Währung zu halten, und somit erhebliche Devisenreserven bestanden. Österreichische Schule Fritz Machlup, einer Schüler von Wiesers und von Mises’, nennt 1982 sechs Hauptlehren der Österreichischen Schule, die um etwa 1930 das Herzstück der Österreichischen Neuerungen bilden:[3] Methodologischer Individualismus: Wirtschaftliche Sachverhalte müssen aus dem Handeln von Individuen heraus erklärt werden (nicht zu verwechseln mit ideologischem oder politischem Individualismus, den Gegensatz stellt der methodologische Kollektivismus dar). Methodologischer Subjektivismus: Wirtschaftswissenschaft basiert auf der Untersuchung der Handlungen realer Individuen, deren subjektivem Wissen (beziehungsweise Unwissen), ihrer subjektiven Bedürfnisse und ihrer subjektiven Erwartungen. Grenznutzenlehre: Alle ökonomischen Entscheidungen werden durch den Grenznutzen bestimmt. Nützlichkeit: Subjektive Wertungen (Nützlichkeit) und abnehmender Grenznutzen bestimmen die Nachfrage und somit den Marktpreis. Opportunitätskosten (auch Wiesersches Kostengesetz): Handlungen sind abhängig von der Bewertung alternativer Handlungsmöglichkeiten. Zeitstruktur von Konsum und Produktion: Die Entscheidung zu sparen oder zu konsumieren entsteht durch die subjektive Zeitpräferenz. Als innerhalb der Schule umstritten führt er die folgenden Lehren auf, die insbesondere durch Ludwig von Mises ab den 1960ern in die USA ausstrahlten: Vollständige Souveränität der Konsumenten: Die Konsumenten drücken ihre Bedürfnisse über die Nachfrage aus. Nur der von Staatseingriffen unbehinderte Markt sorgt durch Wettbewerb dafür, dass permanent (über das Preissystem als Steuermechanismus) die Bedürfnisse der Konsumenten optimal befriedigt werden. Politischer Individualismus: Nur vollständige ökonomische Freiheit sorgt dauerhaft für politische und moralische Freiheit der Bürger. Ökonomische Beschränkungen führen zur zunehmenden Ausbreitung und Beschränkung politischer und moralischer Freiheit.

Da die unbestrittenen Thesen der Schule bald von allen ökonomischen Schulen anerkannt wurden, sieht Israel Kirzner die Liste als um zwei Punkte ergänzungsbedürftig im Hinblick auf das Spätwerk von Mises’ und von Hayeks an: Märkte und Wettbewerb als Lern- und Entdeckungsprozess Individuelle Entscheidungen als Wahl zwischen individuell zu identifizierenden Alternativen in grundsätzlich unbekanntem Kontext. Die US-amerikanischen Neo-Austrians, die im wesentlichen durch von Mises und dessen Schüler Murray Rothbard geprägt sind, definieren sich vor allem durch die Abgrenzung zu den neoklassischen und (neo-)keynesianischen, als statisch bezeichneten, Gleichgewichtsmodellen. Jesús Huerta de Soto, ein spanischer Vertreter der Neo-Austrians, hebt als Merkmale dieser speziellen Richtung folgende Lehren hervor: Ausformung einer universalen Theorie menschlichen Handelns (im Gegensatz zur rein wirtschaftswissenschaftlichen Theorie der Rationalen Entscheidung). Der wissenschöpfende, kreative Unternehmer als Wirtschaftssubjekt (im Gegensatz zum neoklassischen homo oeconomicus). Möglichkeit unternehmerischer Fehler (im Gegensatz zur neoklassischen Modell vollständiger Information). Strenge Unterscheidung zwischen objektivem (wissenschaftlichem) und subjektivem (praktischem) Wissen. Märkte als Entdeckungsprozess (im Gegensatz zum neoklassischen Modell der vollständigen Konkurrenz). Subjektive Kostentheorie (im Gegensatz zur neoklassischen objektiven Kostentheorie). Verbale Logik (im Gegensatz zur neoklassischen mathematischen Formalisierung). Aprioristisch-deduktive Methode (im Gegensatz zum empirischen Modell). Unmöglichkeit quantitativer Vorhersagen, sondern Beschränkung auf pattern predictions. Vorhersage wirtschaftlicher Geschehnisse durch die unternehmerische Fähigkeiten jedes Menschen (im Gegensatz zum Sozialingenieur).

Mark (DDR) Die Mark der DDR war eine Binnenwährung, das heißt im Außenhandel und internationalen Reiseverkehr nicht konvertierbar. Einfuhr und Ausfuhr von Mark waren verboten und standen unter Strafe. Im internationalen Zahlungsverkehr wurde mit Valuta-Verrechnungseinheiten bzw. der Valuta-Mark gerechnet. Ausländisches Geld (Sorten) war im DDR-Einzelhandel als Zahlungsmittel in der Regel nicht zugelassen. Ausgenommen waren die Intershops, in denen nur mit harten Währungen (Devisen oder Westgeld) oder den zur sofortigen staatlichen Abschöpfung der Devisen eingeführten sogenannten Forumschecks bezahlt werden konnte. Für Urlaubsreisen nach Osteuropa konnten DDR-Bürger in begrenztem Umfang auch Mark in andere Landeswährungen tauschen. Reisende aus dem westlichen Ausland mussten als Mindestumtausch einen festgelegten Betrag in Mark der DDR wechseln. Diese Regelung wurde im inoffiziellen Sprachgebrauch als „Zwangsumtausch“ bezeichnet. Die Kaufkraft der Mark der DDR lässt sich nur sehr eingeschränkt mit der der Deutschen Mark (DM) der Bundesrepublik Deutschland vergleichen: Für viele in der DDR subventionierte oder preiskontrollierte Güter des täglichen Grundbedarfs wie Grundnahrungsmittel, Wohnungen oder Bus und Bahn, aber auch Bücher hatte sie eine deutlich höhere Kaufkraft als die Deutsche Mark der Bundesrepublik. Für Konsumgüter wie Fernsehgeräte oder Autos war ihre Kaufkraft dagegen deutlich geringer. Auf dem freien Markt wurde die Mark der DDR lange Zeit für etwa 0,2 Deutsche Mark gehandelt; auch dies taugt aber nur sehr bedingt zur Einschätzung der Kaufkraft. Intern wurde mit Hilfe sogenannter Richtungskoeffizienten eine Deutsche Mark 4,40 M gleichgesetzt, was z. B. bedeutete, dass Exportbetrieben für eine DM Exporterlös M 4,40 gutgeschrieben wurden. „Offizieller“ Kurs war jedoch stets 1:1 – allerdings war eine Konversion von M in DM nur sehr begrenzt möglich (z. B. für genehmigte Westreisen von DDR-Bürgern ein bestimmter Betrag). Kaufkraft Die Kaufkraft der DDR-Mark lässt sich am besten an den Preisen in der DDR abschätzen, wenn man diese in Relation zu den durchschnittlichen Einkommen betrachtet. Nach den Tabellen zur Rentenberechnung war ein durchschnittliches Monatseinkommen in der DDR zum Beispiel:

1990 1290,33 M

Die Preise blieben bei vielen Produkten über Jahre stabil und wurden häufig nur durch Veränderungen der abgepackten Mengen angepasst (runde Preise, dafür aber unrunde Packungsmengen). Die Einführung neuer Produkte erlaubte allerdings auch die Einführung neuer Preise. Indirekte Preiserhöhungen wurden gelegentlich durch Sortimentsverschiebungen in den Mengen vorgenommen, so dass billigere Artikel in geringerer Zahl als teurere produziert wurden. Weiterhin gab es Preiserhöhungen im Vergleich zu ähnlichen Vorgängerprodukten, was mit einer „Gebrauchswerterhöhung“ begründet wurde. Bei alkoholischen Getränken gab es seit den 1960er Jahren mindestens zwei offiziell bekanntgegebene Preis- bzw. Alkoholsteuererhöhungen. Manchmal gab es für gewerbliche und private Abnehmer verschiedene Preislisten für die bezogenen Produkte, z. B. für Baustoffe. Gelegentlich waren auch Bezugsscheine nötig, etwa der „Bleischein“ für den Kauf von Autoakkumulatoren, den man nur für die Abgabe eines alten erhielt. Die Preise für „Grundbedürfnisse“ (Grundnahrungsmittel, Mieten, Energie, Fahrkarten, Zeitungen) waren auf Vorkriegsniveau eingefroren. Viele Preise wurden über Jahrzehnte konstant gehalten, da sie staatlich subventioniert wurden. Das schlug sich andererseits in relativ geringen Nettolöhnen nieder, die sich für Normalbürger (1988) etwa zwischen 400 und 1300 Mark bei einem Mittelwert um etwa 800 M bewegten. Die normalen Renten betrugen etwa 300 bis 600 M (1988). Preisbeispiele aus der DDR → Hauptartikel: Einzelhandelsverkaufspreis 0,05 M ein einfaches Brötchen 0,08 M eine Kilowattstunde Elektroenergie 0,10 M bis 0,15 M eine Tageszeitung 0,20 M Porto für einen Brief bis 20 g im Inland und in das sozialistische Ausland 0,34 M eine Flasche Vollmilch (0,5 l, 2,2 % Fettgehalt) 0,35 M Porto für einen Brief bis 20 g in das „nichtsozialistische Ausland“ 0,42 M eine Flasche Club-Cola (0,33 l) 0,48 M eine Flasche Vollbier (0,33 l) 0,80 M eine Schlager-Süßtafel 0,78 M 1,5 kg Roggenmischbrot 1,00 M ein Leckermäulchen 1,50 M ein Liter Benzin 88 Oktan (Normal) 1,55 M 1 kg Zucker 2,40 M 250 g Butter 3,20 M eine Schachtel (20 Stück) Filterzigaretten der üblichen Marken (F6, Semper oder Cabinet) 3,75 M eine Flasche Schlagsahne (0,25 l) 14,50 M eine Flasche „Goldbrand“ (0,7 l, 32 % Alkohol) 16,10 M eine LP mit Popmusik (Amiga) 19,00 M eine Fahrkarte der Deutschen Reichsbahn über 200 Kilometer im D-Zug 25,00 M Monatsmiete für 40-m²-Altbauwohnung mit Ofenheizung 66,00 M ein Hin- und Rückflug Berlin–Prag mit der Interflug 70,00 M ein Kilo Kaffee (acht Packungen gemahlener Filterkaffee „Mocca Fix“ à 125 g) 70,00 M Monatsmiete für eine 60-m²-Neubauwohnung inkl. aller Nebenkosten 123 M Schultaschenrechner SR1 (1984, subventionierter Preis für Schüler, regulär 800 Mark) 400 M digitale Armbanduhr Anfang der 1980er Jahre über 1.000 M Sony-Walkman (um 1985) 1.900 M Moped Simson S51 Elektronik 2.300 M beste Kleinbildspiegelreflexkamera Praktica B200 mit Standardobjektiv (um 1985) 2.700 M Motorrad MZ TS 150 deluxe 2.990 M Waschvollautomat (1988, VA 861 von Monsator) 4.500 bis 6.000 M Farbfernseher (Chromat, 1982 bzw. Colortron, 1987) über 8.900 M ein Trabant (Standardausführung) ca. 23.000 M Wartburg 353, Nachfolger Wartburg 1.3 mehr als 30.000 M Mauerfall und Währungsunion Nach dem Mauerfall bildeten sich Ende 1989 im freien, wenn auch weiterhin illegalen Geldwechsel Marktkurse, die kurzzeitig bei 1:10 lagen, sich aber schnell auf ein Verhältnis 1:5 einpendelten. Erst als sich die Währungsunion abzeichnete, stabilisierten sich die Kurse wieder. Offizieller Umtauschkurs bis zur Währungsunion war dann 1:3. Zu diesem Kurs konnte in Filialen der Staatsbank der DDR bis zum 30. Juni 1990 in beide Richtungen unbegrenzt getauscht werden. Noten beider Währungen durften von nun an die deutsch-deutsche Grenze ungehindert passieren. Im ersten Halbjahr 1990 konnte man in der DDR westliche Güter, z. B. Bananen auf Märkten, problemlos für Ost- oder Westmark (fester Kurs: 3:1) kaufen. Der Umtauschkurs bei der Einführung der D-Mark in der DDR betrug 1:2. Für Privatpersonen galt die Sonderregelung, dass bestimmte Beträge 1:1 getauscht werden konnten. Dies war abhängig vom Alter: 2000 M für 14-Jährige und jüngere; 4000 M für alle bis zum 60. Lebensjahr; 6000 M für alle älteren Bürger. Stichtag war dabei der Tag der Währungsunion. Die Umstellung der Löhne und laufenden Kosten wie Miete, Strom etc. geschah 1:1. Bei allen Gütern, bei denen nun die staatliche Subventionierung wegfiel, kam es zu deutlichen Preiserhöhungen. Mit der Währungsunion am 1. Juli 1990 wurde die Mark der DDR (M) von der Deutschen Mark (DM) als gesetzliches Zahlungsmittel in der DDR abgelöst. Die DDR-Münzen bis 50 Pfennig waren in einer Übergangszeit auf dem Territorium der DDR weiter gültig, da die Bundesbank anfangs nicht genug Hartgeld zur Verfügung stellen konnte. Dies führte in den Wochen vor der Währungsunion zu einer Hortung von Kleingeld.

Der Mefo-Wechsel (benannt nach: Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH) war ein 1934 von Hjalmar Schacht entworfenes Kreditierungsmittel für Reichsausgaben. Vorbild war der „Öffa-Wechsel“, ein ähnlicher Wechsel auf Arbeitsbeschaffung öffentlicher Gebietskörperschaften ab 1932. Das Reich finanzierte die Staatsausgaben für die Aufrüstung, indem es nicht in Banknoten bezahlte, sondern Wechsel annahm, die von der Rüstungsindustrie ausgestellt wurden. Allerdings akzeptierte nicht das Reich selbst die Wechsel, sondern eine eigens zu diesem Zweck gegründete Scheinfirma namens Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH. Auf diese Weise wurde eine Gefährdung der Währungsstabilität vermieden, da man weder neue Banknoten drucken noch offen Schulden aufnehmen musste. Gleichzeitig diente die Mefo dazu, die Finanzierung der Aufrüstungsmaßnahmen „auf Pump“ zu verschleiern und das Ausland über den wahren Umfang der Aufrüstung zu täuschen. Sie galten nicht als Staatswechsel, sondern als Handelswechsel und mussten im Reichshaushalt und im Reichsschuldbuch nicht ausgewiesen werden. Weil es sich bei den Gesellschaftern der Metallurgischen Forschungsgesellschaft mbH um angesehene Vertreter der deutschen Industrie handelte, konnte die Reichsbank nach dem Reichsbankgesetz die Wechsel der Rüstungsindustrie zum Zwecke der Refinanzierung der Metallurgischen Forschungsgesellschaft mbH diskontieren. Die durch das Reichsbankgesetz vorgesehene Begrenzung der Staatsverschuldung wurde durch die Mefo-Wechsel umgangen. Erst lange nach dem Ausgabestopp wurden sie als Mefo-Wechsel bekannt. Bezogener Die Person, welche aus dem Mefo-Wechsel angewiesen wurde (Bezogener), war die Metallurgische Forschungsgesellschaft m. b. H. Die von der Wehrwirtschaft ausgestellten Wechsel nahm diese GmbH an. Damit finanzierte sie scheinbar einen Teil der Rüstungsbeschaffungen der Wehrmacht. Das Stammkapital für die Metallurgische Forschungsgesellschaft zeichneten im Mai 1933 vier große namhafte deutsche Unternehmen, nämlich Siemens, Gutehoffnungshütte, Krupp und Rheinmetall in Höhe von einer Million Reichsmark. Das Reich stellte kein Stammkapital, um als Gesellschafter nicht in Erscheinung zu treten. Die Mefo mbH war von Anfang an als Scheinunternehmen konzipiert worden, damit die Wechselverbindlichkeiten im Reichshaushalt und im Reichsschuldbuch nicht ausgewiesen werden mussten. Die Firma dieser Unternehmung war ein Deckname. Tatsächlich sollte und konnte die Metallurgische Forschungsgesellschaft nicht für die Rüstungsausgaben des Reiches haften; die GmbH wurde vielmehr durch eine Diskontierung der Wechsel durch die Reichsbank refinanziert. Die Geschäftsführung wurde durch einen Vertreter des Reichswehrministeriums und einem Vertreter der Reichsbank gestellt. Die Reichsbank stellte das übrige Personal für die verwaltungsmäßige Abwicklung der Wechselgeschäfte. Aussteller Alle Unternehmen, die im Auftrag des Staates Aufgaben ausführten, insbesondere Rüstungsgüter produzierten, stellten nun Mefo-Wechsel aus. Einerseits wurden durch die Annahme der Mefo-Wechsel ihre Forderungen gegenüber dem Reich getilgt. Andererseits konnten die Lieferanten die Mefo-Wechsel als ein Zahlungsmittel einsetzen, mit deren Indossierung sie ihrerseits Verbindlichkeiten gegenüber anderen Unternehmen an erfüllungshalber bedienten. Remittenten Die Personen, auf welche die Anweisung aus dem Wechsel lautete (Remittenten), waren die Gläubiger der Aussteller. Die Mefo-Wechsel konnten wie gewöhnliche Wechsel nicht auf Sicht eingelöst werden, sondern waren an einem bestimmten Stichtag zahlbar. Die Laufzeit der Wechsel betrug anfangs sechs Monate und wurde immer wieder verlängert, so dass die Wechsel letztendlich fünf Jahre im Umlauf waren. Statt auf die Fälligkeit zu warten, konnten die Remittenten den Wechsel diskontieren, also an eine Bank verkaufen. Wirtschaftlich waren die Mefo-Wechsel nichts anderes als ein Kredit der Wehrwirtschaft an das Reich. Dieser Weg der Finanzierung wurde so beschritten, da das Reichsbankgesetz größere Darlehenssummen, die über 400 Millionen RM hinausgingen, nicht zuließ. Diskontierung Die Reichsbank erklärte sich bereit, diese Wechsel jederzeit zu rediskontieren. Sinn und Zweck der „Mefo-Wechsel“ war es jedoch, dem Staat ein Kreditmittel in die Hand zu geben. Würde die Wehrwirtschaft ihre Wechsel nun sofort diskontieren, müsste der Staat doch die erforderlichen Mengen an Banknoten auszahlen, so dass eine galoppierende Bargeldvermehrung begönne. Um einer sofortigen Diskontierung vorzubeugen, wurden die Wechsel mit einem Jahreszins von 4 % ausgestattet. Dadurch wurden die Rüstungsproduzenten motiviert, die Wechsel nicht vor Verfall beim Reich einzulösen. Sie verwandten die Wechsel vielmehr als beliebtes Zahlungsmittel, das obendrein auch noch einen Zinsertrag brachte. Wechselbürge Die Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH hatte mit einem Stammkapital von 1 Million RM nur eine dünne Kapitaldecke; wegen ihrer Rechtsform als Kapitalgesellschaft war eine direkte Haftung von Siemens, Krupp, Rheinmetall und der Gutenhoffnungshütte ausgeschlossen. Die zur Refinanzierung der Mefo-GmbH erforderlichen Diskontierungsgeschäfte der Reichsbank waren aber nicht garantiert. Deshalb brauchten die Aussteller der Wechsel eine Sicherheit. Das Reich stand daher für die Erfüllung der Wechselverbindlichkeiten der Mefo-GmbH ein, unter Verzicht auf die Einrede der Vorausklage (selbstschuldnerische Wechselbürgschaft). Umfang Insgesamt wurden von 1934 bis zum 31. März 1938 Mefo-Wechsel in Höhe von zwölf Mrd. Reichsmark ausgegeben. Sie finanzierten ca. 45 % der bis dahin aufgelaufenen Rüstungsausgaben (bis Ende 1939 waren es ca. 20 %). Von diesen zwölf Milliarden RM wurden jedoch acht Milliarden vom Markt aufgenommen. Sie wurden also nicht bei der Reichsbank eingelöst. Schachts Absicht, eine merkbare Inflation zu verhindern, ging somit auf. Ab April 1938 wurden die Mefo-Wechsel durch kurzfristige Reichs-Schatzanweisungen ersetzt. Die zur Einlösung kommenden Mefo-Wechsel konnten, neben der Barauszahlung, wiederum in andere kurzfristige Wechsel eingetauscht werden. In der Zeit vom 31. März 1938 bis 31. März 1939 explodierte die Ausgabe dieser kurzfristigen Schatzanweisungen. So wurden in nur einem Jahr 4,2 Milliarden RM davon ausgegeben. Reichsbankdirektorium und Reichsfinanzministerium handelten Ende 1938 einen Tilgungsplan für die im Jahre 1939 fälligen Mefo-Wechsel aus. Dieser sah vor, dass 1939 bereits 3,2 Mrd. RM an Wechseln zurückgezahlt werden sollten. Des Weiteren sollten jedes Jahr eine Milliarde RM (inkl. Zinsen) aus dem Reichshaushalt beglichen werden. Die 11,9 Milliarden RM an Mefo-Wechsel sollten somit nach 17 Jahren getilgt sein. Schacht selbst war es, der die Ausgabe neuer Mefo-Wechsel untersagte und sich somit bei Hitler unbeliebt machte. Aus Protest trat er und auch andere Mitglieder des Reichsbankdirektoriums am 20. Januar 1939 von seinem Posten als Reichsbankpräsident zurück. Ausgegebene Mefo-Wechsel seit 1934 (nach Schacht): 1934 2,14 Milliarden RM 1935 2,72 Milliarden RM 1936 4,45 Milliarden RM 1937 2,69 Milliarden RM (bis 31. März 1938) 90 % der Mefo-Wechsel waren im Besitz der Geschäftsbanken. Nur 10 % waren noch in der gewerblichen Wirtschaft. Im einzelnen waren noch im Umlauf: 1938 11,9 Milliarden RM 1939 11,4 Milliarden RM 1940 10,8 Milliarden RM 1941 10,1 Milliarden RM 1942 9,5 Milliarden RM 1943 8,8 Milliarden RM 1944 8,1 Milliarden RM Der Hauptgrund, warum die Banken sehr am Besitz der Mefo-Wechsel interessiert waren, liegt an den gesetzlichen Bestimmungen des bilanziellen Ausweises der Sonderwechsel. Sie durften unter dem Bilanzposten „Handelswechsel“ gebucht werden. Somit konnten die Mefo-Wechsel auch vor ausländischen Aktionären „versteckt“ werden. Ein weiterer Vorteil der Mefo-Wechsel war, dass sie weder im Reichshaushalt noch in den Büchern der Reichsschuldenverwaltung verzeichnet wurden. Die Geheimhaltung blieb somit gewahrt. Mit dem Ausgabestopp für Mefo-Wechsel begann die Ausgabe der so genannten Sola-Wechsel der Golddiskontbank ab 1937 bis 1945. Sie hatten praktisch die gleiche Funktion und Ausstattung wie die Mefo-Wechsel. Goldlager Das Finanzministerium errichtete 1936 das an Fort Knox angrenzende Bullion Depository als Lager für einen Teil seiner Goldreserven. Es ist ein schwer gesichertes zweistöckiges Gebäude. Für den Bau wurden 465 Kubikmeter Granit, 3.200 Kubikmeter Beton, 750 Tonnen Betonstahl und 670 Tonnen Baustahl verbraucht. Die Baukosten betrugen 560.000 US-Dollar, was nach heutigem Wert etwa 7,5 Mio US-Dollar entspricht. Nach und nach wurde ein Großteil der US-Goldreserven dorthin verfrachtet, wozu Transporte in rund 500 Eisenbahnwagen nötig waren.Das Lager war notwendig geworden, als ein sicherer Unterbringungsort für die in den 1930er Jahren verstaatlichten privaten Goldbestände benötigt wurde. Durch die Presidential Executive Order 6102 von 1933 wurde der private Besitz von Goldmünzen und Goldbarren verboten. Das Gold musste gegen Entschädigung in US-Dollar an das Finanzministerium abgeführt werden. Mit der Aufkündigung des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1973 endete diese Regelung. Heute sind 147,3 Millionen Feinunzen (ca. 4.580 t) Gold eingelagert, mit einem aktuellen Wert von ca. 210 Milliarden US-Dollar (ca. 150 Milliarden Euro) (Stand: 02. März 2011). Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Fort Knox auch Goldvorräte einiger europäischer Länder sowie eine Abschrift der Magna Carta aufbewahrt. Es wurde lange Zeit vermutet, dass auch die britischen Kronjuwelen während des Krieges verwahrt wurden, was sich jedoch als Gerücht herausgestellt hat. Es gilt als nachgewiesen, dass die ungarischen Kronjuwelen 30 Jahre lang hier in einer einfachen Holzkiste aufbewahrt wurden. Ein ungarischer Soldat übergab sie nach Kriegsende an amerikanische Soldaten, da befürchtet wurde, die Sowjetunion könnte sie beschlagnahmen. Ebenfalls wurde die amerikanische Verfassung von 1941 bis 1944 in Fort Knox aufbewahrt. Im Gegensatz zu den weltweit größten Goldreserven, die in der Federal Reserve Bank of New York eingelagert sind und zu einem Großteil aus Gold bestehen, das im Eigentum verschiedener ausländischer Staatsbanken (u.a. der Deutschen Bundesbank) und internationaler Organisationen (v.a. des IWF) ist, lagert in Fort Knox ausschließlich Gold, das sich im Eigentum der USA befindet. Größte regionale Federal Reserve Bank Seit der Gründung des Federal Reserve Systems wird die durch das Board of Governors des Federal Reserve System in Washington beschlossene US-Geldpolitik durch die Federal Reserve Bank of New York in Manhattans Finanz Distrikt umgesetzt. Die New York Federal Reserve ist die bedeutendste und nach ihrem Vermögen die größte der zwölf regionalen FED-Banken. In New York, der Finanzmetropole der USA, ist die New York Fed für die Durchführung der Offenmarktgeschäfte verantwortlich, den Kauf und Verkauf der vom Bureau of the Public Debt emittierten U.S. Treasury Securities. Im Jahr 2003 hat Fedwire, das von der Fed zur Durchführung von Geldzahlungen zwischen der Fed und Geschäftsbanken betriebene Interbank-Überweisungssystem, 1,8 Billionen US-Dollar pro Tag bewegt, von denen 1,1 Billionen US-Dollar ihren Ursprung im eigenen Bezirk, dem 2. Financial-District hatten. Zusätzlich wurden täglich Wertpapiertransaktionen im Wert von 1,3 Billionen USD durchgeführt, von denen 1,2 Billionen US-Dollar aus dem eigenen Financial -District stammten. Die New York FED ist auch für die Durchführung der vorgegebenen Wechselkurspolitik verantwortlich. In Devisengeschäften kauft und verkauft sie Dollars für das United States Treasury Department. Der Präsident der New York Fed ist als einziger der Präsidenten der zwölf Regional-Feds mit einem ständigen Sitz im Federal Open Market Committee vertreten und fungiert dort traditionell als der Vize-Präsident des Komitees. Der derzeitige Präsident der New York Fed ist William C. Dudley. Die New York Fed nahm am 16. November 1914 unter der Leitung von Benjamin Strong Jr., der vorher Präsident der Bankers Trust Company war, ihren Geschäftsbetrieb auf. Er leitete die Bank bis zu seinem Tod im Jahr 1928. Da die Bank in den Anfangsjahren schnell wuchs, war bald ein neues größeres Gebäude notwendig. Bankgebäude 33 Liberty Street Der berühmte Tresor der Federal Reserve Bank of New York liegt 26 Meter unter dem Meeresspiegel auf den Felsen Manhattans. Im Jahr 1927 enthielt der Tresor 10 Prozent der weltweiten, offiziellen Goldreserven. Heute befindet sich hier nach eigenen Angaben die größte Gold-Lagerstätte der Welt. Dort lagert mit etwa 5.000 Tonnen Barrengold mehr Gold als im Golddepot in Fort Knox, im Oktober 2010 waren diese Reserven etwa 172 Mrd. Euro wert. Anders als in Fort Knox gehört das in New York gelagerte Gold größtenteils ausländischen Staaten, Zentralbanken und Internationalen Organisationen. Insgesamt 60 verschiedene Staaten haben Teile ihrer Goldreserven hier eingelagert, wobei den USA selbst nach eigenen Angaben nur etwa 6% gehören. Als Zeichen des guten Willens gegenüber anderen Staaten bewacht und verwaltet die Federal Reserve Bank das Edelmetall unentgeltlich. Es werden darüber hinaus kostenlose öffentliche Führungen angeboten Bankers Trust Die Bankers Trust Company wurde im Jahr 1903 in New York als Vermögensverwaltungsgesellschaft (Trust Company) unter der Führung von J.P. Morgan von mehreren Banken, die diese Tätigkeit aufgrund gesetzlicher Restriktionen selbst nicht wahrnehmen konnten, gegründet. Im Zuge einer wechselvollen Geschichte war die Gesellschaft bis Mitte der 1990er Jahre zur achtgrößten Bank der USA angewachsen und hatte ihren Schwerpunkt im Investmentbanking, als sie 1998 durch die Deutsche Bank übernommen und in die Deutsche Bank Gruppe integriert wurde. Die Gesellschaft selbst wurde als Spezialinstitut für die Vermögensverwaltung (Private Banking) unter dem Namen Deutsche Bank Trust Company Americas fortgeführt. In Australien wurden die Investment-Aktivitäten von Bankers Trust ausgegliedert (Management Buyout) und drei Jahre später an die australische Westpac verkauft. Seitdem ist dieser Bereich als Investmentsparte der australischen Bank unter dem Namen BT Financial Group im Markt tätig. Geschichte Die Gesellschaft wurde am 24. März 1903 eingetragen. Das Anfangskapital betrug 1,5 Mio. Dollar. Führender Gesellschafter war J.P. Morgan. Erster Präsident war der ehemalige Stahlmanager Edmund C. Converse, der zugleich Präsident der Liberty National Bank war. Die Bank eröffnete ihr Geschäft am 30. März in der Liberty Street mit acht Mitarbeitern, zog aber aufgrund eines sehr erfolgreichen Geschäftsstartes schon nach vier Monaten an die Wall Street. Neben der Vermögensverwaltung hatte die Gesellschaft schnell auch erfolg mit der Ausgabe von Travellerschecks für die American Bankers Association ab 1907. Ein Wachstumsschub ergab sich aus der Übernahme von Mercantile Trust Company (1911) und Manhattan Trust Company (1912). Nach diesen Akquisitionen erreichte das verwaltete Vermögen 150 Mio. Dollar und das Eigenkapital 20. Mio. Dollar. Die Gesellschaft zog in das neu errichtete Bankers Trust Building, belegte dort aber nur drei Etagen. Durch die Gründung des Federal Reserve Systems wurden ab 1914 auch die Geschäftsbanken zur Vermögensverwaltung zugelassen. Aufgrund des Verlustes ihres Wettbewerbsvorteils wurde die Tätigkeit von Bankers Trust ihrerseits auch auf das Geschäftsfeld des Bankgeschäfts ausgedehnt. Wegen der schwachen Position im Privatkundengeschäft strebte man in den 1920er Jahren erfolgreich danach, den Bereich des Investmentbanking auszubauen. Schwerpunkte waren die Emission und der Handel von Anleihen und Aktien. Mit Büros in Paris (1920) und London (1922) wurde auch eine internationale Position aufgebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg kam es durch mehrere Akquisitionen zu weiteren Geschäftsausweitungen, die auch das Privatkundengeschäft umfassten. Im Jahr 1959 scheiterte der Versuch, Manufacturers Trust Company zu übernehmen, an der Genehmigung der Aufsichtsbehörden. Zur Ausweitung des Geschäfts erwarb man dann in den 1960er Jahren mehrere kleinere Geschäftsbanken sowie Spezialinstitute für Factoring, Leasing und das Hypothekengeschäft. Durch die Rezession infolge der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre war die Bank insbesondere im Immobilienbereich erheblich betroffen. Ende der 1970er Jahre galt sie als die ertragsschwächste unter den amerikanischen Großbanken. Dies änderte sich, als man sich entschied, den Schwerpunkt wieder stärker auf das Investmentbanking zu legen.Träger der neuen Strategie war Charles S. Sanford, seit Mitte der 1980er Jahre der neue CEO der Gesellschaft. Dieser hatte bereits 1975 Aufmerksamkeit erregt, als er der Stadt New York wegen Überschuldung keine neuen Kredite ohne Sanierung der Finanzen mehr geben wollte. Mit der neuen Ausrichtung wurde das Retail Banking verkauft. Stattdessen verstärkte man das Transaction Banking, das zu einer der Grundlagen des Turnaround wurde. Vor allem entwickelte man unter Sanford ein System zur Bewertung von Risiken und der davon abhängigen Renditeanforderungen an Anlagen mit höheren Risken (RAROC – risk-adjusted return on capital). Die Methode der risikogewichteten Eigenkapitalunterlegung von Anlagen ist in der Folge in der ganzen Branche übernommen worden. So hat auch die Deutsche Bank in den Jahren 1995/96 ihr Risikomanagement auf RAROC umgestellt. Mit dieser Steuerung ihrer Anlagen war es Bankers Trust möglich, schon früh in das innovative Derivate-Geschäft einzusteigen. Das Kreditbuch sank hingegen deutlich ab. Anfang der 1990er Jahre galt Bankers Trust wieder als erfolgreiche und ertragsstarke Investmentbank. Neben den Derivaten war sie auch bekannt für die Auflegung von Junk Bonds und Emissionen im Neuen Markt. Übernahme durch die Deutsche Bank Die neue Leistungsfähigkeit von Bankers Trust war bereits 1994 von Hilmar Kopper gewürdigt worden. Im Bestreben die mit Morgan Grenfell in London erreichte Position im Investmentbanking auszubauen war man auf der Suche nach einem geeigneten Partner in den USA, wo die Deutsche Bank im Wettbewerb gegen die großen amerikanischen Institute zu schwach war. Bei Bankers Trust war Sanford 1996 planmäßig ausgeschieden und durch Frank Newman ersetzt worden. Die zweite Hälfte der 1990er Jahre waren für die Bank von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. 1994 erhielt man einen Award als Bank of the Year im Bereich Derivate. Im gleichen Jahr war man mit mehreren bedeutenden Kunden in Streit geraten. Die Prozesse mit Gibson Greetings und Procter & Gamble konnten nur mit teuren Vergleichen aus der Welt geschafft werden. 1995 gab es erhebliche Probleme mit Krediten in Lateinamerika. Newman setzte dennoch abweichend von Sanford Strategie auf eine Ausweitung des Kreditportfolios in Emerging Markets und die Bank wurde in der Folge von den Finanzkrisen in Russland und Asien erheblich getroffen. Trotz der erfolgreichen Übernahme der bekannten Merchantbank Alex. Brown kam es 1998 zu mehreren Übernahmeangeboten. Gegenüber amerikanischen Wettbewerben war die Deutsche Bank als Übernehmer wegen der verhältnismäßig geringen Überschneidungen für das Management von Bankers Trust attraktiv. Bei Übernahme hatte Bankers Trust rund 20.000 Mitarbeiter, davon 12.000 in den USA. Die Deutsche Bank brachte es zu diesem Zeitpunkt auf ca. 4.000 Mitarbeiter in den USA (gesamt: über 70.000). Größere Überschneidungen gab es außerdem in London und Australien. Nach einer Due Diligence-Phase im November 1998 wurde die beabsichtigte Übernahme am 24. November 1998 veröffentlicht. Das Angebot lautete auf 93 Dollar pro share (Aktie). Die Aktie von Bankers Trust hatte im Vorjahr einen Höchststand von 133 Dollar und war infolge der Asienkrise auf unter 70 Dollar eingebrochen. Im November war schon auf eine Übernahme spekuliert worden und der Kurs lag am Vortag der Veröffentlichung bei 77,50 Dollar. Am Tag der Ankündigung sprang er auf 84,50 Dollar. Der deutliche Abstand zum Übernahmekurs war ein Zeichen, dass noch mit erheblichen Problemen bei der Genehmigung gerechnet wurde. Der Kurs der Deutschen Bank sank zugleich um 5 %, ein Zeichen für die Skepsis, mit der die Fusion und der Kaufpreis aufgenommen wurden. Für die Deutsche Bank bedeutete die Übernahme eine erhebliche Verschiebung ihres Schwerpunktes. Die Öffentlichkeit befürchtete eine ähnlich schwierige und langwierige Integrationsphase, wie es sie bei der Übernahme von Morgan Grenfell (1989) schon einmal gegeben hatte. Vor allem wurde auf die kulturellen Unterschiede hingewiesen. Das Urteil von Rolf-E. Breuer, dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, fiel ganz anders aus: „Wir sind auf dem Weg zu einem globalen Finanzdienstleister durch diese Akquisition ein gutes Stück vorangekommen. Noch nie hat sich die Deutsche Bank – oder irgendeine nicht-amerikanische Bank – in den Vereinigten Staaten in einer vergleichbaren Lage befunden. Zum ersten Mal vereinigen sich die Kraft und das Netzwerk einer europäischen Universalbank mit den besonderen Fähigkeiten und Erfahrungen eines großen, breit aufgestellten Instituts in den USA. Es gibt für diese Transaktion keinen Präzedenzfall. Wir müssen einen neuen Maßstab setzen.“ Die Genehmigung durch die Aufsichtsgremien beider Banken erfolgte am 30. November 1998. Nach Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden und Zustimmung der Hauptversammlungen konnte die Deutsche Bank am 4. Juni 1999 (Closing Day) diese Transaktion im Gesamtwert von 9,8 Mrd. Dollar (15 Mrd. DM) planmäßig abschließen. In der Zeit bis zum Closing Day war die Integration bereits vorbereitet worden. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung des obersten Integrationsteams. Geleitet wurde es von Josef Ackermann, der erst seit 1996 zur Deutschen Bank gekommen war. Während die amerikanische Seite durch Frank Newman und zwei weitere Manager von Bankers Trust vertreten wurde, standen auf Seite der Deutschen Bank mit Edson Mitchell und Michael Philipps zwei Londoner Investmenbanker, die ebenfalls erst seit kurzem für die Bank tätig waren. Dies wohl vor allem, weil mit den Maßnahmen zur Hebung von Synergien ein Personalabbau von mehr als 4.000 Personen verbunden war, der ganz überwiegend die Standorte London und New York betraf. Bereits Ende 1999 waren die wesentlichen Schritte zur Eingliederung von Bankers Trust vollzogen. Gesellschaftsrechtlich besteht Bankers Trust weiter in der Deutsche Bank Trust Company Americas und ist Ende 2008 mit ca. 1500 Mitarbeitern in der Vermögensverwaltung (Private Banking) tätig. Sie hatte eine Bilanzsumme von 50 Mrd. Dollar und die Summe des verwalteten Vermögens belief sich auf 150 Mrd. Dollar. Die Knickerbocker Trust Company war eine Bank in den Vereinigten Staaten, die von 1884 bis 1912 existierte. Sie wurde von Frederick G. Eldridge, einem Freund und Mitschüler von John Pierpont Morgan gegründet. Die Knickerbocker Trust Company gehörte zur ihrer Zeit zu den Banken mit dem höchsten Einlagen und war maßgeblich für den Ausbruch der Panik von 1907 verantwortlich. Krise 1907 und weitere Geschichte Am 10. Oktober 1907 traf sich Charles T. Barney, der Direktor des Unternehmens, mit Charles W. Morse, Fritz Augustus Heinze und Otto Heinze im Haus von Barney in der Fifth Avenue. Morse plante, zusammen mit den Heinzes die Aktien der United Copper Company zu übernehmen und erklärte, dass er dafür 1,5-3 Millionen Dollar für erforderlich halte. Die Knickerbocker Trust Company bewilligte ihm den Kredit dafür. Diese Übernahme scheiterte und Barney wurde nahegelegt, als Direktor zurückzutreten. Am 21. Oktober 1907 verkündete die National Bank of Commerce sie würde Wechsel der Knickerbocker Trust Company nicht mehr annehmen, was die Anleger der Knickerbocker Trust Company dazu motivierte ihre Einlagen abheben zu wollen. Barney suchte John Pierpont Morgan auf, doch dieser weigerte sich ihn zu empfangen. Barney erschoss sich am 14. November 1907. Das Banksystem erfuhr einen Vertrauensverlust und der Dow Jones Industrial Average sank von Januar bis November 1907 um 48 Prozent. Um Vertrauen zu schaffen, schuf das US-Parlament 1913 per Gesetz das Federal Reserve System. Einige Wochen nach der erzwungenen Schließung zahlte die Knickerbocker Trust Company alle Anleger einschließlich Zinsen aus. 1912 wurden ihre Verbindlichkeiten durch die Columbia Trust Company erworben und die Columbia-Knickerbocker Trust Company gebildet. Dieses Unternehmen wurde 1923 durch die Irving Trust Corporation übernommen, die 1989 von der Bank of New York übernommen wurde. Die Panik von 1907 (engl.: Panic of 1907, auch als 1907 Bankers' Panic bekannt) war eine Finanzkrise in den USA im Jahr 1907. Die Kurse an der New York Stock Exchange fielen dabei um fast die Hälfte von ihrem Höchststand 1906. Dies löste eine Panik aus, da sich das Land ohnehin in einer Rezession befand, und führte zu zahlreichen Bank Runs. Die Krise breitete sich schnell über das ganze Land aus und hatte den Bankrott zahlreicher kleinerer Banken und Unternehmen zur Folge. Verursacht wurden die Bank Runs durch die geringe Liquidität einer ganzen Reihe von New Yorker Banken und den Vertrauensverlust auf Seiten der Sparer. Einige Anhänger der Österreichischen Schule vertreten auch die Ansicht, die Krise sei auf die vom Finanzministerium in den beiden vorigen Jahren ausgelöste Inflation zurückzuführen. Die Finanzkrise wurde im Oktober 1907 durch den gescheiterten Versuch ausgelöst, die Aktien der United Copper Company zu cornern. Die Banken, die diesen Versuch durch die Vergabe von Krediten finanziert hatten, sahen sich nun einem Ansturm von Sparern entgegen, die ihre Einlagen massenweise abzogen. Der Ansturm weitete sich auf nahestehende Banken aus und führte eine Woche später zum Zusammenbruch der Knickerbocker Trust Company, der drittgrößten Treuhandgesellschaft New Yorks. Deren Zahlungsunfähigkeit wiederum alarmierte Regionalbanken, die nun ihre Reserven aus New Yorker Banken abzogen, und zahlreiche Menschen im ganzen Land begannen bei ihren jeweiligen Regionalbanken ihre Guthaben abzuheben. Zu dieser Zeit gab es in den Vereinigten Staaten noch keine Zentralbank, die dem Markt weitere Liquidität hätte zuführen können, sodass die Panik ohne das Eingreifen des Bankiers J. P. Morgan möglicherweise noch wesentlich größere Ausmaße angenommen hätte. Um den Markt zu stützen, brachte Morgan große Summen seines eigenen Vermögens ein und überzeugte andere New Yorker Bankiers, es ihm gleichzutun. Die scheinbar bereits abgewendete Krise verschärfte sich Anfang November noch einmal, als ein großes New Yorker Brokerhaus massiv Kredite aufnehmen musste. Als Sicherheiten nutzte es Aktien der Tennessee Coal, Iron and Railroad Company (TC&I) und brachte damit den Börsenkurs des Unternehmens unter Druck. Morgan überzeugte den für seinen Kampf gegen Trusts bekannten US-Präsidenten Theodore Roosevelt vom Ernst der Lage und bekam die Genehmigung, die TC&I mit seiner US Steel Corporation in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu übernehmen. Im US-Senat setzte der Finanzexperte Nelson W. Aldrich eine Kommission namens „National Monetary Commission“ ein, um die Entstehung der Krise zu untersuchen und Verbesserungsvorschläge für das Finanzsystem zu machen. Dies führte schließlich zur Gründung der privatwirtschaftlichen US-Notenbank Fed im Jahr 1913. Der Begriff Cornering eines Marktes bezeichnet das Aufkaufen einer Ware oder eines Wertpapiers um den Preis bestimmen zu können. Unter Umständen kann dies eine Form der Marktmanipulation darstellen und wäre dann in Deutschland gemäß § 20 a (1) Ziffer 2 WpHG verboten. Diese verbietet "Geschäfte vorzunehmen oder Kauf- oder Verkaufsaufträge zu erteilen, die geeignet sind, falsche oder irreführende Signale für das Angebot, die Nachfrage oder den Börsen- oder Marktpreis von Finanzinstrumenten zu geben oder ein künstliches Preisniveau herbeizuführen". Voraussetzung für den möglichen Erfolg des "cornerns" ist ein relativ enger Markt, erhebliche Finanzmittel und eine Warengruppe mit geringen Möglichkeiten der Substitution durch andere Produkte. In der Geschichte sind eine Reihe von Versuchen des "cornerns" überliefert, von denen die meisten scheiterten. Der wohl bekannteste Versuch einen Markt zu cornern war die Silberspekulation der Gebrüder Hunt. Seit Mitte der 1970er Jahre kauften die Hunts und ihre Partner circa 150 Millionen Unzen (ca. 5000 Tonnen) physisches Silber sowie ca. 200 Millionen Unzen Silber an der Warenterminbörse COMEX in New York. Der Silberpreis wurde hierdurch von 2 auf 50 Dollar je Unze getrieben, bis die Spekulation 1980 zusammenbrach. Der Preis normalisierte sich kurzfristig und die Gebrüder Hunt gingen Bankrott. Bankenkrise Die deutsche Bankenkrise kennzeichnete den Beginn des zweiten Teils der Wirtschaftskrise, den Beginn der „Hyperdeflation“. Sie hatte zwei Ursachen. Durch gegenseitige Konkurrenz, durch feindliche Übernahmen kleinerer Banken und auf Grund spekulativer Wertpapier- und Warengeschäfte hatten die großen Banken 1925 wieder das Geschäftsvolumen von 1914 erlangt. Sie waren zwar auf Expansion ausgerichtet, aber durch niedere Eigenkapitalquoten und geringe liquide Mittel schlecht dafür gerüstet. Hätten sie ihr Eigenkapital aufgestockt (durch geringere Dividendenzahlungen und/oder das Herausgeben weiterer Aktien), wäre die Differenz beider Größen zu der Summe der herausgereichten Kredite nicht so groß gewesen. Hinzu kam die Instabilität des internationalen Kreditmarktes. Als wichtigstes Kennzeichen hierfür muss man den einseitigen Geld- und Kapitalstrom nennen. Von 1925 bis 1929 sind ausländische Kredite von insgesamt 21 Milliarden (RM) nach Deutschland geflossen, denen in gleichem Zeitraum nur 7,7 Milliarden RM deutsche Anlagen im Ausland gegenüberstanden. Ein Großteil der aufgenommenen Kredite war obendrein kurzfristiger Natur, das heißt, sie mussten binnen drei Monaten zurückgezahlt werden. Bis 1929 wurden sie aber regelmäßig verlängert; die Banken liehen diese kurzfristigen Gelder mitunter mit langen Laufzeiten aus. Somit war die Situation der Banken bereits vor der Weltwirtschaftskrise kritisch: Sollten die ausländischen Gläubiger ihr Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Banken verlieren und die kurzfristigen Kredite einmal nicht verlängern, drohte sofort ein empfindlicher Devisenmangel bis hin zur Illiquidität. Im Ausland führte die Krise ebenfalls zur Verknappung der Liquidität der Banken. Im November 1930 gerieten die Banken in den USA und in Frankreich, wo sich die Wirtschaftskrise ansonsten noch gar nicht bemerkbar gemacht hatte, in eine Krise und zogen große Summen kurzfristiger Gelder aus Deutschland ab. Hier erfasste die Krise zunächst hauptsächlich kleinere Banken, so dass das Ausmaß zunächst nicht so transparent war. Im Frühjahr 1931 geriet nun die Österreichische Creditanstalt in Schwierigkeiten, die sich bei der Übernahme der Bodenkreditanstalt übernommen hatte. Zeitgenossen vermuteten, dahinter stünde die französische Regierung, die so den Plan einer deutsch-österreichischen Zollunion hätte torpedieren wollen. Obwohl solche Manipulationen tatsächlich in der französischen Regierung diskutiert wurden, konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie verantwortlich war für den Krach der Creditanstalt (sie erklärte am 11. Mai 1931 ihre Zahlungsunfähigkeit; Das bedeutete nicht nur für Österreich, sondern für ganz Mitteleuropa den Beginn einer Finanzkrise. Man befürchtete nun, dass diese Entwicklung auf Deutschland übergreifen würde. In dieser gefährlichen Lage erklärte Reichskanzler Brüning selbst im Juni 1931 aus innenpolitischen Gründen – er hoffte nämlich auf die Unterstützung der Rechten und der Nationalsozialisten im Reichstag für ein neues Paket von Sparmaßnahmen – die Reparationen öffentlich für „unerträglich“. Das schien auf eine bevorstehende Zahlungsunfähigkeit des Reiches zu deuten und untergrub das Vertrauen der ausländischen Kreditgeber nachhaltig. Devisen im Wert von mehreren Milliarden RM wurden abgezogen, und nachdem im Juli 1931 eine der Berliner Großbanken illiquide geworden war, kam auch noch ein massenhafter Ansturm der Bevölkerung auf die Banken hinzu. Diese mussten am 13. Juli 1931 ihre Zahlungen einstellen. Die Kreditorenbeträge sanken im Juni/Juli um 21,4 %. Um die Bankenkrise zu überwinden, wurden die Banken für mehrere Tage geschlossen und der Kontrolle der Regierung unterstellt. Auch die Börse blieb monatelang geschlossen – Kredite und Neuinvestitionen waren so monatelang unmöglich. Zudem war einen Monat zuvor das Hoover-Moratorium, das zur Wiederherstellung des Vertrauens alle politischen Schulden für ein Jahr stornierte, psychologisch verpufft, weil französische Vorbehalte wochenlange, schwierigste Verhandlungen nötig gemacht hatten. Da Reichsbankpräsident Hans Luther den Abfluss von Devisen ins Ausland mit allen Mitteln stoppen wollte, erhöhte er den Diskontsatz auf 15 % und bewirkte dadurch eine extreme inländische Kreditverteuerung und -verknappung. Der Banknotenumlauf betrug 1929 noch 5 Milliarden RM; Luthers Maßnahmen trugen dazu bei, dass er sich um 30 % auf 3,5 Milliarden RM im Jahre 1932 verringerte. Der Internationale Währungsfonds (IWF; engl. International Monetary Fund, IMF; auch bekannt als Weltwährungsfonds) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er ist eine Schwesterorganisation der Weltbank-Gruppe und hat seinen Sitz in Washington, D.C., USA. Zu seinen Aufgaben gehören: Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik, Ausweitung des Welthandels, Stabilisierung von Wechselkursen, Kreditvergabe, Überwachung der Geldpolitik, Technische Hilfe. Der IWF wurde am 22. Juli 1944 durch eine internationale Übereinkunft gegründet und nahm im Mai 1946 erste Arbeiten auf. Seine eigentliche operative Tätigkeit begann ab dem 1. März 1947. Sie erfolgte aufgrund der Beschlüsse der Konferenz in Bretton Woods, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New Hampshire. Diese für den Wiederaufbau des Weltwirtschaftssystems entscheidenden Verhandlungen dauerten vom 1. Juli 1944 bis zum 22. Juli 1944. Der IWF wird daher zusammen mit der Weltbank-Gruppe als Bretton-Woods-Institution bezeichnet. Der IWF hat zurzeit 187 Mitgliedstaaten, deren Stimmrecht sich an ihrem Kapitalanteil orientiert. Die Bundesrepublik Deutschland trat 1952 dem IWF bei. Die Mitgliedstaaten mit den größten Stimmanteilen sind: USA 16,74 %, Japan 6,01 %, Deutschland 5,87 %, Frankreich 4,85 %, Vereinigtes Königreich 4,85 % und China 3,65 %. Da die Beschlüsse im IWF mit einer Mehrheit von 85 % getroffen werden müssen, verfügen jeweils die USA und die gemeinsamen EU-Staaten de facto über eine Sperrminorität. Anteile und Stimmrechte der Mitgliedstaaten Anteile und Stimmrechte der Mitgliedstaaten sowie Gouverneursrat: IWF-Mitgliedstaat Kapitalanteil: SZRs in Millionen Kapitalanteil: in Prozent geschäftsf. Direktor stv. geschäftsf. Direktor Stimmen: Anzahl Stimmen: in Prozent Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 37149,3 15,82 Timothy F. Geithner Ben Bernanke 371743 16,74 Japan Japan 13312,8 6,12 Yoshihiko Noda Masaaki Shirakawa 133378 6,01

Deutschland: Hyperinflation

13008,2 5,98 Axel A. Weber Wolfgang Schäuble 130332 5,87 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 10738,5 4,94 George Osborne Mervyn King 107635 4,85

Frankreich: John Law

10738,5 4,94 Christine Lagarde Christian Noyer 107635 4,85 China Volksrepublik China 8090,1 4,42 Zhou Xiaochuan Yi Gang 81151 3,65 Italien Italien 7055,5 3,24 Giulio Tremonti Mario Draghi 70805 3,19 Saudi-Arabien Saudi-Arabien 6985,5 3,21 Ibrahim A. Al-Assaf Hamad Al-Sayari 70105 3,16 Kanada Kanada 6369,2 2,93 Jim Flaherty Mark Carney 63942 2,88 Russland Russland 5945,4 2,73 Aleksei Kudrin Sergey Ignatyev 59704 2,69 Niederlande Niederlande 5162,4 2,37 Nout Wellink L.B.J. van Geest 51874 2,34 Belgien Belgien 4605,2 2,12 Guy Quaden Jean-Pierre Arnoldi 46302 2,08 Indien Indien 4158,2 2,91 Pranab Mukherjee Duvvuri Subbarao 41832 1,88 Schweiz Schweiz 3458,5 1,59 Jean-Pierre Roth Eveline Widmer-Schlumpf 34835 1,57 Australien Australien 3236,4 1,49 Wayne Swan Ken Henry 32614 1,47 Mexiko Mexiko 3152,8 1,45 Agustín Carstens Guillermo Ortiz 31778 1,43 Spanien Spanien 3048,9 1,40 Elena Salgado Miguel Fernández Ordóñez 30739 1,38 Brasilien Brasilien 3036,1 1,40 Guido Mantega Henrique Meirelles 30611 1,38 Korea Sud Südkorea 2927,3 1,35 Okyu Kwon Seong Tae Lee 29523 1,33 Venezuela Venezuela 2659,1 1,22 Gastón Parra Luzardo Rodrigo Cabeza Morales 26841 1,21 übrige 166 Staaten 62593,8 28,79

667438 30,05 Aufgaben und Ziele Wenn ein Mitglied in Zahlungsschwierigkeiten gerät, kann es beim IWF Hilfe beanspruchen (lender of last resort). Die Rechnungslegungseinheit des IWF ist das Sonderziehungsrecht (SZR). Der IWF vergibt unter bestimmten Auflagen befristete Kredite an Staaten, die unter wirtschaftlichen Problemen leiden, z. B. Argentinien, Irland (2010) , Brasilien, Rumänien (2008) oder Griechenland (2010). Bedingungen für die Gewährung von Krediten sind zum Beispiel: Kürzung der Staatsausgaben, niedrige Inflation, Steigerung des Exports sowie Liberalisierung des Bankenwesens. Die den Staaten auferlegten Bedingungen in Form von Strukturanpassungsprogrammen (SAP) können zum Beispiel Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen wie Sparkassen, Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Telekommunikation usw. sowie Entlassung von bestimmten Gruppen von Mitarbeitern vorsehen. Darüber hinaus unterstützt der IWF Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Südamerika bei der Erarbeitung von Wachstums- und Wohlstandkonzepten und fördert diese durch direkte Geldhilfen der gebenden Mitgliedstaaten. Ebenso wie die Kreditvergabe ist auch die Entwicklungszusammenarbeit oft an Bedingungen der Good Governance (Korruptionsabbau, Demokratie, …) und der Liberalisierung gekoppelt. Ziele Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik Ausweitung des Welthandels Stabilisierung internationaler Finanzmärkte Vergabe kurzfristiger Kredite zum Ausgleich von Zahlungsdefiziten Überwachung der Geldpolitik Sicherung des laufenden internationalen Zahlungsverkehrs vor staatlichen Beschränkungen des freien Devisenverkehrs Technische Hilfe Beteiligung an Maßnahmen des Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetzes Mittel zur Zielerreichung Jeder Mitgliedstaat bekommt eine so genannte Quote zugewiesen. Nach dieser Quote richten sich: die Einzahlungsverpflichtungen (in Gold, Devisen und Landeswährung) die Ziehungsrechte (Inanspruchnahme eines Kredites) das Stimmrecht eines Landes im IWF Umfang der Kreditvergabe Wenn ein Land in Zahlungsschwierigkeiten kommt, kann es finanzielle Hilfe vom IWF beanspruchen (Inanspruchnahme eines Kredites). Es kann auf Antrag beim IWF die Währung eines anderen Landes gegen Gold oder Landeswährung kaufen. Dies bezeichnet man als Ziehung. Die Inanspruchnahme eines Kredites ist an bestimmte Bedingungen gekoppelt, die das jeweilige Land zu erfüllen hat. Diese werden als Strukturanpassungsprogramme (SAP) bezeichnet. Ein SAP könnte z. B. so aussehen: Kürzung von Staatsausgaben Ziel einer niedrigen Inflation und einer Steigerung des Exports Liberalisierung des Bankenwesens Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen (Sparkassen, Elektrizitätswerken, Wasserwerken, Telekommunikation) Es gibt seit 1969 sogenannte Sonderziehungsrechte (SZR). Ein Mitgliedsstaat hat das Recht, sich unter Einschaltung des IWF Devisen zu kaufen. Für die Devisen darf der Mitgliedstaat mit SZR zahlen. Bei den SZR handelt es sich um eine Art Weltgeld im Zahlungsverkehr der Zentralbanken. SZR werden in bestimmter Höhe zugeteilt. Für die SZR müssen Zinsen an den Fonds bezahlt werden. SZR erweitern die internationale Liquidität beträchtlich. Bei jeder Erhöhung der SZR wird geprüft, ob weltweit ein inflationsneutraler Bedarf besteht. Beispiel: Wenn z. B. die Türkei (Schwellenland) sich an den IWF wendet, weil sie zum Ausgleich der passiven Leistungsbilanz Devisen benötigt, dann bestimmt der IWF ein Land – beispielsweise die USA – mit hohen Devisenreserven. Die USA verkauft daraufhin der Türkei Devisen gegen SZR. Konditionalität Ursprünglich war der IWF so ausgelegt, dass die Mitgliedstaaten bei Vorhandensein entsprechender Voraussetzungen (z. B. Zahlungsbilanzprobleme) automatisch das Recht hatten, IWF-Kredite zu erhalten. Nach dem Koreakrieg kollabierten die Preise für Rohstoffe jedoch, was Zahlungsbilanzkrisen in einzelnen Mitgliedstaaten auslöste. Zu dieser Zeit wurde die Konditionalität eingeführt, d. h. die entsprechenden Staaten hatten nicht mehr das Recht auf IWF-Kredite, vielmehr wurden die Kredite abhängig gemacht von der Erfüllung bestimmter Bedingungen, damals z. B. die Elimination von Devisenkontrollen und die Liberalisierung von Handelsbeschränkungen. Auch die Unterteilung des Kreditbezugs in einzelne Phasen wurde erstmals eingeführt, mit Krediten an Chile im Jahre 1956 und an Haiti im Jahre 1958. Jede einzelne Phase wurde von der Erfüllung von Bedingungen abhängig gemacht, die während der vorherigen Phase erfüllt werden mussten. Solche Bedingungen wurden in der jeweiligen Absichtserklärung („letter of intent“), die praktisch Vertragsnatur hatten, vorher festgelegt. Konditionalität war eine Initiative der USA, die zunächst von anderen Staaten abgelehnt wurde. Diese Staaten standen auf der Position, dass das Recht auf IWF-Kredite automatisch den betroffenen Regierungen zustehe, ganz in dem Geiste der „Articles of Agreement“, dem Gründungsdokument des IWF. Der Exekutivdirektor der USA legte sein Veto ein, wenn IWF-Kredit-Anträge nicht dieser Idee der Konditionalität entsprachen. Dies führte dazu, dass sich IWF-Kredit-Antragsteller nicht mehr an den IWF, sondern zuerst an die USA wandten. Damit war die Konditionalität in die IWF-Praxis eingeführt. Kreditnehmer Bis zum Jahr 1977 waren Entwicklungsländer wie Industrieländer relativ gleichermaßen Kreditnehmer des IWF, beispielsweise war Großbritannien einer der größten Kreditnehmer. Bis dahin wurde die Konditionalität gegenüber Großbritannien nicht angewandt (Großbritannien war einer der Gründungsstaaten des IWF). Das änderte sich jedoch nach der mehrfachen Abwertung des Sterlings, zum ersten Mal sollte der IWF dem Staat Großbritannien wesentliche Bedingungen wie Verringerung von Sozialleistungen und Abschaffung von Importkontrollen auferlegen, als er 1977 einen Antrag wegen eines Stand-By-Kredites stellte. Das führte dazu, dass ab diesem Zeitpunkt der IWF als die „letzte Instanz, an die man sich wegen Krediten wenden sollte“ angesehen wurde, da diese Einmischung in nationale (Wirtschafts-)Politik durch andere Regierungen (insbesondere der USA, die in Form von Finanzminister William Simon meinte, dass Länder wie Großbritannien einen „internationalen Verhaltenskodex“ mit ihrer Wirtschaftspolitik brechen würden) als sehr unpopulär angesehen wird. Seit diesem Zeitpunkt stellte kein Industrieland mehr einen Antrag auf IWF-Kredite. Erst 2010 beantragten Griechenland und Irland einen IWF-Kredit. Nach Ansicht des Geografie-Professors Richard Peet wandelte sich der IWF erst damit von einer Form der Zusammenarbeit in Hinblick auf Wechselkurse und internationale Zahlungen, die hauptsächlich zwischen den Industrieländern stattfand, zu einer Form der Kontrolle der Wirtschaftspolitik der „Dritten Welt“ durch die „Erste Welt“. Dieser Ansicht widersprechen viele Fachleute (zum Teil massiv), denn der IWF sei ein Spiegelbild seiner Mitglieder und ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse. Reform 2010 Die Stimmanteile der 187 Mitgliedstaaten werden 2011 zugunsten der aufstrebenden Schwellenländer umverteilt werden. Sie „ist eine der tiefgreifendsten Reformen in der Geschichte des IWF.“ „An Einfluss gewinnen die stark wachsenden Volkswirtschaften wie China und Asien.“ Kritik Der Träger des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Chefökonom der Weltbank Joseph E. Stiglitz kritisiert in seinem Buch Die Schatten der Globalisierung den IWF für die seiner Meinung nach "blinde" Verfolgung des Washington Consensus und das Vorgehen der Organisation während der Überführung der osteuropäischen Zentralverwaltungswirtschaften in marktwirtschaftliche Systeme. William Easterly wirft dem IWF fehlende Legitimation und Rechenschaftspflichten vor. Ursächlich sei der durch das Bretton-Woods-Abkommen nicht abgesicherte Aufgabenzuwachs im Zeitablauf. Easterly vertritt zudem die These, dass die Strukturanpassungs- und Transformationspolitik des Internationalen Währungsfonds den betroffenen Volkswirtschaften eher geschadet als genutzt habe.

UdSSR Die UdSSR hatte die Zentralverwaltungswirtschaft eingeführt. Die Produktion von Gütern wurde nach einem strengen Plan überwacht. Am 25. Januar 1949 wurde gemeinsam mit den meisten Satellitenstaaten des Ostblocks der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe als wirtschaftlicher Zusammenschluss der sozialistischen Staaten Osteuropas gegründet. Siehe auch: Gosplan und Fünfjahrplan Währung Die offizielle Währung der Sowjetunion war der Rubel, der in 100 Kopeken unterteilt wird. Im Jahre 1922 verursachte Wladimir Lenin dem Parteiprogramm entsprechend eine Hyperinflation. Somit verfolgte er das Ziel in der kommunistischen Lehre das Geld schrittweise abzuschaffen oder zumindest dessen Bedeutung einzuschränken, was mit einem Dekret nicht möglich wäre. So entwertete er seinen Zielen entsprechend alles umlaufende Finanzkapital. Nach mehreren Jahren voller militärischer Konflikte, wirtschaftlichen Krisen und Problemen war der Geldverkehr nur auf die nationale Ebene beschränkt. Das bedeutet, dass keine einzige Kopeke das Land mit der Ausnahme von Republikflucht und Schwarzmarkt verlassen konnte. Formen des Eigentums In der Sowjetunion gab es zwei grundlegende Formen des Eigentums; Individuelles Eigentum und Kollektives Eigentum (gemeinsames Eigentum, in der Praxis genossenschaftliches oder staatliches Eigentum). Diese unterschieden sich stark in ihrem Inhalt und dem rechtlichen Status. Gemäß kommunistischer Theorien konnte Kapital (Produktionsmittel), neben einigen unwesentlichen Ausnahmen, nicht individuell besessen werden. Nach dem Ende der kurzzeitigen Lockerung mit der Neuen Ökonomischen Politik, russisch: НЭП – Новая экономическая политика; NEP – Nowaja ekonomitscheskaja politika, durch Lenin wurde jegliches industrielle Eigentum sowie Bauland gemeines Eigentum des Volkes respektive Eigentum des Staates. Individuelles Eigentum konnte nur Persönliches Eigentum sein, das heißt Kapital (Produktionsmittel) war automatisch staatliches oder genossenschaftliches Eigentum. Landwirtschaft Die landwirtschaftlich nutzbare Großregion in der Sowjetunion zwischen Sankt Petersburg, Odessa beziehungsweise Rostow am Don im Westen und Krasnojarsk im Osten wurde auch Agrardreieck genannt. Die Landwirtschaftlichen Betriebe wurden u. a. differenziert in Sowchosen, also landwirtschaftliche Großbetriebe des Staates und Kolchosen, also landwirtschaftliche Großbetriebe, die genossenschaftlich organisiert waren und dessen Bewirtschaftung durch das sozialistische Kollektiv der Mitglieder erfolgte.

GOLDMAN SACHS

1869–1930 Goldman Sachs wurde 1869 vom deutschen Auswanderer Marcus Goldman gegründet. Er begann mit einem Ein-Zimmer-Büro in New York, Pine Street. Im Jahr 1882 bekam die Bank den Namen M. Goldman Sachs, als Samuel Sachs in die Firma seines Schwiegervaters Marcus Goldman eintrat. Im Jahre 1885 nahm Goldman seinen Sohn Henry und seinen Schwiegersohn Ludwig Dreyfuss in das Unternehmen auf und der Firmenname wurde auf Goldman Sachs & Co. geändert Das Unternehmen machte sich einen Namen in seiner Vorreiterrolle bei der Nutzung von Commercial Papers für Unternehmen und wurde im Jahr 1896 eingeladen, der New York Stock Exchange beizutreten. Im frühen 20. Jahrhundert war Goldman ein führendes Unternehmen zur Entwicklung des Initial Public Offering-Marktes. Es gelang einer der größten damaligen Börsengänge, das der Sears, Roebuck and Company im Jahre 1906. Am 4. Dezember 1928 wurde die „Goldman Sachs Trading Corp.“ ein geschlossener Investmentfonds, dessen Geschäftsmodell Ähnlichkeiten eines Schneeballsystems aufwies, gegründet. Der Investmentfonds scheiterte während des Börsencrashes im Jahre 1929 und die Unternehmensreputation war für einige Jahre stark beschädigt. 1930–1980 Im Jahr 1930 übernahm Sidney Weinberg die Rolle des Senior-Partners und verschob Goldman Sachs Fokus weg vom Wertpapierhandel zum Investment Banking. Weinberg verhalf die Reputation des Unternehmens wieder zu steigern und den angeschlagenen Ruf loszuwerden. Unter Weinberg war Goldman Sachs Lead Advisor für den Börsengang der Ford Motor Company im Jahre 1956 einer der damals größten Börsengänge. Unter der Leitung Weinbergs begann Goldman Sachs auch eine eigene Researchabteilung, sowie das Brokergeschäft für Anleihen der US-amerikanischen Gemeinden und Kommunen. Gus Levy trat dem Unternehmen in den 1950er Jahren als Effektenhändler bei. Dieser Zeitpunkt markierte auch einen Trend bei Goldman Sachs, ab dem es zu internen Machtkämpfen zwischen dem Investment Banking und dem Wertpapierhandel kam. Während der 1950er und 1960er Jahre also ein Machtkampf zwischen Weinberg und Levy. 1969 übernahm Levy die Leitung von Weinberg, der in den Ruhestand ging, als Senior-Partner und baute Goldman Sachs Handelssparte weiter aus. Unter Levys Führung etablierte sich die Philosophie des "langfristig gierig" („long-term greedy“) was bedeutete, dass, solange Geld auf lange Sicht verdient werde, kurzfristige Verluste nicht besorgniserregend zu sein brauchen. Während Levys Zeit als Senior-Partner reinvestierten die meisten Partner große Teile ihrer Gewinne in das Unternehmen, so dass der Fokus stets auf der Zukunft lag. Eine weitere schwere Krise traf das Unternehmen im Jahre 1970, als die Penn Central Transportation Company Konkurs mit über 80 Millionen US-Dollar in ausstehenden Commercial Paper ein Großteil davon ausgestellt von Goldman Sachs anmeldete. Die Konkursmasse war klein und der Schaden für Goldman Sachs groß und die daraus resultierenden Klagen bedrohten das Unternehmen ernsthaft zu gefährden. In Folge des Konkurses der Penn Central Transportation Company wurden Bonitätsratings für Emittenten von Commercial Paper eingeführt. Nach diesem Debakel begann Goldman Sachs in den 1970er Jahren weltweit zu expandieren. Unter der Leitung von Senior-Partner Stanley R. Miller, eröffnete Goldman Sachs seine erste internationale Niederlassung in London im Jahr 1970 und schuf eine "Private Wealth"-Abteilung zusammen mit einer Fixed Income Abteilung im Jahre 1972. Darüber hinaus nahm Goldman Sachs eine Vorreiterrolle bei der "White Knight"-Strategie im Jahr 1974 während seiner Versuche Electric Storage Battery gegen ein feindliches Übernahmeangebot von International Nickel und Goldman Sachs Rivale Morgan Stanley zu verteidigen. John Weinberg, der Sohn von Sidney Weinberg, und John C. Whitehead übernahmen als Co-Senior-Partner im Jahr 1976 die Geschäftsführung. Eine ihrer Initiativen war die Errichtung der vierzehn Geschäftsprinzipien („Business Principles“), die noch bis heute Bestand haben. 1980-1999 Am 16. November 1981 übernahm Goldmans Sachs die J. Aron & Company, ein Rohstoffhandelsunternehmen, welches mit der Fixed Income Abteilung zusammengeführt wurde und zur Fixed Income, Currencies und Commodities. J. Aron & Company Unternehmensschwerpunkt war der Kaffee- und Goldmarkt. Im Jahre 1985 war Goldman Sachs Underwriter des Börsenganges des Real Estate Investment Trust, dem unter anderem auch das Rockefeller Center gehörte. Im Zuge des Zusammenbruch der Sowjetunion beteiligte sich Goldman Sachs auch bei der Privatisierung von ehemaligen Staatsunternehmen. Im Jahr 1986 wurde das Unternehmen „Goldman Sachs Asset Management“ gegründet, welches bis heute die Mehrheit der Investmentfonds und Hedge-Fonds verwaltet. Im selben Jahr war Goldman Sachs Underwriter für den Börsengang von Microsoft, Berater von General Electric bei der Übernahme der Radio Corporation of America und schloss sich der London Stock Exchange sowie der Tokyo Stock Exchange an. Robert Rubin und Stephen Friedman übernahm die Co-Senior-Partnerschaft im Jahr 1990 und versprachen auf die Globalisierung des Unternehmens und die Stärkung der Merger & Acquisition and Handelsgeschäftsfelder zu konzentrieren. Während ihrer Geschäftsführerzeit führte die Firma den papierlosen Handel an der New York Stock Exchange und war Lead Manager für die erste globale Schuldverschreibung eines US-amerikanischen Unternehmens. Zu dieser Zeit wurde auch der Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) entwickelt und im Jahre 1994 eine Niederlassung in Peking gegründet. 1994 übernahm Jon Corzine nach dem Weggang von Rubin und Friedman die Leitung des Unternehmens.

LEHMAN BROTHERS

Lehman Brothers wurde 1850 in Montgomery, Alabama, von den zwischen 1844 und 1850 aus Rimpar bei Würzburg emigrierten jüdischen Brüdern Hayum (Henry), Mendel (Emmanuel) und Maier (Mayer) Lehman, Söhnen des fränkischen Viehhändlers Abraham Löw Lehmann, gegründet. Vor der Gründung von Lehman Brothers eröffnete Henry Lehman 1844 in Alabama einen Gemischtwarenhandel. Sein Bruder Emanuel trat 1848 in das Geschäft ein. Die Geschäftstätigkeit wurde dann schon bald auf den Handel mit Baumwolle verlagert, aus dem heraus sich die Bankentätigkeit entwickelte. Nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg wurde die Geschäftstätigkeit nach New York verlagert. 1977 fusionierte Lehman Brothers mit Kuhn, Loeb & Co. und firmierte kurzzeitig als Lehman Brothers Kuhn Loeb & Co. 1984 wurde Lehman Brothers von American Express aufgekauft und mit Shearson sowie 1988 mit E.F. Hutton & Co. fusioniert. 1993 verkaufte American Express die so entstandene Firma an die Travelers Group. Die Travelers Group trennte sich vom Investmentbanking, das 1994 unter dem Namen Lehman Brothers wieder zu einer eigenständigen Firma wurde und an die Börse ging. In den letzten Jahren konnte das nun selbständige Unternehmen auch im Vergleich mit den Wettbewerbern seine Marktposition festigen. Im Mai 2007 kaufte Lehman Brothers zusammen mit dem Immobilieninvestor Tishman Speyer den zweitgrößten börsennotierten Wohnungseigentümer der USA, Archstone-Smith. Der Preis für den Konzern betrug 22 Milliarden US-Dollar. Insolvenz Im Zuge der Subprime-Krise musste die Bank zunächst 3,3 Milliarden US-Dollar abschreiben. Im April 2008 hatte das Institut eine Kapitalerhöhung von 4 Milliarden US-Dollar durchgeführt, eine weitere in der Höhe von 5 Milliarden US-Dollar folgte im Juni 2008. Die angeschlagene US-Bank hatte am 10. September 2008 verlauten lassen, dass sie Verluste in Höhe von 3,9 Milliarden US-Dollar für das dritte Quartal 2008 erwartet. Richard Fuld, damaliger Vorstandschef von Lehman Brothers, kündigte den Verkauf eines Mehrheitsanteils an der Investmentsparte, die Ausgliederung von Gewerbeimmobilien und weiteren illiquiden Vermögenswerten an. Als weitere Maßnahme sollte ebenfalls die Dividende auf 0,05 US-Dollar pro Aktie verringert werden. Die Verkaufsbemühungen waren jedoch wenige Tage später gescheitert und es musste am 15. September 2008 für die Lehman Brothers die Insolvenz gemäß Chapter 11 beantragt werden. Nachdem die amerikanische Regierung drei große Banken (Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac) mit Milliarden Dollar gestützt hatte, war der politische Druck, weitere Banken nicht aufzufangen, so groß geworden, dass der damalige amerikanische Finanzminister – und Gegenspieler Fulds – Henry Paulson nach der Absage der englischen Barclays-Bank, sich an Lehman zu beteiligen, keine weitere Unterstützung bereitstellte, was – entgegen dem bisherigen Grundsatz too big to fail – zur Insolvenz von Lehman Brothers führte. Wenige Tage nach der Insolvenz waren nur noch 170 Mitarbeiter für Lehman Brothers tätig, 24.988 waren unter dem Insolvenzverwalter Bryan Marsal in wenigen Tagen gekündigt worden. Der Schaden, der durch diese plötzliche Insolvenz hervorgerufen wurde, wird auf 50 bis 75 Milliarden US-Dollar geschätzt. Am 17. September 2008 gab die britische Universalbank Barclays bekannt, dass sie große Teile des US-Geschäfts von Lehman Brothers, einschließlich der gesamten Infrastruktur mit 9.000 Mitarbeitern und den Hauptsitz in New York, aus der Insolvenzmasse heraus übernehmen werde. Japans größtes Brokerhaus, Nomura Holdings, kaufte am 22. September das Asiengeschäft sowie die Investmentbanksparte von Lehman Brothers in Europa und im Nahen Osten. In Folge der Insolvenz soll Lehman Brothers einen Schuldenberg von über 200 Milliarden US-Dollar hinterlassen. Nach der Insolvenz ergeben sich folgende Lehman Brothers Sparten: Lehman Brothers North America → Barclays Capital Lehman Brothers Hong Kong → KPMG China als Liquidator für acht Tochtergesellschaften (u. a. LB Asia Holdings Limited, LB Asia Limited) Lehman Brothers Asia Pacific → Nomura Lehman Brothers International Europe → Management durch PricewaterhouseCoopers Lehman Brothers Holdings Inc. → Insolvenz nach Chapter 11 Neuberger Berman → eigenständige Investmentgesellschaft

FANNIE MAE

Fannie Mae (ursprünglich Federal National Mortgage Association, FNMA) ist ein staatlich gefördertes Unternehmen, welches 1938 im Rahmen des New Deal als staatseigene Bank gegründet und 1968 privatisiert wurde. Bei der Privatisierung wurde der ursprünglich aus einer Verballhornung des Kürzels FNMA entstandene Name Fannie Mae als offizieller Name des Unternehmens übernommen. Sie ist eine reine Hypothekenbank und das weltweit größte Institut in dieser Sparte. Die Hypotheken werden durch den US-amerikanischen Staat weder garantiert noch refinanziert. Als staatsnahes Unternehmen erhält Fannie Mae allerdings erstklassige Bonitätsbewertungen von den Ratingagenturen und kann sich so zu einem günstigeren Zins refinanzieren als andere Banken. Zusammen mit Freddie Mac, der zweitgrößten, ebenfalls staatlich geförderten Hypothekenbank der USA, hat sie zur Finanzierung der Hypotheken Anleihen im Wert von 2.400 Mrd. Dollar ausgegeben, wodurch sie zu den größten Schuldnern weltweit gehört. Aufgrund des Immobilienbooms, der in den USA nun schon seit Mitte der neunziger Jahre anhielt, sahen die Finanzmärkte zunehmend die Gefahr, dass bei einem Rückgang der Immobilienpreise Fannie Mae in ernsthafte Probleme geraten könnte, was angesichts der Höhe der Schulden zu weltweiten Turbulenzen auf den Finanzmärkten führen könnte und mittlerweile auch eingetreten ist. Im Juli 2008 bezeichnete der Chef der Fed in St. Louis, Wiliam Poole, Fannie Mae erstmals als „faktisch zahlungsunfähig“ und forderte die Politik auf, nach Rettungsmöglichkeiten zu suchen. Am 13. Juli 2008 kündigte die US-Regierung an, Fannie Mae und Freddie Mac mit Krediten und Aktienkäufen in Milliardenhöhe zu stützen, um einen Bankrott zu verhindern. Bald darauf, am 7. September 2008, übernahm die zuständige Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) die Kontrolle über Fannie Mae und löste den bisherigen CEO Daniel Mudd ab. Im Geschäftsjahr 2008 machte Fannie Mae 58,7 Milliarden Dollar Verlust. Im 3.Quartal 2009 machte Fannie Mae einen Verlust von 19 Mrd. Dollar und beantragte weitere 15 Mrd. Dollar Staatsbeihilfen. Bisher hatte die Immobilienbank bereits knapp 61 Mrd. Dollar Staatsbeihilfen erhalten.

FREDDIE MAC

Freddie Mac (Federal Home Loan Mortgage Corporation) ist eine börsennotierte US-amerikanische Hypothekenbank mit Firmensitz in McLean, Virginia. Freddie Mac kauft Hypothekenkredite von Banken, fasst diese Kredite zusammen und bringt sie als Mortgage Backed Securities auf den Kapitalmarkt. Der heutige Name des Unternehmens leitet sich als Quasi-Akronym aus der Abkürzung seines ursprünglichen Namens Federal Home Loan Mortgage Corporation (FHLMC) ab. Freddie Mac ist eine Government sponsored enterprise und wird vom Office of Federal Housing Enterprise Oversight (OFHEO) beaufsichtigt. Derzeit ist das Unternehmen die zweitgrößte Hypothekenbank der Vereinigten Staaten. Freddie Mac wurde 1968 vom Kongress der Vereinigten Staaten als Federal Home Loan Mortgage Corporation gegründet, um dem zur selben Zeit privatisierten Wettbewerber Fannie Mae und den FHL-Banken Konkurrenz zu machen und so ein Monopol zu verhindern. Ein Bilanzierungsskandal führte 2003 zu Umbesetzungen in den Führungsetagen der Bank. In den Jahren 2000 bis 2002 waren die Gewinne des Unternehmens um mehrere Milliarden US-Dollar zu niedrig ausgewiesen worden. 2008 geriet das Unternehmen ebenso wie der Konkurrent Fannie Mae aufgrund der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten in finanzielle Schwierigkeiten. Am 13. Juli 2008 kündigte die US-Regierung an, Freddie Mac und Fannie Mae mit Krediten und Aktienkäufen in Milliardenhöhe zu stützen, um einen Bankrott der beiden Bankhäuser zu verhindern. US-Senat und US-Repräsentantenhaus haben dies am 23. Juli in den Grundsätzen genehmigt. Am 7. September 2008 übernahm die zuständige Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) die Kontrolle über Freddie Mac. Bis zum 1. Juli 2009 hat Freddie Mac insgesamt staatliche Hilfsgelder in Höhe von 51,7 Milliarden Dollar bezogen.

JP MORGAN

Morgan war der Sohn des Bankiers und Finanziers Junius Spencer Morgan (1813–1890) und dessen Frau Juliet Pierpont (1816–1884), Tochter eines Anwalts und Lehrers. Er begann 1856 sein Studium an der Georg-August-Universität in Göttingen und war seit 1857 im Bankgewerbe tätig. Seit 1860 arbeitete er bei Drexel, Morgan & Co in New York City. Für den Sezessionskrieg wurde er nach der Zahlung einer 300-Dollar-Gebühr nicht eingezogen. Seit 1871 war er selbstständig durch die Gründung eines nach ihm selbst benannten, ab 1895 als J. P. Morgan & Co firmierenden Bankhauses, das vor allem marode Eisenbahnlinien erwarb und sanierte. 1901 gründete Morgan dann durch mehrere Fusionen den Stahltrust United States Steel Corp., die damals größte Aktiengesellschaft der Welt. Neben den Einnahmen aus dem Wertpapierverkauf mehrte Morgan sein Vermögen auch, indem er für die Fusionen 150 Millionen Dollar als Verhandlungsgebühr für sich beanspruchte. Um den Trust zu stützen, wurde 1902 noch ein auch englische Linien akquirierender Schifffahrtstrust, die International Mercantile Marine Company (IMMC), unter Beteiligung deutscher Reedereien begründet. 1903 investierte er in die junge Automobilindustrie, als er zwei Drittel des Aktienkapitals der Maxwell-Briscoe Motor Company beisteuerte. Die Firma wurde drittgrößter Hersteller in den USA und später die Basis für die Chrysler Corporation. Morgan legte nach eigenen Aussage und Angabe von Zeitzeugen bei seinen Geschäften großen Wert auf Stabilität und Vorhersagbarkeit der Bedingungen. Mehrmals griff er dazu auch in die Staatsfinanzen ein. 1895 und 1907 kaufte er als Anführer von Investorengruppen größere Mengen an Staatsanleihen und rettete die USA dadurch vor dem Staatsbankrott. Zugleich konnte er die Staatsanleihen gewinnbringend weiterverkaufen. 1912 wurde ein Prozess gegen ihn wegen fragwürdiger Finanzgeschäfte geführt. Zwar wurde er freigesprochen, doch gelangte im Zuge der Verhandlungen der gesamte Umfang seines inzwischen gigantischen Firmenimperiums an die Öffentlichkeit. Bis zu seinem Tod weitete Morgan seine Geschäftsaktivitäten über die Branchen Eisenbahn, Bankenwesen, Schifffahrt hinaus auch auf die Telekommunikations- und Elektroindustrie aus. So kontrollierte Morgans Unternehmen 1901 z.B. die Hälfte des Streckennetzes der Eisenbahn und zwei Drittel der Stahlproduktion in den USA. J. P. Morgan selbst litt unter einer von Rosazea entstellten Nase und galt als daher recht scheuer Mensch. Er lebte in New York in einer Villa an der Madison Avenue 219 im Bezirk Murray Hill. In der mit schwarzem Mahagoni ausgekleideten Black Library des Hauses wurden einige der wichtigsten Entscheidungen des frühen 20. Jahrhunderts für New York wie die USA getroffen. Die J. P. Morgan & Co war immer im Investmentbanking tätig und finanzierte diverse Zusammenschlüsse von Unternehmen, unter anderem der General Electric Comp., und beteiligte sich an diversen Eisenbahnlinien in den USA. 1899 wurden die ersten europäischen Anleihen am US-Markt eingeführt. Das Bankhaus selbst fusionierte 2000 mit der Chase Manhattan Bank. John Pierpont Morgan ist der Neffe von James Lord Pierpont, dem Komponisten des Weihnachtslieds Jingle Bells. Sein Sohn John Pierpont Morgan junior führte sein Firmenimperium weiter.Es wird behauptet, er habe Gerüchte über den Bankrott einer großen New Yorker Bank verbreitet und somit die Panik von 1907 ausgelöst, die dann auch andere Banken betraf. Nelson W. Aldrich, der enge Verbindungen zur Bankenwirtschaft hatte und später in die Rockefeller-Familie einheiratete, leitete eine Kommission, die aufgrund dieser Panik einberufen wurde. Er schlug in dieser Kommission die Einführung einer Zentralbank vor, um eine solche Panik künftig vermeiden zu können. Laut G. Edward Griffin wurde der Gesetzentwurf für die Einführung der Zentralbank (Federal Reserve System) 1910 auf Jekyll Island, dem Ferienanwesen von Morgan, von Vertretern mehrerer Banken unter strenger Geheimhaltung erstellt und anschließend an Aldrich übergeben. Nach Griffin war Morgan zwar antisemitisch eingestellt, andererseits aber auch ein Agent der Rothschilds.

ISLAMIC BANKING

Regeln, die das Islamic Banking umzusetzen versucht, sind das allgemeine Zinsverbot (Riba) Verbot der Spekulation (Gharar) und das Verbot des Glücksspiels (Maysir, Quimar) Weiterhin sind soziale und ethische Ausschlusskriterien (Haram) zu beachten. Hierzu zählen insbesondere das Verbot der Investition in Alkoholherstellung und -vertrieb, Prostitution, Pornografie sowie die Verarbeitung von Schweinefleisch und der Handel damit. Die wichtigsten Begriffe fiqh: islamische Rechtswissenschaft; die menschliche Erkenntnis des göttlichen Rechts (Scharia). gharar: »Spekulation«; ebenso verboten wie der Wucher. idschara: wörtl. »Miete«, verwendet für Leasing. mudaraba: Beteiligungsfinanzierung ähnlich einer stillen Gesellschaft (»Mezzanine«). murabaha: Handelsfinanzierung (»mark-up sale«). musharaka: Beteiligungsfinanzierung durch Beteiligung auf Zeit (»Venture Capital«). riba: »Wucher« oder »Zins«, je nach Interpretation, das wichtigste Verbot im Islamic Banking. Scharia: wörtl. »Weg zur Tränke«, das – göttliche – islamische Recht. Scharia Board: religiöser Beirat der Bank, der über die Einhaltung der islamischen Vorschriften wacht und die Produkte zertifiziert. Takaful: islamische (genossenschaftliche) Versicherung. Zinsverbot Für das Bankgeschäft ist das Zinsverbot (Sure 2, Vers 278 u.a.; ‏ربا‎ riba, in engerer Auslegung „Wucher“) von besonderer Wichtigkeit, was schon früh zu Umgehungsgeschäften geführt hat: Statt dem Käufer einen Kredit zu gewähren, kauft die Bank die Ware direkt beim Verkäufer und verkauft sie zu einem höheren Preis an den Käufer, der seinen Kaufpreis in Raten abbezahlt. Da die Ware letztlich den Besitz nicht gewechselt hat (aber Eigentumsverhältnisse), jedoch Geld ausgezahlt wurde, ist das Resultat ökonomisch vergleichbar mit einem verzinsten Kredit. Die Bank nimmt hier lediglich die gleichen Rechte wie Händler wahr, zu kaufen und wieder zu verkaufen. Der Zins eines Kreditgeschäftes wird hier nach islamischer Rechtsauffassung zur Gewinnmarge. Da Handel im Islam ausdrücklich erlaubt und erwünscht, Zins jedoch verboten ist, ist die Transaktion legitim. Rechtskniffe (‏حيلة‎ hīla; pl. ‏حيل‎ hiyal) dieser Art finden sich in der islamischen Rechtspraxis häufig; sie sind eines der inhärenten Mittel der Schari'a, sich Gegebenheiten legitim anzupassen. Instrumente Beteiligungsfinanzierung Bei einer Beteiligungsfinanzierung (Musharaka) bringen Bank und Kunde Kapital ein und vereinbaren eine Teilung von Gewinn und Verlust. Dieses Modell entspricht einer Bereitstellung von Private Equity oder einem Joint Venture. Islamische Anleihen Instrumente sind z.B. Islamische Anleihen („Sukuk“). Schari'a-konforme Investmentfonds Als Benchmark für islamische Investmentfonds dient oft der "Dow Jones Islamic Market Index" mit seinen Unterindices. Er wird seit 1999 ermittelt und umfasst Aktien, die nach Auffassung des "DJIM Shari`ah Supervisory Board" in Übereinstimmung mit islamischem Recht erworben werden dürfen. Ende 2006 wurde auch durch Standard & Poor's die Einführung einer Familie islamischer Aktienindices angekündigt. Neben dem "S&P 500 Sharia" für den amerikanischen Aktienmarkt werden auch ein europäischer "S&P Europe 500 Sharia" und ein japanischer "S&P Japan 500 Sharia" islamischer Index ermittelt. Ein weiterer viel beachteter Index ist der FTSE Islamic Index. Zum Jahresende 2006 hat die Liechtensteinische Landesbank (LLB) einen eigenen „Top 20 Middle East Total Return Index“ eingeführt. Unternehmen, die etwas mit Alkohol, Schweinefleisch, Tabak, "sittlich anstößigen" Teilen der Unterhaltungsindustrie, mit Glücksspiel oder Waffen zu tun haben, werden nicht aufgenommen und gegebenenfalls ausgeschlossen. Scharia-konforme Unternehmen dürfen nur in Grenzen verschuldet sein. Oberstes Ziel Koran-konformen Business muss es sein, dass das Kapital in der Volkswirtschaft zirkuliert und Erspartes oder Gewinne reinvestiert werden. Eines der führenden Beratungsunternehmen rund um das Thema "Schari'a konforme Investmentfonds" ist Failaka Advisors. Jährlich werden mit dem Failaka Islamic Fund Awards die besten Investmentfonds ausgezeichnet. Der seit 1996 erscheinende jährliche Failaka Islamic Funds Report gilt mittlerweile als eine wichtige Messgröße in diesem Spezialbereich der Investmentfonds. Das islamische Recht, die Schari'a, verbietet nach verbreiteteter Interpretation die Erhebung und Auszahlung von Zinsen. Muslimen ist es laut Koran (Sure zwei, Vers 275) weder erlaubt, Zinsen zu verlangen, noch zu zahlen (Riba). Demnach kann ein Moslem keine verzinsten Kredite oder Hypotheken in Anspruch nehmen. Islamische Banken können somit keine verzinsten Kredite vergeben. Die Scharia erlaubt jedoch die Verteilung von Gewinnen. So kaufen islamische Banken für den Emittenten beispielsweise Güter ein und geben sie später mit Gewinn an ihn weiter. Der Emittent erhält so keinen festen Zinssatz, sondern wird über sein Guthaben Teilhaber der Bank. Die Bank selbst tritt als Zwischenhändler auf und hält sich damit an das islamische Recht. Beispiel Sachsen-Anhalt hat im Jahr 2004 als erster europäischer Emittent einen Sukuk über 100 Mio. EUR, fällig 2009, ausgegeben. In diesem Anleihekonstrukt wurden schuldrechtlich die Nutzungsrechte am Immobilienvermögen von Sachsen-Anhalt an eine niederländische Stiftung übertragen. Sachsen-Anhalt erhielt dafür eine einmalige Zahlung. Die niederländische Stiftung vermietet das Vermögen gegen jährliche Mietraten an Sachsen-Anhalt zurück, das somit den Zinszahlungen einer normalen Anleihe entspricht. Alle Forderungen der niederländischen Stiftung gegen Sachsen-Anhalt sind ungesicherte und bedingungslose Verbindlichkeiten des Bundeslandes. Am Ende der Laufzeit erwirbt Sachsen-Anhalt die Nutzungsrechte durch einmalige Rückzahlung der Summe aus dem Jahr 2004 zurück. Diese wird an den islamischen Investor weitergeleitet. Auf Umwegen hatte man damit eine festverzinsliche Anleihe. Arten von Sukuk Sukuk al-murabaha Murabaha ist ein Kauf- und Rückkaufvertrag, bei dem ein Kunde einen Sachgegenstand von der islamischen Bank erwerben möchte. Zu Beginn des Kaufs wird zwischen der Bank und dem Kunden ein Rückkaufpreis festgelegt. Wertsteigerungs- und Risikozuschlag sind in diesem Preis enthalten. Sukuk al-idschara Idschara ist ein Leihvertrag oder Leihkaufvertrag. Die Bank ist der Eigentümer eines Vermögensgegenstandes und trägt damit alle Risiken, die mit dem Eigentum zusammenhängen. Die Bank verleiht den Vermögensgegenstand zum Gebrauch und zur Nutzung zu einem bestimmten Pachtsatz und für eine bestimmte Zeit an den Kunden. Bei einem Leihkaufvertrag besteht der Unterschied darin, dass der Kunde die laufenden Pachtzahlungen als Abzahlung des Vermögensgegenstandes nach vorher festgelegtem Wert und festgelegter Nutzungsdauer verrechnen kann. Sukuk al-muscharaka Muscharaka ist ein Gewinn- und Verlustvertrag. Nach den geleisteten Kapitaleinlagen erwerben die islamische Bank und der Kunde gemeinsam das Eigentum. Ein Projekt wird demnach gemeinsam finanziert. Sukuk al-mudaraba Mudaraba ist eine Art der Gewinnverteilung. Eine Partei bringt für das Eigentum das Kapital auf, die andere übernimmt die Arbeit und die Geschäftsführung. Kapitalgeber ist wieder die Bank. The Alchemy of Finance. 1988 Die Alchemie der Finanzen. Wie man die Gedanken des Marktes liest. Börsenbuch-Verlag, Kulmbach 1994, ISBN 3-922669-07-7

1790 bis 1800 NYSE

Die Wall Street 1789

Unterzeichnung des Buttonwood Agreement 1792 1790 emittierte die US-Regierung Staatsanleihen für rund 80 Millionen US-Dollar, um die Schulden aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) zu finanzieren. Der öffentliche Handel mit diesen Kriegsanleihen war der Beginn des US-amerikanischen Marktes für Wertpapiere. Am 10. März 1792 ging der Bodenspekulant William Duer (1743–1799) bankrott und brachte damit die Bank of New York (heute Bank of New York Mellon), die älteste Bank in den USA, in Bedrängnis. Sie war 1784 von Alexander Hamilton (1757-1804) und William Duer gegründet worden. Hamilton kaufte die Papiere der Bank zurück um den Kurs zu stabilisieren. Er rettete damit das Geldinstitut vor der Insolvenz. Der Anteilsschein war 1792 das erste Unternehmen, das an der Wall Street gehandelt wurde. Den Grundstein für die New Yorker Aktienbörse legten 24 Broker, die am 17. Mai 1792 in der Wall Street Nummer 68 das Buttonwood Agreement unterzeichneten. Darin verpflichteten sich die Händler, den Kunden mindestens ein viertel Prozent Kommission für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren zu berechnen und sich gegenseitig beim Handeln mit Aktien und Anleihen den Vorzug zu geben. Der Handel sollte in US-Dollar stattfinden, den das US-amerikanische Münzgesetz am 2. April 1792 zur offiziellen Währungseinheit erklärte. Der Name des Abkommens leitet sich vom Buttonwood-Baum ab, unter dem die Unterzeichnung der Vereinbarung stattfand. Der Aktienhandel wuchs in den folgenden Jahren schnell. 1792 wurden gerade einmal fünf Wertpapiere in New York gehandelt: die Aktien von zwei Banken und drei Staatsanleihen, die im Jahre 1790 ausgegeben worden waren. Bereits 1793 trafen sich die Broker im nahegelegenen „Tontine Coffee House“ zum täglichen Handel. Der Markt funktionierte so, dass an zwei Sitzungen am Vor- und Nachmittag die verschiedenen Wertpapiere ausgerufen wurden und die Händler dann ihre Gebote dafür abgaben. 1801 bis 1850 Am 8. März 1817 wurde zum ersten Mal ein Börsenreglement festgelegt und eine formelle Organisation gegründet: das New York Stock & Exchange Board (NYS & EB), das sich in der Wall Street einquartierte. Im selben Jahr sind auch die Prozeduren für den Handel neu festgelegt worden. Es entstand ein sogenannter Call Market. Die von der Börse in Philadelphia abgedruckten Regeln bestimmten die Satzung. Nach drei Testjahren sind diese jedoch überarbeitet worden, und am 21. Februar 1820 wurde eine neue Satzung beschlossen.

Am 16. und 17. Dezember 1835 zerstörte ein Großbrand die Wall Street Im Jahre 1830 ist erstmals eine Eisenbahngesellschaft gelistet worden: Mohawk & Hudson. Weitere Gesellschaften folgten bald, und so wurden Eisenbahnaktien zur ersten Sorte von Boom-Aktien, die das Handelsgeschehen für den Rest des Jahrhunderts prägten. Der 16. März 1830 ging als der Tag mit dem geringsten Umsatz in die Annalen von Wall Street ein. 31 Stück von 80 Millionen damals gelisteter Aktien wurden an dem Tag gehandelt. Doch es gab auch Tage wie den 14. und 17. März 1821 und den 8. Januar 1829, wo trotz geöffneter Börse laut dem Journal of Commerce überhaupt kein Handel stattfand, und den 19. September 1828, wo ein einziges Stück einer sechsprozentigen Staatsanleihe umgesetzt wurde. Am 16. und 17. Dezember 1835 zerstörte ein Großbrand über 700 Gebäude in New York, und auch die Wall Street blieb nicht verschont. Es fanden sich jedoch schnell andere Orte, an denen der Handel fortgesetzt werden konnte. Ein Jahr später wurde der Aktienhandel in den Straßen von New York verboten. Bis dahin war es durchaus üblich, auf der Straße Aktien angeboten zu bekommen. Die Panik von 1837 hatte ihre Ursache in einem spekulativen Fieber. Die Blase zerbarst am 10. Mai 1837 in New York, als alle Banken die Konvertibilität von Papiergeld in Gold und Silber einstellten. Auslöser der Krise war unter anderem die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Andrew Jackson, darunter das „Specie Circular“ (Währungsrundschreiben), das nur Gold oder Silber als Zahlungsmittel bei Landverkäufen der US-Regierung zuließ. Es schränkte den Druck von Papiergeld der einzelnen staatlichen Banken ein und führte zu einer Währungsknappheit, die zum Ausbruch der Panik beitrug. Es folgten sechs Jahre wirtschaftlicher Depression, die dauerhafte Zahlungsunfähigkeit vieler Banken und rekordhafte Arbeitslosigkeit. Durch die Einführung des Telegrafen 1844 konnten erstmals Händler und Investoren außerhalb von New York am Handel teilnehmen. 1851 bis 1900

Ansturm auf die Fourth National Bank in New York 1873 Einen Börsenkrach erlebte New York am 24. August 1857, als der Zusammenbruch der Ohio Life Insurance & Trust Company eine Massenhysterie und Panikverkäufe auslöste. Die folgende Wirtschaftskrise von 1857 breitete sich in hoher Geschwindigkeit über die gesamte Welt aus. Ihren heutigen Namen „New York Stock Exchange“ (NYSE) erhielt die Börse am 29. Januar 1863. Mit der Fertigstellung des ersten permanent betriebenen Transatlantischen Telefonkabels 1866 beschleunigte sich die Kommunikation zwischen New York und London. Am 15. November 1867 wurden zum ersten Mal Börsenticker im Handel eingeführt. Die Erfindung durch Edward A. Calahan revolutionierte die Nachrichtenübermittlung an der Börse. Investoren besaßen nun die Möglichkeit, von überall Tagespreise einzuholen. Am 8. Mai 1869 kam es zum Zusammenschluss der NYSE mit dem Open Board of Brokers. Am 24. September 1869 bewirkten Goldspekulationen an der NYSE den ersten „Schwarzen Freitag“. Versuche der Spekulanten James Fisk und Jay Gould den Goldmarkt unter ihre Kontrolle zu bringen scheiterten und führten zum Zusammenbruch des Marktes. Seit dem 20. September 1869 hatten Fisk und Gould die Goldvorräte der Stadt New York so weit unter ihre Kontrolle gebracht, dass sie den Preis stark steigen lassen konnten. Die Goldnachfrage wurde am 24. September durch die Freigabe von Goldreserven der Regierung für den freien Handel gestoppt. Eine kurzfristige Finanzkrise in den USA war die Folge. Die „Panik von 1873“ führte am schwarzen Freitag, den 19. September des Jahres, zu einem schweren Finanzzusammenbruch, der eine anschließende Panik auslöste. Ursache war die Bankrotterklärung der Bank „Jay Cooke & Company“. Dieser Entwicklung war eine Spekulation mit Eisenbahngesellschaften und Landgrundstücken vorausgegangen. Um die Verkäufe zu stoppen, wurde zum ersten Mal in der Geschichte der NYSE der Börsenhandel für zehn Tage vom 20. bis zum 29. September 1873 eingestellt.

Panik an der Wall Street am Morgen des 14. Mai 1884 Die Bankenkrise von 1884 begann mit der Insolvenz der „Marine National Bank“ am 6. Mai des Jahres. Mit beinahe 17 Millionen US-Dollar Passiva standen dem Geldinstitut kaum nennenswerte Aktiva gegenüber. Am 13. Mai wurde bekannt, dass der Präsident der „Second National Bank“ Wertpapiere im Wert von drei Millionen US-Dollar unterschlagen hatte, am folgenden Tag ging die „Metropolitan Bank“ in Konkurs. Zwischen dem 12. und 14. Mai kam es an der NYSE zu massiven Kursverlusten. Eine Beruhigung trat erst ein, als die „Associated Banks“ am Nachmittag des 14. Mai 1884 sechsprozentige Darlehensscheine ausgab, und dem Geldmarkt kurz darauf größere Summen an Kapital zuflossen, die der hohe Zinssatz angelockt hatte, während die niedrigen Kurse Anleger zu größeren Käufen von Effekten veranlassten. Investoren verloren während der Bankenkrise vom Mai 1884 schnell den Überblick und Charles Dow reagierte auf die Ereignisse am Markt. Am 3. Juli 1884 veröffentlichte er den ersten US-amerikanischen Aktienindex, den Dow Jones Average, im von der Dow Jones & Company herausgegebenen Customers´ Afternoon Letter. Er bestand zunächst aus elf Werten. Dieser Index sollte den Investoren eine verständliche und repräsentative Zusammensetzung des Geschehens an der Börse bieten. 1885 wurde ein Index daraus, der auf 14 Aktien basierte. Bezeichnend für die damalige Zeit war, dass zwölf Werte davon Eisenbahnaktien und nur zwei Industrieaktien waren. Theaterplakat von 1895, das die Panik von 1893 darstellt Die „Panik von 1893“ begann am 20. Februar des Jahres, als die Philadelphia and Reading Railroad in Zwangsverwaltung überführt wurde. Am 4. März schrumpften die Goldreserven der USA auf den historischen Tiefststand von 100 Millionen Dollar. Die Investoren waren in Sorge vor einer baldigen Abwertung des Dollars. Nach dem Konkurs zahlreicher Unternehmen fand die Angst am 5. Mai, dem „Industrial Black Friday“, in massiven Aktienverkäufen ihren Höhepunkt. Im Juni 1893 brach der Silberpreis zusammen und viele Silberminen mussten ihre Produktion einstellen. Bis Ende des Jahres waren 15.000 Unternehmen bankrott, darunter 642 Banken und 74 Eisenbahngesellschaften. Eine vierjährige Depression folgte der Panik von 1893. Hauptursachen waren die 1890 beschlossene Erhöhung der Importzölle für bestimmte Rohstoffe im „McKinley Tariff Act“, benannt nach dem späteren US-Präsidenten William McKinley und der „Sherman Silver Purchase Act“ von 1890, der den Ankauf von Silber durch das US-Finanzministerium gegen in Gold einlösbare Schatzanweisungen regelte. Am 26. Mai 1896 wurde von Charles Dow der Dow Jones Industrial Average, auch kurz Dow-Jones-Index genannt, kreiert. Er umfasste anfangs lediglich zwölf Aktien und blieb bis heute der Leitindex der NYSE. Sein Allzeittief markierte der Index nur zweieinhalb Monate später, als er am 8. August 1896 auf 28,48 Punkte fiel.[3] Am 7. Oktober 1896 wurde der ursprüngliche Dow Jones Average um die Industrieunternehmen bereinigt und in Dow Jones Railroad Average (seit 1970 Dow Jones Transportation Average) umbenannt. 1901 bis 1950 1903 zog die NYSE in ein Gebäude in der Wall Street Nummer 11. Der Eingang befindet sich in 18 Broad Street, einer Querstraße. Dies ist bis heute der Standort der New York Stock Exchange. 1907 erlebte die Wall Street eine schwere Bankenkrise. Am 14. März 1907 verlor der Dow-Jones-Index 8,29 Prozent, als die Aktien der Eisenbahngesellschaft Union Pacific Railroad, die zum großen Teil als Sicherheit für Finanzierungswechsel verwendet wurden, um 50 Punkte sanken. Am 21. Oktober 1907 verweigerte die National Bank of Commerce die Einlösung von Wechseln der Knickerbocker Trust Company, der damals drittgrößten Bank New Yorks. Einen Tag später löste ein Massenansturm auf die Knickerbocker Trust Company eine allgemeine Panik an der Wall Street aus. Die Banken forderten ihre Kredite zurück, die Aktienkurse an der Börse brachen ein. Für eine Beruhigung sorgte der Unternehmer und Bankier John Pierpont Morgan, der sich mit weiteren Bankiers zusammenschloss und Liquidität bereitstellte. Dennoch notierte der Dow-Jones-Index Ende 1907 um 37,73 Prozent niedriger als zum Jahresanfang. Die Probleme bei der Kreditbeschaffung während der Finanzkrise von 1907 führten am 23. Dezember 1913 zur Gründung der US-Notenbank. Aufgrund des Ersten Weltkrieges war die Börse 1914 für viereinhalb Monate geschlossen. Als die New York Stock Exchange am 12. Dezember 1914 wiedereröffnete, schloss der Index bei 74,56 Punkten und damit um 4,4 Prozent über dem Schlussstand von 71,42 Punkten am 30. Juli des Jahres. In einigen Publikationen wird der 12. Dezember 1914 mit 24,39 Prozent als der Tag mit dem größten prozentualen Rückgang der Geschichte bezeichnet. In Wirklichkeit handelte es sich um eine Änderung in der Zusammensetzung des Index und nicht um einen tatsächlichen Rückgang. Am 4. Oktober 1916 veröffentlichte das Wall Street Journal erstmals einen Dow-Jones-Index mit 20 Aktien. Dieser wurde bis 12. Dezember 1914 auf einen Schlussstand von 54,62 Punkten zurückberechnet und lag an diesem Tag um 26,7 Prozent unter dem Schlussstand für den Index mit zwölf Aktienwerten. Bei einer Bombenexplosion am 16. September 1920 außerhalb des Gebäudes der Börse starben 38 Menschen, mehr als 400 wurden verletzt. Am 1. Oktober 1928 wurde die Anzahl der Aktienwerte im Dow-Jones-Index auf 30 erhöht und die Berechnung erfolgte fortan über einen bestimmten Divisor, der auch Aktiensplits berücksichtigt. Die Indexhöhe befand sich im Einklang mit dem vorherigen Index, der aus 20 Aktienwerten bestand. Eine Anpassung war somit nicht notwendig.

Börsencrash 1929 – Menschenmassen an der Wall Street Den folgenreichsten Börsenkrach erlebte die Welt am 24. Oktober 1929. Dieser Tag ist als Black Thursday („Schwarzer Donnerstag“) bekannt. In Europa kennt man den Tag wegen der Zeitverschiebung als „Schwarzen Freitag“, da es hier bereits nach Mitternacht war. Nachdem schon in den Vorwochen ein deutlicher Rückgang des zuvor Jahre lang stark steigenden Dow-Jones-Index verzeichnet worden war, brach an diesem Tag Panik unter den Anlegern aus. Die Börsenkurse stürzten stark ein, viele Anleger waren nach Börsenschluss hoch verschuldet. Dieser Börsenkrach gilt als Auslöser der Weltwirtschaftskrise. Auch wenn nur dieser eine Tag sprichwörtlich wurde, zog sich der eigentliche Kurssturz über Tage hin und der folgende Bärenmarkt erreichte erst am 8. Juli 1932 seinen endgültigen Tiefpunkt. An diesem Tag lag der Dow-Jones-Index um 89,19 Prozent unter seinem Höchststand vom 3. September 1929. Aufgrund dieser Ereignisse kam es am 6. Juni 1934 zur Einsetzung der United States Securities and Exchange Commission (SEC), der Börsenaufsicht. Den besten Handelstag verzeichnete die NYSE am 15. März 1933, als der der Dow-Jones-Index um 15,34 Prozent stieg. Hierbei ist zu beachten, das es der erste Handelstag seit 3. März 1933 war. Grund für die Handelsunterbrechung waren mehrere Bankfeiertage (National Banking Holidays), die wegen der Amtseinführung von Franklin D. Roosevelt als 32. US-Präsident erlassen wurden. Einen Tiefpunkt ihrer Geschichte erlebte die New York Stock Exchange 1938 durch die Verurteilung und Inhaftierung des früheren Präsidenten (1930–1935) und Mitglied des Verwaltungsrates der Börse (1919–1938) Richard Whitney, der zahlreiche Kunden um Geld betrogen hatte. Am 10. März 1938 brach sein Unternehmen Richard Whitney & Co. zusammen, als durch eine Untersuchung das ganze Ausmaß seines jahrelangen Missmanagements an die Öffentlichkeit kam. Als er Bankrott erklärte, hatte er ungefähr 6,5 Millionen US-Dollar Schulden. Wegen missbräuchlicher Verwendung fremder Mittel wurde er angeklagt, bekannte sich schuldig und wurde zu fünf bis zehn Jahren Haft verurteilt, von denen er drei Jahre und vier Monate im Gefängnis Sing Sing verbüßte. 1951 bis 2000 Am 31. Dezember 1965 ist der NYSE Composite eingeführt worden, der alle an der New York Stock Exchange gelisteten Unternehmen enthält. Am 24. August 1967 leitete der Polit- und Sozialaktivist Abbie Hoffman, Mitgründer der Youth International Party („Yippies“), eine Gruppe durch das Gebäude der New York Stock Exchange, um unter anderem gegen den Kapitalismus zu demonstrieren. Sie warfen von der Galerie Hände voller US-Dollar-Scheine auf die sich darunter befindenden Börsenhändler. Diese bemühten sich, so viele Scheine wie möglich in ihren Besitz zu bringen. Hoffmans Protest hob metaphorisch hervor, was die Makler seiner Meinung nach laufend taten. Die NYSE installierte daraufhin Barrieren, um diese Art des Protestes in Zukunft zu verhindern. Im Jahre 1979 wurde eine Tochtergesellschaft gegründet: die New York Futures Exchange (NYFE). Hier werden Termingeschäfte abgewickelt. Der erste Tag, an dem über 100 Millionen Aktien gehandelt wurden (132.681.120) war der 18. August 1982.

Die Börse 1999 Den schlechtesten Handelstag erlebte die NYSE am „schwarzen Montag“, den 19. Oktober 1987, als der Dow Jones Industrial Average innerhalb von wenigen Stunden 22,6 Prozent einbüßte (508 Punkte). Da dem Börsencrash keine einschneidenden Ereignisse vorausgingen, wird vermutet, dass mehrere Gründe zum „schwarzen Montag“ führten. Dazu gehören unter anderem die hohe Inflation, das steigende Handelsdefizit der USA, eine zunehmende Unsicherheit auf den Währungsmärkten und ein Vertrauensverlust in die US-amerikanische Währung. Als weitere Ursache gilt die Computertechnik der damaligen Zeit. Durch das große Handelsvolumen an diesem Tag kam es zur Anzeige falscher Preissignale, was zu massiven Aktienverkäufen führte. Um eine Wiederholung der Ereignisse von 1987 auszuschließen, wurde von der Börsenaufsicht SEC beschlossen, die NYSE nach einem Rückgang der Kurse von über 350 Punkten für eine halbe Stunde und von mehr als 550 Punkten für eine Stunde zu schließen. Die Regelung zur Aussetzung des Handels bei einer außergewöhnlichen Volatilität „Rule 80B“ (Trading Halts due to extraordinary Market Volatility) trat am 19. Oktober 1988 in Kraft. Am 27. Oktober 1997 wurde der Handel an der Börse nach einem Rückgang der Kurse um 554,26 Punkten zum ersten Mal in der Geschichte unterbrochen. Am 15. April 1998 trat eine geänderte Fassung der „Rule 80B“ in Kraft. Seit 28. August 2000 werden die Aktien am NYSE in Dezimalzahlen bewertet. Bis dahin war es üblich den Preis einer Aktie in Brüchen anzugeben.

Seit 2001

Wirtschaftsminister Donald Louis Evans läutet die Eröffnungsglocke zur Sitzung am 23. April 2003

Der Bulle ein Stück weit weg von der New York Stock Exchange Aufgrund der Terroranschläge in New York war die Börse zwischen dem 11. und 14. September 2001 für vier Handelstage geschlossen, da der gesamte Finanzdistrikt evakuiert wurde. Durch die Anschläge verloren fast alle Unternehmen, Händler und Banken in Manhattan Mitarbeiter oder Geschäftsfreunde. Nach Wiedereröffnung am Montag, den 17. September 2001, brachen die Kurse um 7,13 Prozent ein. 2003 startete die NYSE eine Kooperation mit der NASDAQ, die bis dahin der größte Konkurrent war. Das Handelsvolumen betrug im Durchschnitt etwa 45 Milliarden US-Dollar pro Tag. Im April 2005 kündigte die NYSE die Übernahme der elektronischen Handelsplattform Archipelago Exchange (ArcaEx) mit Sitz in Chicago an und stellte in der Folgezeit die Börse elektronisch um. Die ArcaEx begann 2002 mit dem Börsenhandel und übernahm im Januar 2005 die Pacific Exchange (PCX), eine 1882 als San Francisco Stock and Bond Exchange gegründete Börse. Am 7. März 2006 war der Kauf abgeschlossen und die Archipelago Exchange wurde in NYSE Arca umbenannt. Am 8. März 2006 ging die NYSE selbst nach 214 Jahren an die Börse. Durch den Zusammenschluss der NYSE Group und Euronext zur NYSE Euronext entstand am 4. April 2007 die erste transatlantische Börse in der Weltgeschichte. Das neue Unternehmen hatte eine Marktkapitalisierung von rund 30 Milliarden US-Dollar.

Die Wall Street 2003 Am 1. Dezember 2007 wurde Duncan Niederauer Geschäftsführer der NYSE Euronext. John Thain, der seit 1. Januar 2004 Chef der NYSE war, übernahm am gleichen Tag den Posten des Geschäftsführers bei Merrill Lynch. Niederauer, ein Deutsch-Amerikaner, und Thain hatten zunächst bei Goldman Sachs gearbeitet, wo der spätere US-Finanzminister Hank Paulson ihr Chef war. Am 17. Januar 2008 kündigte die NYSE Euronext die Übernahme der American Stock Exchange (AMEX) an. Die 1842 als New York Curb Exchange gegründete AMEX mit Sitz in New York ist auf den Handel mit Optionen und börsennotierten Fonds spezialisiert. Am 1. Oktober 2008 war der Kauf abgeschlossen und die AMEX wurde in NYSE Alternext U.S. umbenannt. Fünf Monate später, am 6. März 2009, bekam die Börse den Namen NYSE Amex. Während der internationalen Finanzkrise fiel der Dow-Jones-Index zwischen 9. Oktober 2007 (14.164,53 Punkte) und 9. März 2009 (6.547,05 Punkte) um 53,8 Prozent. Am 13. Oktober 2008 erzielte er mit einem Plus von 11,08 Prozent den größten prozentualen Tagesgewinn seit 21. September 1932. Zwei Tage später, am 15. Oktober 2008, markierte der Index mit einem Minus von 7,87 Prozent den größten prozentualen Tagesverlust seit 26. Oktober 1987. Am 6. Mai 2010 führten Panikverkäufe zu dem, nach Punkten gemessen, massivsten Einbruch des Dow-Jones-Index in der Geschichte der Börse. Innerhalb einer Viertelstunde fiel der Index auf einen Stand von 9.869,62 Punkten, was einem Tagesverlust von 998,50 Zählern oder 9,19 Prozent entsprach. Der Dow Jones beendete den Handel bei 10.520,32 Punkten und damit mit einem Minus von 3,20 Prozent. Am 30. September 2010 kamen die Commodity Futures Trading Commission und die United States Securities and Exchange Commission in einem gemeinsamen Bericht zu dem Ergebnis, dass es beim so genannten Flash Crash zu einer Liquiditätskrise gekommen sei, als ein einzelner Händler im Rahmen von Absicherungsgeschäften 75.000 E-Mini-Kontrakte im Wert von 4,1 Milliarden Dollar computergesteuert nur abhängig vom aktuellen Handelsvolumen verkauft habe. Meilensteine Die Tabelle zeigt die Meilensteine täglich gehandelter Aktien (Einfachzählung) an der New York Stock Exchange (einschließlich NYSE Arca und NYSE Amex). Erster Tag über Handelsvolumen Datum 1 Million 1.095.159 15. Dezember 1886 5 Millionen 5.252.425 12. Juni 1928 10 Millionen 12.894.650 24. Oktober 1929 50 Millionen 52.278.180 14. April 1978 100 Millionen 132.681.120 18. August 1982 500 Millionen 604.330.410 19. Oktober 1987 1 Milliarde 1.201.346.607 28. Oktober 1997 2 Milliarden 2.129.445.637 4. Januar 2001 3 Milliarden 3.115.805.723 24. Juni 2005 4 Milliarden 4.121.107.134 27. Februar 2007 5 Milliarden 5.194.963.971 22. Juni 2007 6 Milliarden 6.555.871.957 18. September 2008 7 Milliarden 7.341.505.961 10. Oktober 2008

Hintergründe Mit einer Marktkapitalisierung von über 10 Billionen HK$ (1,3 Billionen US$) rangiert die Börse an achter Stelle der in der Welt gelisteten Börsen bezüglich der Marktkapitalisierung[1]. Hong Kong Exchanges and Clearing Limited (HKEx, 香港交易及結算所有限公司, auch 香港交易所 oder 港交所) ist Eigentümer von Hong Kong Limited, Hong Kong Futures Exchange Limited und Hong Kong Securities Clearing Company Limited. Der Handelsplatz erfreut sich auch bei chinesischen Unternehmen wie der Hunan Nonferrous, dem größten Zinkproduzenten der Volksrepublik, aufgrund seines etablierten Zugangs zum Kapitalmarkt großer Beliebtheit. Die Börse Hongkong ist eine der drei chinesischen Börsen. Des weiteren bestehen die Börse Shanghai und die Börse Shenzen. Öffnungszeiten der Börse: 10:00 – 12:30 und 14:30 – 16:00 Uhr Ortszeit (Winterzeit: 03:00 – 05:30 und 07:30 – 09:00 Uhr MEZ) (Sommerzeit: 04:00 – 06:30 und 08:30 – 10:00 Uhr MESZ) Der Geburtsort des Wertpapierhandels in China liegt in Shanghai, wobei die Wurzeln bis in das Jahr 1860 zurückverfolgt werden können. 1891 wurde der so genannte „Shanghaier Aktienhändler Verband” gegründet, welcher als Ursprung des chinesischen Aktienhandels angesehen wird. In den 1930er Jahren später hat sich der Finanzplatz Shanghai als das größte Finanzzentrum im Fernen Osten etabliert. Zu diesem Zeitpunkt war es für chinesische und ausländische Investoren noch möglich Aktien, Staatsanleihen und Derivate zu handeln. Der Höhenflug der Shanghaier Börse wurde jäh durch die Machtübernahme Mao Zedongs unterbrochen, der jeglichen Aktienhandel untersagte. Erst unter der Führung von Deng Xiaoping konnte die Arbeit an der Börse wieder aufgenommen werden. 1981 wurde der Handel mit Staatsanleihen und 1984 der Handel mit Aktien und Unternehmensanleihen wieder aufgenommen. Die Handelsplätze waren hauptsächlich Shanghai und ein paar weitere chinesische Städte. Am 26. November 1990 feierte die Shanghai Stock Exchange (SSE) ihr Debüt an den internationalen Finanzmärkten. Börse Die SSE ist eine nicht gewinnorientierte Organisation und unterliegt der „China Securities Regulatory Commission” (CSRC). Nach nur wenigen Jahren hat sich der Finanzplatz in Schanghai zur führenden Börse in „Mainland China” entwickelt. In Schanghai sind die meisten Unternehmen und Aktien gelistet, die SSE hat die größte Marktkapitalisierung, ist führend in Aktienumsätzen, im Börsenwert und bei den Umsätzen in Staatsanleihen etc. Das Jahr 2007 endete sehr erfolgreich für die Börse in Schanghai mit über 71,3 Mill. Investoren, 860 gelisteten Unternehmen und einer Marktkapitalisierung von über 26,98 Billionen RMB. Im gleichen Jahr wurden über 661,6 Mrd. RMB durch Neuemmissionen beschafft. Eine große Anzahl an Unternehmen aus verschiedenen Schlüsselindustrien, wie dem Baugewerbe und den High-Tech Sektoren haben sich selbst nicht nur Kapital beschafft, sondern konnten ebenfalls Ihren Ruf und das operative Geschäft durch die Listung an der SSE deutlich verbessern. Der SSE Composite Index erreichte am 26. Februar 2007 zum ersten Mal über 3.000 Punkte. Am folgenden Tag fiel er um 8,84 Prozent auf 2.771,79 Punkte. Am 23. August 2007 überschritt der Index zum ersten Mal die Marke von 5000. Die rasante Entwicklung des Shanghai Composite Index seit 2006 ist für viele Börsenkenner bereits das Signal einer Überhitzung. Die „Blase” ist z. T. durch viele private Anleger getrieben, welche selbst kleinste Beträge (auch häufig kreditfinanziert) investieren in der Hoffnung, noch rechtzeitig beim großen Geschäft eingestiegen zu sein. In den Straßen der Städte sieht man die Menge vor den Kurstafeln der Banken gebannt verharren. Realwirtschaftlich ist nur ein kleinerer Teil des Kursaufriebs gerechtfertigt, aber die Marktenge vieler Papiere erzeugt den Auftrieb. Staatliche Stellen warnen die Kleinanleger vor Leichtsinn, bisher ohne Wirkung. Am 16. Oktober 2007 erreichte der Composite Index 6.092 Punkte und damit den höchsten Stand in seiner Geschichte. Bis Mitte Juni 2008 fiel der Index seitdem um mehr als 50% auf unter 3.000 Punkte, bis Mitte September 2008 auf unter 2000 Punkte. Die Börsenwerte der chinesischen Unternehmen sind allerdings nur mit Vorbehalt zu lesen, da sich die Aktien überwiegend in heimischer Hand befinden und die Börse in Shanghai, auf deren Kursbasis die chinesischen Börsenwerte errechnet werden, ausländischen Investoren weitgehend versperrt ist. Ausländer handeln gegenwärtig chinesische Aktien überwiegend an der Börse in Hongkong. Shanghai Stock Exchange Top Ten (nach Marktkapitalisierung: Stand: 2007) 1. Industrial and Commercial Bank of China (1.397,86 Milliarden) 2. China Life Insurance (904,78 Milliarden) 3. Bank of China (887,31 Milliarden) 4. Sinopec (692,22 Milliarden) 5. China Merchants Bank (201,09 Milliarden) 6. Shanghai International Port (164,56 Milliarden) 7. Baosteel (161,81 Milliarden) 8. Daqin Railway (114,71 Milliarden) 9. CITIC Securities (107,99 Milliarden) 10. Shanghai Pudong Development Bank (104,30 Milliarden) Geschichte Die Börse wurde am 15. Mai 1878 in Tokio gegründet und 1943 mit anderen kleineren Börsen des Landes zur einzigen Börse Japans zusammengeschlossen. Am 30. April 1999 wurde der gesamte Parketthandel zugunsten des elektronischen Börsenhandels (Computerbörse) aufgegeben. Im November 2005 war es an der Tokioter Börse wegen eines Programmfehlers stundenlang nicht möglich, Handel zu betreiben. Im Januar 2010 gab die Tokioter Börse den Start eines neuen schnellen Handelssystems mit dem Namen Arrowhead bekannt, das eine Latenzzeit von 5 Millisekunden haben soll. Hintergründe An der Tokioter Börse werden Aktien von über 2200 japanischen und 31 ausländischen Unternehmen gehandelt. Börsenindex der Tokioter Börse ist der Nikkei 225, initiiert von der Nihon Keizai Shimbun (kurz: Nikkei), der heutzutage in der Version mit 225 Werten zum Standard gehört. In den Jahren der Stagnation nach dem Ende der Bubble-Economy 1990 wurde der umfangreichere TOPIX (Tokyo Price Index) mit 1645 Werten ungleich aussagekräftiger, da der damalige Nikkei 300 zu einem großen Teil Aktien von Firmen notierte, deren Aktien von anderen Holdings hauptsächlich zu strategischen Beteiligungszwecken statt zu Anlagezwecken gehortet wurden und praktisch nicht am Markt verfügbar sind. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts ist der Topix nicht über die Werte aus der Anfangszeit der Bubble Economy (1985-86) hinausgekommen und verharrt somit abgesehen vom Hoch Ende der 80er-Jahre seit 20 Jahren auf etwa dem gleichen Niveau (Tabelle im japanischen Artikel). Gründe sind unter anderem der weitgehende Vertrauensverlust und die Zurückhaltung bei Privatanlegern, wofür zahlreiche Finanzskandale, unlautere Geschäftspraktiken und wiederholtes grobes Missmanagment in den meisten großen Finanzinstituten verantwortlich sind. Handel Die Tokioter Börse ist geöffnet montags bis freitags von 9:00 Uhr bis 11:00 Uhr und 12:30 Uhr bis 15:00 Uhr Ortszeit (entspricht 1:00 Uhr bis 3:00 Uhr und 4:30 Uhr bis 7:00 Uhr MEZ, bei Sommerzeit jeweils eine Stunde später, weil Japan keine Sommerzeitumstellung vornimmt). Gründung der Euronext Die Euronext wurde am 22. September 2000 als Holdinggesellschaft niederländischen Rechts durch die Fusion der Börsen von Amsterdam, Brüssel und Paris gegründet. Anfang 2002 expandierte die Euronext durch den Zusammenschluss mit der portugiesischen Börse „Bolsa de Valores de Lisboa e Porto“ (BVLP) und die Übernahme der Londoner Terminbörse „London International Financial Futures and Option Exchange“ (LIFFE). Danach war die Euronext die größte grenzüberschreitende Börse Europas. Der Aktienindex Euronext 100 umfasst die 100 stärksten Werte dieser Börsen. Fusion mit der NYSE zur NYSE Euronext Im Februar 2006 schlug die Deutsche Börse eine „Fusion unter Partnern“ mit der Vierländerbörse Euronext vor, ohne dabei die Offerte mit Details zu versehen. Nachdem sich der Aufsichtsrat von Euronext für einen Zusammenschluss mit der New York Stock Exchange (NYSE) ausgesprochen hatte, da das Angebot attraktiver sei als das der Deutschen Börse, legte die Deutsche Börse im Mai 2006 erstmals ein konkretes Kaufangebot für Euronext vor, das das der NYSE übertraf. Man bot 76,60 Euro je Euronext-Aktie oder rund 8,6 Milliarden Euro in bar und in Anteilen der neuen Gesellschaft. Euronext wies die Offerte jedoch zurück. Am 2. Juni 2006 einigten sich Euronext und die NYSE auf eine Fusion. Euronext-Aktionäre erhielten nach Zustimmung der Aktionäre der beiden Börsen und der Aufsichtsbehörden für jede Euronextaktie 0,98 Aktien der NYSE und zusätzlich 21,32 Euro in bar. Der Zusammenschluss wurde am 19. Dezember 2006 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Euronext endgültig beschlossen. Durch die Fusion am 4. April 2007 entstand der erste transatlantische Börsenbetreiber in der Geschichte. Das neue Unternehmen hat eine Marktkapitalisierung von rund 30 Milliarden US-Dollar. Der Aktienindex Next 150 umfasst die 150 stärksten Werte dieser Börsen. Übernahme der American Stock Exchange Am 17. Januar 2008 kündigte die NYSE Euronext die Übernahme der American Stock Exchange (AMEX) an. Die Aktionäre erhielten in den folgenden Monaten Aktien im Wert von 260 Millionen Dollar (178 Millionen Euro). Die 1911 gegründete AMEX mit Sitz in New York ist auf den Handel mit Optionen und börsennotierten Fonds spezialisiert. Die AMEX hatte 2007 eine Kooperation oder einen Zusammenschluss mit verschiedenen Börsen geprüft. Als ein möglicher Partner oder Käufer war auch die Deutsche Börse im Gespräch gewesen. Am 1. Oktober 2008 war der Kauf abgeschlossen und die AMEX wurde in NYSE Alternext U.S. umbenannt. Fünf Monate später, am 6. März 2009, bekam die Börse den Namen NYSE Amex. Fusion mit der Deutschen Börse Am 9. Februar 2011 gaben die Deutsche Börse und die NYSE Euronext bekannt, dass man sich in "fortgeschrittenen Fusionsverhandlungen" befände. Die Aktien beider Unternehmen wurden vom Handel ausgesetzt. Bei der Fusion sollen die Aktionäre der Deutsche Börse AG einen Anteil von über 50 Prozent an dem fusionierten Unternehmen bekommen, da die Marktkapitalisierung der Deutschen Börse mit 11,4 Mrd. Euro diejenige der NYSE Euronext mit 6,7 Mrd. Euro deutlich übersteigt. Handelsplätze Börsen und Aktienindizes Die Tabelle zeigt die Handelsplätze und deren wichtigste Aktienindizes. Börse Land Sitz Aktienindex Euronext Amsterdam Niederlande Niederlande Amsterdam AEX Euronext Brüssel Belgien Belgien Brüssel

BEL 20

Euronext Lissabon Portugal Portugal Lissabon

LIFFE

Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich London

New York Stock Exchange Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten New York Dow Jones Industrial Average NYSE Alternext

Frankreich: John Law

Paris

NYSE Amex Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten New York NYSE Arca Gold BUGS Index NYSE Arca Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Chicago, San Francisco

Was ist Freigeld und warum brauchen wir es? Freigeld ist umlaufgesichertes Geld, das frei vom Störfaktor Zins ist. Dadurch ist es wieder auf seine ursprüngliche Funktion als reines Tauschmittel zurückgeführt und kann nicht mehr als Schatzmittel zur Wertaufbewahrung zweckentfremdet oder zur Spekulation mißbraucht werden. Es hat damit auch aufgehört, Herrschaftsinstrument zu sein, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Statt einer Belohnung mit Zinsen für dem Wirtschaftskreislauf entzogenes und zu spekulativen Zwecken gehortetes Geld, gibt es bei Freigeld eine „Bestrafung“ mit „Antizinsen“ (Umlaufsicherungsgebühr, Gebrauchsgebühr, „Parkgebühr für geparktes Geld“), wenn das Geld nicht wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt wird. Das betrifft aber nur Bargeld und Geld auf Girokonten; nicht aber langfristig festgelegtes Geld. Dann muß nämlich die jeweilige Bank diese Kosten tragen, sofern sie das Geld nicht in Form von zinslosen Krediten weiterverleiht. Freigeld hat durch diese Maßnahmen eine hohe Umlaufgeschwindigkeit, d. h., es wird immer schnell wieder zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen ausgegeben oder als zinsloser Kredit weiterverliehen an jemanden, der etwas Sinnvolles damit machen will. Das bringt die Wirtschaft ungeheuer in Schwung, verhindert Warenstockungen, schafft gut bezahlte Arbeitsplätze, führt zu niedrigen Preisen und damit allgemeinem Wohlstand. Siehe auch: Freimark. Wem nützt Freigeld und wem „schadet“ es? Fast alle Kleinsparer und Kleinanleger erliegen der (von den Medien suggerierten) Illusion, daß ihnen das Zinssystem Vorteile bringe, weil sie ja dadurch auf ihr Erspartes Zinsen bekommen („Mein Geld arbeitet für mich“). Das ist jedoch ein Trugschluß, weil die meisten Bürger in Wahrheit mehr Zinsen zahlen müssen als sie umgekehrt Bankzinsen erhalten: Der „Staat“ holt sich die Zinsen für die exponentiell wachsenden „Staatsschulden“ (z. Z. ca. 1,5 Billionen Euro) durch Steuern und Abgaben von den Bürgern. Die Mineralölsteuer z. B. wurde in der „BRD“ von 1950-2003 auf unglaubliche 2.450 % erhöht, nämlich von 0,06 DM auf 0,721 Euro. Und damit nicht genug: auf die Mineralölsteuer wird noch mal die Umsatzsteuer fällig, also Steuer auf die Steuer! – Das sind 80 % versteckte Zinsen für jeden, der Auto fahren will oder muß (und wer muß das heute schon nicht?!). Ähnlich ist es bei Strom, Gas, Miete, Immobilien. Auch die deutsche Wirtschaft ist hochverschuldet, muß mit über 80 % Fremdkapital arbeiten und dafür natürlich Zinsen an die „Geldgeber“ zahlen. Diese Zinskosten (der „Kapitaldienst“) müssen von den Unternehmen in die Produktpreise mit einkalkuliert werden, so daß wir bei allen Produkten und Dienstleistungen von A bis Z, von Auto über Bier bis Zahnpasta, mindestens 30 % versteckte Zinsen mitbezahlen. Im Jahr 2000 mußte so jeder Haushalt in der „BRD“ bereits ca. 17.000 Euro seines hart erarbeiteten Einkommens in Form von versteckten Zinsen an wenige Zinsschmarotzer abgeben, ob er wollte oder nicht! Alle diejenigen, die weniger als 17.000 Euro Zinsen auf ihr angelegtes Geld bekommen, sind in Wirklichkeit Zinszahler und gehören damit zu den Verlierern der Zinswirtschaft. – doch 99 % aller Menschen hierzulande sehen das nicht, weil diese Zinszahlungen in Preisen, Steuern und Abgaben raffiniert versteckt sind. Sie wundern sich nur, warum alles immer teurer wird. Damit ist zugleich auch gesagt, wem Freigeld nützt und wem Freigeld „schadet“: Es nützt der überwältigenden Mehrheit der Zinsverlierer und es „schadet“ der kleinen Minderheit von Zinsgewinnlern, innerhalb derer es auch noch einmal riesige Unterschiede gibt. Die 300 reichsten Familien, die täglich um mehrere Millionen Dollar, Euro oder Pfund reicher werden, besitzen mehr als die sagenumwobenen 500 Millionen Dollar und sind damit die Extremgewinner des Zinssystems, weil sie sich nicht nur auf die Zinsen allein stützen können, sondern auch auf die durch das Zinssystem entstandenen und in ihrer Hand befindlichen Monopole. Dabei ist der Anteil der Monopolgewinne oft noch größer als der der Zinsen, (wobei letztere aber der Schlüssel zur Macht sind). Man denke hierbei nur mal an das Erdöl: Die angloamerikanische Hochfinanz läßt die USA den Irak überfallen, drückt den „Verbündeten“, dem eigenen Volk und den Verlierern die Kosten auf und diktiert die Preise nach Belieben.

Diese 300 Jahre von etwa 1150-1450 waren Deutschlands glücklichste Zeit: Das damalige Silberbrechgeld, die sog. „Brakteaten“ (bractes = dünnes Blech), „drehten sich“ 52 mal schneller als unser heutiges Zinsgeld, weil beim halbjährlichen Umtausch der Münzen Umtauschgebühr zu zahlen war und Geld „sparen“ sich deshalb nicht lohnte. Um dem Umtauschverlust zu entgehen, gaben es die Bürger lieber schnell wieder für Waren oder Handwerker aus, verliehen zinslos Geld, das sie selbst nicht unmittelbar benötigten oder spendeten es für Dombauten. Aus dieser Zeit stammt auch das Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“. Die Folge: 300 Jahre ununterbrochener wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung. Fischerdörfer wuchsen zu mächtigen Hanse-Städten. Der Handel blühte. Arbeitslosigkeit und Armut war jegliche Basis entzogen. Die kaum mehr als 20.000 Bürger der - nach heutigen Begriffen kleinen - Stadt Köln hatten genug Geld, um das größte Dombauprojekt aller Zeiten in Angriff zu nehmen – mit der Technik vor 800 Jahren, ohne Kräne, Alu-Gerüste, Diamant-Schneidmaschinen, etc.! Die Bauern hatten Silber-Knöpfe an ihrer Kleidung und die Adligen beschwerten sich, daß die Handwerksmeister samtene Anzüge trugen und von ihnen äußerlich nicht mehr zu unterscheiden waren. Es gab die Vier-Tage-Arbeitswoche mit dem „Blauen Montag“, damit sich die „Arbeitsleut’“ von den Wochenend-Feierlichkeiten vor Arbeitsbeginn wieder erholen konnten. Die Wochenarbeitszeit lag bei 20-30 Stunden und es gab mehr als 150 arbeitsfreie Feiertage. In den Gasthöfen gehörte Silberbesteck zum allgemeinen Standard. Die Menschen lebten nicht, um zu arbeiten, sondern sie arbeiteten, um zu leben. Der weit verbreitete Wohlstand wurde durch Arbeit erworben und nicht durch leistungslose Zinsen. Wer nicht die Absicht hatte reich zu werden, konnte mit einer kurzen Arbeitszeit seinen Lebensunterhalt verdienen. Auf Betreiben machtsüchtiger Kaufleute, wie der Fugger, wurden die Brakteaten durch den „Ewigen Pfennig“, den „Dickpfennig“ abgelöst. Das Tauschmittel Geld wurde dann nur noch hochverzinst verliehen und wurde damit zugleich Schatzmittel und Machtmittel. Binnen weniger Jahre verschwand der allgemeine Wohlstand und der Reichtum konzentrierte sich nun immer mehr bei den großen Geldverleihern, die das gehortete Geld nur gegen Wucherzinsen wieder herausrückten und die damit sogar Kaiser und Könige in ihre Abhängigkeit brachten. Der Zins-Wucher mit seiner zwangsläufigen Folge der Polarisierung des Volkes in ganz wenige unvorstellbar Reiche auf der einen Seite und massenhafter Verelendung auf der anderen Seite, was zu blutigen Kriegen führte, nahm derartige Ausmaße an, daß sich sogar der Papst (Benedikt XIV.) damit befassen mußte. In seiner berühmten „Enzyklika gegen die Wuchersünde des Zinses vom 1. November 1745“ verurteilte er auf das Schärfste jegliches Darlehenszinsnehmen als „Schandmal und Laster“, das „von den Hl. Schriften gebrandmarkt wird“ und „daß es sich in verschiedene Formen und Gestalten hüllt, um die durch Christi Blut zur Freiheit und Gnade zurückgeführten Gläubigen wieder jählings ins Verderben zu stürzen“. Auf den großen Dom-Baustellen konnte „wegen fehlendem Geld“ mehr als 300 Jahre nicht weitergebaut werden. Diese historisch belegten Fakten lassen erahnen, wie gut es uns allen erst recht beim heutigen Stand von Technik und Wissenschaft gehen könnte, wenn das Geld wieder ein dienendes wäre und die wirtschaftlichen Ergebnisse nicht durch den Zins in unvorstellbarem Maße zu Gunsten einer mikroskopisch kleinen Schicht von Zinsschmarotzern umverteilt würden. Amerika schöpfte 1750 sein eigenes Geld In den damaligen englischen Kolonien (Neu England) gab es Im Gegensatz zum englischen Mutterland Wohlstand und Überfluß in jedem Heim und es herrschte Frieden an allen Grenzen. Der Grund dafür war: die Kolonien gaben ihr eigenes Papiergeld, genannt „Colonial Scrip“ (Kolonialaktie), heraus und hatten an niemanden Zinsen zu zahlen. Sie gaben es in angemessener Menge heraus, damit die Waren leicht vom Produzenten zum Konsumenten übergehen konnten. Als die englischen Bankiers nach einem Besuch Benjamin Franklins im Mutterland davon erfuhren, ergriffen sie sofort die „nötigen“ Gegenmaßnahmen, indem sie das britische Parlament veranlaßten, das unabhängige Kolonialgeld per Gesetz zu verbieten und nur noch die Benutzung des englischen Geldes zu gestatten, das sie in unzureichender Menge zur Verfügung stellten. Ein Jahr nach Vollzug des Verbotes waren die Straßen in den Kolonien mit Arbeitslosen und Bettlern besetzt, genau so wie in England, weil es nicht genug Geld gab, Arbeit und Waren zu bezahlen. Die Bankiers hatten das umlaufende Tauschmittel auf die Hälfte reduziert und lähmten damit alle industriellen Energien des Volkes. Die einst blühenden Kolonien wurden in kürzester Zeit ruiniert und jede Familie und jedes Geschäft wurde von schlimmster Not heimgesucht. Dies war der wahre Grund für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776. Guernsey 1815 Dieses Freigeldexperiment wurde erst jüngst dem Vergessen entrissen, weil es die Bankiers auf seltsame Art immer wieder schaffen, daß aus den Schulbüchern alles das entfernt wird, was Licht auf ihr schändliches Treiben werfen könnte. Ausführlich nachzulesen ist dieses Freigeldexperiment in dem Buch von Hermann Benjes „Wer hat Angst vor Silvio Gesell?“ Hier nur eine kurze Zusammenfassung: Auf der britischen Kanalinsel war es zu einem „unerklärlichen“ Geldmangel gekommen, der den einst florierenden Obst- und Gemüseanbau auf der klimatisch begünstigten Insel schließlich zusammenbrechen ließ, die Menschen zur Verzweiflung brachte und die Inselverwaltung in den Konkurs trieb. Die Zinszahlungen an Londoner Banken und die vom englischen Mutterland eingetriebenen Steuern brachten den Zahlungsverkehr schließlich ganz zum Erliegen. Der Schuldendienst hatte 1815 ein Ausmaß erreicht, daß das gesamte Steueraufkommen der Inselbewohner nicht mehr ausreichte, um die Zinsforderungen Londoner Banken zu bedienen. In dieser schier ausweglosen Situation ließ der Gouverneur der Insel das fehlende Geld einfach selber drucken, brachte es als Zweitwährung neben dem englischen Pfund in Umlauf und ließ damit alles bauen was die Insel benötigte, um sich aus dem Würgegriff der englischen Schmarotzer zu befreien: eine Markthalle, Straßen, Schulen und gleich mehrere Windmühlen. Damit brauchte die Insel nicht mehr das teure englische Mehl zu importieren und konnte sich vom Diktat der englischen Mühlenbesitzer befreien. In nur 10 Jahren hatte sich Guernsey dank Freigeld in eine blühende Insel verwandelt. Die Erfurter Wära 1929-1931 In Erfurt wurde 1929 die überregionale Wära-Gesellschaft gegründet, der sich binnen zwei Jahren über 1.000 Firmen aus allen Teilen Deutschlands anschlossen. Ein jähes Ende fand diese erfolgreiche und sich ausweitende Freigeldinitiative 1931 durch Verbot des Reichsfinanzministers. Das „Wunder von Wörgl“ 1932 In der Tiroler Gemeinde Wörgl stieg die Arbeitslosenzahl 1932 infolge der Weltwirtschaftskrise auf über 1500. Das magere Stempelgeld gab es nur wenige Monate; danach mußten die Arbeitslosen auf Kosten der Gemeindekasse leben, in der wegen sinkender Steuereinnahmen auch bald Ebbe war. Ein wahrer Teufelskreislauf war im Gange, der nicht zu durchbrechen schien: Ein Geschäft nach dem anderen mußte dicht machen, weil die Leute kein Geld hatten, um einzukaufen; Betriebe mußten schließen und ihre Beschäftigten entlassen, weil der Handel keine Ware mehr bestellte. Und in die Gemeindekasse kam immer weniger Geld, weil immer mehr Leute auch keine Steuern mehr bezahlen konnten. Eine absurde Situation: Der Bedarf war riesig und die Arbeitskraft lag brach – weil das Geld fehlte, genauer gesagt, weil es nicht da war wo es gebraucht wurde, weil es als Tauschmittel den Händen der schaffenden Menschen entglitten war und über die Zinskanäle in die Taschen einiger weniger gerutscht war, die das Geld nicht mehr dem Warenmarkt zuführten, sondern es als Spekulationsmittel zurückhielten. Geldstauung führt unausweichlich zu Warenstauung und Arbeitslosigkeit. Nur wenn Geld von Hand zu Hand geht, ist die Wirtschaft in Schwung. Der damalige Bürgermeister Michael Unterguggenberger machte aus der Not eine Tugend: Da sich in der Gemeinde ohnehin schon das meiste im Tausch Ware gegen Leistung und damit an der Steuer vorbei abspielte, führte er - mit Zustimmung aller Parteien von links bis rechts und mit Unterstützung von Kirche, Bank, Gewerbeverein und Gewerkschaft - ein eigenes Geld ein. Dieses Geld war ein besonderes Geld. Es war nach der Freigeld-Freiland-Theorie des deutsch-argentinischen Kaufmanns und Sozialreformers Silvio Gesell (1862-1930), dessen Anhänger der Bürgermeister war, so beschaffen, das es zum Ausgeben drängte und seine Hortung nicht lukrativ war - im Gegensatz zum „normalen“ (Zins-)Geld. Damit kam die Wirtschaft schnell wieder in Schwung. Auch in die Gemeindekasse kam wieder Geld, weil die Leute ihre Steuerschulden mit dem „Notgeld“ bezahlten. Damit stand wieder Geld für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zur Verfügung: In kurzer Zeit konnten die Kanalisation gebaut, eine Brücke fertig gestellt und Straßen erneuert werden. Der Erfolg war überwältigend und sprach sich schnell herum. Sogar der amerikanische Rundfunk brachte einen Beitrag über das Experiment von Wörgl und zeigte sich von 3 Wirkungen besonders beeindruckt: 1. von der erstaunlichen Senkung der Arbeitslosenzahl in kurzer Zeit, 2. von der Stärkung der regionalen Kaufkraft und 3. von der schnellen Sanierung der Gemeindefinanzen. Dazu einige Zahlen, die die Wirkung von Freigeld im Unterschied zum Zinsgeld deutlich machen: Es wurde eine Umtauschgebühr von 1 % im Monat, bzw. 12% im Jahr erhoben, wodurch die Stadt läppische 740 Schilling einnahm. Demgegenüber standen 3.000.000 Schilling Umsatz. Die Umlaufgebühr betrug also effektiv nur 0,00025 %. So reichten 5000 Wörgl-Schillinge bei einer Bevölkerung von 10.000 Einwohner aus, um für 3.000.000 Schillinge Waren zu bewegen. In derselben Zeit bewegte dieselbe Geldmenge an (Zins-)Geld der österreichischen Nationalbank nur etwa 40.000 Schillinge. Anders ausgedrückt: 1 Wörgl-Schilling wechselte 500 Mal im Jahr den Besitzer, während der „normale“ Österreichische Schilling nur 8 Mal in andere Hände geriet. Nachdem rund 150 Gemeinden Freigeld nach Wörgler Vorbild einführen wollten, schrillten bei den Bankiers alle Alarmglocken. Die österreichische Nationalbank pochte auf ihr Notenmonopol und setzte über den Staat das Verbot des Wörgler Freigeldexperimentes durch. Da Freigeld unweigerlich zu einer vom Kapitalismus befreiten Marktwirtschaft führt - einer wahren Horrorvision für die Bankiers – zertraten diese das zarte Pflänzchen einer natürlichen Wirtschaftsordnung in Wörgl und finanzierten lieber den „Krisenbewältiger“ Hitler mit Rüstung, Krieg und Zerstörung. Geschadet hat ihnen das nicht, ganz im Gegenteil, sie gehen alle Zeit als lachende Gewinner aus jeglichem Konflikt hervor, egal wie viele Millionen Tote und unvorstellbare Zerstörung es gibt. Je größer die Zerstörung, um so besser (für diese Herrschaften), denn um so höhere Zinsen können sie für das für den anschließenden Wiederaufbau benötigte (Kredit-)Geld erpressen. „Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz des Rufs der Millionen: ‚Nie wieder Krieg!’, entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft beibehalten wird, so wage ich es heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen. Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch ein Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. … Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein.“ (Silvio Gesell 1918 in einem offenen Brief an die „Berliner Zeitung am Mittag“) „Krieg ist der Terror der Reichen – Terror ist der Krieg der Armen.“ (Harry Zingel) „Geld ist der Wolf im Schafspelz“ Silvio Gesell) „Auch in der Demokratie gehört Mut zum Wahrheitsbekenntnis, wenn es sich um das Kapital handelt.“ Silvio Gesell) „Das Privileg, sein eigenes Geld zu schöpfen und in Umlauf zu bringen, ist das höchste Alleinrecht des Staates und seine größte kreative Möglichkeit. Die Menschen erhalten damit eine Währung, die so sicher ist wie die Macht des Staates. Anstatt die Menschen zu beherrschen, wird es zum Diener der Menschheit. Die Demokratie wird dadurch stärker als die Geldmacht.“ (Abraham Lincoln, 16. amerikanischer Präsident) „Ich sehe in naher Zukunft eine Krise heraufziehen. Sie enerviert mich und läßt mich um die Sicherheit meines Landes zittern. In Friedenszeiten schlägt die Geldmacht Beute aus der Nation und in Zeiten der Feindseligkeiten konspiriert sie gegen sie. Sie ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Autokratie, selbstsüchtiger als eine Bürokratie. Sie verleumdet all jene als Volksfeinde, die ihre Methoden in Frage stellen und Licht auf ihre Verbrechen werfen. Aktiengesellschaften sind inthronisiert worden, und eine Zeit der Korruption an höchsten Stellen wird folgen, und die Geldmacht des Landes wird danach streben ihre Herrschaft zu verlängern, indem sie die Vorurteile des Volkes ausspielt, bis der Reichtum in den Händen von wenigen angehäuft und die Republik vernichtet ist.“ (Abraham Lincoln, 5 Monate vor seiner Ermordung am 14. April 1865) „Den Parteien, samt und sonders, fehlt das wirtschaftliche Programm; zusammengehalten werden sie alle nur durch Schlagworte.“ Die N. W.-O. (Natürliche Wirtschafts-Ordnung), die ohne irgendwelche gesetzlichen Maßnahmen von selber steht, die den Staat, die Behörden, jede Bevormundung überflüssig macht und die Gesetze der uns gestaltenden natürlichen Auslese achtet, gibt dem strebenden Menschen die Bahn frei zur vollen Entfaltung des „Ich“, zu der von aller Beherrschtheit durch andere befreiten, sich selbst verantwortlichen Persönlichkeit, … .“ “Also wenn das Volk fleißig und erfinderisch war, wenn die Ernte von Sonne und Regen begünstigt wurde, wenn viele Erzeugnisse zur Verfügung des Volkes stehen, um Wohnungen und Arbeitsstätten zu erweitern, dann, gerade dann zieht sich das Geld, das den Tausch hier vermitteln soll, zurück und wartet.“ Gesell entdeckte, daß die klassischen Nationalökonomen sich in ihren Ansichten über die Natur des Geldes irrten; und Geld ist eine gefährliche Sache, wenn man nur wenig Kenntnis auf diesem Gebiet besitzt. Geld ist eine Art Macht (die Macht, materielle Wünsche zu befriedigen), die leidenschaftlich von den Menschen erstrebt wird.“ Harper’s Magazine) „Gesell entwickelte geniale Konzeptionen und wurde vergessen, während die jeweiligen weniger genialen Zeitgenossen einige Generationen blendeten.“ (Prof. Oswald Hahn) Die Einführung von Freigeld, und sei es vorerst auch nur auf regionaler Ebene, unterläuft und kompensiert die durch das Zinswirtschaftssystem vorsätzlich erzeugte Geldknappheit und stellt die Weichen für eine gerechte Natürliche Wirtschafts-Ordnung. Damit kann sich das Volk schrittweise aus der Abhängigkeit und Unberechenbarkeit der internationalen Finanzmärkte und der Börsen-Spekulanten befreien. Dann sind auch Projekte finanzierbar, die unterhalb der Rentabilitätsschwelle für das eingesetzte Kapital liegen, die sich also im Zinssystem „nicht rechnen“, zum Beispiel Umweltschutzprojekte. WIR (Wirtschaftsring-Genossenschaft) 1934 Sie wurde 1934 in der Schweiz gegründet, nicht verboten und konnte sich zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor entwickeln. Heute gehören der Genossenschaft 80.000 Schweizer an. Der Umsatz ist auf mehr als 2,5 Milliarden Franken oder 1,5 Milliarden Euro angestiegen. Das System hat sich in über 70 Jahren ausgezeichnet bewährt und ist heute ausgereift. Kredite werden nur mit 1,75 % verzinst, was insbesondere kleine, kapitalschwache Unternehmen begünstigt. Der 35. Präsident der USA, John F. Kennedy, unterzeichnete 5 Monate vor seiner Ermordung am 22. November 1963 den Präsidentenbeschluß „executive order number 11110“, der den Präsidenten der USA ermächtigte, die Herstellung von Banknoten wieder in die Gewalt des Staates zurückzubringen. Die immerhin vier Milliarden Dollar des neuen Staatsgeldes, die noch zu seinen Lebzeiten zinslos der Geldzirkulation zugeführt wurden, haben die Bankiers in einer konzertierten Geheimaktion unauffällig wieder aus dem Verkehr gezogen und gegen normales Schuldgeld ausgetauscht. Die noch in der Staatsdruckerei befindlichen neuen Scheine wurden von ihnen unmittelbar nach dem Attentat klammheimlich und restlos vernichtet. Davon haben seinerzeit weder das amerikanische Volk noch die Weltöffentlichkeit etwas erfahren. Dies war erst dann der Fall, als Kongreßdokumente nach der Jahrtausendwende ans Tageslicht gekommen sind. Die Bankiers haben die Lektion von 1963 gut gelernt, damit ihnen so etwas nicht noch mal passiert. Seitdem wachen sie offenbar mit Argusaugen darüber, daß kein unsicherer Kantonist zum Präsidenten „gewählt“ wird, der sich später als ein Lincoln oder Kennedy entpuppen könnte. „Geld regiert die Welt“ und: „Da kann man auch nichts daran ändern; deshalb muß man eben versuchen, für sich selbst noch das Beste herauszuholen!“ - Das lernen schon die Kinder von den Erwachsenen. Einer, der sich damit nicht abfinden wollte, und der deshalb auch bis heute in den Medien, Schulen und Universitäten hartnäckig totgeschwiegen wird, ist der deutsch-argentinische Kaufmann und Sozialreformer Silvio Gesell (1862-1930). Hier einige Zitate aus seinem 1916 erschienenen Hauptwerk „Die Natürliche Wirtschafts-Ordnung durch Freiland und Freigeld“, wo er in seiner unnachahmlich plastischen Ausdrucksweise, für die er sich fast noch entschuldigt: „In einfachem kaufmännischen Stiel geschrieben“, die wirtschaftlichen, politischen und monetären Zusammenhänge beschreibt: Ich … will hier gleich klipp und klar nachweisen, daß, solange der Staat neben der Menge des Geldes nicht auch noch den Umlauf des ausgegebenen Geldes beherrscht, alle die hier aufgedeckten Widersprüche des Geldumlaufes ungelöst bleiben. Solange das Geld als Ware betrachtet besser als die Ware im allgemeinen ist, solange man von Geldvorrechten spricht, solange namentlich die Sparer das Geld den Waren (ihren eigenen Erzeugnissen) vorziehen, solange die Wucherspieler das Geld ungestraft zu ihren Angriffen mißbrauchen können, wird das Geld den Austausch der Erzeugnisse nicht ohne eine vom Handelsgewinn gesonderte Abgabe vermitteln. Und das Geld soll doch „ein Schlüssel und kein Riegel des Marktes“ sein, es soll eine Straße und kein Schlagbaum sein; es soll den Austausch fördern, verbilligen, nicht hemmen und belasten. Und es ist doch klar, daß ein Geld nicht zugleich Tausch- und Sparmittel, Peitsche und Bremse sein kann. Deshalb fordere ich neben einer nur durch eine reine Papierwährung ermöglichten Beherrschung der Geldmassen durch den Staat eine vollkommene, sachliche Trennung des Tauschmittels vom Sparmittel. Den Sparern stehen alle Güter dieser Welt zur Verfügung, warum sollen sie ihre Ersparnisse ausgerechnet in Geld anlegen? Das Geld wurde doch nicht gemacht, damit es gespart werden könnte! “Das Angebot steht unter einem unmittelbaren, den Waren anhaftenden, sachlichen Zwang; darum fordere ich einen gleichen Zwang für die Nachfrage, damit bei den Verhandlungen um den Preis das Angebot nicht der Nachfrage gegenüber im Nachteil bleibe.“ “Wie schlecht das herkömmliche Geld sich als Tauschmittel bewährt, das hat die Untersuchung im III. Teil gezeigt. Ein Geld, das gesetzmäßig in der Weise arbeitet, daß es sich zurückzieht, wenn es zu fehlen beginnt, und das in Masse auf dem Markt erscheint, wenn es dort schon übermäßig vertreten ist, kann nur dem Schwindel und Wucher dienen und muß als unbrauchbar bezeichnet werden, mag es auch, rein körperlich betrachtet, manch angenehme Eigenschaften haben.“ “Man hat … aus der Nachfrage eine Willenssache der Geldbesitzer gemacht, man hat die Nachfrage der Laune überantwortet, der Gewinnsucht, dem Wucherspiel und dem Zufall, und dabei hat man völlig außer acht gelassen, daß das Angebot wegen seiner stofflichen Natur diesem Willen gegenüber ganz schutzlos ist. So entstand die Macht des Geldes, die, in Geldmacht umgewandelt, einen unerträglichen Druck auf alle Erzeuger ausübt. … und so haben sie … einen >>Riegel anstelle eines Schlüssels für den Markt<< geschmiedet. Das Geld stößt die Ware ab, statt sie anzuziehen. Man kauft Ware, ja, aber nur, wenn man hungrig ist, oder wenn man dabei einen Gewinn hat. Als Verbraucher kauft jeder nur das Mindestmaß. Irgendwelchen Vorrat will niemand haben; in den Bauplänen sind Vorratskammern niemals vorgesehen. Würde man allen Bürgern heute eine gefüllte Vorratskammer schenken – morgen schon fände man alle diese Vorräte auf den Märkten wieder. Nur Geld wollen die Leute haben, obschon alle wissen, daß dieser Wunsch nicht erfüllt werden kann, insofern als das Geld aller sich gegenseitig aufhebt. Der Besitz einer goldenen Münze ist ja unbestreitbar viel angenehmer. Die Waren mögen die „anderen“ haben. Die anderen! Aber wer sind denn in der Volkswirtschaft diese „anderen“? Wir selbst sind diese anderen; wir alle, die wir Waren erzeugen. Indem wir also als Käufer die Erzeugnisse der anderen zurückweisen, stoßen wir uns alle gegenseitig unsere Erzeugnisse zurück. Wenn wir das Geld nicht den Erzeugnissen unserer Mitbürger vorzögen, wenn wir an Stelle einer angestrebten und doch unerreichbaren Geldrücklage eine Vorratskammer anlegten und diese mit den Erzeugnissen unserer Mitbürger füllten, so bräuchten wir unsere eigenen Erzeugnisse nicht in kostspieligen Läden feilhalten zu lassen, wo sie durch die Handelskosten großenteils aufgezehrt werden. Wir hätten dann einen schnellen und billigen Absatz der Waren.“ Unsere Waren faulen, vergehen, brechen, rosten, und nur wenn das Geld körperliche Eigenschaften besitzt, die jene unangenehmen, verlustbringenden Eigenschaften der Waren aufwiegen, kann es den Austausch der Waren schnell, sicher und billig vermitteln, weil dann solches Geld von niemand, in keiner Lage und zu keiner Zeit vorgezogen wird. Geld, das wie eine Zeitung veraltet, wie Kartoffeln fault, wie Eisen rostet, wie Äther sich verflüchtigt, kann allein sich als Tauschmittel von Kartoffeln, Zeitungen, Eisen und Äther bewähren. Denn solches Geld wird weder vom Käufer noch vom Verkäufer den Waren vorgezogen. Man gibt dann nur noch die eigene Ware gegen Geld her, weil man das Geld als Tauschmittel braucht, nicht weil man vom Besitz des Geldes einen Vorteil erwartet. Wir müssen also das Geld als Ware verschlechtern, wenn wir es als Tauschmittel verbessern wollen. Da die Besitzer der Waren es mit dem Tausch stets eilig haben, so will es die Gerechtigkeit, daß auch die Besitzer des Tauschmittels es eilig haben sollen. Das Angebot steht unter unmittelbarem, eigengesetzlichem Zwang, so soll auch die Nachfrage unter gleichen Zwang gestellt werden. Das Angebot ist eine vom Willen der Warenbesitzer losgelöste Sache; so soll auch die Nachfrage eine vom Willen der Geldbesitzer befreite Sache sein. Wenn wir uns dazu verstehen können, die Vorrechte der Geldbesitzer zu beseitigen und die Nachfrage dem gleichen Zwang zu unterwerfen, dem das Angebot von Natur aus unterliegt, so lösen wir alle Widersprüche des herkömmlichen Geldwesens restlos auf und erreichen damit, daß die Nachfrage völlig unabhängig von allen politischen, wirtschaftlichen oder natürlichen Ereignissen ganz regelmäßig auf dem Markte erscheint. Namentlich werden auch die Anschläge der Wucherspieler, die Ansichten oder Launen der Rentner und Bankmänner ohne irgendwelchen Einfluß auf die Nachfrage sein. Ja, das, was wir „Börsenstimmung“ nennen, wird es überhaupt nicht mehr geben. Wie etwa das Fallgesetz keine Stimmungen kennt, so wird es sich auch mit der Nachfrage verhalten. Keine Furcht vor Verlusten, keine Erwartung eines Gewinns wird die Nachfrage beflügeln oder hemmen können. “So wird die Nachfrage unter allen denkbaren Verhältnissen immer mit der von den gegebenen Handelseinrichtungen gestatteten Umlaufsgeschwindigkeit der vom Staate beherrschten Geldmassen übereinstimmen.“ Mehr als das ist nicht nötig, um den Austausch unserer Waren vor jeder denkbaren Störung zu sichern, um Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit unmöglich zu machen, um den Handelsgewinn auf die Rangstufe der Tagelöhnerarbeit und des Lohnes herabzusetzen und um in kurzer Zeit den Zins in einem Meer von Kapital zu ersäufen. “Und was kosten uns Erzeugern, die wir durch die Arbeitsteilung das Geld schaffen, diese reichen Gaben eines Geldumlaufzwanges? Nichts als den Verzicht auf das Vorrecht, in die Nachfrage den Eigenwillen und damit die Laune, die Gewinnsucht, Hoffnung, Furcht und Sorge, Angst und Schrecken tragen zu dürfen. Wir brauchen nur die Wahnvorstellung fallen zu lassen, daß man seine eigenen Erzeugnisse verkaufen kann, ohne daß sie ein anderer kauft. Wir brauchen uns nur gegenseitig zu verpflichten, sofort und unter allen Umständen genau so viel zu kaufen, wie wir selbst verkauft haben und, um die Gegenseitigkeit dieser Verpflichtung zu wahren, das Geld so zu gestalten, daß der Verkäufer der Waren durch Eigenschaften des Geldes genötigt wird, dem mit dem Geldbesitz verknüpften Pflichten nachzukommen und das Geld wieder in Ware umzusetzen – persönlich, wenn er selbst Ware gebrauchen kann, durch andere, denen er das Geld leiht, falls er für sich selbst keine Ware braucht.“

Die Chicago Board of Trade (CBOT), gegründet 1848, ist die weltälteste Terminbörse und Teil der CME Group. Mehr als fünfzig verschiedene Termingeschäfte werden durch über 3.600 CBOT-Mitglieder sowohl durch Parketthandel als auch elektronisch abgewickelt. Das Volumen an der Börse im Jahre 2003 erreichte mit 454 Millionen Verträgen einen Rekordstand. Am 12. Juli 2007 wurde der Zusammenschluss der CBOT mit der Chicago Mercantile Exchange zur neuen CME Group wirksam. Aufgrund der Sorgen von US-Händlern, es könnte an Käufern bzw. Verkäufern für Rohstoffe mangeln, entwickelten sie Termingeschäftsverträge, insbesondere für Agrarprodukte wie Getreide, Schweinebäuche, etc. Die CBOT war ein zentralisierter Handelsort, wo Käufer und Verkäufer aufeinander treffen konnten, um ihre Verträge auszuhandeln und abzuschließen. 1864 führte die CBOT die ersten standardisierten börsengehandelten Termingeschäftsverträge ein. 1919 wurde die Chicago Butter and Egg Board, eine Ausgründung der CBOT, umorganisiert, um Termingeschäfte zu ermöglichen, und der Name wurde in Chicago Mercantile Exchange geändert.[1] Am 19. Oktober 2005 erfolgte der Börsengang der CBOT mit 3.191.489 Anteilen zu US$54,00 pro Anteil. Im Tagesverlauf des Aktienhandels an der New York Stock Exchange nahm der Preis um 49% zu auf $80,50. 2007 fusionierten die CBOT und die CME, um die CME Gruppe zu bilden. Seit 1930 befindet sich die Chicago Board of Trade bei 141 West Jackson Boulevard in Chicago. Das Gebäude wurde durch die Architekten Holabird & Root entworfen. Mit 184 Metern Höhe war es das höchste Gebäude in Chicago bis 1965, als das Richard J. Daley Center gebaut wurde. Das Gebäude ist im Art-Déco-Stil gebaut, mit Skulpturen von Alvin Meyer; an der Spitze befindet sich eine 9,5 m große Statue der Göttin Ceres, in einer Anspielung auf die Geschichte der Börse als Rohstoff- und Getreidemarkt. Die Ceres-Figur hat kein Gesicht, weil der Bildhauer, John Storrs, der Ansicht war, das 45-stöckige Gebäude wäre so viel höher als jede andere Struktur in der Gegend, dass niemand in der Lage wäre, das Gesicht überhaupt anzuschauen. Heute ist das Gebäude (das inzwischen als National Historic Landmark anerkannt ist) von anderen (z.T. noch größeren) Wolkenkratzern umgeben im Finanzdistrikt des Chicago Loop. The Pit ist eine erhöhte achteckige Struktur, wo Parketthandel stattfindet. Auf dem Parkett des CBOT befinden sich viele solcher Pits. Die Außenstufen nach oben, und die Innenstufen nach unten bei solchen Pits verleihen ihnen etwas von dem Aussehen eines Amphitheaters und ermöglichen Hunderte von Händlern einander zu sehen und zu hören während der Handelszeiten. Die Bedeutung des Pits und des Handels dort wird unterstrichen durch die Verwendung eines stilisierten Pits als Logo des CBOT. "The Pit" ist auch Titel und Thema eines klassischen Romans aus dem Jahre 1903 von Frank Norris [2].

1. Englands missglückte Invasion Gleich zu Beginn des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich musste nach einer missglückten englischen Invasion in Frankreich der englische König Edward III. im Jahr 1345 die staatlichen Schuldenrückzahlungen an florentinische Bankhäuser einstellen. Das führte dazu, dass mehrere einflussreiche Finanziers in Florenz Bankrott gingen. Damit hatte schon die erste Staatspleite Auswirkungen auf die europäische Finanzwelt. Aber damals hatte Europa ohnehin noch schlimmere Sorgen: Die Pest wütete kurz darauf und dezimierte die Bevölkerung um ganze fünfzig Prozent

2. Der Rekordhalter Spanien Nicht erst seit dem Jahr 2011 hat Spanien finanzielle Schwierigkeiten. Spanien hält den absoluten Rekord im Pleite gehen: schon 13 Mal musste sich das Land insolvent melden. König Philipp II. schaffte es während seiner Regierungszeit sogar dreimal, das Land in die Zahlungsunfähigkeit zu bringen- 1557, 1575 und 1596. In die Geschichte eingegangen ist König Philipp II. aber nicht aufgrund seiner miesen Finanzwirtschaft, sondern aufgrund seines größten Sieges, der Seeschlacht bei Lepanto 1571 gegen die Osmanen und seiner größten militärischen Niederlage, dem Debakel der spanischen Armada gegen die Engländer 1588 3. Tüchtige Kaufleute: Vom finanziell klammen französischen Staat um Geld angepumpt, gründete der Kaufmann Gabriel-Julien Ouvrard 1804 zur Bewältigung der Aufgabe mit einigen Berufskollegen die „Gesellschaft der vereinigten Kaufleute" („La Compagnie des Négociants Réunis"). Die  mit viel Macht und Einfluss ausgestatteten Kaufleute begannen in Mexiko mit Silbergeld zu spekulieren und an den Pleitestaat Spanien Kredite zu vergeben- und verloren damit Millionen aus dem französischen Staatshaushalt. Am 27. Januar 1806 mussten sich Frankreichs mächtigste Kapitaleigner deshalb einen neunstündigen zornigen Vortrag Napoleons anhören, der ihnen mit Haft und Zwangsverwaltung drohte. Der Betrag, den die tüchtigen Kaufleute den französischen Staat letztlich gekostet hatten, belief sich auf 141 Millionen Francs. Deren ungehemmte Vergabe von Krediten sorgte außerdem dafür, dass die Staatsbank von Frankreich nur noch 1,5 Millionen in der Kasse hatte, gegenüber 92 Millionen 4. K&K- Kaiserlicher Konkurs Kaiser Napoleon war Schuld an Österreichs Staatsbankrott 1811: Die Kriege mit Napoleon hatten das Kaiserreich bereits viel Geld gekostet, doch der darauffolgende „Frieden von Schönbrunn" war zu viel für den Staatssäckel. Darin verpflichtete sich der Verlierer Österreich, 85 Millionen Francs Ausgleichszahlungen an Frankreich zu leisten. Als besonders lernfähig erwies sich der österreichische Kaiser allerdings nicht: schon 1812 nahm er wieder so hohe Schulden für den sechsten Koalitionskrieg auf, dass das Land bereits vier Jahre später wieder Pleite ging. 5. Griechenland: Die Korinthen-Krise Griechenland steht jetzt gerade nicht zum ersten Mal vor dem Konkurs. Schon 1893 war es einmal soweit- aufgrund von Korinthen. Auch damals hatten die Griechen hohe Staatsschulden aufgrund der griechischen Revolution und des darauffolgenden Bürgerkrieges von 1821-1829. Die Weinbeeren waren das wichtigste Exportprodukt Griechenlands. Zunächst war der Weltmarktpreis stark gestiegen, da beim Konkurrenten Frankreich Ende der 1870er Jahre die Weinberge von Mehltau befallen waren, doch dann erholten sich die französischen Weinberge und der Weltmarktpreis sank auf ein Sechstel. Griechenland konnte in der Folge seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. 6. Russland: Der Rubel rollt nicht mehr 1998 ging Russland zum fünften Mal in der Geschichte das Geld aus. Der Ölpreis sank aufgrund von Faktoren wie beispielsweise warmen Wetterverhältnissen und der asiatischen Rezession. Damit brachen Russlands Exporterlöse für Erdöl ein, die hochverschuldete russische Wirtschaft war nicht mehr zahlungsfähig. Daraufhin mussten viele staatliche Unternehmen privatisiert werden, um den notwendigen Sparkurs der Regierung zu finanzieren. Gewinner der Krise waren russische Oligarchen, die mit den aufgekauften Energie- und Rohstoffunternehmen ihr Vermögen verdienten. 7. Tanz auf dem Finanz-Vulkan Die weltweite Finanzkrise 2007 stürzte Island in die größte nationale Wirtschaftskrise in seiner neueren Geschichte. In Folge einer liberalen Finanzpolitik der Regierung zwischen 1998 und 2005 wurde der bis dahin überschaubare Bankensektor zum größten Wirtschaftszweig des kleinen Landes und als die internationale Immobilienblase platzte damit auch zu seiner Nemesis. Isländische Banken expandierten im großen Stil ins europäische Ausland und gerieten in den Abwärtsstrudel der internationalen Finanzwelt. Die isländische Regierung verstaatlichte im Oktober 2008 den gesamten Bankensektor, um den Staatsbankrott noch zu verhindern. Trotzdem war Island kurz darauf faktisch zahlungsunfähig, als die Regierung eine fällige Anleihe der Glitnir-Bank in Höhe von 750 Millionen US-Dollar nicht zurückzahlen konnte. Die endgültige Staatspleite konnte nur durch einen Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds und der skandinavischen Nachbarländer abgewendet werden.

Das Prinzip der ständigen Umschuldungen Wenn ein Unternehmen für den Kauf einer Maschine einen Kredit auf­nimmt, werden monat­liche Raten­zahlungen festgelegt, die Zins und Rück­zahlung ("Tilgung") enthalten. Am Ende der Lauf­zeit ist der Kredit voll­ständig getilgt.

Die Kredite, die der Staat aufnimmt ("Staats­anleihen"), werden da­gegen am Ende der Lauf­zeit in einer Summe getilgt. Während der Lauf­zeit zahlt der Staat nur Zinsen.

Diese Besonderheit wird vom Staat seit Jahr­zehnten auf verhäng­nis­volle Weise miss­braucht! (Und prak­tisch alle Staaten der west­lichen Welt machen es ebenso.) Der Staat legt nämlich über­haupt nichts für die Til­gung zurück!

Statt dessen nimmt er am Ende der Lauf­zeit einen neuen Kredit auf und tilgt damit den alten ("Umschul­dung", "Refinan­zierung", "Anschluss­finan­zierung"). Und da der Staat in jedem Jahr mehr aus­gibt, als er ein­nimmt, ist dieser neue Kredit immer höher als der alte! Es ist eine Art Schuldenkarrussel, das sich immer schneller dreht. So hat sich die absurde Höhe der heuti­gen Schulden in Jahr­zehnten aufgebaut. Der deutsche Staat hat inzwischen mehr Schulden, als er in vier Jahren an Steuern einnimmt! Es ist komplett ausge­schlossen, dass dieses Geld jemals zurück­gezahlt wird!

Und damit wird die ganze Anfällig­keit der Staats­finan­zierung deutlich. Tag für Tag braucht Deutschland Anschluss­finan­zierungen von mehr als 1 Mrd. €. Das ist brand­gefähr­lich. Der Staat muss nur für eine ein­zige Anleihe keine Anschluss­finan­zierung finden, dann ist er "zahlungs­unfähig" und wird von dem Tag an über­haupt keine Anschluss­finan­zierungen mehr finden.

Er hat sich auf diese Weise kom­plett ab­hängig gemacht von seinen Gläubigern. Der ameri­kanische BlackRock-Fonds beispiels­weise verwaltet gigan­tische Geld­beträge, über 2000 Mrd. €. Wenn so ein Fonds über einen Staat den Daumen senkt, ist es aus: Dann kolla­bieren die Staats­finanzen, und die Finanzen von Banken, Unter­nehmen und Privat­leuten dieses Staates folgen! Als genau das Griechen­land im Mai 2010 drohte, setzten die ver­zwei­felten Maß­nahmen ein, die seit­dem die Schlag­zeilen beherr­schen.

Stand: 8. Juli 2012

Die Gläubiger: Wer leiht dem Staat so viel Geld? Wer die Gläubiger des Staates sind, ist nicht bekannt! Das Statistische Bundesamt ermittelt, wie viele Huf- und Hasentiere jährlich geschlachtet werden und wie groß die Heide­flächen in Sachsen-Anhalt sind. Aber wer dem Staat 2.000 Mrd. € geliehen hat - das wird nicht gefragt!

Nur von der Bundesbank gibt es eine Statistik, in der die Gläubiger in gerade mal fünf grobe Kategorien eingeteilt werden (Quellen 4-8).

Das hat wohl seinen Grund. Jahr für Jahr müssen Kredite in Höhe von über 370 Mrd. € (!) nach Ablauf der vereinbarten Lauf­zeit zurück­gezahlt werden. Das kann der Staat nicht, also muss er neue Gläubiger finden ("Umschuldung"). Die darf man nicht durch Neugier reizen. Es wird viel illegal erworbenes Vermögen dabei sein. Und andere Staaten fragen auch nicht.

So bleiben wichtige Fragen offen, die mit einer genauen Aufschlüs­selung der Gläubiger zu beantworten wären:

Wie sind die Einkommens­verhältnisse der Gläubiger? Das könnte die Frage beantworten, ob Staats­verschuldung "Umverteilung von unten nach oben" ist, ob also die Arbeit­nehmer mit ihrer Lohn­steuer und die Verbraucher mit ihrer Umsatz­steuer Zinsen an die Wohlhabenden zahlen.

Wer verbirgt sich hinter der Gruppe der auslän­dischen Gläubiger? Da werden viele Deutsche darunter sein, die über auslän­dische Banken deutsche Staats­verschuldungspapiere kaufen. Die Frage ist interessant für die Kosten der Staats­verschuldung: Inländische Gläubiger zahlen hier Steuern auf ihre Zinsen, auslän­dische Gläubiger nicht.

Aus Veröffent­lichungen der Gläubiger, z.B. aus Unternehmens­bilanzen, ist aber ungefähr bekannt, woher das Geld kommt. Insbesondere Invest­fonds wie BlackRock, die Banken finanzieren die Staats­verschuldung. Daneben sind es Lebens­versicherungen, die die Beiträge der Versicherungs­nehmer in Staats­anleihen anlegen. Aber auch Privat­leute und Firmen erwerben Bundes­schatz­briefe, kommunale Schuldverschreibungen und andere Wert­papiere, die der Staat ausgibt.

Diese Papiere werden auf dem Renten­markt gehandelt, dort verkaufen Gläubiger ihre Forderungen an andere Gläubiger, und dort nimmt der Staat neue Kredite auf. Wegen der Tag für Tag notwendigen Umschuldung ist dieser Markt für den Staat von extremer Bedeutung. Denn hier wird der Zins festgelegt, zu dem der Staat neue Gläubiger findet.

Wenn die Gläubiger das Vertrauen verlieren, dass alles pünktlich zurück­gezahlt wird, werden sie neue Anleihen nicht zeichnen: Dem Staat ginge binnen Wochen das Geld aus; die Gehälter im öffent­lichen Dienst, die Renten, die Sozialhilfe, alles könnte nicht mehr vollständig und pünktlich bezahlt werden.

Es wäre schon folgenschwer, wenn nur ein Teil der Gläubiger das Vertrauen verliert. Die übrigen Gläubiger ("Investoren") würden Anleihen nur zu einem höheren Zins­satz zeichnen. Bei der ungeheuren Höhe der Staats­schulden ginge es schnell um Milliarden-Beträge, die der Staat jährlich mehr an Zinsen zahlen müsste!

Stand: Juli 2012

Hauptziel Hauptziel der Freiwirtschaft ist eine stabile, sozial gerechte Marktwirtschaft. In einem freiwirtschaftlich organisierten Wirtschaftssystem sollen Produktion und Konsum über den Markt vermittelt werden (Marktwirtschaft). Private oder öffentliche Unternehmen tragen das geschäftliche Risiko und erwirtschaften mit dem Kapitaleinsatz eine gewinnabhängige Rendite. Das Geldvermögen ist mit einem Negativzins belegt, wodurch es als „umlaufgesichert“ gilt. Damit soll die Umlaufgeschwindigkeit des Freigelds erhöht werden, wodurch genügend Mittel für Investitionen bereitstünden. Mit dem Freigeld würde sogar ein Absinken des allgemeinen Marktzinsniveaus auf 0% (oder gar darunter) erlaubt. Gleichzeitig sollen mittels der Freilandreform die gegenleistungslosen Einkommen, die durch Landbesitz entstehen und sich systemisch nicht eliminieren lassen, an die Allgemeinheit abgeführt und vergesellschaftet werden. Die Reformforderungen der vor allem in den 1920er Jahren im deutschsprachigen Raum großgewordenen Freiwirtschaftsbewegung werden oft mit „F.F.F.“ zusammengefasst: Freigeld, Freiland, Festwährung. Freigeld (Geldreform) Hauptforderungen der Geldpolitik sind: Einführung einer umlaufgesicherten Währung Abschaffung des Goldstandards Silvio Gesell forderte die Abschaffung der bis dahin weltweit verbreiteten Golddeckung, weil nur eine begrenzte Menge Gold für den Geldkreislauf zur Verfügung steht, während eine Wirtschaft beinahe unbegrenzt wachsen kann. Goldmangel könnte deflationäre Zustände verursachen, Goldüberschuss könnte destabilisierende Inflation zur Folge haben. In der freiwirtschaftlichen Theorie ist das grundsätzliche Problem des Geldes das der fehlenden Lagerkosten. Zwei Ansätze gibt es, um dies zu verdeutlichen: Der Gesellsche Ansatz basiert auf der Analyse von Pierre-Joseph Proudhon, welche besagt, dass der Geldbesitzer gegenüber dem Besitzer bzw. Anbieter von Waren, Produkten, Dienstleistungen sowie Arbeitskraft einen entscheidenden Vorteil besitzen würde: Durch das Lagern von Waren, Produkten und Dienstleistungen entstünden laufende Kosten, bei Geld aber nicht. Dadurch würde der Geldbesitzer (die Nachfrage) einen systemischen Vorteil gegenüber dem Angebot erhalten, was dazu führen würde, dass Geld teurer verkauft würde als Waren. Diesen zusätzliche Wert definiert er als den „Urzins“ (geschätzte Höhe: 3–5%). Investitionen würden seiner Meinung nach nicht getätigt, läge der allgemeine Marktzins unter drei Prozent. Stattdessen würde es als liquides Mittel gehalten und gemäß Gesell zu Spekulationszwecken verwendet. Aus Perspektive der Anleger entstünde der Anlagenotstand, aus Perspektive der Unternehmer entstünde der Eindruck der Kapitalknappheit. Deflation und Spekulationsblasen wären erfahrungsgemäß die Folgen solcher Situationen. Als Gegenmittel dazu bietet Gesell die Umlaufsicherung an, welche sicherstellen soll, dass weiterhin das mit negativem Zins belegte Geld investiert würde. Die Umlaufsicherung soll sich deshalb wie eine Steuer auf Liquidität auswirken, um die Umlaufgeschwindigkeit zu steuern. Dadurch soll – nach freiwirtschaftlicher Annahme – Vollbeschäftigung, vergleichbar mit einer permanenten Hochkonjunktur eintreten, wodurch die Löhne stiegen, während gleichzeitig die Preise real fallen würden. Ein derartiges "Freigeld" erfüllt nicht die Geldfunktion "Wertaufbewahrungsfunktion". Freiland Ein weiterer Kritikpunkt der Freiwirtschaft an der bestehenden Verteilung der Produktionsgüter und Mittel ist das private Eigentum am Boden. Es verschafft seinen Eigentümern generell eine Bodenrente, die ihnen als leistungsloses Einkommen zufließt, sowohl bei Selbstnutzung der Grundstücke wie auch beim Verpachten und Vermieten. Nach freiwirtschaftlicher Auffassung soll die Bodenrente nicht in private Verfügung gelangen, sondern der Allgemeinheit zukommen, weil Boden ein Produkt der Natur und kein vom Menschen geschaffenes Gut ist, und der Wert, und damit die Bodenrente, nur durch die Allgemeinheit entsteht. Durch eine Bodenreform will die Freiwirtschaft öffentliches Eigentum am Boden mit dessen privater Nutzung verbinden. Dazu fordert sie, allen Boden gegen volle Entschädigung seiner bisherigen Eigentümer in öffentliches Eigentum zu überführen, zum Beispiel in Eigentum der Gemeinden. Die bisherigen Eigentümer behalten dabei das Nutzungsrecht an ihren Grundstücken gegen Entrichtung einer regelmäßig wiederkehrenden Nutzungsabgabe an die öffentliche Hand. Boden in bis dahin öffentlichem Eigentum, der nicht ausdrücklich für öffentliche Zwecke gebraucht wird, soll an die Meistbietenden zur Nutzung vergeben werden. Im Unterschied zum Boden dürfen und sollen darauf befindliche oder künftig zu errichtende Einrichtungen wie Gebäude oder gewerbliche Anlagen weiterhin Privateigentum sein und können privat genutzt werden, weil sie aus menschlicher Arbeit hervorgegangen sind. Die Rechte zum Vermieten oder Verpachten solcher Einrichtungen bleiben nach freiwirtschaftlicher Vorstellung gewährleistet, nicht jedoch das private Verpachten der Bodennutzung. Wer Boden benötigt und nutzen möchte – sowohl Privatpersonen wie juristische Personen, sowohl bisherige Eigentümer wie neue Nutzer –, soll der zuständigen Bodenverwaltungsbehörde für die Nutzung des Bodens regelmäßig wiederkehrend eine Nutzungsabgabe entrichten, welche in ihrer Höhe ungefähr der Bodenrente entspricht. Die Höhe der Abgabe sollte je nach Begehrtheit des betreffenden Grundstücks bemessen sein und kann zum Beispiel in einer Versteigerung von Nutzungsrechten als Höchstgebot ermittelt werden. Damit wäre die Höhe der Nutzungsabgabe entsprechend marktwirtschaftlichen Prinzipien durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Diese Bodenreform bedingt die Schaffung einer rechtlichen Trennung zwischen Boden und darauf befindlichen Einrichtungen, wogegen das bestehende Recht nicht zwischen Boden und Bauten unterscheidet, sondern beides zusammen als Grundstück bezeichnet und rechtlich als Ganzes behandelt. Mit der neuen Ordnung wären Handel und Spekulation mit Boden nicht mehr möglich, nach wie vor jedoch Kauf und Verkauf der privaten Einrichtungen. Beim Verkauf eines Bauwerks müsste der Käufer vom Verkäufer auch den Bodennutzungsvertrag mit der betreffenden Behörde übernehmen. Mit der Bodennutzungsabgabe wird die Bodenrente der Allgemeinheit zufließen. Gesell selbst plante, das durch die Vergesellschaftung der Bodenrente gewonnene Geld als Mutterrente, eine Art hohes Kindergeld, an die Mütter zu verteilen, um diese wirtschaftlich unabhängig von Männern zu machen. Eine Bodenreform nach freiwirtschaftlichem Modell wäre notwendig, um zu verhindern, dass Großgeldbesitzer, deren leistungslose Einkommen aus Zinsen nach der Einführung von Freigeld beschnitten sein würden, auf den Aufkauf von Grundstücken ausweichen. Dadurch würden die Grundstückspreise in unermessliche Höhen klettern und damit auch die Bodenrente in privater Hand, sehr zum Nachteil aller Übrigen, weil jeder Mensch zum Leben und Arbeiten auf Boden angewiesen ist. Gesell bezieht sich dabei auf die Landreform-Theorie von Henry George. Diese sieht für Land eine Eigentumssteuer in einer Höhe vor, die die Grundrente angemessen neutralisiert. Gesell hält dabei aber Freiland für die systemisch überlegene Lösung. Freihandel Ein weiterer Aspekt, der zur Freiwirtschaft gehört, ist der Freihandel. Damit ist die Abschaffung nationaler Wirtschaftsgrenzen gemeint. Da Freihandel von praktisch allen Ökonomen gefordert und befürwortet wird, ist Freihandel der einzige Freiwirtschaftliche Aspekt, der sich soweit global durchzusetzen scheint. Organisationen wie die WTO üben international großen Druck auf Staaten aus, Zoll- und Importbarrieren zu reduzieren und Exportsubventionen abzuschaffen, in der mit der ursprünglichen Freiwirtschaftsbewegung übereinstimmenden Überzeugung, dass intensive Handelsbeziehungen und -Verflechtungen einen langfristigen Frieden zwischen den Ländern der Welt sicherstellen.

Inflation

Die Geldmengen M1 bis M3 Laut der Quantitätsgleichung erhöht eine Umlaufsicherung die Umlaufgeschwindigkeit . Dies hat prinzipiell denselben Effekt wie die Erhöhung der Geldmenge . Das Preisniveau würde sich proportional zur Umlaufgeschwindigkeit erhöhen, was sich in der Wirkung als vorübergehende, aber dramatische Inflation vorhersehen lässt. Nicht berücksichtigt wird allerdings, dass man eine Währung nur teilweise auf Freigeld umstellen kann und dass das Handelsvolumen durch die erhöhte Güternachfrage in der Freiwirtschaft auch steigt. Auch kann eine einfache Erhöhung der Geldmenge zu einer gleichzeitigen Senkung der Umlaufgeschwindigkeit führen, wenn Geld von der Geldbasis und , welches eine hohe Umlaufgeschwindigkeit aufweist, zurückgehalten oder angespart und dadurch zur Geldmenge oder gar wird, welche geringere Umlaufgeschwindigkeiten aufweisen. Diese Verlagerung auf Geldmengen mit geringerer (bzw. keiner) Umlaufgeschwindigkeit entsteht, wenn Menschen auf Preissenkungen hoffen und dadurch Geld zurückhalten oder wenn einzelne Menschen ein sehr hohes Einkommen haben, welches sie nicht unmittelbar verwenden können, ansparen und somit aus dem Geldkreislauf wieder herausnehmen, was dazu führt, dass sich das Geldvermögen dieser Menschen erhöht ohne einen Beitrag zum Handelsvolumen zu leisten. Diesen Effekten wird beim Freigeld durch die Umlaufsicherung entgegengewirkt, denn hier entsteht die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit durch die Verlagerung der lang- bis mittelfristig angelegten Geldmengen und auf die rasch zirkulierenden Geldmengen und

Die Geldmenge ist eine wichtige ökonomische Größe, weil sie im Zusammenhang mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen steht und Hinweise auf die zukünftige Preisentwicklung liefert. Die Geldmengendefinition ist nicht ganz einheitlich; im Folgenden wird beispielhaft die Geldmengendefinition der Europäischen Zentralbank dargestellt. Die Geldmenge M0, auch Geldbasis genannt erfasst das Zentralbankgeld. Um den Umfang des geschöpften Giralgeldes zu messen, beobachtet die Zentralbank die Geldmengen M1-M3, die den Geldbestand von Nichtbanken erfassen. Die Geldmengen M1-M3 werden nach dem Grad der Verfügbarkeit des Geldes für die Bankkunden unterteilt.[6] Die Geldmenge M1 umfasst das Bargeld und die Sichteinlagen, also die innerhalb von einem Tag abrufbaren Bankguthaben (Girokonto, Tagesgeldkonto).[7] Die Geldmenge M2 umfasst M1 und Spareinlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten und Termineinlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.[8] Die Geldmenge M3 beinhaltet M2 und zusätzlich Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und Geldmarktpapiere sowie Bankschuldverschreibungen mit einer Ursprungslaufzeit von bis zu zwei Jahren.[8]

Sichteinlage ist im Kreditwesen die Bezeichnung für Bankguthaben, bei denen keine Laufzeit oder Kündigungsfrist vereinbart ist oder deren Laufzeit oder Kündigungsfrist weniger als einen Monat beträgt. Regelfall sind die täglich fälligen Sichteinlagen. Der Begriff stammt von Einlagen, über die der Gläubiger auf Sicht – also jederzeit – durch Barabhebung oder im unbaren Zahlungsverkehr verfügen kann, ohne seine Absicht dem kontoführenden Kreditinstitut vorher anzeigen zu müssen. Eine Rückkaufvereinbarung oder Repo (engl. Kurzform für Sale and Repurchase Agreement) ist ein kurzfristiges Finanzierungsinstrument, mit einer Laufzeit von im Allgemeinen nicht mehr als einem Jahr, häufig sogar nur wenigen Tagen oder einer Nacht (sog. Overnight-Repo). Ein Repo stellt aus Sicht des Wertpapierverkäufers (Seller) eine Finanztransaktion dar, die einen gleichzeitigen Verkauf und Rückkauf eines Gutes (in der Regel Wertpapiere) kombiniert. Dabei handelt es sich um echte Pensionsgeschäfte, bei denen während der Laufzeit das Eigentumsrecht des Verkäufers am Gut auf den Käufer übergeht Struktur Bei einer Rückkaufvereinbarung verpflichtet sich der Pensionsgeber (auch Kreditnehmer, cash taker oder cash borrower, Verkäufer nimmt Repo-Position ein), dem Pensionsnehmer (auch Kreditgeber oder cash lender, Käufer nimmt Reverse-Repo-Position ein) Vermögensgegenstände – in der Regel festverzinsliche Wertpapiere – gegen Erhalt einer vereinbarten Geldsumme zu überlassen und bei Laufzeitende, gegen (Rück-)Zahlung der vereinbarten Summe plus Zinsen, wieder zurückzunehmen. Da sich der Pensionsnehmer verpflichtet, identische Wertpapiere am Laufzeitende zu liefern, handelt es sich hierbei um ein echtes Wertpapierpensionsgeschäft. Rückkaufvereinbarungen sind Bestandteil des Geldmarkts und dienen institutionellen Anlegern, vorrangig Banken, zur Beschaffung von Liquidität im Interbankenhandel sowie bei Zentralbanken im Rahmen von Offenmarktgeschäften. Daneben werden kurzfristige Rückkaufvereinbarungen von Instituten, in deren Sitzstaaten es eine risikounabhängige Eigenkapitalkennziffer (sog. leverage ratio) gibt, vielfach dazu genutzt, zum Meldezeitpunkt die Bilanzsumme abzusenken, um so die Eigenkapitalanforderungen ebenfalls zu senken[1] (Window Dressing).

Die Offenmarktpolitik ist das wichtigste Instrument der Geldpolitik, mit dem die Zentralbank die Giralgeldschöpfung (durch die Geschäftsbanken) beeinflusst. Die Zentralbank bietet den Geschäftsbanken bestimmte festverzinsliche Wertpapiere zum Kauf an oder kauft selbst Wertpapiere von den Geschäftsbanken (Offenmarktgeschäfte). Kaufen die Geschäftsbanken Wertpapiere von der Zentralbank, reduziert dies ihre Kontoguthaben bei der jeweiligen Zentralbank. Verkauft eine Geschäftsbank Wertpapiere an die Zentralbank, erhält sie im Gegenzug (Aktivtausch) Zentralbankgeld (bare, unbare Reserven), welche sie für die Erfüllung der Mindestreserven zu Kreditschöpfung verwenden kann.[1] Die Offenmarktgeschäfte können insbesondere nach Wahl der Offenmarktinstrumente (z.B. befristete Transaktionen, Devisenswaps, endgültige Käufe), der Laufzeit der Instrumente, dem Durchverführungsverfahren, dem Durchführungsrhythmus (regel- oder unregelmäßig) und dem Zuteilungsverfahren unterschieden werden. Bei den Offenmarktgeschäften dominieren die so genannten befristeten Transaktionen, das sind solche Kreditgeschäfte bei denen die Zentralbank notenbankfähige Sicherheiten im Rahmen von kurzfristigen Rückkaufvereinbarungen unter variablen Zinssätzen kauft. Diese Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Haupttender) erfolgen in Form von Pensionsgeschäften oder Pfandkrediten. Bei Pensionsgeschäfte werden die Sicherheiten (i.d.R. Wertpapiere) von den Geschäftsbanken an die Zentralbank entsprechend der Laufzeit bis zur Rückkaufvereinbarung übertragen (auch in „Pension“ gegeben). Die Geschäftsbank erhält im Gegenzug liquide Mittel in Form von Zentralbankgeld (Sekundärliquidität). Bei Pfandkrediten bleiben die Sicherheiten im Eigentum der Banken. Weitere Offenmarktgeschäfte sind längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (Basistender), Feinsteuerungsoperationen und sonstige strukturelle Operationen. Die Methoden zur Erstplazierung von Wertpapieren durch Ausschreibungen werden in Mengen- und Zinstender ("Tender" = Ausschreibung) unterschieden (Zuteilungsverfahren). Die (administrativen) Durchführungsverfahren unterscheiden sich in Standard- oder Schnelltenderverfahren und in sonstige bilaterale Geschäfte. Offenmarktgeschäfte der EZB Offenmarktgeschäfte sind die wichtigsten Instrumente der EZB und bilden den Mittelpunkt der Geldpolitik des ESZB. Sie dienen zur Steuerung der Zinsen, der Liquiditätslage und zum Aufzeigen des geldpolitischen Kurses. Durch die Offenmarktgeschäfte erhalten die Geschäftsbanken den Großteil ihres Geldes gegen die Verpfändung von Sicherheiten (z. B. Wertpapiere). Die Initiative zu Offenmarktgeschäften geht von der EZB aus. Haupttender → Hauptartikel: Haupttender Der Haupttender ist das Hauptrefinanzierungsgeschäft der Kreditinstitute, welches jede Woche mit i. d. R. einer Woche Laufzeit (bis Anfang 2004 zwei Wochen Laufzeit) von der EZB angeboten wird. Der Tender wird von den nationalen Zentralbanken durchgeführt. Er hat eine gewisse Signalwirkung für Banken. Mit der Begründung eines hohen Finanzierungsbedarfs der Banken zum Jahresende 2007 hat die EZB vorerst einmalig mit 19. Dezember 2007 die Laufzeit wieder auf zwei Wochen erhöht. Der Grund dafür waren die bis auf 4,8 % gestiegenen Zinsen für EZB-Geld einerseits und die Tatsache, dass sich Banken untereinander aufgrund der Bankenkrise kaum noch Geld geliehen haben. Diese Verlängerung führte zu einer Zinssenkung am Geldmarkt bereits im Vorfeld.[2] Durchführungsverfahren Standardtender Der Standardtender ist ein im Eurosystem eingesetztes Tenderverfahren, das im Gegensatz zum Schnelltender innerhalb von 24 Stunden durchgeführt wird. Der Standardtender kann sowohl als Mengentender als auch als Zinstender durchgeführt werden. Er wird üblicherweise bei Hauptrefinanzierungsgeschäften (Haupttender) und längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (Basistender) verwendet. Schnelltender Um Liquiditätsschwankungen schnell ausgleichen zu können, gibt es den Schnelltender, der zu den Feinsteuerungsoperationen der EZB gehört. Dies ist ein Ausschreibungsverfahren für die geldpolitische Feinsteuerung. Die Abwicklung solch eines Geschäftes und die Geldzuteilung erfolgt innerhalb von 1–2 Stunden und wird oftmals mit einer begrenzten Zahl von Kreditinstituten durchgeführt. Bei diesem Tender kann dem Markt Geld entzogen oder zugeführt werden. Er findet nur bei Bedarf statt. Die Vergabe kann auf bestimmte Geschäftspartner begrenzt werden. Zuteilungsverfahren des Zentralbankgeldes Die EZB führte ab dem 1. Januar 1999 bei der Zuteilung zunächst ein Mengentenderverfahren durch, wechselte jedoch aufgrund der Überbietungsproblematik am 27. Juni 2000 zum Zinstenderverfahren. Im Zuge der Finanzkrise wechselte die EZB im Oktober 2008 erneut zum Mengentenderverfahren. Mengentender Beim Mengentender-Verfahren wird der Zinssatz für angebotenes Zentralbankgeld fest vorgegeben. Die Geschäftsbanken machen Gebote in Höhe der gewünschten Geldbeträge, die sie erwerben wollen. Die Zuteilungsquote errechnet sich, indem das insgesamt beabsichtigte Zuteilungsvolumen auf die gesamte Angebotssumme bezogen wird. Das Problem der Mengentender liegt darin, dass die Geschäftsbanken wegen des niedrigen Zinssatzes dazu neigen, höhere Mengengebote abzugeben, als sie eigentlich benötigen (Überbietungsproblematik). Bei der anschließenden Quotelung (Pro-rata-Zuteilung), auch Repartierung genannt, schneiden sie dann besser ab. Zinstender Mit dem Verfahren des Zinstenders kann die Zentralbank ihre Offenmarktgeschäfte durchführen. Die Zentralbank benennt die zu emittierende Geldmenge und legt darüber hinaus einen Mindestbietungssatz fest, das heißt den minimalen Zins, zu dem sie Offenmarktgeschäfte tätigt (als Signal für den geldpolitischen Kurs). Die Geschäftsbanken geben dann ihre Zinsgebote ab. Die Zuteilung des Zentralbankgeldes erfolgt nach dem Ende der Gebote: amerikanischen Verfahren bei dem alle Bieter des Tenderverfahrens zu dem Zinssatz bedient werden, zu dem sie jeweils geboten haben. Der niedrigste Zins, zu welchem noch eine (teilweise) Zuteilung erfolgt, ist der marginale Zinssatz. Die einzelnen Gebote zum marginalen Zinssatz werden hierbei im Verhältnis zum kumulierten Gebot gekürzt – man spricht von Repartierung. Bei diesem Verfahren erhalten die Banken mit den höchsten Zinsangeboten den Zuschlag, d. h. das Geld fließt zu den Banken, die es am nötigsten brauchen (Einführung einer Marktkomponente) holländischen Verfahren bei dem alle zum Zuge kommenden Bieter zum marginalen Zinssatz ("Zinssatz, bei dem die kumulierten Gebote größer sind als der vorgesehene Zuteilungsbetrag"[3]) bedient werden. Wie beim Mengentender wurden von den Banken oft unverhältnismäßig niedrige Zinsgebote abgegeben (sie mussten ja nur den marginalen Zinssatz zahlen). Die EZB verwendete das amerikanische Zinstender-Verfahren. Im Zuge der Finanzkrise ist sie jedoch auf das Mengentender-Verfahren mit vollständiger Zuteilung umgestiegen.[4] Die Abwicklung erfolgt per OMTOS (OffenMarkt Tender Operations-System).[5] Zinseszins Kn = K0 * ((p / 100) + 1)n Kn : Endkapital inkl. Zinsen nach n Jahren K0 : angelegtes Anfangskapital p : Zinssatz in Prozent n : Anzahl der Jahre Wie aus der Zinseszinsformel direkt ersichtlich ist, wird der Zinsfaktor mit der Laufzeit potenziert, um das Endkapital zu berechnen. Der Zinsfaktor ergibt sich, indem der in Prozent vorliegende Zinssatz durch 100 geteilt wird und der Quotient um eins erhöht wird, da das ursprüngliche Kapital erhalten bleibt. Durch die Potenzierung werden Zinserträge der vorangegangenen Jahre mit in die Berechnung einbezogen, so dass es zum Zinseszins kommt. Um die reinen Zinserträge aus Zins und Zinsesins zum Ende der Laufzeit zu berechnen, ist einfach das Anfangskapital vom berechneten Endkapital abzuziehen: Zn = Kn - K0 Zn : Zinsertrag nach n Jahren